Meine "Schrauberjahre"-Teil 2: Das neue Moped …

Zündapp KS 50In Teil 1 Meine „Schrauberjahre“: Der Führerschein … ging es ja darum, wie ich am Anfang meines 52 Jahre währenden Berufslebens, welches 1969 als Lehrling im Elektro-Handwerk begann, irgendwann den Moped- und später den PKW-Führerschein erwarb. Das eröffnete mir die Möglichkeit, ein Moped und später Autos zu fahren. Meiner Phase als „Schrauber“ – am Moped oder an den Autos, die ich so erwarb, stand nichts mehr im Wege. Das ist natürlich Stoff für weitere kleine Geschichten, die sich so ereigneten und mir sogar später beim Ingenieurstudium im Studiengang Physikalische Technik halfen.


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In meiner Jugend so ab 12 bis 14 war ich als jemand, der auf einem Bauernhof aufwuchs, in Bezug auf Technik sozialisiert. Vater hatte ständig am Trecker und seinen Maschinen etwas zu reparieren – und ich war da gelegentlich mit dabei. Auch die Fahrräder, die wir für den Schulweg vom Hof zur 1,6 km entfernten Schule brauchten, wurden von mir in Schuss gehalten. Mein jüngster Onkel väterlicherseits war sogar gelernter KFZ-Mechaniker. In unsere Garage lagen immer verölte Anlasser, Vergaser und was weiß ich herum von seinem VW Karmann Ghia. Gelegentlich habe ich dann Ausflüge in die Einzelteile veranstaltet, um mir die „Technik“ mal genauer anzuschauen. Das Demontieren habe ich immer hin gekriegt – nur wieder zusammen setzen, war selten von Erfolg gekrönt. Natürlich stand auch mal irgendwie das Thema (KFZ-)Schlosser oder Landmaschinen-Mechaniker vage im Raum …

Du wirst kein KFZ-Mechaniker …

Ob ich KFZ-Mechaniker hätte werden können oder sollen? Nicht so wirklich – die Gründe habe ich kürzlich in meinem Blog-Beitrag Der Jung soll was anständiges lernen offen gelegt. Statt dessen spülte mich das Leben 1969 als Lehrling in eine Elektroinstallateurs-Ausbildung. Alles weit ab von KFZ und Motoren. Obwohl: Der Ford Transit der Firma war ein sprichwörtliches Montagsauto, welches an besagtem Wochentag – und auch an anderen Tagen morgens nicht ansprang. Ich hatte es schnell raus, den Kappe des Zündverteilers abzuziehen und die Feuchtigkeit mit einem Lappen auszuwischen, so dass die Gesellen mit Führerschein endlich vom Hof kamen.

Und dann kam die Zündapp KS 50

Mit dem frisch erworbenen Führerschein (Klasse 4) kam der Wunsch nach einem „richtigen Moped“ auf, also 50 ccm Hubraum, 6,25 PS und 80 km/h Höchstgeschwindigkeit, welches ich jetzt fahren durfte. Die 40 km/h „schnellen“ Mokicks  mit einfachem Versicherungskennzeichen kamen irgendwo nicht in Frage. Aber welches Modell soll es denn sein?

Eine Kreidler Florett RS 50 kam für mich als „Opa-Moped“ nicht in Frage (viele ältere Männer ohne Auto fuhren eine Kreidler Florett, meist die 40 km/h-Variante). Von der Hercules K50 hielt ich nicht viel (taugte nach hören-sagen nix, weil der Motor sofort kaputt ging, auch ein Easy-Rider-Lenker, den der Hersteller wohl anbot, sowie der martialische Name änderte nichts daran). Irgendwo kannte ich auch jemanden von einem entfernten Nachbardorf, der eine japanische Honda mit 50 ccm Hubraum hatte. Der Junge ging Monate zu Fuß, weil der Motor kaputt war und Ersatzteile aus Japan fehlten.

Zündapp KS 50
(Zündapp KS 50, Quelle: Screenshot Verkaufsangebot)

Und dann stand es (erinnerungsmäßig im Februar 2020) plötzlich vor der Garage, ein Zündapp-Moped aus erster Hand, in Gold-orange-Lackierung, ich meine, es muss die Zündapp KS 50 mit 50 ccm und 6,25 PS Motorleistung, wie auf dem obigen Screenshot gezeigt, gewesen sein.

