Der CureVac-Impfstoffkandidat und die 47% Wirksamkeitsstudie

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Vor einigen Stunden wurde ja bekannt, dass die in Tübingen ansässige Firma CureVac wohl nicht so bald ihrem mRNA-basierten COVID-19-Impfstoff zugelassen bekommt und auf den Markt bringen kann. Der Grund ist, dass in einer klinischen Studie die zulassungsrelevante Wirksamkeitsschwelle von 50% nicht erreicht wurde. Vorläufige Daten zeigen lediglich eine Wirksamkeit von 47%. Hier ein kurzer Blick auf den Sachverhalt.


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Für Deutschland und den europäischen Markt sind inzwischen ja mehrere COVID-19-Impfstoffe zugelassen. Dabei wird zwischen den neuartigen mRNA-basierten COVID-19-Impfstoffe wie Biontech und Moderna, sowie  den auf einem Vektorvirus basierenden Impfstoffen von Astra Zeneca und Johnson & Johnson unterschieden. Die Impfstoffe aus Russland (Sputnik-V) und aus China sind ebenfalls Vektorimpfstoffe.

Der jetzt in der Phase 2b/3-Studie zur Zulassung befindliche CureVac COVID-19-Impfstoff basiert ebenfalls auf der mRNA-Technologie. Der CureVac-Impfstoff weicht aber von den mRNA-basierten COVID-19-Impfstoffen von Biontech und Moderna ab. Hintergrund ist, dass Biontech und Moderna modifizierte Varianten des RNA-Bausteins Uridin verwenden, während CureVac auf die natürlich Variante setzt. Die Impfdosis liegt bei CureVac in der Erprobung bei 12 Mikrogramm, während bei Biontech/Pfizer 30 Mikrogramm und bei Moderna 100 Mikrogramm injiziert werden. Eine sehr ausführliche Erläuterung dieser Unterschiede lässt sich in diesem RND-Artikel nachlesen.

Was ist bei CureVac passiert?

Den Sachverhalt kann man in dieser Ad-Hoc-Meldung des Unternehmens nachlesen (der Text findet sich am Artikelende). Im Rahmen der Zulassung des Impfstoffs in Europa durch die Arzneimittelbehörde EMA wurde die zulassungsrelevante Studie in zehn Ländern durchgeführt. Im Gegensatz zu den Zulassungstests für BionTech und Moderna, die sich auf den Wildtyp des SARC-CoV-2-Virus bezogen, musste CureVac diese Studie in sich schnell verändernder Umgebung mit mindestens 29 Virusstämmen durchführen, während der ursprünglicher Wild-Virusstamm kaum noch vorhanden war.

Spritze, Impfstoff
(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Erste Analysen der Studienergebnisse, die zur EMA übermittelt wurden, zeigen eine Tendenz zu alters- sowie variantenbedingter Abhängigkeit der Wirksamkeit. Unter dem Strich wurden die geforderten statistischen Erfolgskriterien über alle Testpersonen in der zweiten Zwischenanalyse nicht erreicht. Statt der geforderten 50% Wirksamkeit, was für eine Zulassung erreicht werden muss, liegt das bisherige Ergebnis nur bei 47%. Trotz dieses Ergebnisses sieht der Hersteller ein gutes Sicherheitsprofil bestätigt. Die Studie wird bis zu finaler Analyse, welche innerhalb der nächsten Wochen erwartet wird, fortgeführt.

Man kann also sagen: Der Hersteller hatte einfach Pech, dass sein Impfstoff der ersten Generation zu spät in den Test kam, und neue Virusmutanten einbezogen werden mussten. Der Chef von CureVac kontert die jetzt vorschnell aufkommende Kritik auch mit „Kein anderes Vakzin ist an so vielen Virusvarianten getestet worden“.

Wie geht es weiter?

Fachleute halten eine Steigerung der Wirksamkeit des Impfstoffs um wenige Prozentpunkte noch für möglich, so dass trotz der aktuellen Daten eine Zulassung noch möglich erscheint (siehe auch diesen Artikel). Nur wird man mit dem Impfstoff der 1. Generation nicht die Werte von 80 oder 90 % der Konkurrenz erreichen.


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In diesem Artikel wird der Chef von CureVac, Franz-Werner Haas, so zitiert, dass es faktisch eigentlich nicht korrekt sei, die Zahl der vorläufigen Wirksamkeit des CoreVac Corona-Impfstoffs und die Zahlen zur Wirksamkeit anderer Impfstoffe nebeneinander zu stellen. Die Zahlen zur Wirksamkeit der anderen Impfstoffe sähen vermutlich anders aus, wenn man deren Studien zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt hätte.

An dieser Stelle empfiehlt sich Gelassenheit. Zwar fällt der CureVac-Impfstoff in naher Zukunft aus. Aber das Unternehmen entwickelt ja weiter und ist nach wie vor überzeugt, seinen Impfstoff bis zur Zulassung zu bringen. Der Bund hält daher weiter an der CureVac-Beteiligung fest (die selbst nach dem aktuellen Kurssturz immer noch mehr als die 300 Millionen Investitionssumme wert ist). Auch Curevac-Investor und SAP-Gründer Dietmar Hopp glaubt weiter an das Unternehmen.

