Extrasolarer Meteorit 2014 auf die Erde gestürzt – Beobachtung vom Militär bestätigt

Im Jahr 2014 wurde die Erde von einem Objekt, das nicht aus unserem Sonnensystem stammt, getroffen. Das war mir bekannt, denn ich hatte das Ganze im Blog thematisiert. Jetzt hat das US-Militär diesen Einschlag ganz offiziell bestätigt.


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Besucher aus anderen Sonnensystemen

Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich unser Wissen auf die Himmelskörper, die in unserem Sonnensystem kreisen. Gelegentlich stürzt so ein Gesteinsbrocken in Form eines Meteoriten auf die Erde. Erst seit der Oumuamua, der auf Grund seiner Bahndaten als interstellarer Besucher unseres Sonnensystems identifiziert wurde, im Jahr 2017 auftauchte (siehe Außerirdischer: Erster interstellarer Asteroid gesichtet? und Interstellarer Asteroid Oumuamua), beginnt sich der Blick zu weiten.

Oumuamua, der wohl ein Komet ist (siehe Extrasolarer Asteroid 'Oumuamua wohl ein Komet), hat sich bereits wieder verabschiedet und ist auf einer für Raumsonden unerreichbaren Bahn, die das Sonnensystem verlässt. Sehr viel haben die Wissenschaftler nicht über Oumuamua herausfinden können. Aber da geht noch deutlich mehr – man muss nur genau hinschauen, Geduld haben und sich eventuell auch erinnern.

 Komet C/2020 F8 (SWAN) Bahn
Bahn von C/2020 F8 (SWAN), Quelle: NASA

Im Mai 2020 hatte ich im Blog-Beitrag Foto von Komet C/2020 F8 (SWAN) über einen Kometen berichtet, der der Sonne recht nahe kam. Der Komet C/2020 F8 (SWAN) wurde erst am 25. März 2020 auf Fotos der SWAN-Kamera entdeckt. Der Komet bewegt sich auf einer hyperbolischen Bahn, und auf Grund der Bahndaten handelt es sich vermutlich um ein interstellares Objekt, welches vor 5.000 Jahren bereits in zwei Kometen zerbrach.

Und 2019 wurde der extrasolare Komet 2I/Borisov entdeckt, der auf Grund seiner hyperbolischen Bahn unser Sonnensystem besucht hat, der Sonne nahe gekommen ist und das Sonnensystem wieder verlassen wird. Details finden sich in diesem englischsprachigen Beitrag. heise berichtet in diesem Beitrag, dass der Komet in einer protoplanetaren Scheibe entstanden sein muss und bis zur Annäherung an die Sonne bisher keinem anderen Stern nahegekommen ist. Für Astronomen eine Sensation und einmaliges Untersuchungsobjekt. Natürlich sind Wissenschaftler scharf darauf, ggf. Material solcher Himmelskörper in die Finger zu bekommen, um dieses im Labor untersuchen zu können.

Extrasolare Meteoriten, das gibt es

Wenn es extrasolare Besucher im Sonnensystem gibt, besteht auch die Chance, dass ein entsprechendes Bruchstück bereits als Meteorit auf die Erde gestürzt ist. Bei meiner Suche hier im Blog bin ich dann auf den Beitrag Fund aus Ägypten: Hypatia-Stein älter als das Sonnensystem gestoßen. Ein in Ägypten gefundener Meteorit, der sogenannte Hypatia-Stein, ist älter als unser Sonnensystem und muss von außerhalb stammen. Der 1996 gefundene Stein lag im sogenannten Libyan Desert Glass-Feld, ein Bereich, in dem gelbes Glas – vermutlich bei einem Meteoriten-Einschlag entstanden, vorkommt. Der Stein wurde nach Hypatia von Alexandria, einer um 355 in Alexandria geborenen griechischen Mathematikerin, Astronomin und Philosophin benannt.

Hypatia-Stein
(Hypatia-Stein, Quelle: Dr. Mario di Martino / INAF Osservatorio Astrofysico di Torino)


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Im Jahr 2013 gaben Forscher bekannt, dass der Stein nicht von der Erde stammen konnte, sondern Teil eines Kometen oder Asteroiden war. Dieser hatte mehrere Meter Durchmesser und muss beim Eintritt in die Erdatmosphäre zerborsten sein. Der Hypatia-Stein ist ein kleines Fragment davon. Untersuchungen aus 2015, die auf Edelgas- und Kernsondenanalysen basierten, zeigten, dass sich das Material von allen bekannten Meteoriten unterschied. Der Stein beinhaltet eine Mischung an Mikro-Mineralen, die weder auf der Erde, noch in anderen bekannten Meteoriten und oder irgendwo im Sonnensystem auftritt.

