Meteorit: Die Tunguska-Katastrophe

Am gestrigen 30. Juni war Weltmeteoritentag (siehe 30. Juni: Weltmeteoritentag – Österreicher sollen die Meteoriten suchen), der "jedes Jahr auf internationaler Ebene an den Jahrestag des Tunguska-Einschlags über Sibirien, Russische Föderation, am 30. Juni 1908 erinnert und die Öffentlichkeit für die Gefahr von Asteroideneinschlägen sensibilisieren soll". Das Ereignis ist 114 Jahre her. Aber was war da in Tunguska los? Erst seit einigen Jahren gibt es einleuchtende Erklärungen dazu.


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Zusammenfassung der Beobachtungen

Im 30. Juni 1908 muss es gegen 7:15 Uhr Ortszeit eine oder mehrere Explosionen (Ohrenzeugen berichteten von einer bis zu 15 Explosionen, wie auf Wikipedia zu lesen ist) in der Region Tunguska gegeben haben. Bei dem Ereignis wurden Bäume bis in etwa 30 Kilometer Entfernung entwurzelt und Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara eingedrückt. Experten schätzen, dass auf einem Gebiet von über 2000 Quadrat-Kilometer rund 60 Millionen Bäume umgeknickt wurden.

Aus der Wikipedia zitiert: Noch in über 500 Kilometern Entfernung wurden ein heller Feuerschein, eine starke Erschütterung, eine Druckwelle und ein Donnergeräusch wahrgenommen, unter anderem von Reisenden der Transsibirischen Eisenbahn. Die Einwohner des Ortes Kirensk, 450 km vom Ereignisort entfernt, sahen eine Fontäne aufsteigen, woraus die Höhe der Fontäne auf mindestens 20 km geschätzt wird. Aufgrund der dünnen Besiedlung des Gebietes gibt es keine verlässlichen Berichte über Verletzte oder Tote. Je nach Quelle werden getötete Rentiere und keine oder bis zu zwei menschliche Opfer genannt.

In allen meteorologischen Stationen Europas und Nordamerikas registrierten die Seismographen die Erschütterung der Erdrinde. Die sich mit Schallgeschwindigkeit ausbreitende Druckwelle erreichte das 970 km entfernte Irkutsk in einer Stunde, das 5000 Kilometer entfernte Potsdam nach 4 Stunden, 42 Minuten und Washington, D.C. nach 8 Stunden. Die Messgeräte in Potsdam empfingen die Signale nach 30 Stunden und 29 Minuten ein zweites Mal, nachdem sie die Erde einmal umrundet hatten. Während der folgenden Nächte zeigten sich über den mittleren Breiten Europas silbern leuchtende Wolken von außergewöhnlichem Glanz. Die Durchsichtigkeit der Atmosphäre war durch die aufgewirbelten Staubmassen getrübt. Trotz dieser vielfältigen Auswirkungen fand das Ereignis unter Wissenschaftlern wenig Beachtung, was wohl auch den noch in den Anfängen befindlichen Kommunikationsmöglichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts geschuldet ist.

Versuche, die Ursache zu ergründen

Es gibt unzählige Berichte, Filme und Artikel über das Ereignis, samt Erklärung der Ursache. Man vermutete den Einschlag eines Meteoriten (größerer Asteroid) in diesem Gebiet. Aber es blieb schwierig, denn die abgelegene Region wurde seinerzeit nicht erforscht. Erst in den Jahren 1921/1922 sammelte der russische Mineraloge Leonid Kulik auf einer Expedition erste Informationen. Das Problem: Er gelangte aber nur bis Kansk in 600 Kilometern Entfernung vom Ort des vermuteten Ereignisses.

Erst 1927 konnte eine größere Expedition der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften unter Leitung von Kulik bis zum verwüsteten Gebiet vordringen. Sie fanden ein etwa 25 km im Durchmesser messendes Gebiet mit großen Verwüstungen. Große, starke, meist hundertjährige Bäume waren entwurzelt worden, ihre Baumkronen zeigten vom Einschlagsort weg. Das historische Foto aus folgendem Tweet zeigt das Gebiet – den NASA-Artikel gibt es hier.

