Nepper, Schlepper, Bauernfänger: Die America Lottery

Nepper, Schlepper, Bauernfänger (oder Vorsicht Falle) war mal eine alte Fernsehsendung (ZDF, 1964) von Eduard Zimmermann, in dem es um Betrug ging. Damals gab es noch kein Internet. Heute sind die Nepper, Schlepper und Bauernfänger im Internet unterwegs. Kleine Kostprobe in Sachen Internetbetrug fällig?


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Die Microsoft Betrugsmasche

Aktuell rufen wieder Betrüger, angeblich im Auftrag der Firma Microsoft, an und wollen mir erzählen, dass mein Computer ein Problem habe. Die Masche ist nicht neu, ich hatte mehrfach im Blog berichtet (siehe Artikel am Ende des Beitrags). Das Telefon klingelt und am anderen Ende meldet sich eine sehr schlecht englisch sprechende Person. Diese gibt sich als Mitarbeiter der Firma Microsoft aus und behauptet, man habe gesehen, dass ein Problem mit dem Computer vorläge. Mal wird behauptet, dass ein Virus gefunden wurde, mal sollen vom Computer illegale Inhalte geladen worden sein.

Aber der 'freundliche' Betrüger verspricht, man könne helfen. Er will, dass das Opfer ein Programm aus dem Internet herunterlädt und auf seinem Windows Computer installiert. Dabei wird entweder Schadsoftware installiert oder der Angerufene abgezockt. Natürlich ist da nichts dran, das sind Betrugsanrufe, in denen es darum geht, dem Angerufenen Geld für unnütze Dienstleistungen abzupressen.

Hintergrund: Microsoft ruft Nutzer niemals so einfach an. Nur wenn ein Benutzer eine Supportanfrage stellt (die kostenpflichtig ist), kann ein Rückruf durch Microsoft-Mitarbeiter erforderlich sein. Dann gibt es aber eine Auftragsnummer, die der Mitarbeiter beim Rückruf nennt. Die oben thematisierten Anrufe erfolgen dagegen aus Callcentern aus dem Ausland (Indien etc.) und haben das Ziel, die Angerufenen abzuzocken.

Daher mein Rat: Bei solchen Anrufen sofort auflegen. Ich selbst bin zwar genervt, mache mir aber einen Spaß, die Betrüger möglichst lange am Telefon zu halten -in der Zeit kann die Person keinen anderen anrufen. Meist lege ich den Handapparat auf den Schreibtisch und arbeite weiter. Dann führe ich laute Selbstgespräche, fluche laut 'Mist, da geht momentan ja gar nichts, Moment, ich muss den Computer neu starten, das dauert' (wahlweise auf Deutsch oder Englisch). Nehme gelegentlich den Telefonhörer wieder auf und gebe dem Anrufenden Antworten, bei denen ich mich dumm stelle.

Ich teste auch schon mal gerne die Flexibilität der Callcenter, indem ich vorgebe, nur eine bestimmte Sprache zu sprechen oder einen Apple-Computer zu haben. Manche Callcenter in Indien sind tatsächlich auf so was vorbereitet – und ich hatte schon mal den Spaß, bis zum Oberguru durchverbunden zu werden, damit mein Macintosh 'repariert werden kann'. Als ich dem sagte, dass ich nur niederländisch spreche, und 'mein Puter is in de garrrden' witterte er irgendwann den 'Betrug' und legte auf (seinen Kalfaktor hatte ich mit dem 'Puter im Garten' gut eine viertel Stunde beschäftigt.

Die America Lottery und der geteilte Gewinn

Und dann schneite die Tage eine E-Mail vom Absender topmailgoesbulk.life in meinen Posteingang. Ich habe den Text mal hier herausgezogen:

Sie wurden ausgewählt, um eine Spende von 1,500.000,00 € von der
Callum Foundation zu erhalten. Ich habe die America Lottery im Wert
von 343 Millionen US-Dollar gewonnen und spende einen Teil davon an
fünf glückliche Menschen und Wohltätigkeitsorganisationen. Diese
Spende erinnert an meinen verstorbenen Sohn, der an Krebs gestorben
ist, und an die Verbesserung des Lebens vieler Menschen, die von
diesem Coronavirus betroffen sind. Beantworten Sie diese E-Mail für
weitere Details.

Der Text drückt einerseits auf die Tränendrüsen und spielt mit der Gier der Empfänger, an diesem phantastischen Lottogewinn teilhaben zu dürfen – gibt noch wohltätige Menschen. Es war auch keine Bitte, Geld zur Begleichung der Unkosten zu überweisen, bevor man an den Gewinn käme (ist sonst üblich).


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Es war auch kein anklickbarer Link dabei, wo man dann seine persönlichen Daten auf einer Webseite eingeben muss. Die obige Mail hat nur einen Zweck: Es wird um Antwort gebeten, d.h. der Absender topmailgoesbulk.life hat sich aus obskuren Quellen jede Menge E-Mail-Adressen besorgt, an die diese Mail ging. Davon kann ein großer Teil längst tot sein. Durch den Köder des Lottogewinns in obigem Text sollen möglichst viel Menschen zum Antworten bewegt werden.

Natürlich gibt es keinen Gewinn, aber der Absender weiß dann, dass die E-Mail-Adresse existiert und benutzt wird. Solche verifizierten E-Mail-Adressen kann er für eigene Phishing- und Spam-Wellen verwenden oder die Adresssammlungen gewinnbringend an Dritte verkaufen. Daher solche Mails unbeantwortet sofort löschen – also auch nicht beschweren, dass man keine Mails mehr haben möchte – denn dann gibt man ja auch preis, dass die Mail-Adresse noch lebt.

Und wie es der Teufel will, surfe ich kurz nach dem Verfassen dieses Beitrags durch Facebook, und was springt mir ins Auge? Der nachfolgende Kommentar, den ein Spammer unter einem Facebook-Nutzer hinterlassen hat.

Betrugs-Posting auf Facebook
Betrugs-Posting auf Facebook

Natürlich ist das Betrug bzw. Bauernfängerei. Es gilt über die angegebene E-Mail-Adresse die E-Mail-Adressen der Antwortenden zu sammeln. Es scheint also eine neue Masche zu sein.

Die Verbraucherzentrale hat die Seite Phishing-Radar aufgesetzt, wo man einige zusätzliche Informationen zu Betrugsmails erhält und sich über aktuelle Warnungen informieren kann.

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