Sind wir nur durch Zufall auf der Erde?

Zum Abschluss noch eine ein wenig philosophische Frage: Ist alles nur ein großer Zufall, dass die Erde bewohnbar ist und sich dort eine Spezies Namens Mensch entwickelt hat? Aktuell versucht diese Spezies ja alles, um diesen ‚Fehler‘ auszumerzen.


Anzeige

Wir blicken ja auf ein verrücktes Jahr 2020 zurück: Kriege, Katastrophen und auch die Coronavirus-Pandemie, die unser Leben stark beeinflusst hat. Aber in kosmischen Dimensionen ist das ein Fliegenschiss der Geschichte und nicht wirklich relevant.

Das Weltall existiert seit 13,7 Milliarden Jahren

Das Weltall ist nach aktuellem Kenntnisstand um die 13,7 Milliarden Jahre alt, und 420 Millionen Jahre nach dem Urknall gab bereits Galaxien, deren Strahlungsblitze man kürzlich aufgezeichnet hat. Unsere Sonne und die Erde sind deutlich jünger – das Alter der Sonne wird auf 4,603 Milliarden Jahre geschätzt, das der Erde auf 4,543 Milliarden Jahre. Belebt ist die Erde wohl schon seit mehr als vier Milliarden Jahre, die Menschheit gibt es seit ca. 300.000 Jahren, als Homo Sapiens entstand. Kürzlich bin ich beim Stöbern im Internet auf eine sehr interessante Geschichte gestoßen. Wie kommt es, dass die Erde über Milliarden Jahre für Leben geeignet ist und dass sich seit wenigen Millionen Jahren Primaten der Spezies Mensch entwickeln konnten?

Alles nur ein Zufall?

Wir ahnen inzwischen, dass im Weltall Milliarden von Planeten um ferne Sonnen kreisen. Es gibt zwar Planeten in sogenannten habitablen Zonen, von denen angenommen wird, dass sich dort Leben gebildet haben könnte. Aber nur von der Erde wissen wir mit Sicherheit, dass dies der Fall war, denn der Planet ist seit Milliarden Jahren von Leben besiedelt. Hintergrund ist, dass das Klima der Erde über 3 oder 4 Milliarden Jahre hinweg kontinuierlich bewohnbar geblieben ist.  Von Venus und Mars wissen wir, dass sich die ‚Lebensbedingungen‘ auf diesen Planeten in den Milliarden Jahren ihres Bestehens als Planeten dramatisch verändert hat. Venus ist heute eine Gluthölle, während Mars einen Großteil seiner Atmosphäre verloren hat und eine trockene Wüste ist.

Toby Tyrrell, der an der Universität Southampton forscht, hat sich mit der Frage befasst, ob Planeten lange genug eine stabile Umgebung bieten, dass sich Leben entwickeln kann. Dazu hat er die Lebensbedingungen von 100.000 zufällig generierten Planeten mathematisch abgebildet und simuliert, ob sich dort Leben, sofern es entstanden ist, halten kann. Im Artikel Chance played a role in determining whether Earth stayed habitable kommt er zum Schluss, dass die Erde ein ziemlicher Sonderfall zu sein scheint.

Nach Auswertung seiner Simulationen kommt er zum Schluss, dass der Verlust der Bewohnbarkeit eines Planeten wahrscheinlicher ist als dass er über Milliarden Jahre lebenswert bleibt. Es ist also ein großer Zufall, dass die Erde immer noch bewohnbar ist. Alleine bei unserer Sonne hat die Leuchtkraft seit Bestehen des Planetensystems um 30 % zugenommen. Ohne Prozesse, die gegensteuern, sollte dies eigentlich Sterilität zur Folge haben. Darüber hinaus befindet sich das Klima der Erde in einem prekären Gleichgewicht, das sich möglicherweise innerhalb von nur 1 Million Jahren zu tiefgefrorenen Bedingungen verschlechtern kann.

In seiner Arbeit präsentiert er die Ergebnisse einer neuartigen Simulation, in der Tausenden von Planeten zufällig generierte Klima-Rückkopplungen zugeordnet wurden. Jeder Planetenaufbau wurde getestet, um zu sehen, ob er über einen Zeitraum von 3 Milliarden Jahren bewohnbar bleibt. Die konventionelle Sichtweise führt die verlängerte Bewohnbarkeit der Erde ausschließlich auf stabilisierende Mechanismen zurück. In seiner Arbeit zeigt Tyrrell an Hand der Simulationsergebnisse, dass auch der Zufall eine Rolle für das Ergebnis der Bewohnbarkeit eines Planeten spielt. In den meisten seiner Simulationen hieß es irgendwann ‚Game over‘.

Bild der Erde; Apollo 17
(Die Blaue Murmel ist ein berühmtes Foto der Erde, das am 7. Dezember 1972 von der Besatzung des Raumschiffs Apollo 17 auf dem Weg zum Mond in einer Entfernung von etwa 29.000 Kilometern aufgenommen wurde. Es zeigt Afrika, die Antarktis und die Arabische Halbinsel. Quelle: NASA, gemeinfrei)


Werbung

Die langanhaltende Bewohnbarkeit der Erde war also höchstwahrscheinlich eher ein zufälliges als ein unvermeidliches Ergebnis. Details lassen sich dem Original-Artikel entnehmen. Die Kollegen von heise haben das Thema in diesem deutschsprachigen Beitrag aufbereitet. Man kann das Ganze in einem Satz zusammen fassen: Bisher haben wir schlicht Glück gehabt … passt irgendwie zu Silvester … hoffen wir, dass das jährliche Glücksschwein noch ein paar Jährchen hilft. Denn die Menschheit setzt alles daran, diesen großen Zufall irgendwie auszumerzen …

In diesem Sinne: Guten Rutsch ins Jahr 2021.


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Wissenschaft abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Sind wir nur durch Zufall auf der Erde?

  1. Mance sagt:

    Wenn ich dem Link in dem Leserkommentar bei Heise –

    „Habt Ihr die Feinabstimmung des Universums vergessen ?“

    folge und dann noch ein-zwei Videos von dem Harald Lesch anschaue die dort auch noch angeboten werden, dann bestätigt mich das in meiner Ansicht, daß solche Berechnungen zwar ein schöner Zeitvertreib, aber vollkommen sinnlos sind. Die Wissenslücken über die wirklichen Zusammenhänge sind einfach noch zu groß.
    Und eigentlich ist es auch egal; es kommt wie es kommen muß. Wenn mich in diesem Zusammenhang wirklich etwas interessiert dann ist es die Frage, warum das ganze Primborium (das Universum)? Für was soll das gut sein und wer od. was hat Interesse daran, daß das da ist? Es könnte doch genau so gut nichts sein und wir würden es nicht mal merken. Wenn ich mir ein unendliches Universum vorstellen können soll, dann kann ich mir auch ein unendliches Nichts vorstellen. Natürlich wäre das nicht so interessant wie der jetzige Zustand ;-)
    Zusammengefaßt denke ich, daß es wenn überhaupt, nur sinnvoll philosophisch-physikalisch (nennt sich wohl Ontologie?) und theologisch betrachtet werde sollte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.