Vater und ich hatten das Fahrzeug beim Zündapp-Händler im fernen Trier für erinnerungsmäßig über 1.000 Mark gekauft (beim Schreiben des Blog-Beitrags habe ich gesehen, dass restaurierte Maschinen jetzt für 4.600 Euro und mehr verkauft werden). In diesem Artikel zeigt jemand die Schritte der Restauration eines solchen Mopeds. Ich hatte viele hundert Mark von meinem schmalen Lehrlingsgehalt hin geblättert, und Vater hatte den geringeren Restbetrag bis zur Kaufsumme drauf gelegt.


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Weiteres Geld ging für die Anmeldung, Versicherung und vermutlich Steuern drauf, wobei die Versicherung bei den bis zu 80 km/h schnellen Mopeds schon teuer waren (erinnerungsmäßig habe ich deutlich über 100 Mark pro Jahr bezahlt – die Explosion der Prämien auf um die 1.000 Mark wegen der vielen Unfälle jugendlicher Fahrer kam erst später). Mein Argument war: Mit der Versicherung kann ich mir Schadensfreiheitsrabatt für das Auto erfahren. Trotz einiger Stürze hat das auch geklappt.

Ach ja, Mutter hatte Vater mit dem Auto nach Trier zum Fahrrad-Händler gefahren, damit dieser das Moped für Sohnemann bezahlt, abholt und nach Hause fährt. Da Vater bis zum Kauf des VW, Ende der 50er Jahre, ein altes Motorrad fuhr, war er irgendwie ganz begeistert, merkte ich ihm jedenfalls an. Vaters Motorrad könnte eine BMW (so eine stand bei uns noch lange herum), eine DKW oder eine NSU gewesen sein. Auf dem nachfolgenden Foto ist das für mich nicht zu erkennen, nur bin ich in „ganz frühen Jahren“ schon mit „Motorrad sozialisiert worden“. Autor auf dem MotorradAutor in Jugendjahren auf einem Motorrad

Die ersten Fahrten mit dem „neue“ Moped führten um unseren Hof und auf einem Feldweg in Richtung unserer Felder. Mann, war das erhebend, noch ganz vorsichtig austarierend gefahren, stand mir plötzlich die Welt (oder was ich davon hielt) zur Verfügung. Jedenfalls fuhr ich per Moped zum Lehrbetrieb, wo die restlichen Lehrlinge und Altgesellen staunend vor dem Wunderwerk der deutschen Ingenieurskunst standen.

Auf geht’s in die Welt …

Und es gibt noch die Erinnerung, dass der Aktionsradius mit Moped irgendwie deutlich größer als mit Fahrrad war. Da gab es im fernen Örtchen Malberg, hinter dem Eifelörtchen Kyllburg, jemanden, der hatte einen dunklen, dreckigen Kellerraum mit einer Bar versehen und außen Diskothek dran geschrieben. Die Sonntage habe ich für ca. ein halbes Jahr für Ausflüge in diese Diskothek genutzt.

Gut, bei Licht aus heutiger Sicht betrachtet, war es nicht so dolle: Halbe Stunde hin fahren, rein in den dunklen Schuppen, ein Spezi getrunken, etwas Musik gehört und geschaut, was das so ab geht. Da das Örtchen deutlich außerhalb meines Sozialisierungsbereichs lag, kannte ich auch keine Sau und konnte auch keine Kontakte aufbauen … Mädels waren auch irgendwie außer Reichweite.

Also nach 2 Stunden wieder heim gefahren, aber man war „gefühlt“ in der Welt gewesen. Wenn heute der Titel Los Bravos – Black is Black im Radio läuft, ist sie wieder da, diese Zeit und das Bild der „Disko im Keller“, denn der Titel lief dort rauf und runter.

… und dann war die Zündapp kaputt

Aber einige Tage nach dem Kauf bemerkte ich plötzlich, dass sich die Gänge nicht nicht mehr sauber schalten ließen – nur mit Zwischengas ging noch was. Gehäuse aufgeschraubt, aber an der Kupplung nichts fehlerhaftes gefunden, die arbeitete sauber. Vater vergeblich um Rat gefragt und dann in der Familie beschlossen „das Moped muss in die Werkstatt“. Denn an das Getriebe traute ich mich nicht heran. Und ich war wieder beim Fahrrad gelandet. Nach (max.) 14 Tagen – gefühlt müssen es Jahre gewesen sein – hatte Vater das Moped wieder repariert zurück geholt.

Mutter meinte, auf meine Frage, was gewesen sei, „da war was wichtiges innen kaputt, hat gekostet“. Ich sah schon meinen „Taschengeldanteil“ aus dem schmalen Lehrlingssalär auf Jahre schwinden – den Großteil des monatlichen Lehrlingsgehalts wurde an die Eltern für „Kost und Logis“ abgegeben. Aber zahlen musste ich nichts, hatte Vater irgendwie geregelt. Vielleicht hatte er auch einen Deal mit dem Händler gemacht, denn das Moped war erst wenige Wochen vorher gekauft worden, und schon war eine Reparatur fällig.

