Noch ein kleiner Schlenker zu Amazon, wo KI massiv Einzug halten soll. Andererseits hat Amazon (mit AWS) KI-bedingte Ausfälle hinter sich und will jetzt "Ingenieuren" wieder mehr Kontrolle übertragen. Allerdings deutet sich an, dass es bei Amazon weitere Entlassungswellen im 2. Quartal 2026 geben wird. Hier ein kurzer Abriss zu diesem Themenkomplex.
Rückblick: Die KI-bedingten Störungen bei Amazon
Beim Versender Amazon sowie dessen Cloud-Dienst Amazon Web Services (AWS) gab es in den letzten Monaten einige größere Störungen. Am 20. Oktober 2025 kam es weltweit zu einem Ausfall der Amazon Web Services (AWS), und plötzlich funktionierte das "halbe Internet" nicht mehr (siehe Amazon AWS und Signal sowie viele weitere Dienste gestört? (20.10.2025)). Dort führte eine "Race Condition" dazu, dass zum Betrieb erforderliche regionale Einträge gelöscht wurden (siehe Nachlese AWS-Vorfall: Viel Enshitification, Ursachen und Erkenntnisse).
Im Dezember 2025 kam es zu einem 13-stündigen Ausfall bei einem AWS-Dienst (Cost Explorer / Kosten-Management-Tool), wo sich im Nachhinein herausstellte, dass der von Amazon eingesetzte KI-Agent Kiro autonom entschieden hatte, eine gesamte AWA-Umgebung zu löschen und neu zu erstellen, was zu den massiven Störungen führte. Amazon spricht offiziell zwar von einem "user error" (falsch konfigurierte Zugriffsrechte) und nennt die KI-Beteiligung einen Zufall. Viele Berichte und Insider sehen das aber anders.
Ende 2025 / Anfang 2026 muss es wohl einen weiteren ähnlichen Vorfall mit KI-Coding-Tools bei AWS gegeben haben. Dann gab es Ende Februar 2026 eine größere Störung der Bestellvorgänge (siehe Störung der Bestellvorgänge bei Amazon (27.2.2026)). Es hat auch Anfang März wohl wieder etwas bei Amazon geklemmt.
Senior-Ingenieure müssen KI-Änderungen genehmigen
Bei Amazon gibt es wohl eine wöchentliche TWiST-Besprechung für Führungskräfte (TWiST steht für "This Week in Stores Tech"), in der Störungen angesprochen werden. Die Vorfälle der letzten Wochen und Monate haben, laut einem Artikel der Financial Times (leider Paywall), dazu geführt, dass Senior Vice President Dave Treadwell die sonst optionale wöchentliche TWiST-Besprechung zur Pflichtveranstaltung gemacht habe.
Dave Treadwell soll in einer internen E-Mail an seine Ingenieure, die für die Technik zuständig sind, geschrieben haben: "Leute, ihr wisst, dass die Verfügbarkeit der Amazon-Seite und der zugehörigen Infrastruktur seit einiger Zeit nicht gut ist". Die Financial Times zitiert aus einem nicht öffentlichen Memo von "einem Trend of Incidents", die zu "Ausfällen mit großer Reichweite" für Amazon geführt hätten. Unter den Ursachen wird explizit "Gen-AI assisted changes" genannt (also durch KI bedingte Änderungen, die zu Ausfällen führte). Bewährte Verfahren und Schutzmaßnahmen seien bei Amazon noch nicht vollständig etabliert. Nachfolgender Tweet hat das Thema kurz aufgegriffen, ohne Details zu nennen.
Als direkte Konsequenz, so zitiert die Financial Times, müssen Junior- und Mid-Level-Ingenieure ab sofort jede AI-unterstützte Code-Änderung von einem Senior Ingenieur unterschreiben lassen. Berichte zu diesem Sachverhalt finden sich hier und hier. Auch wenn da vieles unter dem Deckel gehalten wird, deutet es sich an, dass die sehr aggressive Nutzung von KI-Coding-Tools (um Entwickler zu entlasten) bei Amazon nach hinten losgehen kann. "Zu viel KI ohne ausreichende Kontrolle, was da passiert" hat zu ernsten Problemen bei Amazon geführt.
Weitere Entlassungen bei Amazon mit KI-Umbau?
Im Oktober 2025 hatte ich im Artikel Amazon plant Entlassungen von ca. 30.000 Mitarbeitern berichtet, dass bei Amazon Entlassungen von bis zu 30.000 Mitarbeitern geplant seien. Amazon hat wohl 16.000 Entlassungen bestätigt. Aber es dürften, wenn die Zahl 30.000 abgebaute Stellen stimmt, zu weiteren Entlassungen kommen.
Im Web wird von einem massiven Umbau des Personals in Richtung "AI-Transformation" berichtet (z.B. hier). Wenn die Berichte stimmen, werden ganze Teams durch durch 2–3 leitende Ingenieure ersetzt, die Claude-Sonnet-Workflows ausführen. Es heißt, dass ausscheidenden Mitarbeiter ihren gesamten Entscheidungsprozess in "Wissenstransfer-Sitzungen" dokumentieren müssen. Dies Informationen werde aufgezeichnet und direkt in Trainingsdatensätze von KI-Modellen eingespeist, heißt es. Vieles werde offshore nach Bangalore ausgelagert, wo die von Amazon benötigten Funktionen realisiert werden. Es wird eine Gehaltsersparnisse in Höhe von 280 Millionen Dollar im 1. Quartal 2026 durch Personalersetzung durch AI-Funktionen genannt. Ich habe zu den Amazon Interna keine weiteren Quellen gebunden. Wenn es aber so stimmt, müssen sich (zumindest US-) Arbeitnehmer "warm anziehen".




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