Auftrag für Deutschland-App geht an SAP und Telekom

Noch eine kleine Information von letzter Woche, die aktuell "einige Kommentare" im Internet hervorruft. Der Bund hat die Unternehmen SAP und Telekom beauftragt, einen Prototypen der Bürger-App zu entwickeln. Die soll unser zentraler Zugang für Identitätsverifizierung, Terminbuchungen und Anträge werden. Muss einfach gut bei den Namen werden …

BUND-Auftrag für Deutschland-App geht an SAP und Telekom

Das Handelsblatt informiert in diesem Artikel (Paywall), dass der Bund SAP und Telekom die zentrale "KI-basierte Verwaltungsplattform" der Bundesregierung umsetzen sollen. Deren Bestandteil ist auch die Bürger-App als zentrale Drehscheibe für den Bürger mit den Behörden. Identitätsverifizierung, Terminbuchungen und Anträge, alles soll laut Aussagen von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) über diese App (Bürger-App oder Deutschland-App genannt) laufen.

Die Kollegen von Golem haben beispielsweise in diesem Artikel vom 2. April 2026 einige Details zur Bürger-App zusammen geschrieben. Informationen aus dem Projektumfeld  lauten, dass die Telekom bereits an einer ersten Version der App arbeite. Ein Prototyp wird für April 2026 erwartet. SAP soll im Vorhaben die zentrale Plattformtechnologie und KI-Funktionen liefern. Die Infrastruktur und Datenspeicherung liegt wiederum bei T-Systems (Telekom-Tochter).

Laut Golem habe das Bundesdigitalministerium dem Handelsblatt die Pläne, in Zusammenarbeit mit T-Systems und SAP einen Prototyp für eine KI-basierte Verwaltungsplattform zu entwickeln, bestätigt.

X geht steil ob dieser Meldung

Mir sind am Donnerstag so komische Meldungen von Lilith Wittmann untergekommen, die ich nicht einordnen konnte (da ich den obigen Sachverhalt nicht kannte).

Wittmann-Kritik an Deutschland-App

Im ersten Tweet kritisiert Wittmann, dass ein Unternehmen die API-Proxy-URLs von bund.dev fünf Jahre lang in der Produktion eingesetzt und damit 1000 Euro Kosten verursachte. bund.dev ist ein zivilgesellschaftliches API-Portal, das Dokumentationen und Proxys für Schnittstellen der Bundesverwaltung bereitstellt, um Open Data zugänglicher zu machen und wird privat über Patreon finanziert. bund.dev ist ein zivilgesellschaftliches API-Portal, das Dokumentationen und Proxys für Schnittstellen der Bundesverwaltung bereitstellt, um Open Data zugänglicher zu machen und wird privat über Patreon finanziert. Hat mit obiger Bürger-App erst einmal nichts zu tun, zeigt aber die Fallen.

Und dann geht es los – der zweite Post kritisiert Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), der SAP und Telekom mit dem Bau einer zentralen Bürger-App für Verwaltungsleistungen wie Anträge und Termine beauftragt hat (siehe oben). Lilith Wittmann weist darauf hin, dass der Aufbau einer App einfach ist. Die echte Herausforderung läge aber in standardisierter, sicherer Infrastruktur für bidirektionale Kommunikation mit allen Behördenverfahren.

In diesem Tweet schreibt Wittmann, dass es in Deutschland wirklich keinerlei Standard wie man Anträge in der Verwaltung so repräsentiert, dass sie von x verschiedenen Systemen angeboten werden können, gebe. Weitere Posts finden sich hier.

Wittmann Corona-App

Obiger Post thematisiert die von SAP und Telekom realisierte Corona-App, die 220 Millionen Euro gekosten haben soll. Es ging wohl um Die (deutsche) Corona Warn-App des RKI das dem Jahr 2020. Die App benutzte API-Funktionen von Apple und Google (Übermittelt die Corona-Warn-App des RKI ungewollt Benutzerdaten an Google?) und wurde 2023 eingestampft (Aus die Maus: Corona-Warn-App des RKI zeigt ab 1. Mai 2023 keine Meldungen mehr). Es schwingt Kritik an den Kosten für "das bisschen Funktion" mit. Die Befürchtung ist, dass viel Geld des Steuerzahlers versenkt wird, um etwas nicht funktionierendes mit KI und App zu machen.

Wittmann wirft der CDU vor, weiterhin Milliarden in Apps, Websites und KI zu investieren, ohne grundlegende Infrastruktur zu schaffen und bestehende Systeme zu integrieren. Ein Tweet einer anderen Quelle schreibt hier, dass die Umsetzung "150 Millionen kosten wird, 50 Millionen Wartung im Jahr, die umständlichste Verifikation, die man je gesehen hat bietet, und alles daran so kompliziert wie möglich sei. Spätestens vier Monate nach Einführung werden alle Daten geklaut. "

Ist natürlich eine sehr defätistische Haltung, wenn SAP und Telekom da dran bauen, wir das bestimmt gut und Gold-Standard. Klingt irgendwie als "die haben aber auch immer was zu meckern" – und Wildsberger war vor dem Job als Minister Manager in der Industrie. Aber wie es so ausschaut, fehlen die grundlegenden Strukturen, und nun wollen Leute, die mutmaßlich keine wirkliche Ahnung haben, mit Buzzwords wie KI-Verwaltung und Bürger-App, gepimpert mit einigen Hundert Millionen, das Problem lösen. Was kann schon schief gehen? Wie seht ihr die Sache so?

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