Meine "Schrauberjahre"-Teil 3: Ein Auto wird gebraucht …

Renault R4, Quelle: WikipediaIn Meine „Schrauberjahre“ Teil 1: Der Führerschein … sowie in Meine „Schrauberjahre“-Teil 2: Das neue Moped … ging es ja um die Episoden des Führerscheinerwerbs sowie um die Irrungen und Wirrungen meines ersten Mopeds. Ständig musste was repariert werden. Sollte sich ändern, ein Auto musste her, nachdem ich den Führerschein dazu hatte. Nie mehr schrauben, nur noch tanken und fahren, das war der Masterplan. Ich hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Stoff für weitere kleine Geschichten, die sich so ereigneten.


Anzeige

Ich will ein Auto …

Natürlich sollte ein Auto her – aber da gab es einige Probleme. Da gab es einige Leute, die wohl etwas mehr verdienten oder von den Eltern die Kohle bekamen. Jedenfalls fuhren Einige mit Opel Mantas und Ford Capris oder Opel Asconas durch die Gegend. Ich selbst war ja ein armer Schlucker, gerade die Lehre hinter mir und schon auf dem Weg zurück auf die Schulbank, um auf dem zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife und die Fachhochschulreife nachzuholen.

Also keine Kohle im Portemonnaie, Manta, Ford Capri und was weiß ich lagen in weiter Ferne. Selbst die günstigen Gebrauchtwagen von 2.000 Mark schienen unerreichbar.  Aber da gab es eine Lösung: Ein wenig hatte ich gespart, und das Moped konnte ja verkauft werden. Also in die Zeitung eine Verkaufsanzeige gesetzt. Ich bin es sogar losgeworden – für 600 Mark ein Verlustgeschäft, da der Kauf des gebrauchten Mopeds ein Jahr vorher doch weit über 1.000 Mark gekostet hatte.

Aber die Kalkulation war klar: 600 Mark für das Moped, knapp 1.000 Mark hatte ich erinnerungsmäßig gespart, und da gab es einen gefühlt „guten Gebrauchten“ beim Renault-Händler im nahen Städtchen Bitburg. War zwar nicht das Wunschmodell Renault R5, sondern ein hellblauer Renault R4 als Viersitzer – von der Auto-Bild mal als „Die rollende Gelassenheit“ betitelt. Sollte aber 2.400 Mark kosten – mehr als mein mehrmaliges Nachzählen der Barschaft so ergeben wollte. Weiter runter im Preis handeln klappte nicht. Also legte Vater noch einige Hunderter drauf und der Deal kam zustande.

Renault R4, Quelle: Wikipedia
Renault R4, Quelle: Wikipedia, Von AlfvanBeem – Eigenes Werk, CC0

Dank Schadensfreiheitsrabatt und minimaler PS-Leistung des Motors war das Fahrzeug echt billig in der Versicherung, und sparsam in Spritverbrauch. Gegenüber einem Citroen 2CV (die Ente) war mein R4 schon ein geiles Wägelchen, Du konntest Schafe und Ziegenböcke auf der hinteren Ladefläche transportieren und trotzdem vorne auf den Ledersitzen vier bis fünf Personen über Land fahren. Gut, Schafe und Ziegenböcke hatte ich nicht zu transportieren, aber es fanden sich immer viele Kumpels, die mitfahren wollten. Die Technik war auch genial, neben dem elektrischen Anlasser hatte der R4 noch eine Kurbel, um den Motor anzuwerfen. Es gab eine Revolverschaltung, die den R4 einzigartig machte. Öffnete man die Motorhaube, war da viel Leerraum und nur ein winziger Frontmotor samt Getriebe und Antriebswellen für die Vorderräder. Dann am Chassis das montierte „Einmachglas“, welches als Ausgleichsbehälter für die Kühlerflüssigkeit diente – man sah sofort, ob es noch genügend Kühlerwasser gab. Echt einfach Technik – die Abenteuer als Schrauber konnten weiter gehen.

Heute ziehe ich meinen Hut vor den französischen Ingenieurkollegen, die das Fahrzeug entwickelten. Damals habe ich geflucht, weil mir die Abenteuer als Schrauber über den Kopf wuchsen. Den letzten von über 900.000 in Deutschland verkauften R4 sicherte sich 1988 laut Auto-Bild mein Namensvetter Günter Jauch. Junge, Junge, wir waren schon ein illustres Völkchen, damals.