Moped lief wieder … aber nur für kurze Zeit. Jedenfalls war ich glücklich, ich fuhr per Moped zum Lehrbetrieb, auch zur Berufsschule war „meine Maschine“ dabei. War das ein Spaß, auf dem Bock sitzend, am Rennlenker über dem Tank gebeugt die engen Haarnadelkurven der Straße zur nahen Stadt Wittlich zu nehmen. Hans Hieronymus und Hans Lodermeier wären stolz auf mich gewesen – nur hatten meine Eltern mir den Vornamen Hans nicht gegönnt, nur der Onkel, der KFZ-Mechaniker durfte diesen Namen tragen. Und die beiden Hänschen hatten ihre Rennfahrerkarriere längst beendet.

Und schon wieder kaputt …

Kurze Zeit (vielleicht zwei Monate) nach dem Kauf stellte ich bei einer Fahrt zur Berufsschule in die Stadt plötzlich fest, dass die Kupplung irgendwie beim Schalten rutschte. Einstellen der Seilzüge half nicht wirklich. Also flugs die betreffende Abdeckung demontiert und gesehen, dass der Belag der Kupplungsscheibe wohl „runter war“ – der Vorbesitzer musste viel gekuppelt haben. Ich beim Mopedhändler angerufen „habt ihr eine Kupplungsscheibe auf Lager“, die für einen bezahlbaren Preis beschafft und selbst eingebaut.

Moped lief wieder astrein. Ich war in meiner Freizeit viel unterwegs und das Fahren machte Spaß. Speziell die Kurven. Die Spitzen-Rennfahrer der 70er Jahre von Kreidler und Zündapp hätten das auf dem Nürburgring aber auch nicht besser gekonnt, da war ich mir sicher. Na ja, aus heutiger Sicht war es mit dem Können nicht ganz so dolle. Es gab gelegentlich Kies auf den Straßen der Eifel und dann rutschte man halt in der Kurve weg – dank guter Kleidung ist nie was ernsthaftes passiert.

Elefantentreffen auf dem Nürburgring

Und die Fahrt zum Elefantentreffen auf dem Nürnburg-Ring endete doof. Ich hatte keine Zeltausrüstung, hätte also nicht mehrere Tage auf dem jährlichen Elefantentreffen der Motorradfahrer campieren können. Da es aber nur gut 60 Kilometer von uns weg waren, hatte ich mir einen Tag für einen ausgiebigen Besuch reserviert.

War schon eine merkwürdige Mischung, was da im Wald um den Nürburgring campierte. Verschwitzte, tätowierte Männer mit Bierbäuchen, die vor ihren Zelten saßen und Bier tranken. Irgendwo der Geruch von Grills, Bier und Schweiß, es hatte geregnet und ein feuchter Dunst hing zwischen den Bäumen. Und immer die „Rocker-Bräute“ zwischen den campierenden Männern. Ich habe schon mal drei Kreuze gemacht, dass ich nicht zelten musste – womöglich schnarchen die auch noch.

Viele Jahre später hatte meine Nichte eine 125 ccm Maschine und meine Mutter erzählte mir, dass das Mädel mit dem Motorrad zu „Rock am Ring“ gewesen sei. War der erste und letzte Besuch von ihr bei „Rock an Ring“ und mit 18 Jahren kamen PKW-Führerschein und Auto. Schien also auch nicht so dolle gewesen zu sein.

Um irgend etwas „erhebendes“ beim Elefantentreffen erlebt zu haben, entschloss ich mich, die Gelegenheit zu einer Testfahrt auf dem Nürburgring zu nutzen. Nachdem ich meine paar Mark für eine Testfahrt auf der Nordschleife gezahlt hatte, ging es auf die Strecke.

Hätte genial werden können, wer weiß, vielleicht wäre ich als der nächste Motorrad-Weltmeister in spe entdeckt worden. Hat aber nicht so ganz hingehauen. Dummerweise bremste vor mir jemand extrem vor einer Kurve, die man locker mit Hundert hätte durchfahren können.

Meine Bremse funktionierte auch ganz gut, aber ich konnte nicht vermeiden, leicht aufzufahren und mit dem Moped umzufallen. Dabei gingen leider die Blinkerabdeckungen, einer der schönen Spiegel am Lenker sowie die Lampenfassung für das Vorderlicht an der Vordergabel zu Bruch.