 Die Tunguska-Katastrophe

Die Besatzung des Luftschiffes Graf Zeppelin suchte bei dessen Erdumrundung im August 1929 vergeblich nach einem Krater. In den Jahren 1937/1938 veranlasste der russische Mineraloge Leonid Kulik Luftbildaufnahmen der Region. Die aus einem Flugzeug aufgenommenen Fotos zeigten zwei Einschlagsorte im zerstörten Wald und bestätigten die Fallrichtung der Bäume.


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Noch bis um 1940 untersuchten Wissenschaftler die Gegend. Kulik fand in Torfschichten, die den Sumpf bedeckten, feinste Gesteinstrümmer, deren Alter oder Herkunft aber nicht genauer bestimmt werden konnten. Auch geschmolzene Quarzstücke wurden dem Boden entnommen, in denen Nickel-Eisen-Verbindungen nachgewiesen wurden. Der Zweite Weltkrieg verhinderte weitere Sucharbeiten.

Aber einen Krater des Einschlags eines Meteoriten hat man bis heute nicht gefunden. Ich erinnere mich an einen Film, siehe auch die Hinweise auf Wikipedia, der eine Expedition verschiedener Forscher in die Region beschrieb. Man versuchte auch im Tscheko-See in der Region Bohrungen, um ggf. Reste des Meteoriten zu finden – allerdings ohne Ergebnis.

Was war da los?

Es gab zwischenzeitlich die krassesten Theorien: Explosion einer Atombombe (unwahrscheinlich), Absturz eines außerirdischen Raumschiffs (Unsinn), Methan-Explosion durch Ausgasungen im Permafrost-Boden (dafür sein die Schäden zu groß). Inzwischen hat sich die Theorie verfestigt, dass ein Stein-Asteroid oder ein Komet mit einem Durchmesser von 30 bis 80 Metern in die Erdatmosphäre eingetreten ist. Vor dem Aufschlag explodierte er in fünf bis vierzehn Kilometer Höhe über dem Boden explodierte.

Speziell der Meteorit von Chelyabinsk (Ural, Russland), der am 15. Februar 2013 in der Atmosphäre explodierte und über 100 Menschen verletzte sowie zahlreiche Fensterscheiben zerstörte, brachte die entsprechenden Beweise, dass so etwas auch in Tunguska der Fall gewesen sein könnte. Das gut dokumentierte Ereignis sowie die Feuerkugel des explodierenden Meteoriten bot den Forschern die Möglichkeit, moderne Computermodellierungstechniken anzuwenden, um zu erklären, was gesehen, gehört und gefühlt wurde.

Die Modelle wurden zusammen mit Videobeobachtungen des Feuerballs und Karten der Schäden am Boden verwendet, um die ursprüngliche Größe, Bewegung und Geschwindigkeit des Tscheljabinsker Objekts zu rekonstruieren. Das Ergebnis ist, dass es sich bei Tscheljabinsk höchstwahrscheinlich um einen steinernen Asteroiden von der Größe eines fünfstöckigen Gebäudes handelte, der 24 Kilometer über dem Boden auseinanderbrach. Dabei wurde eine Schockwelle erzeugt, die einer Explosion mit 550 Kilotonnen entspricht.

Die Schockwelle der Explosion sprengte etwa eine Million Fensterscheiben und verletzte mehr als tausend Menschen. Glücklicherweise reichte die Kraft der Explosion nicht aus, um Bäume oder Gebäude umzustürzen. Nach den derzeitigen Erkenntnissen über die Asteroidenpopulation kann ein Objekt wie der Tscheljabinsk-Meteor im Durchschnitt alle 10 bis 100 Jahre auf der Erde einschlagen.