Nachtrag: Ach ja, über einen Nutzerkommentar ist mir noch eingefallen, dass der Handwerksbetrieb, in dem ich meine Lehrlingsausbildung absolvierte, auch einen R4 als Firmenwagen hatte. Den habe ich Samstags regelmäßig gewaschen und auch schon „vor Führerschein“ zwischen Garage und Waschplatz auf dem Hof der Firma gefahren.

Enge Kurven, Mäuerchen und kaputte Bremsen

Ich hatte mein erstes Auto und das Abenteuer konnte beginnen. Dummerweise war da eine Stichstraße, die im spitzen Winkel von der Hauptstraße abzweigte. Ich wollte von der Hauptstraße in die Stichstraße einbiegen, aber von der Seite, wo die Fahrbahn beim Einbiegen einen spitzen Winkel formte. Und da links und rechts Gärten lagen, waren diese mit kleinen, niedrigen Betonmäuerchen für die Gartenzäune eingefasst. Ich habe die Kurve nicht weit genug ausgeholt und hörte nur ein ekeliges Kratzen. Als ich ausstieg, wusste ich es bereits. Ich hatte mir an der Kante des Mäuerchens an dessen Spitzwinkel eine nette Scharte am unteren Rand der Beifahrertür fabriziert. Ein Fluch, etwas Klarlack drauf, damit es nicht rostet, und die Sache war geritzt – die erste kleine Beule war passiert.

Und dann gab es irgendwann den Zustand, dass die Handbremse nicht mehr richtig griff, man musste die kräftig anziehen. Ich war in einem Nachbardorf unterwegs und hielt vor einer Telefonzelle. Gang raus, Handbremse vorne links ziehen und Motor aus. Dann ging es in eine Telefonzelle, ein Mädel im Dorf anrufen. Während ich so telefonierte, klopfte ein Junge aus dem Dorf an die Scheibe der Telefonzelle „Eh, da ist gerade ein Auto weggelaufen, ist das deines?“. Ich schaute auf den Parkplatz, da war kein R4 mehr. Der Parkplatz war leicht abschüssig, und so war das Auto langsam an- und quer über die angrenzende Straße gerollt, um an einem niedrigen Mäuerchen zum Stehen zu kommen.


Werbung

War glücklicherweise nichts passiert und so ein Mäuerchen kann einem R4 nichts anhaben. Das Auto hatte nicht mal eine Beule, am Mäuerchen saß man auch nichts, aber ich hatte einen gewaltigen Schreck bekommen. Ich habe dann in der darauffolgenden Woche die Bremsbeläge an den Rädern getauscht und auch die Handbremse neu eingestellt. Damit mir so etwas nie wieder passiert …

Vorderradantrieb und Gelenkwellen

Der Renault R4 war der erste Wagen des Herstellers mit Vorderrad-Antrieb. Vom Getriebe übertrugen zwei sogenannte Gelenkwellen die Kraft des Motors auf die zwei Vorderräder. Genial einfache Technik, die nur den Nachteil hatte, dass die Gelenkwellen irgendwann ausschlugen. Und da das Auto beim Kauf schon eine hohe Laufleistung hatte und es irgendwann beim Fahren klapperte, brachte ich es zur Werkstatt. Gelenkwelle vorne rechts kaputt, kostet mehrere Hundert DM, lautete die Botschaft. Ließ es zähneknirschend reparieren und zahlte, Auto soll ja fahren …

Wochen später klapperte es beim linken Vorderrad. Auch ohne Werkstattbesuch wusste ich „Gelenkwelle links kaputt“. Nochmals eine teure Reparatur? Ich kaufte erinnerungsmäßig eine Ersatzgelenkwelle und baute diese an einem Samstag ein. Hielt einen ganze Weile, aber ich vermeinte, wieder ein beginnendes Klappern zu vernehmen. Beim Blick in die Zeitung sah ich, dass da ein alter R4 zum Verkauf im Nachbarort angeboten wurde. Ich fuhr hin und konnte den R4 für erinnerungsmäßig 200 DM kaufen. Das Auto hatte keinen TÜV mehr, aber ich wollte den Wagen als Ersatzteillager verwenden.

