Anthropic AI bleibt gegenüber dem Pentagon standhaft, Bann durch US-Präsident Trump

Stop - PixabayEs ist eine Entscheidung des AI-Anbieters Anthropic, die mir letztendlich Respekt abnötigt. Das Unternehmen widersetzte sich der Forderung des Pentagon (neuerdings US-Kriegsministerium), deren AI-Lösung für militärische Zwecke und Massenüberwachung freizugeben, und beugst sich nicht dem ausgesprochenen Ultimatum, obwohl ein 200 Millionen-US-Dollar-Vertrag auf dem Spiel stand. US-Präsident Trump hat nun die Nutzung von Anthrophic KI in US-Behörden verboten. Aber Google und OpenAI stützen die Anthropic-Position.

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Das Ultimatum des Pentagon

Kleiner Rückblick: Ich hatte letztes Wochenende im Blog-Beitrag Sammlung von KI-Splittern und -Torheiten (Feb. 2026) bereits kurz über den Sachverhalt berichtet. Zum Sachverhalt nur so viel, dass Anthropic, die einen 200 Millionen US-Dollar schweren Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium haben, in den USA unter Druck geraten ist. Das US-Verteidigungsministerium (Pentagon, neuerdings als Kriegsministerium bezeichnet) hat dem Unternehmen ein Ultimatum gesetzt.

Verteidigungsminister Pete Hegseth fordert vom Unternehmen die Aufhebung der Sicherheitsvorkehrungen für sein KI-Modell im Hinblick auf die militärische Nutzung in Waffen sowie zur Massenüberwachung. Gerade letzteres ist in den USA wegen der Einsätze der Behörde ICE gegen Einwanderer stark umstritten (liefern doch Unternehmen wie Facebook, Palantir etc. Daten und Software an diese Behörde).

Im Artikel Pentagon threatens to make Anthropic a pariah if it refuses to drop AI guardrails beschreibt CNN, dass Verteidigunsminister Peter Hegseth damit droht, das Unternehmen auf eine Art schwarze Liste der Regierung zu setzen. Streitpunkt sind die Sicherheitsvorkehrungen, die Anthropic für sein KI-Modell Claude getroffen hat. Das Pentagon möchte, dass das Unternehmen seine Beschränkungen aufhebt, damit das Militär das Modell für "alle rechtmäßigen Zwecke" nutzen kann – was immer das heißt. Dem Unternehmen wurde bis zum heutigen Freitag, den 27. Februar 2026, ein Ultimatum gesetzt, sich den Forderungen zu beugen.

Anthropic hat jedoch Bedenken hinsichtlich zweier Themen, die es nicht bereit ist aufzugeben, so die in obigem Artikel zitierte Quelle: KI-gesteuerte Waffen und die massenhafte Überwachung amerikanischer Bürger im Inland. Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle ist Anthropic der Ansicht, dass KI nicht zuverlässig genug ist, um Waffen zu bedienen, und dass es noch keine Gesetze oder Vorschriften gibt, die den Einsatz von KI bei der Massenüberwachung regeln. Das war mein Informationsstand von letztem Wochenende.

Anthropic bleibt standhaft

Anthropic ist den Forderungen des Pentagon nicht nachgekommen und hat die allgemeine KI-Freigabe nicht erteilt, wie ich vor wenigen Stunden hier nachgetragen habe. Mir war nachfolgender Tweet vom 26. Februar 2026 untergekommen.

Anthropic bleibt standhaft

Anthropic CEO Dario Amodei hat dazu diese Stellungnahme veröffentlicht. Er schreibt, dass diese Drohungen des Pentagon, Anthropic auf eine schwarze Liste zu setzen, "nichts an unserer Position" ändere. Man könne der Forderung, des US-Kriegsministeriums (der neue Name des Verteidigungsministeriums) nicht guten Gewissens nachkommen.

Er beschrieb die Bemühungen des Pentagons, ihn dazu zu zwingen, Claude für Massenüberwachung und autonome Tötungswaffen zu aktivieren. Darios Antwort darauf: Massenüberwachung ist nicht demokratisch und Claude sei nicht gut genug, um autonome Waffen zu ermöglichen. Man werde den Forderungen nicht nachgeben, der Regierung aber beim Wechsel zu einem neuen Anbieter helfen, wenn sie Anthropic auf die schwarze Liste setzt und von Aufträgen ausschließt.

Wie ich vor einigen Stunden gesehen habe, hat Golem die Weigerung von Anthropic in diesem Beitrag thematisiert.

US-Präsident Trump verbannt Anthrophic AI-Lösungen

Nachdem das Ultimatum vor wenigen Stunden abgelaufen ist, und Anthropic sich nicht gebeugt hat, unternimmt die US-Regierung den nächsten Schritt. Mir ist gerade nachfolgender Post auf X untergekommen, nachdem US-Präsident Trump US-Regierungsangestellten die Verwendung von Anthropic Technologie untersagt.

