Amazon-Gründer Bezos bietet NASA 2 Milliarden US-Dollar für Mondlandefährenauftrag

Der Multimillionär und Amazon-Gründer Jeff Bezos ist bei den Aufträgen zur Entwicklung einer Mondlandefähre leer ausgegangen. Nun bietet er an, 2 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung einer Mondlandefähre selbst zu finanzieren, wenn er einen Auftrag für seine Firma Blue Origin erhält.


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Worum geht es?

Die Amerikaner wollen bis 2024 wieder im Rahmen des Artemis-Programms zurück zum Mond. Dazu werden auch private Raumfahrtfirmen mit eingebunden. Blue Origin hatte 2019 eine Mondfähre vorgestellt (siehe Amazon-Gründer will zum Mond, Mondfähre vorgestellt).

Blue Origin Mondlandefähre
(Blue Origin Mondlandefähre, Quelle: Blue Origin)

Gleichzeitig hatte sich die Firma Blue Origin von Bezos mit den Konzernen Lockheed Martin, Northrop Grumman und Draper zusammen getan. Das Konsortium hatte sich bei der US-Raumfahrtbehörde NASA beworben, ein Raumfahrzeug für die geplanten bemannten Mondlandungen der NASA zu entwickeln (siehe Blue Origin will bis 2025 mit Menschen auf den Mond).

Dieses Konsortium war aber leer ausgegangen, denn die Firma SpaceX des Multimilliardärs und Besitzers des Automobilherstellers Tesla hat diesen Auftrag im Wert von ca. 2,89 Milliarden US-Dollar erhalten. SpaceX hat einerseits den Vorteil, dass man mit der Falcon 9-Rakete und der Crew Dragon-Raumkapsel bereits für die NASA Nutzlasten und Astronauten zur internationalen Raumstation transportieren kann.

Normalerweise vergibt die NASA solche Aufträge zweifach an konkurrierende Konsortien, um das Risiko zu minimieren. Aber der NASA fehlt aktuell das Geld für so was – auch, weil man für die Entwicklung der neuen Schwerlast-Rakete SLS und der Orion-Raumkapsel sowie des Artemis-Programms bereits viel Geld ausgegeben hat (Artemis hat bereits die gigantische Summe von 37 Milliarden US-Dollar ausgegeben, ohne dass irgend ein Teil erfolgreich geflogen ist). Es sind wohl noch 42 Milliarden US-Dollar nötig, 6,6 Milliarden sind bereits genehmigt.

Jeff Bezos Firma Blue Origin hatte mit dem Konsortium wegen des verlorenen Auftrags Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt (siehe diesen Beitrag bei heise). Die privaten Raumfahrtunternehmen wie SpaceX oder Blue Origin wollen mächtig durch Steuergelder der US-Regierung subventioniert werden, um ihre Raumfahrtpläne voran zu treiben.

Neuer Anlauf mit 2 Milliarden $ als Köder

Nun versucht Jeff Bezos mit Blue Origin auf einem neuen Weg doch noch an einen Auftrag der NASA für den Bau eines Mondlanders heran zu kommen. In einem offenen Brief der Firma Blue Origin, der an den NASA-Administrator Nelson gerichtet ist (aber wohl eher auf Abgeordnete des Kongresses zielt), bietet man einen Deal an.  


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Die NASA möge wieder auf die alte Strategie zurückkehren, die Entwicklung eines Mondlanders an zwei Konsortien zu vergeben. Das Konsortium um Blue Origin habe seinen eingereichten Entwurf so konzipiert, dass der Mondlander auf der Falcon Heavy-Rakete von Konkurrent SpaceX, auf dem noch fertigzustellenden SLS oder auf dem Vulcan-Träger sowie auf der von Blue Origin noch zu entwickelnden Rakete New Glenn fliegen könne. Blue Origin, um Gründer Jeff Bezos, macht daher der NASA folgendes Angebot:

  • Blue Origin wird die Finanzierungslücke bei dem Projekt HLS überbrücken, indem es auf alle Zahlungen im laufenden und in den nächsten beiden Haushaltsjahren der US-Regierung in Höhe von bis zu 2 Milliarden Dollar verzichtet, um das Programm sofort wieder in Gang zu bringen. Bei diesem Angebot handelt es sich nicht um eine Stundung, sondern um einen vollständigen und dauerhaften Verzicht auf diese Zahlungen. Dieses Angebot verschafft der Regierung Zeit, um ihre Maßnahmen [zur Finanzierung des Programms] nachzuholen.
  • Blue Origin wird auf eigene Kosten die Entwicklung und den Start einer Pathfinder-Mission in die erdnahe Umlaufbahn des Mondabstiegselements beisteuern, um die Entwicklungs- und Zeitplanrisiken weiter zu verringern. Diese Pathfinder-Mission wird zusätzlich zum Basisplan angeboten, der die Durchführung einer unbemannten Vorläufermission vorsieht, bevor Astronauten auf den Mond geschickt werden. Dieser Beitrag zum Programm geht über den in im Vorschlag für die Option A genannten Unternehmensbeitrag von über 1 Mrd. USD hinaus, mit dem Dinge wie das privat von Blue Origin entwickeltes BE-7-Mondlandetriebwerk und die unbegrenzte Lagerung von flüssigem Wasserstoff im Weltraum finanziert werden. Alle diese Beiträge kommen zu dem oben erwähnten Verzicht auf Zahlungen in Höhe von 2 Milliarden Dollar hinzu.
  • Schließlich wird Blue Origin einen festen Vertrag mit festem Preis für diese Arbeit akzeptieren, alle Kostenüberschreitungen bei der Systementwicklung abdecken und die NASA vor den Bedenken der Partner bezüglich einer Kosteneskalation schützen.

Wenn man die Kostenüberschreitungen bei den US-Raumfahrtprogrammen kennt, wird man den letzten Punkt besonders gewichten. Mit dem Angebot übt Blue Origin mächtig Druck auf die NASA und die Kongress-Abgeordneten aus, den Deal neu zu verhandeln. Viele Abgeordnete hoffen auf Aufträge für Firmen in ihrem Wahlkreisen. Einen Menschen bis zum Jahr 2024 auf den Mond zu bringen, halten Fachleute eh für höchst ambitioniert und kaum zu schaffen.

Ein englischsprachiger Beitrag, über den ich auf diesen Vorschlag aufmerksam wurde, findet sich hier. Die Kollegen von heise haben diesen deutschsprachigen Artikel mit einigen zusätzlichen Hintergrundinformationen und Erläuterung dazu veröffentlicht. Vor wenigen Tagen war Jeff Bezos mit an Bord des ersten bemannten Fluges der New Shephard-Rakete seiner Firma Blue Origin in den nahen Weltraum (siehe Amazon-Gründer fliegt am 20.7.2021 mit Blue Origin ins All).

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