Die Blinker hatte ich selbst mit viel Liebe zum Detail konstruiert, mit einer selbst gefertigten Elektronik-Blinker-Schaltung versehen und montiert (war illegal, denn die Blinkanlage hatte keine Typ-Zulassung, das Moped brauchte keine Blinker).

Glücklicherweise war nicht mehr beim Sturz passiert, aber der Kommentar der Eltern war „was haste schon wieder gemacht“ – und ich so „was kann ich denn dafür, wenn vor mir jemand so doof ist und vor einer Kurve auf dem Nürburgring  bremst“.

Damit war die Sache erledigt – ich habe mir neue Blinkerabdeckungen und Spiegel gekauft, eine Lampenfassung eines anderen Mopeds vom Schrottplatz als Ersatz besorgt, in der Garage auf Gold-Orange umlackiert und montiert. Schon war das wieder heile … bei der Gelegenheit gleich noch einen Hochlenker montiert, sah fast noch besser aus als vorher.

Was Unfälle doch für kreative Entwicklungen anstoßen können – ich war stolz auf mich … dass der TÜV das deutlich anders sah, wusste ich damals noch nicht. Hat den Nachbesitzer getroffen, der ab- und zurückbauen musste.

Fast ein halber KFZ-Mechaniker geworden

Mit dem Moped geriet ich auch in eine „Blase“ junger Männer aus dem Nachbardorf, wo ich zur Schule gegangen war. Da gab es einige Jungs mit einem eigenen Moped, andere waren sehr affin zur Technik. Ich erinnere mich an einen Namensvetter, wir teilten beide den gleichen, seltenen Vornamen.

Sein Vater hatte einen Fuhrbetrieb mit LKW, und der Junge machte eine KFZ-Mechaniker-Lehre beim lokalen Ford-Händler. Den Meister der Werkstatt kannte ich, hatte Vater doch seinen Ford dort in der Wartung und kaufte über die Jahre auch mehrere Neuwagen dort.

Zudem war ich als Elektro-Installateur-Lehrling in den benachbarten Kleinfirmen meines Lehrbetriebs arbeitsmäßig unterwegs. Da gab es den Metzger mit Schlachthof, Fleischverkauf und Wirtschaft, neben dem Elektrogeschäft des Meisters. Und die Ford-Werkstatt war noch eins weiter. Überall war ich als Borns Ältester bekannt.

Nach kurzer Zeit bekam ich mit, dass mein Namensvetter, und seines Zeichens KFZ-Mechaniker-Lehrling, sich mit der Fachtheorie des KFZ-Handwerks etwas schwer tat. Da ich häufig bei der Familie abhing, fragte mich seine Mutter, ob ich mir nicht mal die Aufgaben des Sohnes, die dieser auf der Berufsschule so bekam, ansehen könne.

Nachdem ich einen Blick in seine diversen Fachbücher geworfen hatte, war mir ziemlich fix klar, was gewollt war. Und so kam es, dass ich als Elektrolehrling meinem Namensvetter so jeden Sonntag Nachmittag Nachhilfe in der Fachtheorie des KFZ-Mechaniker-Handwerks gab.

Ich habe dadurch die Fachtheorie und das Fachrechnen für KFZ-Schlosser im 2. und 3. Lehrjahr quasi nebenbei mitgenommen und den Namensvetter durch die theoretische Zwischenprüfung gebracht sowie ihn später auf die Gesellenprüfung vorbereitet, die er auch bestand. Im Gegenzug erhielt ich Praxistipps, was mein Moped – und speziell den Motor betraf. Die theoretische Gesellenprüfung im KFZ-Handwerk hätte ich vermutlich sogar geschafft.

Ich glaube, der Kolben ist ausgeleiert

Man hing in der Blase der Moped-Enthusiasten ab, es wurde gefachsimpelt und später ging es auch gemeinsam in irgendwelche Tanzlokale in den Nachbardörfern. Irgend einer wusste immer „da ist ein Fest, da gibt es ein Tanzlokal“ und so weiter.

Natürlich gab es auch die Szenen, wo dann drei, vier Mopeds auf einer langen geraden Strecke ohne Gegenverkehr nebeneinander fuhren, um festzustellen, wer die schnellste Maschine hatte …

Ich lag erinnerungsmäßig immer so auf den vorderen Plätzen, selbst wenn ich den doch etwas „schwereren“ Namensvetter auf dem Soziussitz mitnahm. Gut, Vergaser aufbohren sah ich als Sackgasse und riskant bei Polizeikontrollen an. Mit dem Antriebsritzel austauschen, um die Maschine schneller zu machen, habe ich mich nicht wirklich aufgehalten. Daher war auch eine Fahrt bergauf mit zwei Mann kein Problem, während die Kollegen da mit den ausgetauschten Antriebsritzeln, wegen des geänderten Übersetzungsverhältnisses beim Antrieb, so ihre Probleme hatten und buchstäblich „abkackten“.

