Musik zum Sonntag: The Foggy Dew – Ye Jacobites by Name

Plattenspieler mit LP, Word Record Store DayIn der heutigen Musik zum Sonntag habe ich ein Irish Folk Rock-Stück Ye Jacobites by Name zu einem alten Thema mitgebracht, welches von einer recht jungen deutschen Irish Folk Gruppe The Foggy Dew aus Westfalen neu und recht frisch interpretiert wurde. Der Gruppenname ‚Nebeltau‘ (foggy dew) passt zur Jahreszeit. Zudem gibt es eine Geschichte dazu, warum ich gerade wieder auf das Stück kam … meschugge der Alte, wenn man das liest.


Anzeige

The Foggy Dew ist einerseits eine irische Ballade zum Osteraufstand 1916 (wurde von vielen Musikern wie den Dubliners interpretiert), aber auch der Name einer jungen Irish Folk Rock-Gruppe aus Westfalen.  Die Gruppe wurde bereits 1999 (von Dirk W., Hubertus & Stefan) gegründet. Später kamen Alexa (Geige) und Dirk L. hinzu und 2010 gab es die erste CD. Ich weiß nicht genau, wo und wann ich auf die Gruppe aufmerksam wurde – war in der Zeit, als ich Senioren-Computerbücher schrieb und auch viel in YouTube nach diversen Musik-Stilrichtungen gestöbert habe. Die Gruppe bestreitet viele Live-Auftritte. Das Stück The Foggy Dew aus dem Jahr 2009 (Live-Aufnahme) hat mir sofort gefallen.

Und dann bin ich in der Titelliste auf YouTube auf Ye Jacobites by Name gestoßen und war hin und weg. Ye Jacobites By Name ist ein traditionelles schottisches Volkslied. Die ursprüngliche Version geht zurück auf die Jakobiterkriege in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Breiter popularisiert wurde es in der Textversion von Robert Burns aus dem Jahr 1791. Als Folksong-Traditional sowie Scottish Rebel Song ist das Stück fester Bestandteil des angelsächsisch-irischen Folksong-Repertoires. Aufgegriffen von Folk-, Punk- und Pop-Formationen, geht die Anzahl eingespielter Versionen in die Hunderte. Mir gefallen die meisten dieser Versionen nicht sonderlich (zu langsam, Arrangement etc.). Bei der Interpretation von The Foggy Dew war das anders, hat mich sofort angesprochen und so ist das Stück in meine Playlist gewandert … die ich auf dem Handy habe, weil ich in meinen Einsteigerbüchern zu Android (und Windows) genau so was brauchte, um die Funktion des jeweiligen Media Player samt Play-Lists zu erklären.

Und nun kommen wir zum ‚ist der Alte meschugge‘ und zur Geschichte, warum ich in der heutigen Musik zum Sonntag das Stück ausgegraben habe. Bei diesem tollen September-Wetter bin ich immer mal wieder 1-2 Stunden in den Taunuswäldern zum Walking unterwegs gewesen. So auch letzte Woche, als ich vor dem Mittagessen mein Büro zugemacht habe und zu meiner Frau meinte ‚ich laufe noch eine Stunde durch die Taunuswälder, bevor wir Mittag essen‘. Tut aber hier nichts zur Sache, da nicht zur Wahrheitsfindung beitragend (aber Schriftsteller brauchen halt Nebenfiguren, mit denen man die Leserschaft verwirren kann). Als ich dann so durch den spätsommerlichen Taunuswald stiefelte, der Blick konnte gelegentlich, an Stellen mit Baumlichtungen, auf die Rhein-Main-Ebene mit der Frankfurter Skyline schweifen, drangen plötzlich die klaren Töne einer Thin Wistle an mein Ohr. Und nach wenigen Tönen war mir klar: Wow, da läuft Ye Jacobites by Name.

