Seen am Südpol des Mars nachgewiesen

Neue Erkenntnisse der ESA-Raumsonde Mars Express, die den Mars umkreist. Mit Radarsignalen konnten drei weitere Seen mit flüssigem Wasser unter dem Eis des Mars-Südpols nachgewiesen werden.


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Mars Express ist eine europäische Raumsonde, die seit dem 25. Dezember 200, nach ihrer Ankunft, den Mars umkreist und Fotos sowie wissenschaftliche Messungen vornimmt. Während der Lander Beagle 2 seinerzeit auf dem Mars zerschellte, hat sich Mars Express zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Mars Express führt sieben Messgeräte mit sich. Dazu gehört auch MARSIS (Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionospheric Sounding) mit dem der Marsboden bis in eine Tiefe von fünf Kilometern unter anderem nach Wasser bzw. Eis untersucht werden kann. Die hochauflösende Stereokamera HRSC liefert Bilder mit einer Auflösung von bis zu 10 Metern, aus denen eine dreidimensionale Marskarte erstellt werden kann.

Erste Belege für flüssiges Wasser

Ende November 2005 lieferten Daten von OMEGA Belege dafür, dass in der Frühzeit des Mars große Mengen flüssigen Wassers auf der Oberfläche vorhanden waren. Gleichzeitig lieferte MARSIS Erkenntnisse dafür, dass unter der Oberfläche eines Marskraters möglicherweise Wassereis begraben ist. Nahe dem Nordpol wurde wahrscheinlich ein etwa 1 km dicker Eispanzer unter der Oberfläche gefunden. Im Juli 2018 wurde bekannt gegeben, dass in der Nähe des Südpols flüssiges Wasser unter der Oberfläche gefunden wurde. Die ESA spricht davon, dass ein unterirdisches Wasser-Reservoir entdeckt wurde, das etwa 1,5 km unter dem Eis begraben ist.

Steht alles etwas zum Widerspruch gegen die in diesem Beitrag erhobene Theorie, dass der Mars in seiner Frühzeit nicht warm und feucht gewesen sei.

Drei weitere Seen entdeckt

Jetzt hat die ESA-Sonde Mars Express mit seinem Radar MARSIS drei weitere Seen mit flüssigem Wasser unter dem Eis des Mars-Südpols nachgewiesen. In dieser Mitteilung der ESA heißt es:

Unter Berücksichtigung weiterer Daten und einer anderen Analyse wurden nun drei neue Seen entdeckt. Der größte unterirdische See misst etwa 20 x 30 km und ist von mehreren kleineren Tümpeln umgeben. Es wird angenommen, dass das Wasser sehr salzig ist, damit es bei kalten Temperaturen flüssig bleibt.

Auf der ESA-Seite findet sich auch ein kurzes Video, welches den Fund erklärt. Dazu muss man wissen, dass der der Mars einst wärmer und feuchter war. Damals floss wohl Wasser über die Oberfläche des Planeten, ähnlich wie auf der frühen Erde. Auch wenn es heute nicht möglich ist, dass das Wasser auf der Oberfläche existiert (es verdunstet), eröffnet die neue Erkenntnis gänzlich neue Möglichkeiten. Es könnte sein, dass unter der Oberfläche des Mars ein ganzes System von alten Seen existiert, die vielleicht Millionen oder sogar Milliarden Jahre alt sind. Sie wären ideale Orte für die Suche nach Beweisen für Leben auf dem Mars, wenn auch sehr schwer zu erreichen.

Einige Details

Die beteiligten Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse in diesem Nature Astronomy-Artikel (kostenpflichtig) veröffentlicht. Der Nachweis von flüssigem Wasser durch das Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionosphere Sounding (MARSIS) an der Basis der südpolar geschichteten Ablagerungen in Ultimi Scopuli hat die Debatte über den Ursprung und die Stabilität von flüssigem Wasser unter den heutigen Marsbedingungen neu belebt. Um die Ausdehnung des unter dem Eis liegenden Wassers in dieser Region zu bestimmen, haben die Wissenschaftler Daten aus mehr als 100 Radarbeobachtungen aus den Jahren 2010 bis 2019 verwendet. Dadurch wurde eine erweiterte Radarabdeckung über das Untersuchungsgebiet erreicht.

Die Ergebnisse wurden mit einer neuen Methode zur Analyse des gesamten MARSIS-Datensatzes gewonnen, die auf Signalverarbeitungsverfahren basiert, die normalerweise auf terrestrischen polaren Eisschilden angewendet werden. Die Ergebnisse, so schreiben die Wissenschaftler, untermauern die Behauptung des Nachweises eines flüssigen Wasserkörpers am Ultimi Scopuli und weisen auf das Vorhandensein anderer Feuchtgebiete in der Nähe hin.

Die Wissenschaftler vermuten, dass es sich bei den Gewässern um hypersaline Perchlorat-Solen handelt, die sich bekanntermaßen in den Polarregionen des Mars bilden und von denen angenommen wird, dass sie auf geologischer Ebene bei untereutektischen Temperaturen über einen längeren Zeitraum überleben. Deutschsprachige Artikel mit mehr Details zum neuen Fund finden sich bei heise, bei scinexx oder bei SPON.


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