Nur zum Spaß: Microsofts Bedingungen erlauben Copilot nur für Unterhaltung

CopilotMicrosoft hat die Nutzungsbedingungen für seinen KI-Assistenten Copilot sehr ausführlich gestaltet. Gerade werden einige Warnungen, die in diesen Nutzungsbedingungen (für Privatanwender) aufgeführt werden, intensiv im Internet diskutiert. Während Microsoft Copilot von Redmond als "coolste Erfindung seit geschnitten Brot" gefeiert wird, die das Leben von jedem Mann und jeder Frau umkrempeln wird, schränkten die "Microsoft Copilot Terms of Use" das Ganze auf "Unterhaltungszwecke" ein.

Kleiner Rückblick: Copilot für alles ….

Ich bin ja mal hin gegangen und habe geschaut, wie Microsoft seine AI-Lösung Copilot vermarktet. In Windows 11 (und sogar in Windows 10) wurde Copilot breit ausgerollt und mischt sich quasi überall ein. In Microsoft 365 ist Copilot ja Bestandteil aller (Office-) Anwendungen. Und im Artikel Microsoft Chef warnt vor Platzen der KI-Blase, wenn die Leute nicht endlich spuren hatte ich ja über die Gedanken von Microsoft CEO Satya Nadella im Umfeld des letzten Weltwirtschaftsforums 2025 in Davor berichtet, der vehement für den Einsatz von KI-Lösungen, natürlich von Microsoft, plädiert. Die Gängelei mit aufoktroyierten AI-Lösungen hat inzwischen den Begriff "Microslop" als Verballhornung von Microsoft geprägt. Microslop, das ist Synonym für Produkte, die für sinnvolles Arbeiten nicht zu gebrauchen sind.

In den letzten Wochen ist ein vorsichtiger Kurswechsel bei Microsoft zu beobachten. Ich hatte in den beiden Artikeln Gerücht: Microsoft will KI-Bloatware (Copilot) sparsamer in Windows 11 einsetzen und Umbau bei der Copilot-Sparte Microsofts, erzwungene Copilot-App-Installation gestoppt diesen Richtungswechsel angedeutet. Auf Druck der Nutzerschaft, will Microsoft seinen Copilot sparsamer einsetzen.

Und es gibt noch die Information, dass nur 3 % der Copilot-Nutzer im geschäftlichen Bereich für den Einsatz wirklich zahlen (Microsoft, die Milliarden AI-Investitionen und die 3% Copilot-Zahlkundschaft). Obwohl Bloomberg aktuell berichtet (Paywall), dass Judson Althoff, Geschäftsführer des Unternehmensgeschäfts von Microsoft, wohl intern "frohe Botschaft" verkündet habe. Laut internen Quellen, die Bloomberg zitiert, habe die Unternehmensleitung sich laut Althoff für den Verkauf von Copilot im 1. Quartal 2026 "einige ziemlich ehrgeizige Ziele" gesetzt und diese im Wesentlichen auch erreicht. Dazu muss man wissen, dass Microsoft in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 bezüglich der AI-Verkaufsziele "ziemlich eingebrochen ist" und hochfliegende Pläne begraben musste.

Geschäftsbedingungen: Copilot nur für Unterhaltung

Seit einigen Tagen macht das Thema "Geschäftsbedingungen für Copilot" im Internet die Runde. Microsoft hat die Microsoft Copilot Terms of Use wohl überarbeitet – die Version ist zwar seit Oktober 2025 gültig, hat aber einige Präzisierungen erhalten (The Register hat hier am 2. April 2026 darauf hingewiesen und merkt an, dass dies für alle AI-Produkte gelte).

Copilot Terms of use

Die wichtigste Stelle der Präzisierungen, die momentan Schlagzeilen im Internet macht, enthält folgende Aussage:

Copilot tries to give you good answers, but it can make mistakes. Sometimes, the sources Copilot uses may not be reliable, relevant, or accurate, and sometimes, Copilot may give you wrong information. When responding, Copilot may use information it finds on the internet, and we don't control that content. You might see Responses that seem convincing but are incomplete, inaccurate, or inappropriate.

Also im Klartext: "Unsere [Microsofts] wichtigste 'Erfindung seit geschnitten Brot', die wir bei jeder Gelegenheit als Game-Changer für Nutzer andienen, versucht bestmöglich zu funktionieren. Aber die Quellen, aus der sich die Antworten speisen, sind unzuverlässig, nicht relevant, oder nicht korrekt, wodurch die Copilot-Ansagen schlicht falsch sein können. Das gilt auch für Copilot-Antworten, die "vernünftig ausschauen". Und einige Zeilen weiter in den Terms of Use heißt es dann unter dem Abschnitt "IMPORTANT DISCLOSURES & WARNINGS":

Copilot is for entertainment purposes only. It can make mistakes, and it may not work as intended. Don't rely on Copilot for important advice. Use Copilot at your own risk.

