In Teil 1 der Artikelreihe habe ich beschrieben, wie sich ein aktuellen Smartphone mit Android als Kartenleser für den deutschen Personalausweis, oder die Krankenkassenkarte (eGK), verwenden lässt. Um am Windows-Desktop komfortabler auf Ausweis und Karten zuzugreifen, habe ich mir einen Xystec USB-Ausweisleser von Pearl zuschicken lassen und getestet. Nachfolgend beschreibe ich meine Erfahrungen unter Windows 10.
Das Xystec USB-Ausweislesegerät von Pearl
Ich wollte mir eigentlich schon länger einen USB-Kartenleser für den Personalausweis oder andere Karten für den PC zulegen, bin aber wegen des Preise bei den Geräten von REINER (z.B. SCT Cyberjack RFID-Leser) zurückgeschreckt. Um die 100 Euro für einen Leser, den ich bisher vielleicht alle zwei Jahre einmal kurz benötigt habe, waren mir einfach zu viel. Als mir dann kürzlich ein Katalog des Versenders Pearl in die Finger fiel, sah ich dort den Xystec USB-RFID-/NFC- und Chipkarten-/Smartcard-Reader (ZX-5625-903) für unter 25 Euro.
Laut Beschreibung von Pearl ist der Kartenleser per USB-A- und dank USB-Adapter an USB-C-Ports anschließbar und soll ohne zusätzliche Treiber unter Windows, macOS und Linux funktionieren. Der Leser liest laut Katalogangabe alle Chipkarten nach international gültigem Standard ISO 7816 und eignet sich für den kontaktlosen elektronischen Identitätsnachweis mit dem neuen Personalausweis, für digitale Behördengänge, Onlinebanking & Altersbestätigung in Online-Shops etc. Klang gut und ich habe mir das Gerät als Teststellung schicken lassen.
Xystec USB-Kartenleser unter Windows
Die Inbetriebnahme sollte ganz einfach sein, den Xystec USB-RFID-/NFC- und Chipkarten-/Smartcard-Reader per USB-Kabel an eine USB-Buchse des Windows 10-Rechners anschließen, fertig. Dann sollte ich mit der AusweisApp Bund, die bereits installiert war, direkt auf den Ausweisleser zugreifen können (Treiber werden ja keine benötigt).
Also bei angeschlossenem USB-Kartenleser die AusweisApp Bund unter Windows 10 gestartet und auf der App-Startseite auf Einstellungen gegangen. Als ich dann in der Seite Einstellungen den Punkt USB-Kartenleser angewählt habe, bekam ich nachfolgende Anzeige.
Es wurden zwar verbundene USB-Kartenleser gezeigt (am Xystem kann der Ausweis oder die Karte per Einschub oder kontaktlos ausgelesen werden). Daher tauchen zwei Lesegeräte in der Liste auf. Aber die AusweisApp Bund meldete bei beiden Lesern, dass diese "nicht offiziell" unterstützt werden.
Ich habe dann trotzdem den Personalausweis auf den Leser gelegt, und Windows 10 meldete in den Toast-Benachrichtigungen, dass der Leser eingerichtet werde und kurze Zeit später, dass der Leser bereit sei. Die obige Anzeige, dass der Leser nicht unterstützt werde blieb bestehen.
Als ich dann zur Startseite der App zurück ging und Meine Daten einsehen wählte, konnte ich in einer Unterseite Meine Daten einsehen erneut anwählen und gelangte zur Seite mit der Schaltfläche Weiter zu PIN-Eingabe.
Nach Eingabe der gültigen PIN für meinen Personalausweis wurden dessen Daten erfolgreich gelesen und angezeigt. Der Xystec-USB-Kartenleser funktionierte also mit der AusweisApp Bund, auch wenn er nicht offiziell unterstützt wird. Ich habe dann noch einen Test auf der Webseite von Rentenversicherung Bund durchgeführt und konnte mich dort erfolgreich per Browser über die AusweisApp Bund per Personalausweis legitimieren. Das funktioniert also und kann genau so unter Windows 11 genutzt werden.
Weitere Tests mit anderen Karten
Die spannende Frage war, ob der Xystec-USB-Kartenleser weitere Karten lesen kann. Hier ist die Problematik, dass man eine entsprechende App zum Lesen benötigt. Ich habe mir die Anwendung ChipcardMaster (siehe diese Webseite) besorgt. Die Anwendung wird aber nicht mehr weiter entwickelt und ist nur noch auf den heise Download-Seiten erhältlich.
Mein Debit-Karte der Sparkasse kann ich mit dem Programm auslesen. Es werden die Kontonummer, die Kartennummer und die Gültigkeitsdauer angezeigt. Auch lassen sich die Rohdaten der Karte anzeigen. Die eGK der Krankenkasse wird dagegen als nicht unterstützt verweigert.
Dann gibt es noch die United Access Basic Smart Card Reader Application-Anwendung, die sich als Windows-Anwendung hier herunterladen lässt. Mit dieser Anwendung könnte ich auf die einzelnen Informationen der Karten abrufen, was aber nur etwas für Entwickler ist. Unter dem Strich kann ich abseits der AusweisApp Bund, die ich zur Identifikation per Personalausweis nutzen kann, derzeit mangels geeigneter Software wenig mit dem Xystec-USB-Kartenleser anfangen. Ob der Leser sich als HBCI-Kartenleser für Online-Banking eignet, konnte ich bisher nicht testen (ich nutze keine Banking-Software mit HBCI-Unterstützung).
Falls die deutschen Behörden es aber künftig gebacken bekommen, dass man mehr mit der AusweisApp Bund und dem Personalausweis anfangen kann, werde ich den Xystec-USB-Kartenleser sicherlich nutzen. Gegenüber dem fummeligen Smartphone-Ansatz ist das Auslesen des Ausweises über den Leser eine saubere Sache.
In Teil 3 befasse ich mich dann mit der Frage, wie sich der Xystec-USB-Kartenleser unter Linux (hier Linux Mint) verwenden lässt. Da der Kartenleser keinen Treiber benötigt, sollte das eigentlich ein Spaziergang sein. Für mich wurde es aber zum Elchtest, denn nichts funktionierte. Auch bei Amazon (wo der Leser angeboten wird) oder bei Pearl gab es Kundenreklamationen, dass der Xystec-USB-Kartenleser nicht funktioniere. Also alles Schrott? Mitnichten, es liegt nicht am Xystec-USB-Kartenleser, sondern es sind Zusatzschritte notwendig. Mit etwas probieren und diversen Hinweisen aus dem Internet ist es mir gelungen, den Xystec-USB-Kartenleser auch unter Linux Mint 22.3 zum Funktionieren zu bringen.
Artikelreihe:
RFID-Chips in Karten und Ausweise mittels Smartphone (NFC) und App lesen – Teil 1
Pearl Xystec USB-Ausweisleser unter Windows verwenden – Teil 2
Pearl Xystec USB-Ausweisleser unter Linux Mint verwenden – Teil 3
Artikel:
eID, Pass auf dem Smartphone: Neuer Schlenker, neues Desaster mit Ansage?
Governikus: Elektronischer Personalausweis lässt sich 'austricksen'







MVP: 2013 – 2016





Gibt es tatsächlich noch Banken/Software/Leser, die nur HBCI (statt FinTS) unterstützen?!?