Primate Aye-Aye beim Nasebohren gefilmt

Die Tiere sind Verwandte der Lemuren und haben einen besonders langen Mittelfinger. Lange war nicht klar, warum der Finger so lang und dünn ausgebildet ist, bzw. wozu dieser Finger alles dienen kann – man dachte nur zur Nahrungssuche. Aber nun ist einer Forscherin eine besondere Aufnahme geglückt: Ein popelnder Affe auf Video.


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Aye-Aye (Daubentonia madagascariensis), zu deutsch auch Fingertier genannt, ist eine Primatenart aus der Gruppe der Lemuren. Das Tier ist ein nachtaktiver Allesfresser und lebt auf Madagaskar. Diese Tiere zeichnen sich durch ein unter Primaten einzigartige Gebiss und die namensgebenden (sehr dünnen) Finger aus.

Die Hauptbestandteile der Nahrung dieser Primaten machen Insekten und deren Larven, Früchte, Nüsse, Nektar und Pilze aus. Bei den Insektenlarven haben die Tiere sich auf Bockkäfer spezialisiert und eine eigene Jagdtechnik entwickelt. Mit dem verlängerten dritten Finger wird das Holz rhythmisch abgeklopft; dank ihres ausgezeichneten Gehörs können sie so ihre Beutetiere anhand der Hohlräume orten. Mit den Schneidezähnen nagen sie Löcher in die Rinde, dann führen sie den dünnen Finger hinein, um so nach Larven zu angeln. Diese Form der Nahrungssuche ist ähnlich der Spechte (gibt es auf Madagaska keine).

Aye-Aye beim Nasebohren (Quelle: YouTube)

Nun hat eine Forscherin erstmals einen dieser Fingertiere dabei gefilmt, wie dieses mit dem dünnen Finger in seiner Nase popelt. Das Ganze wurde als Video auf YouTube veröffentlicht. Dort heißt es, dass Forscher erstmals einen Aye-Aye-Lemur dabei beobachteten, wie er in der Nase bohrt. Es gibt nur 12 Primatenarten, von denen bekannt ist, dass sie in der Nase bohren (eine dieser Arten ist der Mensch). Im Begleittext zum Video heißt es, dass die Wissenschaftler immer noch nicht wissen, warum die Tiere dies tun.

Nun, meine einfachste Erklärung wäre: Langeweile – machen die Menschen doch auch so, habe ich gehört. Den Kindern sagt man: "Popeln in der Nase, das tut man nicht, das gehört sich nicht". Die können nun darauf verweisen, dass die Fingertiere das auch tun.

Aber Spaß beiseite, Scientific America hat in diesem Artikel einige Erklärungen. Anne-Claire Fabre, Evolutionsbiologin an der Universität Bern und Kuratorin für Säugetiere am Naturhistorischen Museum Bern, hat diese Entdeckung mit ihrem Team im Duke Lemur Center gemacht. Ein Tier mit dem Namen Kali bohrt mit seinem Mittelfinder in der Nase. Dabei gelingt es dem Tier mit diesem bizarren langen Mittelfinger so weit in die Nase zu bohren, bis dieser gänzlich verschwunden ist – und vom Hals bis in den Hals reicht. Anne-Claire Fabre meint "Ich war wirklich beeindruckt".

Einige Forscher haben spekuliert, dass das Nasebohren Vorteile für das Immunsystem oder einen anderen Nutzen haben könnte, aber das ist wissenschaftlich nicht gesichert, sagt Fabre. Ich bin in diesem deutschsprachigen Artikel auf das Thema gestoßen. Dort liest man, dass Computer-Tomographie-Aufnahmen zeigen, dass der Finger des Tieres bis in den Hals reiche. Dort sammele sich Schleim, den das Tier mit dem Finger herausangelt und dann ableckt – sozusagen die eigene Medizin.


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Aber was weiß man schon genau, fragen kann man das Tier ja nicht. Wie heißt es so schön im Artikel von Hartstone-Rose: Primaten  sind im Allgemeinen Nasenbohrer. Sie ziehen sich gegenseitig Parasiten ab, zupfen an Schorf, stecken sich gegen ärztlichen Rat Wattestäbchen in die Ohren und nutzen ihre Geschicklichkeit ganz allgemein, um sich und andere zu pflegen.


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