Power-Napping: Ein Schläfchen in Ehren …

Kaputt, müde, schlafen (Quelle: Pexel CC0)Wer kennt das nicht: Du bist kaputt vom täglichen Kampf des Lebens, hundemüde und könntest dich hinlegen, um mal ein Nickerchen zu machen. Als Kind kenne ich es von meinem Vater, der als Landwirt oft früh aufstehen musste. Kam er von der Feldarbeit heim, wurde nach dem Mittagessen der Teller auf dem Tisch weggeschoben, Arme auf die Tischplatte, Kopf drauf und dann hat er 10 Minuten oder eine Viertelstunde geschlafen. Gut, die wenigsten von uns arbeiten heute noch auf dem Feld. Aber so ein ‚Mittagsschläfchen‘ wäre ja nicht schlecht und ein Nickerchen zwischendurch geht auch.


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So mancher Zeitgenosse hat im Alter eher das Problem, dass er nicht ein- oder durchschlafen kann und dann ‚Schäfchen zählt‘. Kann mir nicht passieren, ich gehe ins Nachbarzimmer (Büro) und blogge für eine Stunde – statt vielleicht zu nachtschlafender Zeit Fenster zu putzen. Andererseits kennt sicher so mancher auch das Gegenstück: Man arbeitet am Schreibtisch, will etwas lesen oder TV schauen, und ist plötzlich todmüde. Speziell nach dem Essen setzt durch die Verdauung häufig eine bleierne Müdigkeit ein.

Power-Napping auf der Arbeit

Bei meinem letzten Arbeitgeber vor der Selbständigkeit hatte man mir so 1990 auch diverse Management-Kurse spendiert. In einem dieser Kurse wurde uns autogenes Training beigebracht. Es galt sich zu entspannen und ‚die innere Mitte‘ zu finden. Tscha, und das war dann der Punkt, wo ich beim autogenen Training regelmäßig nach 30 – 60 Sekunden in den Schlaf versank. Ich war bei den anderen Kursteilnehmern und dem Trainer dafür berüchtigt – konnte ich doch immer und überall für wenige Minuten in ‚mein Power-Napping‘ verfallen. Zur Entspannung habe ich mir immer den Blick auf die Fuji-Seen vom Fujiyama ins Gedächtnis gerufen und dann vorgestellt, alle Muskeln zu entspannen – schon war ich weg. Hat mir viel gebracht …

Auch wenn ich später im Büro, bei der Arbeit, müde wurde, habe ich die Bürotür zu gemacht, mich in den Bürosessel gesetzt, kurz entspannt, an den Fujiyama gedacht, und war für 10 Minuten in Power-Napping versunken. Danach ließ sich frisch weiter arbeiten. Da war es mir egal, ob es 11:00 Uhr, Mittag oder 14:00 Uhr war.

Büroschlaf
(Quelle: Pexel, freie Verwendung)

Auch beim Sport, wenn es am Ende einer Session noch 5 – 10 Minuten Entspannung gibt, kann ich die Stimme der Kursleiterin gut ausblenden und bin binnen Sekunden im Nirvana …

Auditorium am Flughafen …

Ich erinnere mich auch an eine Dienstreise nach Österreich, wo ich über den Flughafen Salzburg nach Hause reisen sollte. War ein warmer, aber langer und arbeitsreicher Tag gewesen und ich saß am Flughafen, um auf das Öffnen des Gates zum Boarding zu warten. Ich hatte mir ein Taschenbuch gegriffen und begann zu lesen … Kaputt, müde, schlafen (Quelle: Pexel CC0)im Hintergrund Lautsprecherdurchsagen und vor mir wuselten die Leute. Und dann setzte plötzlich die Erinnerung aus …

… als ich nach 10 oder 15 Minuten aus ‚meinem Koma‘ erwachte und um mich blickte, sah ich das grinsende Gesicht eines Kollegen, der neben mir saß und meinte ’schau mal, was Du für ein Auditorium hast‘. Um mich herum standen in einem Halbkreis vielleicht 20-40 Leute, die mir beim Schlafen zugesehen haben mussten und nun plötzlich zu klatschen anfingen.


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Schlafen bedeutete: Ich saß in meinem Sitz am Flughafen, die Hände vor dem Bauch gefaltet und das offene Buch mit dem Daumen in den gefalteten Händen haltend. Die Augen geschlossen, wie der Papst beim Beten – und das im Gewusel des Flughafen-Terminals – mich konnte nix aus der Ruhe bringen – was der Menge wohl aufgefallen war. Und wenn einer stehen bleibt und schaut, werden es schnell mehr. Mein Glück: Damals gab es noch keine Handys – wäre vielleicht wie hier ausgegangen. Aber ich war erfrischt und für neue Herausforderungen des Lebens bereit.

Power-Napping ist gesund

Das Power-Napping, welches ich dann immer als autogenes Training deklariere (obwohl ich keine Gedanken zur Entspannung oder Selbstmotivation mehr einbaue), praktiziere ich noch heute. Werde ich beim Schreiben müde, lege ich mich im Büro auf den Teppich oder gehe nebenan ins Schlafzimmer und halte 10 Minuten ‚Power-Napping‘. Danach bin ich frisch und erholt und bereit für neue Taten an der Tastatur.

Schlaf
(Quelle: Pexels/Pixabay CCo Licence)

Sollte eigentlich jeder, sofern möglich, praktizieren. In modernen Firmen wird Power-Napping praktiziert, denn er wird von Experten wegen der positiven Wirkungen empfohlen. Statt Kaffee in Mengen zu trinken, um das Mittagstief zu überwinden, kann ein kurzes Nickerchen von 10-15 Minuten die Energiereserven des Körpers und vor allem des Gehirns wieder auffüllen. Studien belegen auch die positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Power-Nappings. Das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sinkt, die Lebenserwartung steigt, so das Fazit von Medizinern. Einige Details lassen sich beispielsweise in diesem Artikel der Apothekenrundschau nachlesen. In diesem Sinne: Ein Schläfchen in Ehren, sollte sich niemand verwehren.

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