Als ich mit meinem hellblauen R4 im Nachbarort bei dem für mich älteren Herren als Verkäufer auftauchte, sah dieser das Auto und fragte „das ist ja mein alter R4, wo hast Du den gekauft?“. Ich nannte den Namen des Händlers, worauf er den Verkaufspreis erfragte. Als er von mir den Preis erfuhr, den mir der Händler abgeknöpft hatte, wurde der Mann blass. In meinem Hinterkopf materialisierte sich der Gedanke, über den Tisch gezogen worden zu sein.

Aber ich hatte mein Ersatzteillager „im Schuppen“, denn dort hatte ich den Wagen mit dem Trecker meines Vaters hin geschleppt. Und so ging ein Sonntag drauf, weil ich kurzerhand den Motor samt Getriebe und Gelenkwellen aus dem alten R4 aus und in meinen R4 einbaute. Funktionierte, den kleinen Motor konnte ich ohne Flaschenzug einfach so in den Motorraum hieven, festschrauben und die Anschlüsse montieren. Dummerweise hatte ich beim Kauf meines Ersatzlagers übersehen, dass der alte R4 ein Dreigang-Getriebe hatte, während mein Modell mit Viergang-Getriebe versehen war. Ich glaube, ich bin drei Wochen mit dem Dreigang-Getriebe gefahren, um genervt alles zurück zu bauen.

Irgendwie habe ich es auch hinbekommen, dass die Gelenkwellen nicht mehr schlugen … aber das Auto nervte, drei Stunden schrauben, um Sonntags zwei Stunden fahren zu können. Die Karre muss weg, lautete mein Entschluss, gedacht, getan und ein Zeitungsinserat geschaltet. Es gab tatsächlich einen Käufer, der den R4 für 1.600 DM kaufte – den Motor samt Dreigang-Getriebe habe ich sogar noch mitgegeben.

Das Chassis des R4 habe ich einige Wochen später mit einer Metallsäge in zwei Teile getrennt. Als der Altmetallhändler vom Schrottplatz viele Dörfer weiter mit seinem Laster über den Hof gefahren kam, habe ich ihm diese zwei Reste mitgegeben.

Ob ich noch 20 Mark für den Schrott bekam, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls gab es den Schwur „Nie wieder Renault, nie wieder ein Franzose, die können keine Autos bauen“. Jahrzehnte später hat mein KFZ-Dealer fürs Leben mich doch noch überzeugt, einen Renault Laguna als Coupé mit Fließheck zu kaufen – wäre ja inzwischen Nissan-Technik drin. Meine Frau und ich haben den Laguna geliebt – geniales Design, schönes Auto. Aber ich habe über den Austausch der Steuerketten alle 50.000 km und die 1.600 Euro Kosten geflucht. Und das Auto hat uns verlassen, weil die Technik streikte – das ESP war ausgefallen und ließ sich nicht mehr reparieren. Fahren, bis der TÜV uns scheidet …

Der Opel Kadett …

Nach dem Motto „Kerl macht Sachen“ gab es 1.600 DM und einen Plan, ein anderes Auto musste her. An der Tankstelle des Nachbarorts stand ein gebrauchter Opel Kadett, cremefarben und zum Schnäppchenpreis von genau 1.600 DM zum Verkauf. Sah gut aus und Vater hatte  auch keine Einwände. Gekauft, zugelassen und gefahren … alle glücklich? Eine Woche nach dem Kauf fuhr ich hinter einem Fahrzeug her, um ein Mädel in einem Nachbarort zu besuchen. Ich sah noch den Kieselstein, der vom vorfahrenden Auto aufgewirbelt wurde, auf mich zufliegen. Dann gab es einen Knall, und die Frontscheibe kam mir in Tausend Stücken entgegen.

Meine Versicherung zahlte irgendwie nicht, der andere Fahrer weigerte sich, zu zahlen „nicht meine Schuld und überhaupt weiß ich von nichts, kann ja jeder behaupten“. Also habe ich schweren Herzens im Ersatzteilhandel eine neue Frontscheibe für den Kadett gekauft (war bezahlbar, so erinnerungsmäßig 120 Mark) und selbst eingebaut. Klappte sogar und alles war auch bei Regen dicht.

