Abenteuer COVID-19-Impfung: Wenn Borns geimpft werden

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Tja, das Impftempo gegen das Coronavirus legt in Deutschland ja zu – Gesundheitsminister Jens Spahn spricht von einem Marathon-Lauf. Und hey, ich war sogar bei einem Rekord dabei – irgendwann vorherige Woche hieß es in der Tagesschau „es sind noch nie so viele Menschen wie heute gegen das Coronavirus geimpft worden“. War ganz gerührt, dass das in der Tagesschau kam, nur weil ich an dem Tag geimpft wurde. Aber um die Impfungen in der Familie kann ich mittlerweile Bücher drum stricken. Weil ich den schreibenden Kollegen nicht die Bestseller-Plätze wegnehmen möchte, stelle ich die Abenteuer von Borns in Sachen Coronavirus-Schutzimpfung mit einem zwinkernden Auge hier im Blog ein.


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Unsere „Familie“ ist im weiteren Sinne zumindest einmal durchgeimpft. Die Tochter hat ihre zwei Rationen bereits im Januar erhalten, da sie in einem Seniorenheim arbeitet. Und Schwiegermutter war als Bewohnerin eines Seniorenwohnheims auch dran. Sohn im fernen Baden-Württemberg hat auch seine Impfung, da systemrelevant (die stellen u.a. die Beatmungsgeräte für Patienten her). Nur meine Frau und meine Wenigkeit waren als junge Ü60 jährige Hüpfer in Prioritätsgruppe 3 des RKI. Mit AHA, einem Garten und viel Wald um uns herum vermissten wir auch nicht so viel und waren guter Dinge, durch die Pandemie zu kommen. Ok, die Sehnsucht nach Techno-Parties war auch begrenzt – bin da so nicht der Typ, der als Techno-Opa und Raver durchgeht – auch wenn ich mit Günther Anton Krabbenhöft fast den gleichen Vornamen teile (uns trennen nicht nur ein h im Vornamen, sondern auch gute 10 Jährchen Lebensalter).

Eigentlich konnten wir der ganzen Sache entspannt zusehen, wenn auch das FFP2-Masken-Gedöns nervte. Die Diskussion über Impf-Neid und Impf-Vordrängler habe ich im Februar ziemlich fassungslos und „haben die ein Rad ab“ verfolgt. Statt froh über jede Dosis zu sein, die in irgend einem Arm landet, statt weggeworfen zu werden, kam diese spezielle deutsche Lust am Knechten zutage. Auch über die aus jedem Loch kriechenden (politischen) Experten, die ob der nur langsam anlaufenden verfügbaren Impfstoffmenge, von Verstaatlichung und „eigene Produktion hochziehen“ schwafelten, ließ mich mit offenem Mund ob so viel Dummheit zurück. Gut, ich habe vor 28 Jahren auch Projekte im Pharmabereich als Ingenieur durchgeführt und kenne sogar die von Biontech übernommene Pharmaproduktionsstätte in den ehemaligen Behringwerken in Marburg aus dieser Zeit. Jedem Fachmann (der ich nicht bin), war klar, dass diese Ansätze nichts bringen und die Impfstoffproduktion ab Ende April, Anfang Mai – sofern nichts unvorhergesehenes  eintritt – deutlich steigen würde. Scheint sich ja auch zu bewahrheiten. Aber viele Dumpfbacken haben ihren Seromon dazu abgesondert … verpufft gerade, weil wir möglicherweise bald so viel Impfstoff haben, dass wir auf Jagd nach willigen Ungeimpften gehen müssen.

Borns werden geimpft, Samstag 12:45 Uhr

Beste Ehefrau von Welt hat allerdings immer mal wieder die Tage damit verbracht, online in Tagesmedien zu stöbern – Rezepte raussuchen, über COVID-19 zu lesen und auch über Impfbrücken, Impfcenter, Impffortschritt und Impfstoffe informiert zu sein. Und dann ist es passiert: Du schleppst dich Freitag-Abend aus dem Büro eine Treppe tiefer und fällst auf die Couch, um das Wochenende anzusteuern. Schon tönt es von der zweiten Couch „Ok, Frankfurt bietet eine Impfung mit Astra Zeneca für das Wochenende an …“. Ups, noch sind die 60 jährigen aus Gruppe 3 des RKI nicht zur Impfung freigegeben – aber man wollte den Impfstoff scheinbar weg haben.

Gab ein Impfzentrum an der Messe/Festhalle in Frankfurt, wo die Ü80-Jährigen aus unserem Ort zur Impfung hin mussten. Ich kenne den Ort eher von der Buchmesse, wo ich als Autoren-Vieh jahrelang zu den Verlagen hin gepilgert bin, um dort ausgestellt zu werden (schaut her, den gibt es wirklich). Aber inzwischen ist dieses Impfzentrum für uns nicht mehr zuständig, wir haben was eigenes. In den Gebäuden einer ehemaligen Forschungs- und Tierversuchsanstalt meines früheren Arbeitgebers. Früher wurden dort Affen mit Wirkstoffen zur Erprobung und Forschung geimpft. Da lag diese Art der Zweitverwertung (den Arbeitgeber und die Versuchsanstalt gibt es schon lange nicht mehr) irgendwie „in der Luft“.

Ich also so: „OK, wenn die das zulassen und uns impfen wollen, schau mal, ob Du einen Termin für mich bekommst, morgen, am Samstag 12:45 Uhr“. Frau am iPad etwas getippt, „ok, ich bin drin“ gerufen und schon saß ich neben ihr auf der Couch. Sie wurde mustergültig durch die Formulare geführt, konnte den Wunschtermin Samstag 12:45 Uhr  anwählen, die Personendaten samt Geburtsdatum angeben und kam durch die Formularseiten wie Schmidts Katze. Ich wollte schon von entgegen meiner inneren Einstellung „net geschennt, ist gelobt genug“ in Begeisterung ausbrechen, als meine Frau zur letzten Seite kam. Dort gab es die Zusammenfassung aller eingegebenen Daten, samt einiger Punkte, die man bestätigen sollte. Dazu gehörte, dass man den Impfstoff wolle und über 60 Jahre sei. Und der letzte Punkt lautete „Mit dem Absenden der Registrierung bestätige ich, dass ich an einer gültigen Adresse in Frankfurt als Wohnsitz in Frankfurt gemeldet bin ….“.

Wie gewonnen, so zerronnen – wir wohnten natürlich nicht in Frankfurt, sondern im Umland. Ich habe dann nochmals die Ankündigung gelesen – war nicht so eindeutig zu erkennen, dass nur Frankfurter-Bewohner die Impfung bekommen könnten. Wenn ich viele Leute auf das Impfportal locken wollte, hätte ich das auch so geschrieben. Hoffnungen auf Impfung zerstoben – gut, Samstags war gutes Wetter, bin ich spazieren gegangen, statt in dunklen Fest- oder Messehallen auf eine Impfung zu warten.