 

Erklärung für Tunguska-Ereignis

Das Foto in obigem Tweet zeigt die Szene, die sich am 30. Juni 1908 über der Taiga von Tunguska ereignet haben muss. Der Meteorit explodierte in der Atmosphäre und schickte einen Feuerball in Richtung Boden. Dieser wurde dann reflektiert und wölbte sich wieder nach oben. Die auftretende Schockwelle war dann dafür verantwortlich, dass die Bäume umgeknickt wurden. Das Ganze ist eine spannende Geschichte – auf Wikipedia lassen sich weitere Details auf Deutsch nachlesen. Und auch der englischsprachige NASA-Artikel aus 2019 ist recht interessant.

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8 Antworten zu Meteorit: Die Tunguska-Katastrophe

  1. Ärgere das Böse! sagt:

    "…Absturz eines außerirdischen Raumschiffs (Unsinn)…"
    In diesem Fall ist es tatsächlich Unsinn.

    Ausserirdisches Leben muss aber fast möglich sein. Vor ein paar Wochen bin ich wegen des ESA/Hubble Newsletters (Ich habe ihn wegen der Bilder abonniert) mal die Zahlen der Milchstrasse durchgegangen, aber nicht um Ausserirdische zu suchen, sondern einfach um mal die Ausmasse zu "erleben".
    Wie ich dann auf die Idee gekommen bin, noch mehr zu rechnen, weiss ich nicht mehr. Auf jeden Fall schliesse ich ausserirdisches Leben, wie wir es kennen, nicht mehr aus.

    Das sieht dann so aus:
    Die Milchstrasse sei eine grosse Galaxie, mit 100 bis 400 Milliarden Sternen. Ich habe dann mal mit 100 Milliarden Sternen gerechnet.
    10 % von den Sternen seien gelbe Zwerge wie unsere Sonne. Das ergäbe für unsere Milchstrasse 10 Milliarden Sonnen, die Leben ermöglichen, wie wir es kennen.
    Die entscheidende Frage ist jetzt, wieviele dieser Sonnen auch ein Planeten-System haben, das auch Leben ermöglicht. Ich bin dann von 1 : 1'000'000'000 ausgegangenen, was in der Milchstrasse immer noch 10 Sonnen mit Planeten-Systemen mit der Möglichkeit für Leben, wie wir es kennen, bedeuten würde.
    Jetzt kann man weiterrechnen:
    Das Universum soll ca. 100 Milliarden Galaxien enthalten. Wenn wir davon ausgehen, dass die 100 Milliarden Sterne der Milchstrasse der Durchschnitt der Anzahl Sterne einer Galaxie sind, können wir die 100 Milliarden Galaxien des Universums mit den 10 Planeten-Systemen der Milchstrasse multiplizieren, und erhalten dann 1000 Milliarden Sonnen-Systeme wie wir es kennen. Im Universum.

    Nun kann man sagen, ich hätte mit zu viel Sternen gerechnet. Wenn man die Durchschnitts-Grösse einer Galaxie auf 25 Milliarden Sterne reduziert, kommt man immer noch auf 250 Milliarden Sonne-Systeme, die Leben ermöglichen. Im Universum.

    Die Zahlen beziehen sich auf die Gegenwart und sagen nichts darüber aus, wieviele Sonnen, die Leben ermöglicht haben, bereits am Erlöschen oder erloschen sind.
    Irgendwie war ich erschrocken.
    Da ich mich noch nie mit Astronomie befasst habe, sind Denkfehler möglich.

    • Mance sagt:

      Sorry, aber ich glaube nicht, daß man da mit Zahlenakrobatik weiter kommt. Statistische Wahrscheinlichkeiten bringen uns da nicht weiter. Es fehlen einfach die empirischen Grundlagen dafür.

      Für mich gibt es keinen Zweifel daran, daß wir nicht! alleine sind. Es muß ja auch nicht unbedingt die Lebensform sein die wir kennen, obwohl es natürlich ein schöner Gedanke ist.