Vier Wochen später merkte ich beim Kuppeln und schalten, dass die Kupplung schleifte. Also Auto in der Garage aufgebockt, Antriebswelle abmontiert und auch das angeflanschte Gehäuseteil. Schon lag die Kupplung frei und ich sah, dass die Beläge total runter waren. Also eine neue Kupplungsscheibe im Ersatzteilhandel besorgt und selbst eingebaut. Klappte und das Auto fuhr … brauchte nur noch zu tanken …

Na ja, ich glaube, ich musste auch mal einen kaputten Auspuff-Endtopf austauschen – war durchgerostet, ein Problem vieler Autos – bis weit in die 80er Jahre hinein. Während meines Wehrdiensts war mir, als ich in einen andere Kaserne zum LKW-Führerscheinkurs musste, zudem die Benzinleitung  durchgeschnitten worden. Die Fahrzeuge durften nur vor der Kaserne, auf einem ungesicherten Parkplatz, abgestellt werden. Hatte noch voll getankt, um am Wochenende schnell nach Hause fahren zu können. Irgend ein Drecksack wollte wohl Benzin abzapfen. Weil die Einfüllöffnung mit einem Schloss gesichert war, hatte er die Benzinleitung zerschnitten und der gefüllte Tank war ausgelaufen.

Ich ließ mich von einem anderen Wehrpflichtigen bis in die Nähe des Heimatorts mitnehmen, besorgte mir ein Stück Schlauch und reparierte den Schaden in der Folgewoche. Das Auto fuhr wieder …

… aber dann kam irgendwann der TÜV, der Prüfer hatte allerlei zu bemängeln, unter anderem die geflickte Benzinleitung und nicht funktionierende Nebelscheinwerfer. Dann  machte er die Haube auf und wollte die Fahrgestellnummer vergleichen. Da war aber nix – es war ein Unfallwagen und die Fahrgestellnummer war bei den stümpferhaften Reparaturen rausgeschnitten worden … bis der TÜV euch nach gerade mal einem dicken Jahr scheidet … keine Chance eine TÜV-Plakette zu bekommen.

Ein neuer Ford Escort, in Orange

Ich also in die Ford-Werkstatt des Orts, wo ich den Meister und Besitzer kannte, um zu fragen, ob das alles stimmen könne und wie sich das richten ließe. Er wusste um meine „notorisch klamme“ Situation und meinte, er können eine Fahrgestellnummer einschlagen und eine Bescheinigung für den TÜV ausstellen, dass das Fahrzeug nicht geklaut sei. Er kannte seinen Pappenheimer von der Tankstelle, wusste aber, dass keine illegalen Aktivitäten mit geklauten Autos liefen, nur das normale Rosstäuschergehabe des KFZ-Gebrauchtwagenhandels halt eben.

Da die Kotflügel des Opel Kadett an den gespachtelten Unfallstellen bereits unter dem Lack durchrosteten, habe ich abgewunken und nach dem Neupreis eines Ford Escort gefragt. Es verschlug mir aber die Sprache, war weit über meinem Budget. Also über die Reimport-Preise des gleichen Wagens im nahen Luxemburg und Belgien informiert. Der wäre bedeutend preiswerter gewesen.

Als ich erneut zum Meister und Besitzer der Ford-Werkstatt ging, und das so anmerkte, kam „achte beim Re-Import auf die vielen Feinheiten, die Du in Deutschland zur Zulassung brauchst, da ist der Preisvorteil schnell weg. Lasse uns ins Büro gehen, schauen wir mal“.

Er nahm sich den Katalog für die Escort-Modelle und begann zu rechnen. Irgendwann stand ein Betrag auf dem Block der dem Preis eines Re-Imports entsprach. Ich also meine Ersparnisse zusammen gekratzt, Eltern und frisch angeheirateten Schwiegereltern stockten auf und so konnten meine Frau und ich den neuen Ford Escort in der Farbe Orange (ich meine für 6.500 Mark) kaufen. Mein Namensvetter, dem ich durch die KFZ-Lehre mit Nachhilfe geholfen hatte (siehe Meine „Schrauberjahre“-Teil 2: Das neue Moped …), meinte, ich arbeite besonders sorgfältig, wenn ich den Unterboden- und Rostschutz für dein Auto aufsprühe.

