Zunahme per Telefon untergeschobene Verträge und Abos!

Der Verbraucherzentral Bundesverband (vzbv) schlägt Alarm, denn die Beschwerden von Verbrauchern über nach Telefonanrufen untergeschobenen Verträgen und Abos nimmt wohl stark zu. Besonders auffällig seien Abos von Nahrungsergänzungsmittel von „Hirschberger NaturRat“ vertrieben durch Bonafair und Energieverträge, so die vzbv.


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Ob Stromvertag oder ein fragwürdiges Pillenabo mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln – nach ungewollten Werbeanrufen beschweren sich Verbraucher und Verbraucherinnen über Verträge, die sie nie wollten. Das Ganze fängt mit einem unerbetenen aber scheinbar harmlosen Telefonanruf an. „Guten Tag, wir würden gerne mit Ihnen darüber sprechen, ob es in Ihrer Nachbarschaft genügend Apotheken gibt.“ Oder „Sind Ihre Stromrechnungen hoch? Lassen Sie uns besprechen, wie sie sparen können“. So oder so ähnlich beginnen aktuell Werbeanrufe bei Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Die Anrufer versuchen dann im Gespräch geschickt persönliche Daten abzufragen. So wäre beim Thema Stromrechnungen die Frage „Haben Sie vielleicht die Zählernummer zur Hand“ eigentlich unverfänglich. Kurze Zeit später erhalten die Betroffenen dann Post, entweder über einen angeblich abgeschlossenen Energievertrag oder Lieferungen mit Pillenproben, die in ein teures Abo münden.

Fast 3.000 Beschwerden in 2020

2020 wurden in den Themenfeldern Energie und Digitales bei den Verbraucherzentralen fast 3.000 Beschwerden über unerwünschte Werbung am Telefon und telefonisch untergeschobene Verträge erfasst. Das Problem nimmt zu – so haben beispielweise alleine im Bereich der unerwünschten Werbeanrufe die Beschwerden zu diesen beiden Themenfeldern in 2020 gegenüber dem Vorjahr um 80 Prozent zugenommen.

Hier dürfen die Betroffenen sich bei der Politik bedanken, die seinerzeit in der Regierung eine wirksame gesetzliche Gegenmaßnahme, nämlich, dass solche Verträge schlicht eine Unterschrift der Verbraucher bedürfen, verhindert hat. 2009 gab es diesen Artikel, wo sich die Regierungskoalition für eine Gesetzesänderung, die nichts bewirkte, feierte. Die Wikipedia gibt hier das Thema wieder, es läuft auf eine Selbstkontrolle der Werbenden hinaus. 2017 sollte dann die schriftliche Einwilligung kommen (siehe hier), wurde aber gekippt. Nur für Gewinnspiele und Lotterien ist eine schriftliche Einwilligung erforderlich – für alle anderen Verträge wurde das erfolgreich durch Lobby-Arbeit verhindert.

Die Verbraucherzentralen erläutern hier, wie man sich als Verbraucher helfen kann. Nur mal langsam zum Mitschreiben, was der Gesetzgeber uns aufgebürdet hat: Ich werde unerlaubt angerufen und müsste erst einmal herausbekommen, wer angerufen hat (meist nicht möglich). Ich bekomme einen Vertrag untergeschoben und muss aktiv werden und binnen 14-Tagen Widerspruch einlegen. Gewiefte Anbieter deixeln das so, dass die Fristen nicht einzuhalten sind – ein Widerspruch müsste schriftlich (Muster gibt es hier), per Einschreiben mit Rückantwort erfolgen (damit ich einen wirksamen Nachweis habe). Das ist aufwändig, kostet das Geld des Verbrauchers und überfordert viele Menschen.

Warnung: Keine Daten am Telefon herausgeben

Die Verbraucherzentralen warnen daher davor, am Telefon leichtfertig persönliche Daten wie Adresse oder Zählernummer weiterzugeben. Handlungsbedarf sieht der vzbv auch bei der Politik. Um Verbraucher vor dieser Masche zu schützen fordert er die Einführung einer allgemeinen Bestätigungslösung für alle telefonisch geschlossenen langfristigen Verträge. Hier muss gelten: Wer nach einem Telefonat nichts bestätigt hat, muss auch nichts bezahlen!