Die Impfbrücke ruft …

Dann kam Frau einige Tage später mit der Nachricht: Unser zuständiges Impfzentrum hat eine Impfbrücke eingerichtet, da können wir uns melden, um die Dosis eines Impfausfalls zu bekommen. Müssen nur binnen 60 Minuten da sein – erst noch 30 Minuten auf’m Klo sitzen, das klappt nicht. Ich schnell den Text durchgelesen, es war nur eine Registrierung mit Name, Geburtsdatum und Mobilfunknummer per E-Mail erforderlich, hieß es. Schnell meinen Datensatz an einem Tablet eingetippt und abgeschickt. Dann die Infos in eine neue Mail kopiert und mit den Daten meiner Frau versehen, dann abgeschickt. Fünf Minuten später meinte meine Frau: „D u … h a s t bei mir das Geburtsdatum vergessen …“  – Scheibenkleister, mein Konter „Frauen wollen doch nicht, dass das Alter angegeben wird“, kam irgendwie nicht so gut an.

Im Hinterkopf war ich mir sicher, ihr Geburtsdatum in der Mail eingesetzt zu haben, aber die Zeile war irgendwie verloren gegangen. Also erste Mail kopiert, die Zeile mit dem Geburtsdatum dazu getippt und den Satz „bitte, nehmt diese arme Seele in die Liste der Impfbrücke auf“ hinzugefügt und alles abgeschickt. Fertig …

Anzumerken bleibt noch, dass ich zwei Mal meine Handy-Nummer zur Benachrichtigung angegeben hatte, weil Frau ihr Gerät selten einschaltet – wird ja wohl sauber mitgeteilt, ob Herr oder Frau Borns Auftritt im Impfzentrum gewünscht wird …


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Nachbarn auf der einen Seite des Zauns hatten das so gemacht, und der Nachbar auf der anderen Seite des Zauns auch. Bald kommt ja wohl die Benachrichtigung „schnell, schnell, da ist Impfstoff frei“. Aber das Handy blieb stumm …

Einige Tage später:  Nachbar meinte, meine Frau hat jetzt zwei SMS bekommen, einen Termin hat sie geschafft, sie hat die Erstimpfung. Noch ein paar Tage später einen Bekannten im Wald getroffen: Meine Frau hat Samstag beim Frühstück eine SMS bekommen, haben wir nicht beachtet, dann auf dem Samstags-Markt die zweite SMS, ins Auto und sie hat die Erstimpfung bekommen. Mir ahnte schlimmes – und als noch der Nachbar auf der linken Seite meinte: „Heute gleich vier SMS vom Impfzentrum bekommen …  den letzten Termin am Abend bestätigt, bin Erstgeimpft …“ war es vorbei. „Was hast Du schon wieder falsch gemacht …?“ hieß es ganz vorwurfsvoll von meiner besseren Hälfte, die zwar alles an mich delegiert, das aber als Supervisor überwacht. Hatte ich bis dahin noch „bestimmt sind wir noch nicht dran“ als Antwort verwenden können, gingen mir die Argumente aus … und das Mädel hat sich mit „alles muss man selbst machen“ nochmals bei der Impfbrücke beworben …

Priorisierungsopfer: Willste Astra oder biste Gruppe 3 …

Und dann wurden wir „Opfer“ der Priorisierung der Impfgruppen. Und das kam so: Freitags Abend oder so meinte mein Mädel auf dem Sofa sitzend „Wenn wir Astra Zeneca wollen, können wir uns als Ü60 anmelden …“. Ich also zwei Registrierungen beim Impfportal von Hessen angelegt, Passwörter und Vorgangskennungen notiert, den Hinweis meines Mädels „trag uns  nur ja ein, wie wir im Pass stehen, steht ja da im Internet“ natürlich ignoriert und gedacht „da kommt jetzt binnen 24 Stunden eine Nachricht“ – kein Schwein will Astra, hieß es in den Medien … Aber auch eine Woche danach war noch (bis auf die Bestätigungsmail zur Verifizierung der Registrierung) nichts eingetrudelt.

Und plötzlich hieß es von der Couch „Ok, die Ü60 Jährigen sind jetzt offiziell als Gruppe 3 freigegeben, können sich auch ohne Astra Vorauswahl registrieren – ich will kein Astra mehr … melde mich an …“. Ich das am Samstag Morgen versucht, wurde aber abgewiesen „Sie sind schon registriert …“. Gedacht „Ok, melde dich am Impfportal an und nimm die Option Astra Zeneca für deine Frau raus“, Anmeldung klappte, aber die Option ließ sich nicht ändern bzw. wurde nicht angezeigt …

Ich hätte jetzt noch die Registrierung löschen und alles neu anlegen können, war ich aber zu faul dazu. Als Mann das so der besseren Hälfte in Form „geht net ..“ verklickerte, scholl es nur „Aber der Nachbar konnte sich problemlos nochmals für Ü60 registrieren, nur Du kriegst das nicht hin …“ – paff. Wutentbrannt konterte ich „dann mach’s doch selbst“, um mich am Rechner bloggend zu vergnügen. Pingeling, sie haben Post …

… in meinem E-Mail-Programm habe ich den E-Mail-Account meiner Frau mit eingetragen, weil ich die Klimmzüge „eh, kannste mal schnell die Mail für mich wegschicken ….“ oder „drucke mir mal schnell die Mail aus“ mit Anmeldung am Online-E-Mail-Konto meiner Frau echt leid war. Denn jedes Mal hieß es: Wie lautete nochmal der Benutzername und das Passwort genau – endete damit, dass ich jedes Mal mehrfach die Treppe runter musste „biste sicher, dass das Kennwort so und so lautet?“.