Bald nach dem Kauf des neuen Autos waren die 15 Monate Wehrdienst bei der Bundeswehr um und es ging zum Studium in das ferne Nordrhein-Westfalen. Ich hatte mich um eine Mitfahrgelegenheit für die Wochenenden bemüht, um so zwischen Studienort und einem Treffpunkt in Nähe meines Heimatorts pendeln zu können (Frau holte mich dann mit dem neuen Ford Escort ab und fuhr mich Sonntag Abend wieder zum Treffpunkt).

Irgendwann meinte meine Frau „ich hatte diese Woche einen Platten, aber ich habe jemanden gefunden, der das Rad wechselte“. Und ich so: Mist! Hat sie doch einen Dummen gefunden. Denn ich hatte Wochen versucht, ihr das Wechseln eines Rads beizubringen – wollte sie aber nicht.

Und nach dem ersten Semester fand ich als Student eine kleine, und für mich als BAFÖG-Empfänger bezahlbare, Wohnung, so dass meine Frau einziehen konnte.

Während des Studium von 76 bis 79 gab es mal einen leichten Blechschaden am Escort, als wir, meine Frau und ich, im tiefen Winter auf glatten Straßen vom Besuch der Eltern in der Eifel in Richtung Studienort unterwegs waren und leicht gegen eine Mauer gerutscht sind.

Habe dann das Ganze ausgebeult, gespachtelt, abgeschliffen und an einem Wochenende in der Ford-Werkstatt meines früheren Heimatorts neu gespritzt. Der Besitzer hatte genickt, als mein Namensvetter nachfragte. So war das auf dem Dorf, man kannte jemanden, dem man noch einen Gefallen tun musste. Rechne ich dem Besitzer der KFZ-Werkstatt immer noch hoch an, dass er das so zuließ (möglicherweise war er aber auch froh, dass ich einen seiner Lehrlinge durch die Gesellenprüfung gebracht hatte).

Im Studium des Studiengangs Physikalische Technik kamen mir meine Erfahrungen aus der Zeit des Schraubers zugute. Es war viel Feinwerktechnik, Materialkunde und Maschinenbau im Grundstudium enthalten. Und als ich im Fach Technisches Zeichnen dann als Studienarbeit ein Getriebe konstruieren und berechnen sowie als technische Zeichnung abliefern musste, hatte ich immer die praktischen Erfahrung vor Auge – ich hatte durchaus mal in das einen oder andere Getriebe von Motorrädern geschaut – waren aber nie meine eigenen.

Ford Exit … bye, bye Schrauberzeit

Irgendwann ging aber die Zeit des Ford Escort und die Schrauberzeit zu Ende. 1978 gab es einen extrem harten Winter, in dem die Batterie des Fords (war im 3. Jahr) schlapp machte. Also immer ausbauen, nachts in der Wohnung aufladen und am Morgen einbauen, damit Frau zu irgend einer Schulung des Arbeitsamts fahren konnte. 1979 folge dann der Wechsel zum ersten Job im Flugzeugbau in der Hansestadt Bremen. Als ich 1980 die Wartung des Ford Escort bei einer Ford-Vertragswerkstatt durchführen ließ, bemerkte ich, dass das Auto an den Kotflügeln bereits zu rosten begann.

Also habe ich bei der Werkstatt um ein Angebot gebeten, was ein Wechsel auf ein neues Auto kosten würde. Ist dann aber dumm gelaufen, der Werkstattbesitzer machte ein akzeptables Angebot für den gebrauchten Escort, was ich überschlafen wollte. Die Entscheidung „machen wir“ war gefallen, als meine Frau und ich beim Händler aufkreuzten, um den Deal perfekt zu machen.

Der Händler war nicht da, aber seine Frau: „Moment, da lasse ich aber mal ihr gebrauchtes Auto vom Werkstattmeister auf der Hebebühne ansehen, bevor wir das Angebot für die Inzahlungnahme abgeben“. Gesagt getan, und nach einer halben Stunde kam sie, um uns mitzuteilen, für wie viele Tausend Mark Reparaturen anfielen. Das Rückkaufangebot schmolz auf wenige hundert Mark zusammen.