Ein Team um Jan Kramers und Georgy Belyanin von der University of Johannesburg hat Ende Dezember 2017 eine weitere Analyse im Fachjournal "Geochimica et Cosmochimica Acta" veröffentlicht. Das Objekt muss bei besonders niedrigen Temperaturen in den Tiefen des Weltraums entstanden sein, weit weg von jeder großen Sonne. Denkbar ist, dass der Stein aus dem Kuipergürtel oder der Oort'schen Wolke stammt. Diese befinden sich in den äußeren Regionen unseres Sonnensystems, und dort herrschen so tiefe Temperaturen. Es könnte aber auch ein extrasolarer Himmelskörper sein.

Und 2014 wurde die Erde von einem extrasolaren Meteoriten getroffen – ich hatte im Blog-Beitrag Dezember 2014: Erde von interstellarem Objekt getroffen darüber berichtet. Konkret hieß es, dass im Dezember 2014 ein Meteor oberhalb von Papua Neuginea in der Erdatmosphäre verglühte. Eine erste Analyse der Bahndaten ergab, dass das Objekt von außerhalb unseres Sonnensystems stammen dürfte.

Die Astronomen Amir Siraj und Avi Loeb von der Harvard University hatten sich Aufnahmen automatisierter Kameras, die Meteore, die in der Erdatmosphäre verglühen, fotografieren, näher unter die Lupe genommen. Das Objekt war Amir Siraj in einer Meteoriten-Datenbank der NASA aufgefallen, weil es mit der immensen Geschwindigkeit von über 200.000 Kilometer pro Stunde unterwegs war. Basierend auf dem CNEOS-Katalog (Centre für Near Earth Object Studies der NASA) der Bolide-Ereignisse identifizieren die Astronomen den am 08.01.2014 17:05:34 UTC entdeckten, und oben erwähnten Meteor. Dieser hatte nur einen Durchmesser von ∼0.45 Metern und dürfte vollständig in der Erdatmosphäre verglüht sein.

Aus den Bahndaten und der Geschwindigkeit des Körpers berechneten die Astronomen, dass dieses Objekt von außerhalb des Sonnensystems kommen musste. Denn die Geschwindigkeit von 60 km/Sekunde hätte es dem Objekt ermöglicht, dem Sonnensystem auf seiner hyperbolischen Bahn zu entkommen – wenn es nicht mit der Erde kollidiert wäre. 2019 hatte man dann über den Vorgang eine Vorabveröffentlichung auf auf Arxiv eingestellt, auf eine finale Bestätigung der Daten wartete man aber.

Extrasolarer Meteorit bestätigt

Jetzt hat das US-Spacecommand Anfang April 2022 den Einschlag des extrasolaren Meteorit im Jahr 2014 in obigem Tweet bestätigt. Das Ganze ist eine Räuberpistole, denn Geheimhaltungsvorschriften des Militärs verhinderten, dass die Beobachtungen von Militärsatelliten – die nach Kernexplosionen in der Atmosphäre Ausschau halten, öffentlich bestätigt wurden. Der US-Astrophysiker Amir Siraj schilderte gegenüber dem Medium Vice seine Entdeckung, wie es viele Jahre brauchte, um die Bestätigung durch das Militär zu bekommen. Die Kollegen von heise haben in diesem deutschsprachigen Artikel die Geschichte hinter diesem Fund aufgegriffen. Ob sich die dort ausgedrückte Hoffnung, Bruchstücke dieses Meteors zu finden, erfüllt, wage ich aber zu bezweifeln. Die Eintrittsgeschwindigkeit dürfte dafür gesorgt haben, dass der Körper verglüht ist. Aber selbst wenn er in der Atmosphäre zerplatzt ist, rund um Papua-Neuguinea gibt es sehr viel Wasser des Pazifik. Nur wenn Bruchstücke über Land heruntergekommen wären, gäbe es eine Chance auf einen Fund. Aber inzwischen sind fast acht Jahre vergangen, die Bruchstücke dürften überwachsen oder von Erde bedeckt worden sein. Trotzdem ist das Ganze eine interessante Erkenntnis.

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