Ich also kurz nachgeschaut, im Postfach meiner Frau war eine Registrierungsbestätigung des Impfzentrums mit dem Bestätigungscode eingetrudelt. Verdammt, jetzt hat das Mädel dir wieder gezeigt, wo der Barthel den Most holt, schoss mir durch den Kopf. Und weil ich fieser Hund genau wusste, sie steht jetzt vor der Klippe, dass sie keine Ahnung hat, wo sie den Verifizierungscode her bekommt, der jetzt im Browser gefordert wird, und auch neugierig war, wie sie das geschafft hat, bin ich vom Büro die Treppe runter ins Wohnzimmer gelaufen. Saß mein Mädel auf der Couch, Tablet PC in der Hand und ihr Ausweis lag auf dem Tisch. „Wie hast Du denn die Registrierung geschafft …?“ – „ich habe gemacht, was da stand, den Namen eingegeben, wie er im Ausweis angegeben ist“. Paff, das saß, hatte ich seinerzeit nicht gemacht – wird schon schief gehen …

Ich so: „Vielleicht gleichen die das mit dem Melderegister ab, dann kriegen wir auf meine Registrierung nie eine Antwort, weil es uns nicht gibt …“  und als Antwort „ja, ja, dann wären wir da aufgetaucht, hätten den Ausweis vorlegen müssen und nach Hause geschickt worden, weil wir nur einen Vornamen angegeben haben …“. Mann hat’s auch nicht leicht in diesem Leben …

Aber hey, da war doch noch was … Mein Mädel blickte so gar nicht triumphierend von der Couch zu mir auf auf „kannste mir mal helfen, der will jetzt einen Code, wo kriege ich den her …?“ „Gibt mal 4711 ein“ antwortete ich … und schon lief die Registrierung durch. Hach, noch Mal Schwein gehabt, da war ich wieder „der Held …“.

Dann erzählte eine weitere Nachbarin, dass der Hausarzt auch mit dem Impfen starten wolle. Also eine kurze Mail geschrieben „hier gibt es zwei arme Seelen, die eine Impfung nehmen würden, wenn Ü60 freigegeben und Impfstoff da ist“.  Irgendwann muss es ja klappen mit dem Impftermin …

Du kriege Impfung Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3

Die Neuregistrierung war am Samstag-Morgen – und Nachbar zur Rechten hatte es wohl auch Samstags-Morgens so gehandhabt – erzählte mir das Mädel, als sie meine Kompetenz in Sachen Registrierung beim Impfzentrum in Zweifel zog. Diese gefühlte Niederlage hatte ich Sonntags schon wieder verwunden, war mit dem Mädel bei bestem Wetter ein wenig durch die Taunuswälder gelaufen und stand in der Sonne im Garten am Grill (da bin ich Tier, hier darf ich sein). Leben kann echt herrlich sein, auch ohne Impfcenter und was weiß ich was.

Um das Grillgut zur rechten Zeit wenden zu können, hatte ich mein Android-Smartphone bei Hand und stellte einen Timer, als ich plötzlich das Pling einer eintrudelnden Mail vernahm (der Timer lief noch und hatte einen anderen Ton). Ich dachte noch so halb im Spaß  „Impfzentrum klingelt mit Termin an ..“, schaute kurz drauf – war ein Impftermin. Ich rief vom Grill aus in Richtung geöffnete Terrassentür ins Wohnzimmer, wo meine Frau saß „Ich habe einen Impftermin für den 7. Mai“. Da scholl es vom linken Nachbargrundstück „ich auch, vor 2 Stunden für den 7. Mai bekommen …“ – ist ja echt witzig.

Grillgut nochmals gewendet, als ich ein weiteres Pling aus dem Wohnzimmer durch die geöffnete Terrassentür vernahm. Da lag das Android-Tablet, welches ich meiner Frau gegeben hatte. Ich rief meiner Frau scherzhaft zu: „Schau mal auf dem Tablet nach, Du hast bestimmt einen Impftermin.“ „Du spinnst, willst mich wohl wieder foppen …“ kam es zurück. Aber Neugiert siegt,  klappt bei Frauen eigentlich immer: „Ups, ich habe einen Impftermin, am 7. Mai“. Hab schon im Geiste überlegt, für die Straße einen Bus für den Impfausflug zum Impfcenter zu chartern. Aber dann stellten wir fest, dass die Impfzeiten um Stunden versetzt waren …

Nur der Nachbar vom rechten Grundstück war mental geknickt: Seine Frau war über die Impfbrücke Erstgeimpft, alleine er war noch ohne Termin  – dabei war das die Person, der von meiner Frau das Kompetenzattribut „aber der konnte sich mehrfach registrieren“ zugeschrieben worden war. Auch er hatte den Ausweistrick unbewusst genutzt (wie er auf meine bohrende Befragung – natürlich im Beisein meiner Frau, da hatte ich dann doch drauf bestanden – bestätigte), und alle seine Vornamen, allerdings in anderer Reihenfolge, bei der Neuregistrierung eingegeben.

Schön weiter gegrillt und gut gegessen. Als ich dann im Wohnzimmer ermattet in einem Sessel lag und über meinen inneren Frieden sinnierte, sah ich den Nachbarn durchs Terrassenfenster auf mich deutend (interpretierte seine Handbewegung als „ich schieß dich ab“ – obwohl wir ein sehr gutes Verhältnis haben – war aber die an gedeutete „Impfbewegung“ – jede Geste bekommt in Zeiten von Covid-19 eine andere Semantik). Ich also raus und er freudestrahlend „Ich habe einen Impftermin für den 17. Mai, mit Moderna – war im Ordner Unbekannt gelandet, sonst hätte ich den 2 Stunden früher gesehen“. Mist Technik … aber Sonntag war gerettet.

Montag wollte ich gegen 11:00 Uhr aus dem Büro, um eine Runde Nordic Walking in den Taunuswäldern abzuspulen. War schon aus der Tür, als das Telefon klingelte. „Hallo, hier ist Frau …. von der Praxis Dr. …. Sie können Mittwoch Mittag zum Impfen kommen, ich schicke Ihnen jetzt die Formulare per Mail zu, bringen Sie nur den einen Bogen mit der Einverständniserklärung, den Impfpass und das Krankenkassenkärtchen mit …“.

Arzt
(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Ich Aufklärung und Anamese durchgelesen – wollte der Arzt nicht zurück haben, die Einverständniserklärung unterschrieben und Mittwochs zum Impfen. Sind nur drei Schritte zum Hausarzt und in 20 Minuten war alles, einschließlich der Ruhephase in der Praxis, geritzt. Habe dann meinen Impftermin im Impfzentrum storniert und meine beiden Konten gelöscht. Gut, das zweite Konto hätte ich nicht löschen brauchen, da der Name unvollständig war, haben die doch den Datensatz bestimmt gesperrt … Hast ein gutes Werk getan und deren Datenbank um eine Leiche bereinigt … meinte ich so zu mir. Bei der Impfbrücke ging kein Löschen, da das per E-Mail gemeldet wurde …

Das Impfzentrum schlägt nochmals zu …

Mädel saß nun und wartete auf den Anruf vom Hausarzt oder, dass der schon avisierten Termin zum 7. Mai endlich da wäre. Ich hatte inzwischen erfahren, dass die Impflinge für den Mittwochstermin bereits eine Woche vorher vom Hausarzt benachrichtigt werden. Ich war wohl so etwas wie ein Lückenbüßer, den man am Montag noch requiriert hatte. Mittwochs auf dem Weg zu einem Spaziergang am späteren Nachmittag kam uns ein Bekannter aus der Nachbarschaft entgegen und ich scherzte so „na, gerade geimpft worden“. Er schaute verdutzt „woher weißt Du das?“ und erzählte, dass er vor einer halben Stunde von der Arztpraxis angerufen worden war „können Sie sofort zum Impfen kommen“.

