Fehler in Raumkapsel Orion bringt Projekt in Verzug

Orion-RaumschiffDas neue NASA-Raumschiff Orion, welches nächstes Jahr unbemannt zum Mond fliegen sollte, ist kaputt. Der Hersteller Lockhed Martin und die NASA haben einen Fehler gefunden, dessen Beseitigung samt Tests wohl ein Jahr dauern könnte.


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Hintergrund zum Orion-Raumschiff

Die Wikipedia hält die wesentlichen Informationen bereit: Das Orion MPCV (vormals nur als Multi-Purpose Crew Vehicle (MPCV) bezeichnet) ist ein US-amerikanisches bemanntes Raumfahrzeug der NASA, das in Zusammenarbeit mit der ESA gebaut wird. Europa soll das sogenannte Service-Modul beisteuern. Nachfolgend ist eine Abbildung des Orion-Raumschiffs, des Service-Moduls und der Antriebsstufe für den Flug zum Mond zu sehen

Orion-Raumschiff
Orion-Raumschiff mit Antriebsstufe, Quelle: NASA

Das Projekt wurde im Rahmen des Constellation-Programms und der Studie ESAS zuerst unter dem Namen Crew Exploration Vehicle (CEV) und dann Orion CEV konzipiert und teilweise entwickelt und soll zum Transport von Fracht und Personen zur ISS, zum Mond (in Analogie zum Apollo-Raumschiff) und zum Mars (als Raumschiffzubringer und zur Landung) dienen. 2010 wurde das Constellation-Programm samt dem Orion-Raumschiff gestrichen, 2011 jedoch wurde bekannt gegeben, dass das Raumschiff unter seinem jetzigen Namen wieder für ISS-, Mond-, Mars- und Asteroidenflüge geplant wird. Sein erster bemannter Mondflug ist für 2022 geplant. In dem folgenden Video bekommt man an einem Modell (Mockup) einen Eindruck, wie geräumig die Orion-Kapsel im Grund ist.

Quelle: YouTube)

Das Video hier zeigt die Animationen des ersten unbemannten Testflugs zum Mond. Die NASA hat sogar eine deutsche PDF-Dokumentation zum Orion-Raumschiff ins Internet gestellt.

Aber das Raumschiff ist kaputt

Das Raumschiff für den ersten Demonstrationsflug ist fertig mit dem europäischen Service-Modul montiert und befindet sich bereits im Kennedy Space Center in Florida. Mitarbeiter des Herstellers Lockheed Martin haben bei Tests jedoch eine defekte Komponente im Raumfahrzeug entdeckt, die nur schwer zu beseitigen ist. Bei einer sogenannten Power and Data Unit (PDU) treten Fehler auf, wie die NASA hier mitteilt.

Beim Einschalten des Stromversorgung des Raumfahrzeugs zur Vorbereitung der Druckbeaufschlagung des Aufrichtungssystems für das Besatzungsmodul, welches die Kapsel nach der Wasserung aufrichten soll, stellten die Ingenieure ein Problem mit einem redundanten Kanal in einer Energie- und Dateneinheit (PDU) am Adapter für das Besatzungsmodul der Orion fest. Die Orion verfügt über acht PDUs.


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Das Problem: Diese Power and Data Unit (PDU) sitzt unzugänglich zwischen der Raumkapsel und dem europäischen Service-Modul. Und genau ist wohl auch noch nicht klar, wo der Fehler genau in der PDU zu suchen ist. Der Austausch der PDU würde die Trennung der Kapsel vom Service-Modul erfordern – eine Arbeit, die neun Monate erfordert, bis wieder alles zusammen gebaut ist. Hinzu kommen dann noch 3 Monate zusätzlicher Tests. Es wird nun beratschlagt, ob der Austausch der PDU auch noch anders geht, indem eine Verkleidung des Verbindungsstücks zwischen Service-Modul und Raumkapsel demontiert wird – was aber noch nie gemacht wurde und eigentlich nicht vorgesehen ist.

Der erste unbemannte Demonstrationsflug rund um den Mond Ende 2021 ist daher in Gefahr, es sei denn, man lässt die Raumkapsel mit der kaputten PDU fliegen – was eher unwahrscheinlich ist. Ein erster bemannter Flug ist für das Jahr 2023 geplant, eine Mondlandung soll 2024 erfolgen, was ich aber nicht wirklich für realistisch halte. Deutschsprachige Artikel zum neusten Desaster mit der Orion-Kapsel finden sich bei Golem und heise.

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