Musik zum Sonntag: John Lee Hooker – Boom Boom

Plattenspieler mit LP, Word Record Store DayIn der heutigen Musik zum Sonntag beame ich uns in die 60er Jahre zurück, die für mich so irgendwo erinnerungsmäßig im Jahr 1969 richtig begannen. Die Amerikaner waren 1969 gerade auf dem Mond gelandet (Vor 50 Jahren: Mondlandung der Amerikaner), der Vietnam-Krieg forderte seinen Tribut und ich hatte gerade meine Lehre als Elektriker begonnen (Der Jung soll was anständiges lernen). Aber bereits 1962 hatte John Lee Hooker seinen Titel Boom Boom veröffentlicht (ich bin kürzlich auf eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 1969 gestoßen). Das Stück hat wohl jede Blog-Leserin und jeder Blog-Leser irgendwann im Leben schon mal gehört.


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Laut Wikipedia wurde John Lee Hooker möglicherweise am 22. August 1917 in Tutwiler bei Clarksdale geboren. Hintergrund ist, dass Hooker selbst mehrere Geburtsjahre 1915, 1917, 1920 und 1923 nannte. Der einflussreiche US-amerikanischer Bluessänger, Songwriter und Gitarrist ist am 21. Juni 2001 in Los Altos (Kalifornien) verstorben. Hooker gilt laut Wikipedia als Vertreter des Delta Blues, den er meist mit elektrischer Gitarre in seinem unverwechselbaren Stil vortrug.

Wie Hooker zur Musik kam, ist mal wieder eine Geschichte aus dem Leben – trotz widriger Umstände setzt sich Talent durch. Der Bluesmusiker Tony Hollins ging mit Hookers Schwester Alice eine zeitlang aus. Der Musiker schenkte dem etwa achtjährigen John Lee eine Gitarre, was aber zu Konflikten mit Hookers Vater führte. Dieser verbot ihm, die Gitarre ins Haus zu bringen – für Hookers Vater war Blues Teufelsmusik. Die Gitarre musste in der Scheune aufbewahrt werden. Hooker schwänzte die Schule und übte statt dessen auf der Gitarre im Wald. Dadurch lernte sein Leben lang weder lesen noch schreiben.

An dieser Stelle ging mir so ganz spontan „Junge, da habe ich aber Schwein gehabt“, durch den Kopf. Ich habe erst lesen und schreiben gelernt und hatte in der Jugend auch keine Gitarre. Als ich dann als Student mir so ein Instrument zulegte, fehlten Begabung und Zeit, um richtig Gitarre spielen zu lernen. Aber dafür habe ich dann mein Talent als Schreiber nutzen können. Also wohl auch nix falsch gemacht.

Hooker hatte bezüglich der Gitarre Glück, denn nach der Scheidung seiner Eltern heiratete seine Mutter den Farmer William Moore und nur er zog als einziges Kind zu seiner Mutter. Hookers Stiefvater machte selbst Blues und unterstützte ihn musikalisch. Er ermunterte den jungen John Lee dazu, sich neben dem Chorgesang auch für andere Musikrichtungen zu interessieren und schenkte ihm seine zweite Gitarre. Von seinem Stiefvater, der häufig von Bluessängern wie Blind Lemon Jefferson, Charley Patton und Blind Blake besucht wurde, lernte Hooker das Gitarrespielen. In einem Interview sagte Hooker, dass sein Stiefvater ihn zu seinem eigenen, unverwechselbaren Stil gebracht habe: „[…] was ich heute spiele, es ist haargenau sein Stil.“

Hookers musikalische Karriere dauerte mehr als fünf Jahrzehnte. Zu seinen bekanntesten Stücken gehören die Titel Boogie Chillen‘ (1948), Crawling King Snake (1949), Dimples (1956), Boom Boom (1962), One Bourbon, One Scotch, One Beer (1966) und The Healer (1989). Der Titel Boom Boom lässt sich auf YouTube (Live-Aufnahme aus 1969) abrufen. Ein Album der „Best of“ findet sich hier auf YouTube. Viel Spaß beim Hören, beim Schwelgen in Erinnerungen und schönen Sonntag.

Plattenspieler mit LP, Word Record Store Day
(Plattenspieler mit LP, Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

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2 Antworten zu Musik zum Sonntag: John Lee Hooker – Boom Boom

  1. Remo sagt:

    Ich bin hin und weg bei all den ‚alten‘ Bluesern. Die haben immer was zu erzählen, wenn auch nicht immer schöne Dinge.

  2. Mance sagt:

    Mann, wie die Zeit vergeht. ’62 kam ich in die Lehre, ’69 das erste Mal geheiratet und meine Tochter kam zur Welt.

    Das war noch echte Music. Super!

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