CureVac-Mitteilung

CureVac N.V. (Nasdaq: CVAC), ein globales biopharmazeutisches Unternehmen, das in klinischen Studien eine neue Klasse von transformativen Medikamenten auf der Basis von Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) entwickelt, gab heute die Ergebnisse der zweiten Zwischenanalyse der international durchgeführten zulassungsrelevanten Phase 2b/3-Studie mit rund 40.000 Probanden (HERALD-Studie) für CureVacs COVID-19-Impfstoffkandidaten der ersten Generation, CVnCoV, bekannt. In einer bislang beispiellosen Umgebung mit mindestens 13 Varianten innerhalb der untersuchten Teilmenge der Studienteilnehmer in dieser Zwischenanalyse erzielte CVnCoV eine vorläufige Wirksamkeit von 47 % gegen eine COVID-19-Erkrankung jeglichen Schweregrades und erreichte damit nicht die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien. Erste Analysen zeigen, dass die Wirksamkeit von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhängt. Die verfügbaren Daten wurden an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) übermittelt. Das Data Safety Monitoring Board (DSMB) bestätigte ein gutes Sicherheitsprofil und die Studie wird bis zur finalen Analyse fortgesetzt. Die vollständigen Daten werden hinsichtlich des am besten geeigneten Vorgehens für die regulatorische Zulassung bewertet.

In dieser Zwischenanalyse wurden insgesamt 134 COVID-19-Fälle untersucht. Von diesen wurden 124 sequenziert, um die Varianten zu identifizieren, die die jeweilige Infektion ausgelöst haben. Es wurde festgestellt, dass es sich nur in einem einzigen Fall um den ursprünglichen SARS-CoV-2-Virus handelte. Mehr als die Hälfte der Fälle (57 %) wurden durch sogenannte besorgniserregende Varianten („Variants of Concern“) verursacht. Die meisten der verbleibenden Fälle betrafen weniger erforschte Varianten wie Lambda oder C.37 (21 %), die zuerst in Peru, und B.1.621 (7 %), die zuerst in Kolumbien, auftrat. Dabei konnte eine Wirksamkeit bei jüngeren Studienteilnehmern registriert werden, während keine Rückschlüsse auf die Wirksamkeit bei Teilnehmern über 60 Jahren möglich waren.

„Wir hatten auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft, haben aber gesehen, dass es bei dieser beispiellosen Bandbreite an Varianten eine Herausforderung darstellt, eine hohe Wirksamkeit zu erzielen. Wir setzen die Studie bis zur finalen Analyse mit mindestens 80 weiteren Fällen fort. Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, sagte Dr. Franz-Werner Haas, Vorstandsvorsitzender von CureVac. „Aufgrund der variantenreichen Umgebung zeigt sich darüber hinaus, dass die Entwicklung von Impfstoffen der zweiten Generation sehr wichtig ist, da immer neue Varianten auftreten.“

Die HERALD-Studie wurde von CureVac in Verbindung mit Bayer mit rund 40.000 Probanden in zehn Ländern in Lateinamerika und Europa durchgeführt. In der zweiten Zwischenanalyse wurden 134 Fälle untersucht, die mindestens zwei Wochen nach der zweiten Impfung auftraten. Um die Virusstämme zu identifizieren, die innerhalb der Studie die jeweilige Infektion ausgelöst haben, wurden bisher 474 COVID-19-Fälle sequenziert. 124 davon erfüllten die Bewertungskriterien und wurden in die vorliegende Wirksamkeitsanalyse einbezogen.

CureVac arbeitet über CVnCoV hinaus weiterhin engagiert an der Entwicklung von COVID-19-Impfstoffen. In Zusammenarbeit mit GSK entwickelt das Unternehmen COVID-19-Impfstoffkandidaten der zweiten Generation. Diese Kandidaten basieren auf neuen mRNA-Rückgraten und integrieren potentielle Varianten in multivalenten Impfstoffformaten sowie kombinierte Impfstoffe für einen möglichen Schutz vor verschiedenen Infektionskrankheiten in einem Impfstoff. Präklinische Daten des ersten Impfstoffkandidaten CV2CoV wurden kürzlich zur Veröffentlichung in Nature Communications angenommen. CureVac und GSK werden für den Impfstoffkandidaten der zweiten Generation voraussichtlich im dritten Quartal 2021 eine klinische Studie beginnen und planen die Markteinführung vorbehaltlich der Genehmigung der Behörden für 2022.

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1 Antwort zu Der CureVac-Impfstoffkandidat und die 47% Wirksamkeitsstudie

  1. nook sagt:

    Ich denke den Erfindern der mRNA Geschichten fällt da bald was ein. Und der Bund könnte ruhig etwas drauf legen, auf die 300 Mios., bevor da ein „Anderer“ investiert.

    Und wunderbar der Optimismus: Kekule: CureVac-Impfstoff ist praktisch tot … (Podcast)

    Zugegeben, ich las nur den header, den 59 min. Podcast, oder grundsätzlich alle, höre ich mir nicht an. Ich lese schneller quer, als ich hören kann ;-)

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