Erwarten wir als Verbraucher "Selbstbedienung" bei Einkäufen?

In verschiedenen Supermärkten ist ein Trend zu sehen: Kassen sind nicht mehr besetzt, sondern die Kunden sollen ihrer Einkäufe selbst scannen und dann mit Karte bezahlen. Während man in den USA über eine Abkehr nachdenkt, springen hier die Supermärkte auf den Trend. Aber wollen wir Kunden das?


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Meiner Frau und mir ist das vor ca. einigen Wochen aufgefallen, als wir in einem Baumarkt einkaufen waren. Irgend etwas war komisch, die Kasse war unbesetzt, aber eine grüne Lampe zeigte an, dass man an der Kasse bedient würde. Meine Frau meinte "Ist eine Selbstbedien-Kasse, wie bei xyz". Wir also unsere Waren mit dem Scanner gescannt und dann an der Kasse mit der neuen Debit-Karte bezahlen wollen. Kontaktlos wurde nicht "gefressen", also neuer Versuch.

Schon kam eine Angestellte des Markts und schaute, ob die "Senioren" Probleme hätten. Sie gab mir den Tipp, die Karte einzustecken, dann würde sie funktionieren, nachdem ich gesagt hatte: "Die Karte habe ich ganz neu bekommen". Erklärung der Dame: Bei neu ausgegebenen Debit-Karten (früher EC-Karte) muss einmal ein Kauf mit PIN bestätigt worden sein, bevor das kontaktlose Bezahlen funktioniert. War in der Tat der Fall, danach ging das kontaktlose Bezahlen beim Weinhändler.

Wollen wir Kunden das wirklich?

Bei den letzten Einkäufen konnte ich aber feststellen, dass die Betreiber die Selfservice-Kassen deutlich "ausgedünnt hatten", weil die Kunden das nicht so gut fanden. Ende Februar 2024 ist mir dann eine Jubelmeldung "myPOS: Fast alle Verbraucher erwarten schon Selbstbedienung am POS" einer Presseagentur in den Posteingang gespült worden.

Perfekt durch gegendert hießt es: "In einer Welt, in der Komfort eine treibende Kraft ist, sind Self-Service-Lösungen zu einem festen Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Ob Verkaufsautomaten, ganze Läden oder nur Kassen ohne Verkäufer*innen, diese Stationen verändern die Art und Weise, wie Kunden*innen mit Unternehmen interagieren.

Schon vor sieben Jahren bevorzugten 81 % aller Verbraucher*innen es, Angelegenheiten selbst zu regeln, statt Mitarbeiter*innen zu konsultieren. Seitdem ist die Nachfrage in Sachen Selbstbedienungsservice auf Kund*innen- und Händler*innenseite stetig gestiegen.

Unternehmen, vor allem im Einzelhandel, brauchen zukünftig also ein Zahlungssystem, dass zur neuen Klientel-Generation und ihren Bedürfnissen passt, dafür hat xyz eine Lösung: …"

Selbstbedienungs-Terminal zum Bezahlen
Selbstbedienungs-Terminal zum Bezahlen, Quelle: myPOS SIGMA


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Vor lauter *innen wurde mir beim Lesen des Textes ganz schwindelig. War ja klar, die Firme hat ein neues Terminal zum selbst Scannen, was beworben werden soll. Und so kam auch ein Experte zu Wort: "In den nächsten fünf Jahren findet schrittweise eine Wachablösung der Verbraucher*innen statt", erklärt Zoltan Gyenge, Experte und Managing Director der Firma. "Bald wird die technikaffine GenZ den größten Teil der Kundenbasis ausmachen, spätestens dann werden automatisierte, persönliche Technologien die Standardmethode zur Bereitstellung von Benutzererfahrungen sein", so der Experte weiter.

Nun aber mal in die Runde gefragt: Wir sind nicht GenZ, sondern eher die Boomer. Wollen wir so etwas wie Self-Service-Kassen mit Scanner überhaupt? Mein Eindruck ist, dass das ein vorübergehender Hype ist – warum soll ich bei einem Laden einkaufen, wo ich mir die Ware in den Einkaufswagen legen und dann alles selbst scannen muss – von Fachberatung nichts zu finden? Solange Läden Fachberatung und Kassen mit Personal bieten, wo auch offene Fragen geklärt werden können, gehe ich doch da hin.

Mir ist voriges Jahr in einem Gartencenter sogar aufgefallen, dass da sehr viele ältere Bedienstete im Alter 55 Plus unterwegs waren, um die Kunden und Kundinnen zu bedienen und zu beraten. Gut, war alles etwas höherpreisig, und GenZ war da zum Einkaufen eher nicht unterwegs (Gasgrills ab 2.000 Euro aufwärts, Outdoor-Sauna ab 35.000 Euro etc. spricht schon eine andere Klientel an). Also: Wie ist die Meinung der Leserschaft? Wollen wir unsere Einkäufe bald selbst an der Kasse scannen? Oder zählt doch der Laden mit der netten Verkäuferin – wie wir es vom Bioladen her kennen?


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6 Antworten zu Erwarten wir als Verbraucher "Selbstbedienung" bei Einkäufen?

  1. Info sagt:

    Auch wenn ich aktuell nicht mehr selber zum einkaufen unterwegs bin will ich mich dazu äußern.

    Fragen kommen letztendlich immer mal auf – keiner da…

    Warum verdammt, noch einen Arbeitsplatz vernichten…

    Wir sind Menschen, und auch Menschen erlernen "Gesellschaftliches Verhalten" durch den Kontakt zu Anderen…

    Wollen da Welche letztendlich nur Kosten sparen…

    Wollen da Welche letztendlich Verantwortung in andere Hände legen…

  2. Michael sagt:

    Erstens bin ich ein Freund des Bargeldes, der Barzahlung. Und zweitens mache ich den (meist weiblichen) Kassiererinnen gerne ein Kompliment, ein freundliches Lächeln … im Gegensatz zu der oft drängelnden und unfreundlichen "Schlange" vor den Kassen.

