Überraschende Erkenntnisse zum Cerne Abbas-Scharrbild

Cerne Abbas-Gigant (Wikipedia CC BY-SA 3.0) Im Süden von England gibt es das Scharrbild des sogenannten Cerne Abbas-Giganten. Diese 55 Meter hohe Landschaftszeichnung stellt einen nackten Mann mit einer Keule dar und ist mit Kalkschotter in einen Hügel eingraviert worden.  Unklar war, ob es sich um ein Relikt aus Vorzeiten (Kelten) handelt, oder ob das Bild jüngeren Datums ist. Jetzt haben sich Archäologen den Cerne Abbas-Giganten vorgenommen, um eine Altersbestimmung vorzunehmen. Dabei gab es ein überraschendes Ergebnis – und nein, die Zeichnung ist nicht erst nach dem Brexit oder kurz davor entstanden – so viel kann ich schon verraten.


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Cerne Abbas ist eine englische Ortschaft etwa 10 km nördlich von Dorchester in der südwestenglischen Grafschaft Dorset. 2011 wurden im Ort 784 Einwohner gezählt, also nichts besonderes. Aber in der Nähe des Ortes liegt einerseits das ehemalige Benediktinerkloster Cerne Abbey. Viel bekannter ist aber wohl der Riese Cerne Abbas, der als Scharrbild in einen Hügel eingegraben wurde.

Cerne Abbas-Gigant (Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Cerne Abbas-Gigant (Wikimedia CC BY-SA 3.0)

In der Wikipedia wird das Bild so beschrieben: Der Riese selbst ist 55 Meter groß und hält eine lange Keule über dem Kopf in der rechten Hand, die die Höhe des gesamten Bildes nochmals um 11 Meter vergrößert. Der rechte Arm ist angewinkelt, der linke etwas weiter ausgestreckt. Unter dem linken Unterarm der Figur, vom Ellbogen bis zum Handgelenk, war einst eine Fläche eingezeichnet, die heute nicht mehr sichtbar ist. Die Beine sind zum Gehen geöffnet, die Füße weisen beide nach rechts. Die Figur befindet sich auf einer großen eingezäunten Grasfläche (wie man an obigem Foto erkennen kann). Die 60 cm breiten Umrisslinien des Scharrbilds wurden wohl mit Schaufeln und Spitzhacken als Gräben in die Erde gezogen und dann mit Kalkschotter ausgestreut. In der Sonne leuchtete die Figur dann weiß. Damit die Linien nicht zuwachsen, ist etwa alle 10 Jahre eine Restaurierung erforderlich; die letzte fand im August und September 2019 statt – wie die Wikipedia vermerkt.

Interessant ist, dass dieses Scharrbild 1694 zum ersten Mal erwähnt wurde. Denn es gibt die Aufzeichnungen eines Kirchenvorstehers, die die Instandsetzung „of ye Giant“ vermerken. John HutchinsHistory of Dorset von 1774 gibt an, der Riese sei erst in Lord Holles’ Zeit gegraben worden, also zwischen 1641 und 1666, so die Wikipedia. Manche Leute vermuteten aber, dass die Zeichnung auf die Kelten zurückgehen könnte. Im Juli 2020 vorab Ergebnisse zu einer Auswertung von Bodenproben veröffentlicht. Man hatte Bodenproben aus den Füßen und Ellenbogen des Riesen entnommen und untersucht. In den Proben wurden Überreste der Schneckenart Cernuella virgata gefunden, die erst im 13. oder 14. Jahrhundert nach England eingeschleppt wurde. Die Keltentheorie war ab diesem Zeitpunkt widerlegt – es sei denn, die Schneckenschalen wären bei einer späteren Restaurierung in die Zeichnung eingebracht worden.

Im Rahmen der Untersuchung fanden 2020 auch Auswertungen mit optisch stimulierter Lumineszenz an Bodenproben statt. Die im April 2021 veröffentlichten Ergebnisse deuten auf eine Entstehungszeit der Zeichnung zwischen 700 und 1100 n. Chr. hin. SPON hat hier einen Artikel publiziert, der sich mit Erklärungsversuchen, warum die Landschaftszeichnung irgendwann zwischen 987 und 1560 entstanden sein könnte. Man kann es auch kurz fassen: Die Kelten waren es wohl sicher nicht, sondern die alten Engländer, die die Zeichnung mit Hacken und Schaufeln schufen. Nur wann genau, das ist weiterhin ein Geheimnis.


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