Nur bei uns klingelte kein Telefon mit einem Anruf „Frau kann zum Impfen kommen“ der Hausarzt-Praxis. Aber irgendwann Montag machte es Pling und eine Mail war für meine Frau eingetrudelt. Dort hieß es, sie könne leider keinen Astra Zeneca-Impfstoff bekommen, da dieser auf absehbare Zeit nicht an unser Impfzentrum geliefert würde. Sie würde daher aus der Gruppe ausgetragen und in die Gruppe der Ü60 Jahrigen für Biontech oder Moderna umgestuft. Heureka, auch der Datensatz der Erstregistrierung funktioniert, Mann hat also nichts falsch gemacht. Und einige Stunden später kam ein weiterer Impftermin für den 11. Mai … hatte mein Mädel jetzt zwei Termine im Impfzentrum.

Ich schlug vor, den späteren Termin zu stornieren – wollte sie aber nicht – „untersteht dich, wird erst gemacht, wenn ich die Spritze im Arm hatte, stelle dir vor ich bin dann krank, ich bin da und es gibt keinen Impfstoff, oder wir werden auf der Fahrt zum Impfzentrum überfallen …“ die heutige Zeit zeigt dir ganz neue Risiken auf und mir gingen die Argumente aus.

… und die Impfbrücke meldet sich auch

Vorigen Montag war die Mutter aller Impfschlachten, nach dem zweiten Impfangebot des Impfzentrums schaute ich, als ich von einem Außentermin zurück war, gewohnheitsmäßig auf mein Smartphone und sah, dass eine SMS der Impfbrücke eingetrudelt war. Für eine Bestätigung war es zu spät – der Termin war vorbei. „Siehst Du, warum hast Du nicht gekuckt“, war die Anschuldigung. Hätte auch nichts genutzt, da ich mit der Familie den Außentermin ja wahrnehmen musste.

Ich so „gemach, gemach, gibt jetzt keinen Wein, die Registrierung zur Impfbrücke funktioniert, vielleicht kommt gleich noch eine SMS …“. Fünf Minuten später kam die doch tatsächlich und ich rief „Du hast einen zweiten Termin, soll ich bestätigen?“ „Mach“ war die Antwort und es brach Hektik aus … denn ich hatte ganz cool mit „JA ich will“ geantwortet und sofort hieß es „damit erkläre ich sie für verheiratet, bis der Tod euch scheidet“ … ups, war wohl die falsche Platte.

Nee, alles gelogen, denn es kam eine SMS-Bestätigung mit dem Termin und dem Impf-Ort – und nicht soo viel Zeit, dahin zu gelangen. Glücklicherweise hatte meine Frau in Vorbereitung auf Anruf des Hausarztes oder und für den regulären Impftermin den Impfpass und die ausgefüllten Impfformulare bereitgelegt – und ich war vor der SMS zufällig gerade auf dem Klo gewesen. Die Sterne stehen günstig für uns – das ist ein gutes Zeichen. Frau sauste also los, um Einverständniserklärung, Impfbuch und frische Jacke zu greifen. Bei mir materialisierte sich plötzlich noch der Gedanke „Moment, ist die SMS der Impfbrücke eigentlich wirklich für deine Frau, oder war die für dich?“ im Hinterkopf …

… als ich den Zuruf „Wir brauchen die letzten drei Nummern des Handys, an die die SMS ging …“ vernahm. Schon tauchte Frau mit Schreibblock und Kugelschreiber auf. Scheibenkleister, wenn du den Tiger mit seinem heißen Atem im Nacken spürst, weil Du schnell eine Handy-Nummer nennen sollst, bleibt auch der härteste Kerl nicht mehr cool. Denn ich stellte plötzlich entsetzt fest: Tücken der Technik schlagen gerade zu. In der SMS war nicht angegeben, ob diese auf die Registrierung meiner Frau oder auf mich lief. Im dümmsten Fall hieß es „im Impfzentrum zurück gewiesen zu werden, weil die falsche Person aufkreuzte“. „Egal, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, lautet die Devise, versuchen wir es einfach, wird schon schief gehen“, schoss es mir durch den Kopf. Und ich hörte nur „was ist denn jetzt, mach mal, gib mir die Nummer durch … wir müssen weg“.

Noch mehr Hektik, Mann hatte ein Dual-SIM-Handy, ein App-Update hatte mir vor Wochen die eingespeicherten Telefonnummern der SIM-Karten gelöscht (auswendig kenne ich die nicht – und mit X SIM-Karten für meine Testgeräte geht leicht der Überblick verloren, welche Nummer jetzt gilt). Und die Signal-App zeigte mir nicht an, an welche Telefonnummer die SMS geschickt worden war.

Da schreibst und bloggst Du seit Jahren über das Zeugs und dann so was. Gut, mit dem Tiger im Nacken „wir müssen fahren, die Zeit läuft“, hast Du nicht mehr so viele Wahlmöglichkeiten. Und das Thema SMS stirbt durch die vielen Messenger wie WhatsApp auch gerade, Android hat keine eigene SMS-App mehr, nur so krudes Zeugs wie Hangout, und ich hatte mir die Signal-App als Notnagel installiert, diese aber so gut wie nie benutzt – SMS ist für mich irgendwie Neuland – brauche ich nur, wenn ich ein Buch über Handys schreibe und kurz auf SMS eingehe.

Hab dann Trick 17 genutzt und mich über beide SIM-Karten schnell selbst auf dem Festnetz angerufen, danach die Oberfläche der FRITZ!Box auf das Handy geholt und die beiden Telefonnummern der Anrufe auf ein Blatt Papier notiert. Eine der Nummern musste es ja sein – der Rest ist halt Risiko …

Später am Abend habe ich dann nochmals in Ruhe nachgeschaut und die Telefonnummern der SIM-Karten in der App neu eingetragen. Dann fiel mir auf, dass die Signal-App, die ich zum SMS-Empfang benutzte, wohl einen Bug haben muss. Denn manchmal wurde sporadisch unter der SMS so etwas wie SIM 1 angezeigt – verschwand aber, wenn man scrollte und nicht alle Nachrichten hatten diese Information.

