42 Stunden pro Woche arbeiten, statt mit 70 in Rente?

Wie kriegt es Deutschland hin, dass die Rente mit steigender Lebenserwartung stabil bleibt, die Leute aber nicht erst mit 70 Jahren oder später erst in den Ruhestand gehen können? Die Beiträge zur Rentenversicherung dürfen aber auch nicht steigen. Länger arbeiten, meinen Wirtschaftsforscher.


Anzeige

Die demografische Entwicklung zeigt, dass jetzt mehr Leute aus den Boomer-Jahren in Rente gehen. Dem Arbeitsmarkt gehen also gut ausgebildete Arbeitnehmer verloren. Gleichzeitig wird aber die Zahl der Leute, die in die Rentenversicherung einzahlt, wird immer weniger. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland, d.h. es fallen länger Rentenzahlungen an. Das ist eine toxische Kombination, die die Rentenversicherung in Deutschland – und damit die Politik – vor neue Herausforderungen stellt.

Arbeit auf dem Bau
(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Das bedeutet entweder: Die Höhe der zu erwartenden Renten wird abgesenkt, was eigentlich keiner will und was auch bei kleinen Renten problematisch ist. Eine andere Option ist, dass die Beitragszahlungen zur Rentenversicherung steigen müssen (Arbeitgeber, Arbeitnehmer und/oder staatliche Zuschüsse). Auch dies wird man vermeiden wollen, um die Arbeitskosten nicht weiter in die Höhe zu treiben.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Menschen länger arbeiten müssen, bis die gesetzliche Altersgrenze zum Eintritt in die Rente erreicht ist. Das haben wir ja derzeit mit dem Modell "Rente ab 67", bei dem die Altersgrenze für den Ruhestand schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird. Jetzt die Lebensarbeitszeit bis zum Alter von 70 Jahren oder mehr anzuheben, wird schwierig. Während einige Menschen (z.B. meine Wenigkeit) auch mit 67, 68 oder mehr Jahren noch gerne ein wenig arbeiten, wird das in manchen Berufen nicht gehen – oder die Leute sind einfach körperlich fertig und können den Beruf nicht mehr ausüben.

Mehr Stunden pro Woche arbeiten

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, befasst sich mit seinen Mitarbeitern auch mit solchen Fragen. Nachdem die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters politisch kaum durchsetzbar erscheint, die Rente aber auch nicht weiter abgesenkt werden kann, sind bereits zwei Optionen zur Steuerung entfallen. Bliebe noch die Erhöhung der Beitragszahlungen, was für den einzelnen Arbeitnehmer problematisch ist – es gibt weniger Netto vom Gehalt/Lohn – und die Arbeitskosten steigen.

Hüther macht nun einen Vorschlag, der die oben skizzierten Maßnahmen überflüssig macht, gleichzeitig den Fachkräftemangel etwas reduzieren könnte und trotzdem die Finanzierung der Rentenversicherung auf die kommenden Jahre sichert. Sein interessanter Vorschlag ist, dass die Menschen einfach täglich länger arbeiten, um das Rentensystem zu stabilisieren, und gibt einen Wert von 42 Stunden pro Woche an. Das Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland lässt sich hier nachlesen.

Ähnliche Artikel:
Rent a Rentner: Arbeitsvermittlung für Senioren
Arbeitsleben beeinflusst die Lebenserwartung
Mehr Senioren arbeiten neben dem Ruhestand
Urteil: Anrechnung von Arbeitslosenzeiten bei Rente mit 63
Heute-Sprecherin Petra Gerster, Abschied in den Ruhestand: "Lebbe geht weider"
Ruhestand: Ehepaare haben durchschnittlich über 2907 Euro Netto monatlich
Heute-Sprecher Claus Kleber hört Ende 2021 auf …
Mr. Tagesschau, Jan Hofer, geht in Rente
Jan, geh Du voran – Hofers letzte Tagesschau …


Werbung

Tipp: Die Rentenberatung der Deutsche Rentenversicherung
Rentenanträge bei der Deutsche Rentenversicherung anfordern
Tipp: Ergänzende Informationen für Rentner bei der DRV
Rentenanträge bei der Deutsche Rentenversicherung anfordern
Tipp: Online-Rechner für Rentenhöhe und –beginn
Urteil zum Versorgungsausgleich nach Tod des Begünstigten
Urteil: Anrechnung von Arbeitslosenzeiten bei Rente mit 63
Pflegende Angehörige: Tipps für mehr Rente
Mehr Senioren arbeiten neben dem Ruhestand
Gekürzte Mütterrente und die Rentenerhöhung 2019
Arbeiten im höheren Lebensalter … warum nicht?
Die Arbeitswelt von morgen und die alternde Gesellschaft

Urteil zum Versorgungsausgleich nach Tod des Begünstigten
Versorgungsausgleich bei Tod des Ex-Partners rückabwickeln


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu 42 Stunden pro Woche arbeiten, statt mit 70 in Rente?

  1. Mance sagt:

    "Da die Einnahmen durch Beitragszahler die Ausgaben der Rentenkasse schon lange nicht mehr abdecken können, finanziert der Bund die Kasse durch Steuereinnahmen mit. Im Jahr 2020 lagen diese Aufwendungen erstmals über der Marke von 100 Milliarden Euro. Für 2021 sieht der Bundeshaushalt 106 Milliarden Euro vor. Das ist mehr als ein Viertel des Bundeshaushalts. Experten zufolge könnte der Anteil in den kommenden Jahrzehnten auf mehr als 50 Prozent des Haushalts steigen."

    Zitat aus
    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/rentensystem-faq-101.html

    Die Reformation des Rentensystems ist längst überfällig. Alles Andere ist m. E. Flickschusterei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.