      Und nebenbei; wie sieht das eigentlich unter jeweden religiösen Gesichtspunkten aus? Gehen die nicht alle davon aus, daß "Gott" nur den Menschen auf Erden erschaffen hat?

      • Ärgere das Böse! sagt:

        Meine Rechnung ist keine Zahlen-Akrobatik sondern für jeden verständlich.
        Wie Du siehst, bringen uns statistische Wahrscheinlichkeiten weiter bzw. so weit, dass wir Leben ausserhalb der Erde nicht mehr ausschliessen dürfen. Ein Teil dieses Lebens ist vielleicht schon wieder erloschen, weil die dazugehörige Sonne auch bereits wieder erloschen ist.
        Mit unseren Möglichkeiten sehen wir 13,8 Milliarden Licht-Jahre weit, das ist der Radius der Kugel, die sich bildet, wenn man von der Erde aus ins All blickt. Der Radius des Universums soll aber 45 Milliarden Licht-Jahre betragen. Da war also schon einiges vor der Erde!

        Religion ist eine psychische Krankheit, die dumm, intolerant, aggressiv und gewalttätig macht.

        • Mance sagt:

          Also ich denke, daß ich mit meiner Annahme im 2. Absatz garnicht schlecht liege.

          Mit Zahlenakrobatik meinte ich nicht deine Berechnung als solche sondern die Annahme eines Grenzwertes, ab dem die Möglichkeit besteht oder nicht besteht. Das ist reine Spekulation da es keinen meßbaren Nachweis dafür gibt. Mir wäre jedenfalls keine Veröffentlichung bekannt in der jemand bewiesen hat, daß es zwingend so sein muß (außer vielleicht der Däniken ;-) ).

          Aber zumindest sind wir uns einig darin, daß wir nicht alleine sind :-) Nur die Herangehensweise unterscheidet sich.

          Also ist es im Moment noch eine Glaubensfrage womit wir dann wieder bei der Religion landen. Da es müßig ist darüber zu diskutieren nur soviel zu dem Thema. Agnostizismus wäre bspw. ein weiterführendes Stichwort. Das gefährliche an den Religionen sind nicht die Menschen die einen Halt darin finden und nicht missionarisch daherkommen, sondern die Oberhäupter und Demagogen die mißbräuchlich damit umgehen.

          Aber ehrlich gesagt; obwohl ich schon vor guten 30 Jahren aus der Kirche ausgetreten bin frage ich mich immer noch ob es nicht doch "Einen" geben muß der das ganze Brimborium (Universum) hat entstehen lassen. Vor allem warum? Es könnte doch auch sein, daß rein garnichts da wäre und wir würden es nicht mal merken. Der einzige Grund für mich besteht ganz praktisch darin, daß ich dadurch die Change bekommen habe einige Jahrzehnte ein schönes Leben zu haben.

          Und ganz nebenbei noch eine kleine praktische Überlegung dazu (ja du hast mich angefixt). Wenn wir mal davon ausgehen man könnte sinnvoll im Weltraum herumreisen und ich mal als Idealfall Raketen mit Lichtgeschwindigkeit als möglich betrachte. Dann würde alleine die Beschleunigungszeit bei einer max. Beschleunigung von ca. 10g also 100 m/s/s (halten Jetpiloten gerade noch aus)

          v=a*t; t=v/a = 300000*1000/100/60/60/24 = ca. 35 Tage ununterbrochen dauern. Das würde wahrscheinlich keiner überleben.

          • Ärgere das Böse! sagt:

            Ich gehe weiter!

            In meiner obigen Rechnung bin ich davon ausgegangen, dass nur 1 von 1 Milliarde gelben Zwergen einen Planeten in der habitablen Zone hat. Dann hat die Milchstrasse 10 Sonnen-Systeme, auf denen es leben geben könnte.
            Tatsächlich dürfte die Zahl aber viel grösser sein, als nur 1 zu 1 Milliarde :-)
            In der Milchstrasse haben wir also sicher mehr als 10 Sonnensysteme, in denen Leben, wie wir es kennen, möglich ist.

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