Nissan Cherry Sport-Coupé
Nissan Cherry Sport-Coupé, Quelle: Screenshot Catawiki

Tja, wenn „spoken Word“ bei einer Firma nicht gilt, war das sicher keine gute Geschäftsbasis, also Danke gesagt und vom Hof gefahren. Habe dann durch Zufall einen Nissan-Händler (fungierte damals noch als Datsun) in der Nachbarschaft gesehen. Dort stand ein neues Nissan Cherry Sport-Coupé – mit Fließheck und Silber lackiertem „optisch angedeuteten“ Überrollbügel am Heck (siehe obiger Screenshot).

Für meinen alten Escort bot der Händler gerade einmal 100 Mark weniger als das Erstangebot des Ford-Händlers. Der Deal stand und wir unterschrieben den Kaufvertrag. Kurze Zeit später hatten wir unser neues Auto. „Das Mondauto“ meinte der Mieter in der Oberwohnung des Mietshauses, in dem wir wohnten. Er hatte als KFZ-Mechaniker bei diesem Händler gearbeitet, und kannte den Spitznamen des Autos, welches ich geliebt und viele Jahre gefahren habe.

Dass meiner Frau wenige Monate später, wir waren wegen einer neuen Arbeitsstelle in das Rhein-Main-Gebiet umgezogen, sich in der ersten Woche einen hässlichen Kratzer in den Lack der Seite fuhr, weil ein Begrenzungspfosten auf dem Parkplatz unserer neuen  Mietwohnung eine abstehende Öse für eine Absperrkette hatte, geschenkt. Hätte mir auch passieren können – ich hatte es sogar kommen sehen. Ich habe es mit Lack leicht ausgebessert und gut war.

Um das Auto kann ich neue Geschichten ranken, war zwar ein Sport-Coupé, ließ sich aber durch eine große Heck-Klappe und umlegbare Rücksitze in einen „Lastwagen“ umfunktionieren. Und über den Wagen habe ich sogar den KFZ-Dealer fürs Leben  gefunden – war aber kein Ford-Händler, sondern eine Nissan-Werkstatt in unserer Stadt. Diese Geschichten gebe ich aber bei Gelegenheit in weiteren Blog-Beiträgen zum Besten.

Nur war die Zeit als Schrauber mit dem Kauf des Nissan endgültig vorbei. Als Ingenieur hatte ich für so etwas keine Zeit mehr, und die Nissan-Vertragswerkstatt war ein zuverlässiger Partner. Ich habe in den Jahren bis heute schon mal eine defekte Glühlampe am Auto gewechselt – einige Jahre später den Wechsel zwischen Sommer- und Winterrädern noch selbst vorgenommen –  inzwischen fahre ich allerdings Allwetter-Reifen und schraube definitiv nix mehr am Auto. Aus heutiger Sicht kann ich aber auf eine spannende Zeit als Schrauber, von 1972 bis ca. 1981, zurückblicken.

Ähnliche Artikel:
Der Jung soll was anständiges lernen
Meine „Schrauberjahre“-Teil 1: Der Führerschein …
Meine „Schrauberjahre“-Teil 2: Das neue Moped …
Meine „Schrauberjahre“-Teil 3: Ein Auto wird gebraucht …

Ich Pseudo-Rentner …
Abenteuer COVID-19-Impfung: Wenn Borns geimpft werden
Heckenschnitt: Ich habe den Reinhard Mey gemacht …
Der Ritter der Heckenschere: Der Lavendel-Schnitt
Der Schuhkauf …
Gesunde Bewegung: Der Kauf der Barfußschuhe
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 1
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 2
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 3
Sommer, Sonne, Boule-Kugeln und ein Pastis …
29.4. ist Welttag des Tanzes
Yellow Press: Bill Gates lässt sich scheiden und andere Katastrophen
Gruß aus dem Karbon, oder wie ich Huflattich für Bärlapp hielt
Sommer, Sonne: Mann braucht Grill …
Hey, it’s Barbecue-Time – Grillsaison eröffnet


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Technik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.