So im besagten Jugendalter war da plötzlich aber das „vermeintliche“ Wissen, dass der Kolben des Einzylinder-Zweitakt-Motors irgendwie ausgeleiert sein musste. Der Motor hatte immerhin laut Tacho schon über 6.000 km auf dem Buckel und „zog gefühlt irgendwie nicht mehr so richtig“ … heute denke ich, dass meine Zündapp wirklich in Ordnung war, aber Glaube versetzt Berge oder führt Leute in die Irre.

Also beim Motorradhändler angerufen und nach einem neuen Kolben gefragt. War für kleines Geld, erinnerungsmäßig um die 80 Mark, zu haben. Wurde also besorgt und das Projekt „Kolbenwechsel“ an einem Wochenende in Angriff genommen. Klappte überraschend gut, sogar der gehärtete Kolbenring ging beim Einbau nicht kaputt (hatte mein Namensvetter noch erwähnt „pass auf, dass die gehärteten Kolbenringe nicht brechen, ist mir in der KFZ-Werkstatt jetzt öfters passiert“).

Und nach ca. 500 km Einfahren stellte sich bei ersten Belastungstests fest: Ich hatte plötzlich die schnellste Maschine. Subjektiv waren alle Maschinen, die mit mir um die Wette fuhren, außer Sichtweise zurückgefallen, sofern man starr gerade aus schaute. Objektiv muss es wohl so gewesen sein, dass ich gelegentlich die „Nase“ oder die vordere Helmkante eine Profilstärke vor den Mitfahrern vorne hatte.

Tolle Wurst, nach weiteren 1.000 Kilometern bemerkte ich aber einen beginnenden Leistungsabfall. Ich denke, durch die neu eingebauten Teile lag der neue Kolben etwas an der oberen Toleranzgrenze und der Einzylinder-Motor hatte eine um wenige Prozent höhere Kompression. Resultierte zwar in vielleicht einem viertel Prozent mehr Pferdestärke des Motors, steigerte aber auch den Verschleiß. Die Leistung des Motors ließ langsam nach …

… und dann kulminierten die Dinge. Ich hatte einerseits die Maschine nach meinem Unfall auf dem Nürburg-Ring leicht umgebaut und frisch den PKW-Führerschein erworben. Ein Auto musste her und das Moped verkauft werden (hätte eh bald zum TÜV gemusst). Der Verkauf ging glatt über die Bühne – der junge Käufer war mit seinem Vater aufgekreuzt und ganz vernarrt in meine Zündapp. Obwohl ich längst nicht das erzielte, was ich erhofft hatte – der „Wertverlust“ war gigantisch. Aber ich hatte etwas Kohle für das erste Auto durch den Verkauf eingenommen.

Später erzählte der Käufer, dass der TÜV den Daumen gesenkt hatte, als er das Moped einige Monate später zur Abnahme vorstellte. Hochlenker, Blinker und die neue Lampe musste er abmontieren. Die Original-Lenker hatte ich ihm mitgegeben – nur das Lampengehäuse musste er wohl als Ersatzteil nachkaufen. Der „Schaden“ hielt sich für ihn in Grenzen, hatte er doch einen guten Preis erhandelt. Nur ärgerte er sich, dass er mein Top aufgebretzeltes Moped, in das er sich sofort verliebt hatte, wieder in den Werkszustand zurück bauen musste.

Ich war da schon auf dem Weg zu neuen Abenteuern, denn ein Auto musste her. Aber die Episoden mit meinen ersten Autos, samt ihren Herausforderungen als Schrauber, finden ihren Platz in einem neuen Blog-Beitrag. Denn bevor ich „groß war“, waren es gleich drei Autos geworden, die ich nacheinander gekauft hatte und von denen ich die ersten zwei Wagen – nach viel Schrauberei – wieder abstoßen musste.

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1 Antwort zu Meine "Schrauberjahre"-Teil 2: Das neue Moped …

  1. Manuhiri sagt:

    Längs eingebaute V-Motoren mit dem Zylinderwinkel gibt es nicht so viele.
    Voctoria Bergmeister V35 wäre so was. Bei Klein-Ebay ab 12.000.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_V_35_Bergmeister

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