Das Ganze ist im Original (und auch in der deutschsprachigen Version) wirklich gefettet hervorgehoben: Copilot ist nur für Unterhaltung, und es besteht das Risiko, dass das Gebilde nicht "wie vorgesehen funktioniert". Verlassen Sie sich bei wichtigen Entscheidungen nicht auf Copilot. Die Nutzung von Copilot erfolgt auf eigene Gefahr.

Auch wenn sich das Ganze auf die Nutzungsbedingungen für Privatnutzer bezieht, wie Martin Geuß in diesem Artikel auf Dr. Windows klarstellt, und auch unter dem Gesichtspunkt der US-Rechtsprechung gesehen werden muss, die solche Warnungen geradezu erzwingt, ist das quasi eine Bankrotterklärung für das Produkt, was als Copilot vermarktet wird.

Leuten, die sich mit der Materie beschäftigt haben, war das seit langem klar – ich hatte hier im Blog ja wiederholt auf die Probleme des KI-Einsatzes und die Folgen hingewiesen. Nun ist es auch juristische klar definiert, wozu ein Produkt wie Copilot verwendet werden kann. Und was für den Copilot für private Nutzer gilt, trifft aus technischen Gründen auch auf den Copilot für Geschäftskunden zu – selbst wenn die Quellen, aus denen sich das verwendete LLM bedient, akkurater sind. Spannend dürfte nun sein, wie man einem Controller die X Euro pro Monat und Nutzer für die Copilot-Nutzung verklickern kann, wenn das Teil quasi nur zur "Unterhaltung" dient? Und ob dann von Copilot-Nutzern "Vergnügungssteuer" und eine "Unterhaltungsabgabe" verlangt werden kann? Fragen über Fragen, die nicht ganz ernst gemeint sind, aber den Kern treffen. Denn wir leben in einem irren Zeitalter, wo gerade das passiert, was Du vor ein, zwei Jahren für undenkbar gehalten hast.

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21 Kommentare zu Nur zum Spaß: Microsofts Bedingungen erlauben Copilot nur für Unterhaltung

  1. Froschkönig sagt:

    Das ganze Leben ist ein Spiel. Passt also.

  2. Stephan sagt:

    KI = Keine Intelligenz

  3. Luzifer sagt:

    Dann haben Sie doch alles richtig gemacht: klartgestellt das CoPilot eben nur zu "Unterhaltung" ist und die Ergebnis absolut nicht relevant… so ehrlich war MS seit Jahrzehnten nicht! Hochachtung!

  4. janil sagt:

    Ach, guck.
    Auf der Gesundheitsschiene in DE wird auch gerade wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben.

  5. MirFälltGeradeKeinNameEin sagt:

    Ich kann zu dem Thema auch noch ein ganz besonderes Osterei ist Nest droppen, prall gefüllt mit digital-na(t)iver Verwaltungskompetenz aus "Essen die Winslop-Stadt".
    Zitat: "Durch die Umstellung des PC-Betriebssystems auf Windows 11 steht auch das KI-Werkzeug „Microsoft Copilot" flächendeckend zur Verfügung. Auch ohne die Bereitstellung der vorgenannten Software ist davon auszugehen, dass viele Mitarbeitende KI im dienstlichen Kontext nutzen. Umso wichtiger ist es, hierfür die Rahmenbedingungen zu kennen. Zur Umsetzung der Schulungsverpflichtung aus Artikel
    4 der EU-KI wurde daher durch den Verwaltungsvorstand ebenfalls beschlossen, alle Mitarbeitenden mit PC-Arbeitsplatz zu einer etwa einstündigen KI-Grundlagenschulung zu verpflichten. Es ist beabsichtigt die KI-Grundlagenschulung in dem unterweisungsmodul der Software iManSys zu hinterlegen, damit die Fachbereiche hierüber die verbindliche Durchführung dokumentieren können. "
    Achtet mal auf das Impressum der fantastischen "KI-Strategie" der Ruhr-Metropole Essen.
    Quellen:
    https://ris-intern.essen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZRDVBaq5cakUhrmWPxunPYken0RU2v_PVJKvzmZ-Ot0z/Vorlage_0375-2026-1.pdf
    https://ris-intern.essen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZQSJ2suXTfQuE6mVBx2Uk2OvlyJgdSStcoisJaz8DL6K/KI-Strategie.pdf
    https://ris-intern.essen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZRBJYRGLAL367LL4btw9u4_aFBwH-naDhzCkqVmN_OEB/Anfrage_zur_KI-Strategie_-Volt_-_Die_Partei-.pdf
    Ich kann leider nicht beurteilen, ob sich Microsoft 365 inklusive Copilot von Stadtverwaltungen wirklich DSGVO konform nutzen lässt ;-)
    Laut M$ ist MS365 plus Azure ja geradezu ein Garant für digitale Souveränität "Microsoft IT Pro Flash 04/2026: Digitale Souveränität – exklusive Events in München, Köln und online".
    Copilot als Unterhaltungstool in grauen Amtsstuben. Ein Lichtblick!
    Frohe Ostern!

