Momentan können wir in Westeuropa ja sommerliche Temperaturen genießen. In Frankreich ist es in einigen Landesteilen sogar arg heiß. Und nun kommt noch ein Sommerthema für einige Franzosen hinzu. Nein, nicht Strommangel durch stillgelegte AKWs, weil die nicht genügend Kühlwasser bekommen. Nein, in Frankreich sind so um die 400.000 Wetterstationen plötzlich tot. Warum? Weil der Hersteller diese an die Cloud angebunden hat, und die benötigten Dienste wegen eines Bankrotts zeitweise abgeschaltet wurden.
Ich hab noch ein "kleines Vorsommer-Thema" zum Schmunzeln und "hab ich es nicht gesagt". Stell dir vor, es ist gerade mal Ende Mai, es ist a bisserl heiß und du willst von deiner Wetterstation wissen, wie heiß es dann nun draußen ist.
Die Briten sind da irgendwie cool, die zeichnen in Oxford in der Wetterstation die Temperatur auf. Obiger Tweet meldet einen vorläufigen neuen Mai-Temperaturrekord an der Wetterstation des Radcliffe Observatory in Oxford. Mit 33,7 °C seit der bisherige Rekord von 1944 um über 3 °C übertroffen worden. Die Daten basieren laut Tweet auf Aufzeichnungen seit 1815 (seit April 1815 wurden die täglichen Höchsttemperaturen aufgezeichnet). Ununterbrochene tägliche Temperaturaufzeichnungen gibt es seit dem 14. November 1813 (Lufttemperatur, meist 3 Messungen pro Tag). Das ist einer der längsten durchgehenden Einzelstandort-Temperaturdatensätze weltweit. Erste, sporadische Aufzeichnungen gab es dort seit 1760/1767.
Der obige Maximalwert ist Teil einer außergewöhnlichen Hitzewelle Ende Mai 2026 in Südengland und Westeuropa, bei der zahlreiche Stationen ihre Mai-Maxima der Vorjahre übersteigen.
Kommen wir nun zu Frankreich und den Franzosen, die es teilweise noch schlimmer getroffen hat. Du schwitzt in der Hitze und willst wissen, wie hoch die Temperatur wirklich ist. Dazu hast Du dir eine dieser schnieken Wetterstationen zugelegt, wie diese auf obigem Bild zu sehen ist. Laut dem Tweet, der bereits in deutscher Übersetzung vorliegt, schauen die Besitzer dieser Stationen in die Röhre.
Es sollen 400.000 Wetterstationen von "La Crosse Technology", die in Frankreich zwischen 2007 und 2021 verkauft wurden, vor 15 Tagen plötzlich alle auf einmal ausgefallen sein. Die Stationen funktionieren nur über das Satellitennetzwerk Star Météo. Ziel war eine Wettervorhersage in Kooperation mit Meteo-France.
Wie es so ist, man kooperiert und schiebt die Daten über die Cloud. La Crosse Technology" hat das Unternehmen "e*Message Deutschland" gebucht, dass die Nachrichten zu den Wettervorhersagen mit den betreffenden Daten generierte. Die Daten gingen an die Firmenliederlassung "e*Message France" in Frankreich. A bisserl doof ist nun, dass "e*Message France" im Februar 2026 Pleite ging. Gut, kann passieren.
Die Reste von e*Message France wurden durch die Groupe Assmann (von der Tochtergesellschaft Assmann telecom) übernommen. Aber das war nicht ausreichend finanziert, um die Lizenzgebühren bei der Arcep (Regulierungsbehörde für Frequenzen in Frankreich) zu decken.
Ende vom Lied: Der neue Besitzer hat den Dienst vorübergehend eingestellt, wodurch nun potenziell bis zu 400.000 Wetterstationen die betreffende Funktion verloren haben. Es besteht die Gefahr, dass diese Stationen, weil vermeintlich kaputt, nun im Müll zu landen, obwohl sie noch voll funktionsfähig sind. Antoine Phileas weist darauf hin, dass dies eine großer Verschwendung und ein ökologischer Skandal sei.
Obiger Screenshot zeigt die Erklärung in Französisch und ist hier zu finden. Der Fall zeigt einmal mehr, wie kaputt heute viele Tech-Gadgets sind, und in ihren Funktionen an irgendwelchen (Cloud-)Diensten hängen. Ich hab mal gerade die Nase zum Büro-Fenster rausgehalten. Hier ist es sonnig, deutlich über 20 Grad Celsius, kuschelig, und ich gehe gleich zum Sport. Geht auch, so ganz ohne Cloud und Wetterstation.
PS: Der Urheber des obigen Tweet hatte dann noch einen Tipp für Betroffene: "Nehmt die Batterien aus euren Stationen heraus. Die permanente Suche frisst sie in hohem Tempo auf." Da fällt mir mein Thema Petition "Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz!" bis 21. Mai 2026 zeichnen und die Diskussionen der Art "wir müssen endlich wirklich digitalisieren", und alles ohne Sinn und Verstand, ein.






MVP: 2013 – 2016





Tja, es gibt auch Wetterstationen, die gleich gar keine Cloud-Funktionalität haben.
Und auch welche, bei der die Cloud-Funktionalität nur Zusatzfunktionen bereitstellt, die Station aber auch ohne Cloud funktioniert, aber eben nur die selbst ermittelten Daten anzeigt.
Das Beispiel zeigt wieder einmal, in welche Falle man sich begibt, wenn man Geräte kauft, die nur mit Cloud funktionieren.
Es gab immer wieder den Fall, das ein Hersteller Dienste abgeschaltet hat (kürzlich ja erst BOSE) oder pleite gegangen ist.