Borns werden geimpft, ein bisschen …

Ab dann begann das Abenteuer Impfung erst richtig. Ich wäre ja aufs Blaue losgefahren, denn vor knapp 30 Jahren war das Impfzentrum ein Tierversuchslabor meines damaligen Arbeitgebers, in dem Primaten Arzneimitteltest unterzogen wurden – hatte ich ja oben schon geschrieben. Ich hatte dort immer mal wieder wegen eines IT-Projekts zu tun … wusste also in etwa die Fahrtstecke. Aus Erfahrung mit vorherigen Fails aber klug geworden, wies ich meine Frau an „programmiere die in der SMS angegebene Adresse ins Navi und fuhr los“. Damit hatte ich das Mädel eine Weile beschäftigt, denn locker mit meinem Smartphone jonglieren und gleichzeitig Navi im Auto programmieren geht nicht.

Hat genau gepasst, als ich schon dachte „jetzt musst Du entscheiden, ob Du nach deiner Nase fährst oder auf das Navi hörst“, war die Route geplant. Mir war schon klar, dass ich über die Autobahn geführt würde und dachte noch so bei mir „Mist, im Feierabendverkehr ist da um Frankfurt immer Stau, und das mit dem nervösen Bündel auf dem Beifahrersitz, die bei jedem entgegen kommenden Auto durch das Bodenblech bremst“. Aber da war auch der Gedanke, dass Staus im Navi berücksichtigt werden. Ging alles glatt und ich fuhr gut 10 Minuten vor der ersten, zum Erscheinen genannten, Uhrzeit auf den Parkplatz des Impfzentrums. Meine Zeitkalkulation war ziemlich gut aufgegangen.

Angesichts der Hektik – war Cheffin plötzlich „janz klein“: Kommst’e mit ins Impfzentrum, damit ich nicht verloren gehe kam es kleinlaut vom Beifahrersitz. Ich so ganz gönnerhaft: Mädche, könne mer maache, Mann muss auch mal jönne könne, weiß der Rheinländer. Außerdem war die SMS ja auf meinem Handy eingeschlagen und ich wollte wissen, ob es meine Einladung gewesen wäre. Zudem war mir klar, dass mein Mädel das nicht alleine mit dem ungewohnten Smartphone (sie hat ein älteres Modell) und der SMS in der Signal-App gewuppt bekommt. War schon gut was los auf dem Parkplatz und am Pförtnerhäuschen fragte jemand „ich will die SMS sehen“. Hielt ihm das Smartphone mit der SMS hin, die ich bereits wohlweislich aufgerufen hatte. „Gehen Sie einfach den Schildern nach“, lautete der Ratschlag, was ich, mit dem Mädel im Schlepptau, auch machte. „Verdammt, jetzt hast Du keinen Plan, wo damals das Affenhaus war“, schoss es mir noch durch den Kopf, als wir vor einer Galerie Party-Pavillons mit einer Schlange wartender Menschen ankamen.

Und überall standen Menschen mit Ausweisen um den Hals, die die Leute dirigierten. „Haben die halb Frankfurt eingestellt“, schoss es mir durch den Kopf  – aber mich fesselte ein Pavillon (Party-Zelt) abseits der Schlange. „Da gibt es bestimmt Sekt und Cannapés für Spezial Guests“ spielte so der Schalk im Kopf herum – obwohl dort Zettel mit Impfbrücke angetackert waren. Während ich noch sortierte, wie die Chancen auf Sekt und Cannapés wohl stünden, erspähte ich eine Bierbank und zwei Personen, die Zettel ausfüllten. „Donnerwetter, wat’n Aufwand für einen kleinen Sekt“, meinte der Schalk im Nacken, als ich jäh unterbrochen wurde. Eine Dame mit Ausweis kam heran „Jemand mit Impfbrücke hier“ … „Ja, wir“ … „gehen sie nach rechts zum kleinen Zelt und warten Sie dort“. „Hurra, Cannapés, wir kommen …“. Ich mich also vor den Zelteingang gestellt, um die Cannapés zu suchen, als Frau mich mit „Abstand halten“ anpflaumte, „mit Dir kann man auch nirgends hinfahren …“.

„Na gut, schau dir noch mal die SMS von der Impfbrücke an, die wirst Du wohl bald brauchen und zeigen müssen …“, dachte Mann. Mist, die Liste mit den Nachrichteneingängen zeigte die letzten SMS nicht mehr an. „Oh, die SMS der Impfbrücke ist weg …“ Meine Frau fiel ins Leid – alte Leute und moderne Technik – „Du vermasselst aber auch alles“. Glücklicherweise fand ich im Drei-Pünktchen-Menü der Signal-App den Punkt Archiv und kam an die SMS-Benachrichtigung wieder heran. Keine Ahnung, was da wieder passiert war – hatte ja nix gemacht, das Display war nur in den Energiesparmodus gewechselt und dunkel geworden.

Nun ja, Zeit schien genug zu sein – im Zelt gab es zwei Biertische, vier Bierbänke, zwei Frauen und zwei Männer, die alle mit vielen Papierformularen kämpften. Dass es keinen Antrag auf Zuteilung von Sekt und Cannapés wäre, dämmerte mir dann auch langsam – bei der Blutspende musst Du ja auch nix ausfüllen, um die Schnittchen zu kriegen.

Die Männer hatten einen Strick um den Hals, und da hingen Ausweise dran. Ich schloss messerscharf „müssen wohl Bedienstete sein, die eine Vorregistrierung durchführen“. Nach gefühlten Stunden (waren wohl 10 eher Minuten waren die beiden Frauen fertig und alle Vier kamen aus dem Zelt. Ein Mann meinte „ich geh mal einen Kaffee holen“ und ich dachte noch „da warten wir hier noch Stunden, bis wir Schwarz werden“ – mein Mädel so „was ein Glück, dass es nicht regnet“. Think positive.

Der Bedienstete kam zurück und meinte zu meiner Frau „kommen Sie mit, auf die hintere Bank“, denn er hatte ihre Dokumente in ihrer Hand erspäht. Als ich noch wartend vor dem Zelt stand und so überlegte, ob ich vor Langeweile in der Nase bohren könne, rief meine Frau aus dem Zelt „Du musst mir dann die Handy-Daten zurufen“. Da hieß es „ach, sie gehören zusammen, dann kommen Sie rein und nehmen sie neben ihrer Frau Platz“.

Damit fing das nächste Abenteuer der „Vorregistrierung“ an. Die Problemstellung: Auf meinem Handy gibt es zwei SIM-Karten, es gab zwei Anmeldungen für meine Frau und mich an der Impfbrücke. In der Benachrichtigungs-SMS „sofort zur Impfung kommen“ wurde mir weder angezeigt, für wen der zwei angemeldeten Personen die Impfaufforderung galt, noch auf welche Handy-Nummer diese zugestellt worden war. Handy-Nummern merke ich mir grundsätzlich nicht … also jede Menge Fehlermöglichkeiten, um den „Lackmustest der Vorregistrierung nicht zu bestehen“ – sagte ich schon: beim Restrisiko gilt „Versuch und Irrtum“.