US-Präsident Trump verbannt Anthropic
Die Anweisung sieht eine sechsmonatige Auslaufphase für das Verteidigungsministerium vor und droht mit Konsequenzen, wenn das Unternehmen nicht beim Exit kooperiert (was der CEO aber im Vorfeld bereits zugesagt hat).

Der obige Ausriss eines Posts von Trump zeigt in meinen Augen, wie kaputt die US-Administration im Grunde ist. In diesem Artikel von Associated Press wird dies im Grunde auch reflektiert und bestätigt, dass AIx bereits in die "Lücke" gesprungen ist.

Die Washington Post skizziert in einem Artikel (Paywall), wie die Geschichte zwischen dem Pentagon und Anthropic eskalierte. Gizmodo hat es hier nachgezeichnet: Die Washington Post berichtet, dass das Pentagon angeblich ein Szenario mit einem Atomraketenangriff auf die USA vorgelegt habe, um auf manipulative Weise zu fragen, ob es sein KI-Modell zur Verteidigung des Landes einsetzen dürfe.

Anthropic-Chef Dario Amodei antwortete wohl sinngemäß, dass das Pentagon im konkreten Fall anrufen könne, man würde eine Lösung finden. Anthropic bestreitet diese Darstellung, aber die Leute im Pentagon waren wohl verärgert. Nun ist die Sache wohl eskaliert.

Das passt auch zum Tenor des aktuellen Golem-Beitrags US-Diplomaten sollen Datensouveränität bekämpfen. Dort geht es darum, dass Länder, und speziell Europa, sich von der US-Infrastruktur abkoppeln und digital souverän machen wollen. Das behindere die Entwicklung von KI-Dienste. Ich hatte dieses Thema bereits im August 2025 im Beitrag US-Administration unter Trump macht Druck auf EU wegen Digitalregeln aufgegriffen. Höchste Zeit, dass Europa digital souverän wird.

Im Moment sieht es für mich so aus, als ob dies einen riesigen Werbeeffekt für Anthropic haben könnte und der "Schuss für Trump nach hinten los geht". Vor dem Firmengebäude von Anthropic ist die Straße voll mit Solidatitätsbekundungen für das Unternehmen bemalt. Und längerfristig könnte es dem AI-Anbieter in die Karten spielen, speziell, wenn die politische Stimmung und Ausrichtung in den USA kippt.

Google und OpenAI wollen nicht in die Lücke springen

Es gibt aktuell eine extrem spannende Entwicklung. Normalerweise wäre man ja gewöhnt, dass der Mitbewerb freudig in die Lücke springt. Elon Musks AIx hat dies wohl getan. Aber wenige Stunden vor Ablauf des Pentagon-Ultimatums haben sich mehr als 300 Angestellte von Google und OpenAI in einem offenen Brief mit dem Titel "We Will Not Be Divided" zu Wort gemeldet.

Offener Brief von Google- und OpenAI-Angestellten

Obiger Screenshot zeigt diesen offenen Brief. Die Leute erheben öffentlich ihre Stimme und fordern ihre Unternehmensführung auf, sich nicht von der US-Regierung gegen Anthropic ausspielen zu lassen. Ich bin über nachfolgenden Tweet darauf aufmerksam geworden. Engadget hat es in diesem Artikel ebenfalls aufgegriffen.

Offener Brief von Google- und OpenAI-Angestellten

Im Jahr 2018 haben Google-Mitarbeiter öffentlich gegen das Projekt Maven (KI für Drohnenzielerfassung) protestiert. Seinerzeit stieg Google aus dem Projekt aus und versprach, KI nicht in Waffen einzusetzen.

Sam Altman on Anthropic

Es sieht gemäß obigem Tweet so aus, als ob OpenAI-CEO Sam Altman die Position von Anthropic unterstützt.

 

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2 Kommentare zu Anthropic AI bleibt gegenüber dem Pentagon standhaft, Bann durch US-Präsident Trump

  1. PC-SPEZIALIST sagt:

    Wir finden es richtig super, dass Anthropic gegenüber dem Pentagon so standhaft und ehrenwert auftritt.

  2. Alzheimer sagt:

    Cool, es gibt ja doch noch Menschen mit Hirn und Charakter – sogar in den USA.
    Soll Trump doch KI bei den Chinesen einkaufen, die würden ihm sicher alles versprechen, was er sich wünscht…
    Dass er nicht der einzige Lügner ist, der seine Versprechen bricht, merkt er spätestens, wenn seine abgefeuerten Waffen mit CN-KI alle eine 180° Wende machen… "return to sender";)

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