  6. GüntherW sagt:

    Am Ende wie die "selbstfahrenden Autos"…

    Entweder die fahren wirklich selber, d.h. man kann es nutzen oder man muss ständig selber aufpassen. Dann kann man auch (fast) gleich selber fahren, weil der Nutzen fragwürdig ist.

    Auch wenn man es als Hilfsmittel durchaus nutzen kann. Wenn die Leute es "falsch" nutzen, dann ist auch fraglich was es in der Gesamtrechnung überhaupt bringt bzw. ob nicht sogar ein Nachteil/Schaden entsteht. Gerade bei solchen Sachen wird sich unweigerlich auch darauf hinauslaufen, dass die Leute es nicht immer noch kontrollieren. Das ist absolut vorhersehbares menschliches Verhalten und die LLM machen es auch nicht gerade besser, im Gegenteil.

  7. Tom sagt:

    Für mich liest sich das Ganze einfach nur als rechtliche Absicherung von MICROSOFT zur Verhinderung der Anklage, nachdem jemand "aus Versehen" die Zugangsdaten für den "weißen Knopf im Roten Haus" (oder war's andersrum?) mittels Copilot heraus findet…

  8. Rocco Siffredi sagt:

    „Copilot dient nur Unterhaltungszwecken." Wenn dem so wäre (ist), dann raus mit dem KI-Krempel aus allen Anwendungen und dem Betriebssystem. Wenn jemand meint, dass er KI – in diesem speziellen Fall eben Copilot – Funktionen in einzelnen Anwendungen oder dem OS verwenden möchte, dann könnte das ja eventuell auch über Plug-ins geschehen.

    Mag zwar vielleicht ein wenig blauäugig klingen, müsste aber doch zu realisieren sein. Vielleicht in so einer Art Copilot Zentrale, in der man dann Anwendungen per Häckchen für einzelne Anwendungen aktivieren oder deaktivieren kann.

    Wäre zumindest ein Kompromiss.

    • noway sagt:

      Microsoft könnte auch einfach wieder ein Windows und Office anbieten, das zum Arbeiten gedacht ist… Windows IoT für den Desktop, dazu Office "Pure", natürlich auch gleich cloudfrei. Nur haben sie leider in das genaue Gegenteil dessen Milliarden gepumpt, daher wird es das nicht geben, obwohl es problemlos zu realisieren wäre und es viele Leute sofort nehmen würden.

  9. Karli sagt:

    Dient demnach nicht Windows auch ausschließlich zu Unterhaltungszwecken?

    Windows is for entertainment purposes only. It can make mistakes, and it may not work as intended. Don't rely on Windows for important advice. Use Windows at your own risk.

  10. noname sagt:

    Das Problem ist nur, niemand kennt diese Aussagen.

    Früher war: Laut Google/laut Wikipedia, heute: sagt … – Es fehlt die Reflexion der Ergebnisse, heute wie früher. Was sich geändert hat ist das Tool, das Problem ist immer noch da.

    Und nein, ich bin kein KI-Feind, aber wenn ich die Zeit, welche ich mir mit KI bei der Suche spare durch Prüfen der Quellen auf Richtigkeit wieder verliere, was habe ich dann davon?

  11. Red++ sagt:

    "Wer kein Brot will, kann ja Kekse essen!", würde Marie Antoinette dazu sagen.
    Ich finde mein Zeug im Internet als auch auf dem PC auch ohne KI, für den kleinen Mann im Büro gilt es ebenso.

  12. xx sagt:

    Das Problem vom CoPilot schlechthin ist, dass er unbedingt seinen Blick ins Internet, nur via Bing machen darf.

  13. Herr IngoW sagt:

    Ist eben bei allen diesen "KI"-Modellen das gleiche.
    Nur Spielerei um das ……… (nach Wunsch ausfüllen) Volk bei Laune zu halten. Hauptsache sie kaufen den Unsinn direkt oder kaufen mit dem Unsinn anderen Unsinn den sie nicht brauchen, Hauptsache sie sind willig und fragen oder Prüfen nicht nach, oder sie fragen oder prüfen doch und dann kaufen sie nämlich nicht.
    Das ist dann nicht gut fürs Geschäft.

  14. xx sagt:

    Nachtrag.
    Auch wenn es nach Außen so wirkt, es ist nicht das gleiche LLM Produkt im Hintergrund. Gerade bei OpenAI Modellen ist der "Juice" der in der Ausführung steht, entscheidend für das Nutzererlebnis.

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