  3. Schwarzes_Einhorn sagt:

    Ich will es nicht. Da werde ich viel zu gläsern – und bevor jetzt wieder alle mit "ja, aber Facebook, Instagram, Twitter Online-Kauf usw…." daherkommen: ich bin da nirgends und kaufe eher selten online. Aus guten Gründen.
    Dann die Arbeitsplätze. Bei uns im Supermarkt steht an den drei Scanner-Kassen immer eine Person, die aber hauptsächlich aufpaßt, daß niemand geht, ohne zu bezahlen. An den anderen Kassen ist natürlich Personal – mit dem man auch mal plaudern kann.
    Und auch ich bin ein Freund des Bargeldes – Geld ist immer noch geprägte Freiheit. Lediglich auf die 1er und 2er Centmünzen würde ich verzichten wollen, um solche Konstrukte wie 19,99 € zu beenden. Ich zahle auch kaum mal mit Karte – letztes Jahr war es zwei Mal, jedesmal beim Tanken, als der Notfall-Fuffi nicht ausreichte. Und natürlich immer mit Beleg, da ich ein Haushaltsbuch führe

  4. Gimradan sagt:

    Also „GenZ" kann man mich nicht mehr bezeichnen, in die hier genannte Kategorie passe ich allerdings auch noch nicht. Aber die meisten Personen, die ich so kenne, sind schon lange ü50.

    Meine Mutter, die mit Technik absolut nichts am Hut hat, bezahlt inzwischen auch ganz gerne mal im Rewe bei ihr um die Ecke mit Karte an eben einer dieser Kassen. Mein Vater bezahlt auf seinen arbeitsbedingten Reisen oft mit der Kreditkarte.

    Bei mir kommt es darauf an. Sind die „normalen" Kassen alle besetzt, warum sollte ich mit meinen 3 Teilen so lange warten? Mit Karte bezahle ich sowieso.
    Wenn dann das „Ömken" an einer normalen Kasse vor mir mit grünen und gelben Scheinen hantiert, weiß man, warum „GenZ" bei Raubüberfällen nicht so beliebt ist. Ist dann nur traurig, wenn die auserwählte ältere Dame für 5€ sterben muss…
    Ich persönlich mochte noch nie mit viel Bargeld draußen sein. „Viel" fängt bei mir ab 3 Stellen an. Es war ein sehr ungutes Gefühl, mit 3.000€ zur Fahrschule zu gehen, um dort zu bezahlen. Wollten die damals so.

    Schade finde ich im Augenblick nur, dass man nur noch Visa-Karten kostenlos bekommt (bei den meisten Banken). Das ist dann natürlich ein weiterer Konzern, für den der Kunde gläsern wird.
    Die eigene Hausbank hat sowieso schon Profile ihrer Kunden erstellt. Wenn wöchentlich 100€ direkt neben Rewe abgehoben werden, wo wird das Geld wohl größtenteils landen?
    Man muss dann für sich selbst abwägen, ob Komfort oder Datenschutz mehr wiegen:
    Bei vielen Banken kann man nach dem Login zum Banking sein Haushaltsbuch führen. Ohne zusätzliche Software. Das ist eine enorme Arbeitserleichterung, wenn man fast immer digital bezahlt.

  5. Martin sagt:

    "Oder zählt doch der Laden mit der netten Verkäuferin …"
    Hach, den gibt es quasi ohnehin nicht mehr. Ich zahle auch fast immer in bar, außer wenn das Geld Bargeld nicht reicht und ich auch nichts mehr abheben kann, weil der Geldautomat nichts mehr hergibt. Dann muss doch die Kreditkarte mal herhalten, aber das Geld fehlt dann schon im nächsten Monat.

    Vor einiger Zeit hatte ich beim Aldi nur einen Leergutbon und die Kassen waren so voll, sodass ich damit mal eine SB-Kasse ausprobiert habe. Bon drangehalten, Barzahlung gedrückt und schon kamen die 50 Cent Pfandrückgabe rausgekullert. Da war ich wirklich beeindruckt, wie gut das funktioniert hatte. Seither zahle ich bei Aldi immer wieder mal bar an den SB-Kassen.

    Diese Woche musste ich aber feststellen, dass sie einige dieser Kassen auf reine Kartenzahlung umgestellt hatten und die Bargeldaufnahmen mit entsprechend roten Zetteln abgeklebt waren. Zuerst dachte ich, dass an den anderen nur die Zettel fehlen, aber dem war nicht so. Ich hatte es ausprobiert und konnte an einer davon tatsächlich centgenau in bar zahlen. Wahrscheinlich wollen sie nicht mehr an allen SB-Kassen Wechselgeld vorhalten.

    Blöd ist jetzt dabei, dass Kartenzahler alle SB-Kassen nutzen können, Barzahler aber nur noch 2 von 6 SB-Kassen. Dadurch erhöht sich für jene die dortige Wartezeit. Möglicherweise war das nur eine temporäre Einschränkung, aber ich fürchte, dass das so bleibt, denn außer mir habe ich da noch nie jemanden in bar zahlen gesehen.

    Penny hat die SB-Kassen hier überall wieder abgebaut. Die hatte ich aber nie genutzt, weil sie nur mit Kartenzahlung waren. Bei REWE sind sie oft geschlossen, weil wohl niemand Zeit für die Aufsicht hat.

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