Als der Herr fragte: „Wo ist die SMS“, konnte ich ihm diese immerhin wieder präsentieren, so dass er den ID-Code der Benachrichtigung in sein Papierformular notieren konnte. Sah schon mal gut aus. Auf die Frage „wie lautete die Handy-Nummer, muss ich in die Liste eintragen“, legte meine Frau den Zettel mit den beiden Telefonnummern vor (waren nicht die drei letzten Ziffern, wie meine Frau vorher noch steif und fest behauptet hatte, der wollte die ganze Mofilfunknummer). Und ich so „eine von beiden ist’s wohl, keine Ahnung welche, wird mir nicht angezeigt“. „Da haben wir ein Problem“, scholl es von der Gegenbank, ich muss die Telefonnummer in die Liste eintragen. Ich so „nehmen sie die erste Nummer“ … Deutschland, deine Bürokratie. Ob die Benachrichtigung der Impfbrücke für mich oder meine Frau galt, hat keiner geprüft, aber Hauptsache die gültige Telefonnummer wird in eine Liste eingetragen …

Der Mann so: Ok, ich weiß was, und rief seinem Kollegen zu „hast mal die neueste Liste“. Er bekam ein Blatt mit allen Impfbrücken-Benachrichtigten, suchte den ID-Code und fand dort die Mobilfunknummer, die er in ein zweites Blatt per Kugelschreiber eintrug – nix in einen Computer eintippen. Mein Tipp „nehmen sie die erste Nummer von meinem Zettel“ war goldrichtig – der ID-Code stimmte mit der Ziel-Telefonnummer überein.

Der Mann erzählt dann noch „Ich sehe, sie kommen aus dem Taunusstädtchen …. da ist Mittwochs Markt, gehen sie dahin? Da ist dann immer ein Musiker, den sie dann bestimmt gesehen haben.“ Frau meinte „Mittwoch bin ich immer sehr früh auf dem Markt, da ist noch kein Musiker unterwegs“. Nun ja, der Mann, der Sprache nach ein Niederländer, hatte als Künstler ein Problem: In Coronavirus-Zeiten gibt es keine Auftritte – zum Glück konnte er wohl beim Impfzentrum anheuern. Eine echte Win-Win-Situation, die das Virus geschafften hatte.

Kein Wunder, dass Mann auf diese Weite eingelullt wird und in die nächste Falle tappt. Überraschenderweise war binnen drei Minuten alles klar – alle Formulare waren schon vorausgefüllt von meiner Frau vorgelegt worden  – und auch die Liste, wo die Telefonnummern der Impfbrücken-SMS-Benachrichtigungen samt ID-Code und Ziel-Telefonnummer aufgeführt waren, hatte sich ja gefunden. Alles wird gut – Impfnadel wir kommen … und Mann wird leichtsinnig ….

„Ihr zweiter Impftermin ist am 14. Juni …“ sagte der Mann. Und meine Frau so „das kann ich mir leicht merken …, gelle?“. Und ich so in meinem unbekümmerten Leichtsinn „Genau, alle sind geimpft und wir haben Sommer und Johannisbeeren gibt’s auch noch, Spargel und Rhabarber kann man auch noch bis zum 17. Juni essen und gleich gibt’s bestimmt Sekt mit Cannapés“. Aua …

„… da h a b e n wir Hochzeitstag …“ . Zur Ehrenrettung: ist nur der Tag der kirchlichen Hochzeit, den hatte ich mir nicht gemerkt … manches kann Mann ja nach 46 Jährchen verdrängen. Meine Frau meint zwar „es gibt da keine Verjährung …“. Und das Schienbein ist nur noch blau. Habe die Vorregistrierung auch überlebt und es hieß „ich begleite sie jetzt aus dem Zelt, meine Kollegin bringt sie zur nächsten Station“. Oh Gott, die Schlange der wartenden Menschen ist derweil noch länger geworden, kann ja lustig werden.

Follow me, VIP-Procedere

Die Frau mit Ausweis bahnte sich aber mit „folgen sie mir“ den Weg durch die Menge und sagte „Impfbrücke hat Vorrang, warten sie vor der Eingangstür, sie werden aufgerufen“. Dann ging es Schlag auf Schlag, wenn man das so nennen darf. Ins Impfzentrum reingebeten, eine Treppe rauf in einen Wartebereich geleitet worden – und auf fast jedem Treppenabsatz ein Bediensteter, der die Leute wie Kindergartenkinder lotsen sollte.

Und mir dämmerte „Impfzentrum = Realität gewordene Bürokratie“. Mir ist klar, dass man in einem Impfzentrum schon sauber arbeiten muss – aber ich wurde an diesem Tag das Gefühl nicht los, dass Sankt Bürokratius einen Betriebsausflug mit seinen Lehrlingen veranstaltet hatte, elendiglich im Impfzentrum gestrandet war und nie wieder den Ausgang gefunden hatte.

In unserem Mitteilungsblatt der Gemeinde mit angeschlossenem Nachrichtenteil hatte ein Hausarzt, der impfte, seinen Frust in einem Leserbrief ausgedrückt (hier auf Seite 4). Am Namen stellte ich fest, es war mein Hausarzt. Er schrieb, dass er nach drei  Wochen die gigantische Menge von 58 Impfdosen erhalten habe, von Patienten beschimpft werde, dass deren Bekannte „alle schon geimpft und sie nun doch mal endlich dran seien“. Er beschrieb, dass er sich Stunden lang Gedanken mache, welche Patienten zuerst geimpft werden, diese aber nicht erschienen, weil im Impfzentrum geimpft wurde, aber auch nicht abgesagt hätten.

Und er erwähnte, dass die Impfzentren ca. 120 Euro pro Impfung erhielten, der Hausarzt aber mit 20 Euro vergütet würde. Vergleiche ich den Aufwand beim Hausarzt (eine unterschriebene Einverständniserklärung und du kriegst die Impfung binnen 5 Minuten) mit dem Aufwand beim Impfzentrum: Drei mehrseitige Formulare, einige Listen, ein Arztgespräch, dann Impfung, dann warten, dann die Papiere zurück bekommen – Dauer 2 Stunden und ca. 30 Bedienstete involviert, werden die Welten, die da klaffen, deutlich. Ich unterstützte die Forderung, die Impfzentren in absehbarer Zeit zu schließen und den Ärzten die Impfung zu überlassen. Das ist für die Impflinge deutliche komfortabler und vor allem effizienter sowie preiswerter.