Herbst – Spiegelung in Teich – Gimbacher Hof - November 2018
(Herbst – Spiegelung in Teich – Gimbacher Hof – November 2018)

In der Richtung, wo ich glaubte, dass diese Musik her käme, verortete ich Hof Gimbach mit seinem Apfelwein-Garten und dem Camping-Platz. Mir war sofort klar: Ok, da spielt jemand Irish Folk Rock. Die Musik begleitete mich fast eine halbe Stunde – und irgendwann war ich mir nicht mehr sicher, ob es wirklich der angenommene Ort war, wo die Musik spielte. Drehte ich mich leicht, kamen die Töne der Thin Wistle aus einer neuen Richtung – könnte eine Schule in Kelkheim sein, wo Irish Folk geprobt wird – wegen Corona auf dem Schulhof – dringt dann bei Ostwind kilometerweit, so meine Schlussfolgerungen  …

… und irgendwann war die Musik plötzlich weg. Ok, die sind müde geworden und ich hatte die Stunde Karenzzeit, die meine Frau bis zum Mittagessen gewährt hatte, schon fast verbraten. Also Schwenk in Richtung Hof Gimbach und zum Wohnort zurück, so der Plan. Als ich dann so durch den Wald stiefelte, hub plötzlich die Thin Wistle kurz wieder an – kam vermeintlich vom Hof Gimbach. Und dann hörte ich plötzlich Manau La tribu de Dana (bretonischer Folk) – ‚Wow, da hat ja jemand deinen Musik-Geschmack – unglaublich‘, schoss es mir durch den Kopf. Und dann dämmerte mir: ‚Irgend etwas stimmt nicht, das bist ja Du, der die Musik in meinem Kopf macht. Aber es ist doch deutlich zu hören …‘.

Hab mich sofort an Bruce Willis und einen Film erinnert, wo er sich einen Backenzahn ausbrach. Denn da war ein Chip drin, mit dem die Herrscherschicht die Menschen kontrollieren, deren Position ermitteln und Gedanken lesen konnten. Ich war mir aber sicher, dass meine Kronen keinen solchen Chip enthielten … und dann hörte ich: Die Musik kam aus meiner Hose, Amy Mc Donald hub plötzlich an.


Werbung

Yoa, ich habe die Angewohnheit, mein Handy in die Seitentasche meiner Hose zu stecken. Und gelegentlich wird die Sperre dann durch die Bewegungen des Hosenstoffs aufgehoben und irgend eine App gestartet. Dieses Mal war es die Musik-App aus Android und dann lösten die Bewegungen das Abspielen der Play-List aus. Beim Irish-Folk Titel scheint die Auto-Wiederholung auch aktiviert worden zu sein. Also lief der Titel eine gute halbe Stunde und ich bin dem ‚Phantom im Wald‘ nachgejagt (meschugge eben).

War der Punkt, wo sofort der Gedanke ‚Das ist deine Musik zum Sonntag‘ da war – und dann schoss idee ‚mach was zu den grandiosen bretonischen Folk-Sängern wie Alan Stivell, meine Jugend, oder Leroy Nolwenn La Jument De Michao) in weiteren Folgen der Musik zum Sonntag‘. Ihr seht, auch die Musikthemen gehen mir nicht aus – zudem bekomme ich ja viele Tipps von Leser/innen (danke dafür) und habe Tonnen an Links zu Musikstücken auf meiner Festplatte. Mal schauen, wie viele Jahre mir das Leben noch zugesteht und ich die Musik zum Sonntag präsentieren darf. Ist jedenfalls genial, auf meine alten Tage und das schon seit einigen Jahren, was in dieser Richtung machen zu dürfen. Hätte ich mir in meiner Jugend auch nicht träumen lassen.

Genug geschwätzt, der Titel in der Fassung von The Foggy Dew lässt sich auf YouTube abrufen – andere Interpretationen von weiteren Gruppen gibt es hier und hier – viel Spaß beim Hören. Und vielleicht reicht es ja für einen mentalen Ausflug in Irlands Green oder auf ein Irish Folk Festival, was man vielleicht mal besucht hat. Die Irish Folk-Tage in der Balwer Höhle im Sauerland ist so ein Tipp, obwohl 2020 alles wegen Corona ausgefallen ist. Und schon zuckt es in den Beinen, ein Tänzchen hinzulegen (Mit der Fidel und der Thin Whistle habe ich es leider nicht so – talentfrei würde ich sagen).