Seniorenabzocke mit Hirschberger NaturRat

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen führt an, dass Bonafair unter dem Logo „Hirschberger NaturRat“ Mittel gegen Gelenkschmerzen und Einschränkungen in der Gedächtnisleistung vertreibt. Im Vertrieb setze das Unternehmen allerdings auf eine ungesunde Strategie: Nach einem Werbeanruf erhalten Verbraucher eine Lieferung mit Proben, die eigentlich kostenlos sein sollten. Doch mit den Pharma-Proben wurde, ohne dass die Verbraucher das wollten, ein teures Abo für die Pillen abgeschlossen.

2020 gingen zu Hirschberger beziehungsweise Bonafair über 700 Beschwerden bei den Verbraucherzentralen ein. „Auffällig ist, dass sich bei den Verbraucherzentralen auch ältere Betroffenen oder deren Angehörigen melden,“ bemerkt Carola Elbrecht, Referentin im Team Marktbeobachtung Digitales des vzbv“. Das Unternehmen besteht dann sehr nachdrücklich auf den hohen Zahlungen, was die Betroffenen oft einschüchtert.“ Laut vzbv sind auch Senioren unter den Opfern.

Statt Angebot flattert Willkommensschreiben ins Haus

Auch Energieverträge werden mit Werbeanrufen vertrieben. Verbraucher berichten, dass sie unerwünschte Anrufe von Vermittlern erhalten und kurz danach – ohne ausdrückliche Einwilligung – Unterlagen über einen neuen Stromvertrag zugeschickt bekommen.


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„Energieunternehmen können im Namen von Verbrauchern mit nur wenigen Daten wie zum Beispiel der Zählernummer Strom- und Gasverträge kündigen“, erklärt Marie Barz, Referentin Team Marktbeobachtung Energie des vzbv. „Leider machen sich dubiose Anbieter diesen Umstand offenbar zunutze.“ Sie leiten – ohne Einverständnis der Verbraucher – die Kündigung von Strom- und Gasverträgen ein, damit sie die Energielieferung mit neuen Verträgen übernehmen können. Für Verbraucher ist das besonders ärgerlich, denn ist der alte Stromvertrag erstmal gekündigt, ist es schwer in diesen Vertag zurückzukommen.

Verbraucher sollten auf der Hut sein

Für Verbraucher gilt: Fragt ein Anrufer nach persönlichen Daten wie zum Beispiel der Anschrift oder der Nummer des Stromzählers, sollten sie das Gespräch beenden. Das ist nicht unhöflich, sondern schützt im Zweifelsfall vor unerwünschten, teuren Verträge und viel Ärger.

Verbraucherzentralen helfen weiter

Verbraucherinnen und Verbraucher, die Hilfe in ihrem individuellen Fall benötigen, sollten die Beratungsangebote der Verbraucherzentralen nutzen, Informationen unter www.verbraucherzentrale.de/beratung. Beschwerden  können sie über das Beschwerdeportal der Verbraucherzentralen abgeben.

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6 Antworten zu Zunahme per Telefon untergeschobene Verträge und Abos!

  1. Weingeist sagt:

    Aber das ist doch alles so gewollt. Per Gesetz Verträge am Telefon verbieten. Aber das wäre ja zu einfach.

  2. Mance sagt:

    Das ist u. A. ein Beweis mehr, daß unsere Regierenden nicht auf der Höhe der Zeit sind. Es genügt ja schon, im Lauf des Gespräches einmal unbedacht „ja“ zu sagen, und schon wird das so zusammengeschnitten, daß das „Ja“ als Zustimmung für einen Vertrag steht.
    Am Besten bei unbekannten Nr. einfach nicht abheben oder wenn doch, kommentarlos auflegen. Die Hemmschwelle, dadurch unhöflich zu wirken, kann man getrost überwinden. Diese Abzockerbande kann man garnicht unhöflich genug behandeln.

  3. Andreas B. SH sagt:

    Oh, seh ich jetzt erst … Was ich oben schrieb, könnte man ganz krass missverstehen. Ich meine natürlich die Kandidaten-Liste auf dem Stimmzettel, nicht das Wählerverzeichnis.

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