Der spanische (Ex-)Bischof und die Liebe zur Erotik-Autorin

Tritt ein Bischof zurück, brodelt die Gerüchteküche. Und dieser Fall des gerade zurückgetretenen Bischofs hat etwas besonderes, so quasi in Richtung Crime und Sex. Es geht um den spanischen Bischof Xavier Novell, stramm der katholischen Kirche zugewandt, Unterstützer der Unabhängigkeit Katalaniens, auch mal dem Teufelsaustreiben (Exorzismus) nicht abgeneigt und heftig gegen Homosexualität wetternd. Und dann war da noch dieser Betriebsunfall: Der Teufel lässt die Wege des Bischofs mit den Pfaden der Autorin Xavier Novell kreuzen. Die Frau schreibt satanisch-erotische Romane – und der 52 jährige Bischof verliebt sich in „dieses Weib“,  und ist jetzt kein Bischof mehr …


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Ich bin durch Zufall heute auf die Meldung gestoßen, weil ich etwas in meinem E-Mail-Konto bei einem Internetprovider was nachschauen wollte – und mich der Text plötzlich ansprang. Erst dachte ich: Ist ja irre, alles schamlos gelogen und habe etwas im Internet gesucht. Aber wenn katholisch.de, das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, die Geschichte bringt, muss sie wahr sein.

Der Bischof

Xavier Novell, am 20. April 1969 geboren, wurde am 3. November 2010 vom Papst Benedikt als jüngster spanischer Bischof ernannt. Gomà, so weiß es die Wikipedia, ist ein Verfechter der katalanischen Unabhängigkeit. Der Bischof galt auch als als strikter Gegner von Abtreibungen und Homosexualität. Als Bischof setzte er sich. laut Wikipedia, unter anderem für die hochumstrittene Konversionstherapie für Homosexuelle ein und führte Exorzismen durch. Wenn das alles wirklich stimmt, ein richtig schlimmer Finger, wie man unter „nicht so der katholischen Kirche zugeneigten“ Menschen zu sagen pflegt. Andererseits hat Novell vor seinem Priesteramt ein Studium als Agraringenieur abgeschlossen.

Die Autorin und Psychologin

Und da gab es noch die 1983 geborene Autorin und Psychologin Silvia Caballol, geschieden, und Mutter zweier Kinder eines marokkanischen Vaters. Caballol hat auch zwei satanisch erotische Bücher geschrieben (diese sind leider im Moment vergriffen). RND schreibt in diesem Artikel, dass es eher pornografische Literatur sei, ein Titel heißt Die Hölle in Gabriels Wollust und dreht sich laut Beschreibung auf der spanischen Amazon-Seite um:

Realität, Wahn und Fiktion in einem Roman von frenetischer Rohheit und Intensität vermischen; in dem der Leser durch die Welt der Gefängnisse, der Psychopathie, der Sekten, des Sadismus, des Wahnsinns, der Lust und nach und nach auch der Unwirklichkeit der Unsterblichkeit und des kruden Kampfes zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und Satan und zwischen Engeln und Dämonen geführt wird; all dies durch die antagonistischen Protagonisten von Gabriel – Psychopath, Geisteskranker oder Dämon? – und Helena – Gefängnisforschungspsychologin, geisteskrank oder Engel?

Starker Tobak, und wenn ich die obigen Wikipedia-Erläuterungen nicht gänzlich falsch interpretiere, ein Metier, in dem sich der Bischof wohl auch auskannte.

Das Werk des Teufels

Nun ja, auch einem katholischen Priester, und sogar einem Bischof kann es passieren, dass er einer Frau begegnet, sich in diese verliebt und dann sein Amt aufgibt. Da wäre nichts gegen zu sagen. Warum ich das aber vergnüglich ausbreite? Ich zitiere mal katholisch.de:

Bei seiner Weihe 2010 war er der jüngste Bischof des Landes und machte in der Folge mit Forderungen nach einem optionalen Zöllibat und einer stärkeren Rolle für Frauen in der Kirche von sich reden.

Hätte ich jetzt für eine progressive Geschichte gehalten, wobei die obigen Hinweise auf die Position in Bezug auf Homesexualität und Exorzimus an tiefstes kirchliches Mittelalter erinnern. Und da passt auch die kolportierte Erklärung der spanischen Kirche für den Rücktritt des Bischofs. Hier ein Zitat aus dem RND-Artikel, der sich auf die sehr katholische, sehr konservative und sehr alte Tageszeitung ABC bezieht.

Laut Quellen der katalanischen Kirche heißt es, dass seine Verliebtheit  ein Werk des Teufels gewesen sei. Es ist weder die Schuld der Kirche noch Gottes noch des Zölibats, sondern des Teufels und seiner bösen Tat.

Bleibt mir nur noch ein versöhnlicher Abschluss: Den beiden frisch Verliebten wünsche ich eine gute Zeit, wie man hört, sucht Xavier Novell einen Job als Agraringenieur. Und ich schätze, dass Silvia Caballol ihre Bücher schlicht neu auflegen lässt, da dürften auch noch einige Tantiemen abfallen.


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Nur die katholische Kirche Spaniens sieht in meinen Augen schlicht doof aus. Wenn die die Sache mit dem Zölibat und den Frauen nicht gebacken bekommen, heißt es irgendwann „der letzte macht bitte das Licht aus“. Meine Frau erzählte mir, dass ihr ehemaliger Chef auch ein Theologie-Studium absolvierte, die Lehren hinterfragte und vor der Priesterweihe den Weg in ein bürgerliches Leben mit Ehefrau und drei Kindern nahm. Von dieser Quelle hieß es, dass Zöllibat sei im Mittelalter in der heute praktizierten Form eingeführt worden, weil der Klerus die Vererbung des Kirchenbesitzes an Kinder fürchtete. Der betreffende Abschnitt in der Wikipedia stützt diese Aussage. Mal schauen, was wird – die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben.


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