Gab dann noch zwei Slapsticks beim Arztgespräch und beim eigentlichen Impfen. „Kommen Sie rein, sie können sich beide setzen, ich bin Doktor sowieso und mache das Aufklärungsgespräch. Wer wird geimpft? Wollen sie geimpft werden?“ Als meine Frau meinte, wäre je Zweck der Übung, meinte der Arzt: „Ich arbeite im Krankenhaus und frage vor jeder OP-Aufklärung den Patienten wollen Sie operiert werden, und viele sagen dann nein“. Aber das ging doch zügig vonstatten, einige Unterschriften, Krankenkassenkärtchen einlesen und dann hieß es „gehen sie zu Impfstraße 7, sie haben die Nummer 7401 und werden dann aufgerufen“.

Wir liefen so den langen Gang herunter – hatte die Anmutung eines Flughafens, wo X Schalter zur Gepäckaufgabe nebeneinander sind – und Frau meinte schon „wo ist Impfstraße 7“ – aber ich hatte schon die Straße entdeckt. Sofort kam jemand, ich nenne sie mal Person 1, und begleitete meine Frau und mich vor die Impfkabine von Impfstraße 7.

Im allerersten Wartebereich hatte ich aufgepasst und bemerkt, dass niemand aus dem Flur, wo die Impflinge auf Zuruf verschwanden, zurück kam. Mir war klar: Die benutzen eine Art Einbahn-System, Du kannst nicht auf dem Stuhl sitzen bleiben, und warten, sondern musst jetzt mit deiner Frau die Stationen durchlaufen.

Der Gedanke ging mir im Hinterkopf herum, als es ans Impfen gehen sollte. Daher fragte ich „kann meine Frau alleine rein, ich warte dann mal hier, meine Frau kommt doch wieder da raus …“. Die Person stutzte und meinte „natürlich kommt ihre Frau da wieder (lebend) raus, ist noch keiner drin geblieben – aber kommen Sie mir rein und warten Sie gemeinsam, es kommt gleich jemand“.

Als wir so da saßen, habe ich den Impfstraße 7 genannten Raum gemustet. Eine Liege und ein Windows 10-PC, ein Tisch mit Einmalhandschuhen sowie Pflastern etc. und drei Stühle. Dann noch die Impfunterlagen auf dem Tisch vor dem PC. Während wir da so warteten, habe ich ganz tapfer den Mister Bean-Reflex unterdrückt, und davon abgesehen, die Gerätschaften der Impfstraße zu inspizieren. Und das war auch gut so.

Plötzlich schoss eine Frau im Schutzkittel rein, „Sie werden geimpft“, um dann auf dem Fuß umzudrehen und mit „keine Angst, ich komme wieder“ wieder zu verschwinden. Nach 5 Minuten kam sie tatsächlich wieder und ich flachste noch so „da haben wir Glück gehabt, Sie sind ja wieder gekommen …“. Sie „hier bekommt jeder seine Impfung“ – und ich so „ich glaube es erst, wenn die Nadel im Arm meiner Frau drinne ist … ich kenne Leute, die tauchten hier auf, und dann war kein Impfstoff mehr da“ (hatte ich einen Tag vorher von einer vertrauenswürdigen Person aus der Bekanntschaft gehört).

Wies die Dame, die impfen sollte, natürlich weit von sich „hier wird jeder geimpft, der hier rein kommt“. In der Zeit war wohl eine Ärztin dazu gekommen – es gelte das Vier-Augen-Prinzip, erklärten uns die beiden Damen später – und meinte „ich muss meine Kollegin korrigieren, Sie haben Recht, bis vor einer Woche hätte ich das auch zurückgewiesen. Es gab in der Tat wenige Fälle, wo Impflinge am Abend wegen fehlendem Impfstoff abgewiesen wurden – wir hätten für eine Impfung eine Ampulle öffnen und dann die Restdosen wegwerfen müssen. Aber die Person ist dann am Folgetag als erstes geimpft worden.“ Es w-a-r späterer Abend!

Gut, Impfung hat geklappt, und wir wurden von der Dame in einen Warteraum (bezeichne ich als Abklingbecken) geleitet. Dort sollte 15 Minuten gewartet werden, um Impfreaktionen abzuwarten. War frostig kalt, weil die Fenster zum Dauerlüften geöffnet waren. Frau musste da im „Gefrierraum“ aushalten – und schaute in glückliche Gesichter „alles so toll organisiert und und unbürokratisch“ lautete uniso die Meinung – da spürst Du keine Kälte, wenn die Endorphine und die rRMN-Moleküle durch den Körper rauschen. Ich habe mich auf den Flur gesetzt, da war es deutlich wärmer. Dort bekam ich mit, wie zwei Damen den Flur hoch kamen. Eine ging voran und rief „Vorsicht Impfstoff“, während die zweite Person zwei graue Kisten mit zig Impfstoff-Ampullen in ihren Händen vor sich her trug. Die beiden achteten peinlich darauf, nicht mit einer aus einer Tür tretenden Person zu kollidieren. Mir schoss „wenn Du dem Mädel jetzt ein Füßchen stellst, bringst Du Hunderte um die heutige Impfung, was für eine Sauerei, wenn hier Hunderte Impfstoff-Ampullen auf dem Boden zerschellen“ so durch den Kopf. Ich Fiesling habe mich aber beherrscht. Wenn da die Impfstoffträgerin gestolpert wäre, nicht auszudenken.

Ist noch mal gut gegangen und nach den 15 Minuten kam eine weitere Bedienstete, sammelte den Laufzettel für die Abmeldung ein und gab die Impfunterlagen samt Impfbuch zurück. Wir durften nach Hause – trotz Beschilderung „Ausgang“ habe ich mich kurz vorm Parkplatz noch verfranst und geriet in den „Gegenstrom der Impflinge“. Meine Frau so: „Im Warteraum saß eine Frau, war ganz glücklich wegen der Impfung, wäre ja so gut organisiert, hat aber gemeint, hoffentlich finde ich mein Auto wieder“. Na ja, Auto habe ich sofort wieder gefunden, und zwei Stunden nach der Abfahrt waren wir – immerhin geimpft und um eine weitere Erfahrung reicher – wieder zu Hause. Junge, Junge, Coronaschutzimpfung ist das reinste Abenteuer, da kannst Du Seemannsgarn und Geschichten ohne Ende erzählen, das geht auf keine Kuhhaut … hat da der Gaul von Sankt Bürokratius im Hintergrund gewiehert?

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8 Antworten zu Abenteuer COVID-19-Impfung: Wenn Borns geimpft werden

  1. nook sagt:

    Moin Impftourist,
    hast schon mal über ein Comedian Blog nachgedacht?
    Einfach schön den Tag mit Lachen zu starten!
    Servus

  2. Remo sagt:

    Humor ist, wenn man trotzdem lacht ;-)
    .. und lachen ist ja so gesund.