Plattenspieler mit LP, Word Record Store Day
(Plattenspieler mit LP, Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Ähnliche Artikel:
Musik zum Sonntag: Irish Stew of Sindidun – Lady of New Tomorrow
Musik zum Sonntag: Poruska Poranya (Порушка-пораня)
Musik zum Sonntag: Otava Yo – Lezginka
Musik zum Sonntag: The Dead South – In Hell I’ll Be In Good Company
Musik zum Sonntag: Johnny Cash – Ghost Riders
Musik zum Sonntag: America – A horse with no name
Musik zum Sonntag – The Hooters – 500 Miles
Musik zum Sonntag: Simon & Garfunkel – The Boxer
Musik zum Sonntag: Compay Segundo – Guantanamera
Musik zum Sonntag: Cat Stevens ‘Lady D’Arbanville’
Musik zum Sonntag – Raise a glass – Mighty Oak
Musik zum Sonntag: Joan Baez The Night They Drove Old Dixie Down
Musik zum Sonntag: Zager & Evans – In the Year 2525
Musik zum Sonntag: Ram Jam – Black Betty
Musik zum Sonntag: Eric Burdon und The Animals
Musik zum Sonntag: Tito & Tarantula ‘After dark’
Musik zum Sonntag: Sonny & Cher – Little Man
Musik zum Sonntag: The Box Tops – The Letter
Musik zum Sonntag: Metallica – Nothing Else Matters
Musik zum Sonntag: The Lords – Poor Boy
Musik zum Sonntag: The Doors – Riders on the Storm
Musik zum Sonntag: Deep Purple – Child in Time
Musik zum Sonntag: The Dead South – In Hell I’ll Be In Good Company
Musik zum Sonntag: Poruska Poranya (Порушка-пораня)
Musik zum Sonntag – The Hooters – 500 Miles
Musik zum Sonntag: Cat Stevens ‘Lady D’Arbanville’
Musik zum Sonntag – Raise a glass – Mighty Oak
Musik zum Sonntag: The Ronnetes – Be My Baby
Musik zum Sonntag: America – A horse with no name
Musik zum Sonntag: Sting – Englishman In New York
Musik zum Sonntag: The Beatles – Come Together
Musik zum Sonntag: Aloe Blacc – I Need a Dollar
Musik zum Sonntag: Nancy Sinatra – Summer Wine
Musik zum Sonntag: Earth, Wind & Fire – September
Musik zum Sonntag: Blues Brothers ‘Rawhide’
Musik zum Sonntag: Chris Rhea – The Road to Hell
Musik zum Sonntag: The Tokens – The Lion Sleeps Tonight
Musik zum Sonntag: Rolling Stones – Living in a Ghost Town
Musik zum Sonntag: AVICI – Hey Brother
Musik zum Sonntag: Kungs – ‘I feel so bad’
Musik zum Sonntag: Blues Magoos – We Ain t Got Nothin Yet
Musik zum Sonntag: Youssou N’Dour – 7 Seconds
Musik zum Sonntag: The Sweet – Fox On The Run
Musik zum Sonntag: Wolfgang Riechmann – Wunderbar
Musik zum Sonntag: Mory Kanté – Yéké yéké
Musik zum Sonntag: The Stranglers – Golden Brown
Musik zum Sonntag: Visage – Fade To Grey
Musik zum Sonntag: Police – Don’t Stand So Close To Me
Musik zum Sonntag: Lost Frequencies – Are you with Me
Musik zum Sonntag: Adrian Celentano – Azzurro
Musik zum Sonntag: Bill Withers – Ain’t No Sunshine
Musik zum Sonntag: The Lovin’ Spoonful – Summer in the City


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Musik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.