Neandertaler kannten bereits vor 40.000 Jahren Klebstoff

Spannende Erkenntnis von Forschern: Auch die Neandertaler haben bereits vor 40.000 Jahren Klebstoff für ihre Gegenstände benutzt. Das ist also kein Privileg des modernen Menschen.


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Kein Uhu vorhanden

Eine Höhle vor 40.000 Jahren, eine Familie sitzt um ein Feuer und der Vater meint zur Frau "Eh, gib mir mal die Uhu-Tube rüber". Wer dieses Bild vor Augen hat, liegt definitiv falsch. Aber die Menschen vor 40.000 Jahren waren durchaus in der Lage, Feuerstein-Spitzen an einen Holzpfeil zu "kleben".

Mir war bekannt, dass die Menschen der frühen Steinzeit und auch die Neandertaler mit Birkenpech als Klebstoff hantierten. Ich hatte im Blog-Beitrag Birkenpech, der Klebstoff der Steinzeit darüber berichtet.

Sensationsfund in Museum

Aber Neandertaler benutzten vor 40.000 Jahren in Südfrankreich bereits einen "Mehrkomponentenkleber", der aus Bitumen und Ocker bestand. Die Entdeckung wurde ausgerechnet in einem Berliner Museum gemacht.

Es waren Objekte, die aus der berühmten Fundstelle Le Moustier in die Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin gelangten und dort in den Arsenalen landeten.

Die Steinwerkzeuge aus Le Moustier werden in der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte aufbewahrt und waren bisher (d.h. die letzten 60 Jahre) nicht näher untersucht worden. Der Schweizer Archäologe Otto Hauser hatte sie aus dem oberen Felsüberhang von Le Moustier geborgen. Sie wurden in einer Schicht aus der mittleren Altsteinzeit entdeckt. Die Epoche wird sogar nach dem Fundort Le Moustier als Moustérien bezeichnet. Die Neandertaler nutzen die Höhle vor 120.000 zum ersten Mal, vor 40.000 Jahren endeten die Aufenthalte der Neandertaler.

Bei einer internen Aufarbeitung des Sammlungsbestandes wurde jetzt ihr wissenschaftlicher Wert erkannt. "Die Sammlungsstücke waren einzeln verpackt und seit den 1960er-Jahren unberührt. Dadurch waren die anhaftenden Reste organischer Stoffe sehr gut erhalten", berichtet Ewa Dutkiewicz. Aus dem unteren Felsüberhang der Fundstelle Le Moustier stammt der Schädel eines jugendlichen Neandertalers, der zu den wertvollsten Objekten in den Berliner Sammlungen gehört.

An den Fundstücken machten die Wissenschaftler dann eine aufsehenerregende Entdeckung. Die  Neandertaler in Frankreich verwendeten vor über 40.000 Jahren einen Klebstoff aus Ocker und Bitumen, um Steinwerkzeuge mit Griffen zu versehen. Reste dieses Klebstoffs hafteten noch an den Objekten aus der Fundstelle Le Moustier.


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Die Neandertaler stellten eine ausgeklügelte Mischung aus Ocker und Bitumen her, zwei Rohstoffen, die aus der weiteren Region beschafft werden mussten. Der MDR berichtet, dass die Neandertaler, laut der Wissenschaftler, das Kohlenwasserstoffgemisch Bitumen in flüssiger Form in der Natur vorfanden, Aber erst durch die Zugabe von 55 Prozent Ocker erhielten sie eine formbare Masse. Diese sei gerade so klebrig gewesen, dass ein Steinwerkzeug darin stecken-, die Hände aber sauber blieben, heißt es.

Es handelt sich um den bisher frühesten Fund eines Mehrkomponentenklebers in Europa. Das hat die Aufarbeitung von Stücken aus der Neandertalerfundstelle Le Moustier in der Dordogne unter der Leitung von Dr. Patrick Schmidt aus der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen und Dr. Ewa Dutkiewicz vom Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin ergeben.

Die Entwicklung von Klebstoffen und deren Einsatz für die Herstellung von Werkzeugen gelten als einer der besten materiellen Belege für die kulturelle Evolution und die kognitiven Fähigkeiten früher Menschen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Science Advances" veröffentlicht. Diese Entdeckung bietet Einblicke in die kognitiven Fähigkeiten der Neandertaler, die lange unterschätzt worden sind, wie das Museum hier berichtet.

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