    Wir, meine beste Ehefrau der Welt und ich, erhielten als Ü60 und zur Risikogruppe gehörend bereits die 2. Impfung reingepfiffen. Das war perfekt organisiert und klappte einwandfrei. Für einmal eine absolut positive Erfahrung aus dem Osten der EU.

  3. Andreas B. SH sagt:

    Natürlich habe ich mir bei diesem köstlichen Bericht aus der realen Lebenswelt ’nen Ast gelacht und die Sache gleich per Mail weiterverlinkt. :-)

    Liebe Leute, bitte achtet um Himmels willen darauf, dass der Spritzenstempel zurückgezogen wird, bevor sie Euch das Zeug spritzen. (Man nennt das „Aspiration“.) – Ich habe diese Sache nun inzwischen so hoch, wie ich es überhaupt nur kann, eskaliert und auch das Paul Ehrlich-Institut direkt angeschrieben.
    Ihr wißt es ja, dass ich kein Impfgegner bin (ganz im Gegenteil!), aber dass diese verfluchte Stiko und das Robert Koch Institut immer noch empfehlen, dass man das Zeugs einfach blind reinhaut, ohne vorher durch Rückziehen des Spritzenstempels zu prüfen, ob man grade in einer Ader ist, könnte die Ausmaße des Contergan-Skandals annehmen. – Ich rede das nicht leichtfertig dahin: Die Impfung ist eine gute Sache und unsere reale Chance, aus der Malaise zu kommen. Aber sie muss richtig gemacht werden!!!
    Herzliche Grüße an alle,
    und gebt gut auf Euch acht
    Andreas

    • Mance sagt:

      Naja, ganz so schlimm ist es in der Praxis ja wohl nicht. Die Wahrscheinlichkeit, daß wirklich eine Ader getroffen wird ist wohl sehr gering. Zum Ersten einfach weil ein Treffer eher selten ist, da es ja nur eine bestimmte Anzahl an Adern dort gibt. Zum Zweiten haben heutzutage die Leute eh‘ keine Muskeln mehr dort, sondern eher schlecht durchblutetes Schwabbelfleisch. Zudem muß die Spritzenspitze ja dann auch genau in der Mitte der Ader stecken. Wenn die Ader von der Nadel nur durchstochen wird und weiter hinten wieder im Muskelgewebe steckt passiert da nichts.
      Also nur eine geringe statistische Gefahr, und und auf die Statistik kann man sich verlassen wenn man Günter in dem Artikel, „Wirksamkeit des Biontech COVID-19-Impfstoffs in einer Grafik“, folgt.

      Günter, hast du übrigens darauf bestanden, daß bei euch aspiriert wurde? Ich habe es jedenfalls getan und der Arzt hat sehr freundlich auf meine Bitte reagiert und mit Ansage aspiriert.

      Also Leute, ich hoffe ihr merkt, daß der Beitrag eher satirisch gemeint ist. Mir geht nämlich dieses Hintergrundrauschen zu dem Thema langsam auf den Senkel.

      • Andreas B. SH sagt:

        AstraZeneca vaccine: pull back or push through?
        *ttps://www.linkedin.com/pulse/astrazeneca-vaccine-pull-back-push-through-pieter-j-gaillard?trk=read_related_article-card_title

        Towards Understanding ChAdOx1 nCov-19 Vaccine-induced Immune Thrombotic Thrombocytopenia (VITT)
        *ttps://www.researchsquare.com/article/rs-440461/v1

        Comments:
        – Dr. Albertus A., MD, 22. April 2021: Es ist nahezu unmöglich, intravasal in den Deltoidmuskel zu injizieren.

        – Andreas B., 22. April 2021: […] Hier in Deutschland sehen wir einen auffälligen Widerspruch in den Richtlinien: Der COVID-Impfstoff muss „strikt“ (!) i.m. verabreicht werden UND „Aspiration wird nicht empfohlen“. – Aber beides zugleich geht nicht: Geringe Wahrscheinlichkeit mal riesige Zahlen gleich Sicherheit des Ereignisses (wie bei jeder Lotterie). Gemäß „primum nil nocere“ scheint also Aspiration geboten. […]

        – Marco C., 22. April 2021: Sehr geehrter Herr Dr. Albertus A., ich würde sagen, dass „fast unmöglich“ mit einer Wahrscheinlichkeit von ~ 1/100.000 vereinbar ist, was das beobachtete Auftreten von Thrombosen nach AstraZeneca-Impfungen ist. Sind Sie einverstanden?

        In der Tat, es gibt ein „Hintergrundrauschen“. – Erste Länder (u.a. Indien) rücken bereits von der idiotischen Faustregel ab, auf Aspiration zu verzichten. Wir werden sehen … Es geht eben um die riesige Zahhl der Impfungen und die Wahrscheinlichkeit, die nicht zu vernachlässigen ist.

        • Mance sagt:

          Interessant! Obwohl wie gesagt von mir eher satirisch gemeint, sind meine Überlegungen garnicht so weit daneben.
          Aber Andreas, wir hatten das Thema ja schon mal und sind uns ja einig. Aspiration verursacht keinen zus. Mehraufwand, keine zus. Schmerzen aber erhöht die Sicherheit. Also, nichts spricht dagegen.

      • Andreas B. SH sagt:

        Ach so, ja ich hatte noch etwas vergessen: Der zweite Artikel oben („Towards Understanding …“) ist der aktuelle Stand der weltweit führenden Forschung über Vaccine-induced Immune Thrombotic Thrombocytopenia (VITT).
        Sehr interessant ist nun, dass auf einer Pressekonferenz dazu (23.04.2021) mittlerweile beiläufig auch ein Zusammenhang mit einer vasalen Läsion durch die Kanüle und Übertritt des Antigens in die Blutbahn als Initialereignis nicht mehr ausgeschlossen wird. – Für meinen Bedarf reicht das jedenfalls, um für die simple Vorsichtsmaßnahme alter Praxis zu plädieren.

  4. Mance sagt:

    Typisch, im IT-Blog die kompliziertesten Themen abhandeln und in der Praxis völlig unstrukturiert wenn es um die praktische Handhabung geht, einen Impftermin zu bekommen. Also bei mir im Schwabenland lief das im übertragenen Sinne wie geschnitten Brot. Gesamtaufwand ca. 1/4 Std. und ich hatte meine 2 Impftermine. Auch die Impfprozedur lief recht zügig. Hatte meinen ersten Termin allerdings auch spät abends. Der zweite ist dann um 8:40 Uhr. Mal sehen ob es da dann auch so gut läuft.

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