Fluch der Cloud: 400.000 Wetterstationen in Frankreich tot

Stop - PixabayMomentan können wir in Westeuropa ja sommerliche Temperaturen genießen. In Frankreich ist es in einigen Landesteilen sogar arg heiß. Und nun kommt noch ein Sommerthema für einige Franzosen hinzu. Nein, nicht Strommangel durch stillgelegte AKWs, weil die nicht genügend Kühlwasser bekommen. Nein, in Frankreich sind so um die 400.000 Wetterstationen plötzlich tot. Warum? Weil der Hersteller diese an die Cloud angebunden hat, und die benötigten Dienste wegen eines Bankrotts zeitweise abgeschaltet wurden.

Ich hab noch ein "kleines Vorsommer-Thema" zum Schmunzeln und "hab ich es nicht gesagt". Stell dir vor, es ist gerade mal Ende Mai, es ist a bisserl heiß und du willst von deiner Wetterstation wissen, wie heiß es dann nun draußen ist.

Wetterstation in Oxford (GB)

Die Briten sind da irgendwie cool, die zeichnen in Oxford in der Wetterstation die Temperatur auf. Obiger Tweet meldet einen vorläufigen neuen Mai-Temperaturrekord an der Wetterstation des Radcliffe Observatory in Oxford. Mit 33,7 °C seit der bisherige Rekord von 1944 um über 3 °C übertroffen worden. Die Daten basieren laut Tweet auf Aufzeichnungen seit 1815 (seit April 1815 wurden die täglichen Höchsttemperaturen aufgezeichnet). Ununterbrochene tägliche Temperaturaufzeichnungen gibt es seit dem 14. November 1813 (Lufttemperatur, meist 3 Messungen pro Tag). Das ist einer der längsten durchgehenden Einzelstandort-Temperaturdatensätze weltweit. Erste, sporadische Aufzeichnungen gab es dort seit 1760/1767.

Der obige Maximalwert ist Teil einer außergewöhnlichen Hitzewelle Ende Mai 2026 in Südengland und Westeuropa, bei der zahlreiche Stationen ihre Mai-Maxima der Vorjahre übersteigen.

Wetterstationen in Frankreich ausgefallen

Kommen wir nun zu Frankreich und den Franzosen, die es teilweise noch schlimmer getroffen hat. Du schwitzt in der Hitze und willst wissen, wie hoch die Temperatur wirklich ist. Dazu hast Du dir eine dieser schnieken Wetterstationen zugelegt, wie diese auf obigem Bild zu sehen ist. Laut dem Tweet, der bereits in deutscher Übersetzung vorliegt, schauen die Besitzer dieser Stationen in die Röhre.

Es sollen 400.000 Wetterstationen von "La Crosse Technology", die in Frankreich zwischen 2007 und 2021 verkauft wurden, vor 15 Tagen plötzlich alle auf einmal ausgefallen sein. Die Stationen funktionieren nur über das Satellitennetzwerk Star Météo. Ziel war eine Wettervorhersage in Kooperation mit Meteo-France.

Wie es so ist, man kooperiert und schiebt die Daten über die Cloud. La Crosse Technology" hat das Unternehmen "e*Message Deutschland" gebucht, dass die Nachrichten zu den Wettervorhersagen mit den betreffenden Daten generierte. Die Daten gingen an die Firmenliederlassung "e*Message France" in Frankreich. A bisserl doof ist nun, dass "e*Message France" im Februar 2026 Pleite ging. Gut, kann passieren.

Die Reste von e*Message France wurden durch die Groupe Assmann (von der Tochtergesellschaft Assmann telecom) übernommen. Aber das war nicht ausreichend finanziert, um die Lizenzgebühren bei der Arcep (Regulierungsbehörde für Frequenzen in Frankreich) zu decken.

Ende vom Lied: Der neue Besitzer hat den Dienst vorübergehend eingestellt, wodurch nun potenziell bis zu 400.000 Wetterstationen die betreffende Funktion verloren haben. Es besteht die Gefahr, dass diese Stationen, weil vermeintlich kaputt, nun im Müll zu landen, obwohl sie noch voll funktionsfähig sind. Antoine Phileas weist darauf hin, dass dies eine großer Verschwendung und ein ökologischer Skandal sei.

Wetterstation in Frankreich ausgefallen

Obiger Screenshot zeigt die Erklärung in Französisch und ist hier zu finden. Der Fall zeigt einmal mehr, wie kaputt heute viele Tech-Gadgets sind, und in ihren Funktionen an irgendwelchen (Cloud-)Diensten hängen. Ich hab mal gerade die Nase zum Büro-Fenster rausgehalten. Hier ist es sonnig, deutlich über 20 Grad Celsius, kuschelig, und ich gehe gleich zum Sport. Geht auch, so ganz ohne Cloud und Wetterstation.

PS: Der Urheber des obigen Tweet hatte dann noch einen Tipp für Betroffene: "Nehmt  die Batterien aus euren Stationen heraus. Die permanente Suche frisst sie in hohem Tempo auf." Da fällt mir mein Thema Petition "Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz!" bis 21. Mai 2026 zeichnen und die Diskussionen der Art "wir müssen endlich wirklich digitalisieren", und alles ohne Sinn und Verstand, ein.

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16 Kommentare zu Fluch der Cloud: 400.000 Wetterstationen in Frankreich tot

  1. R.S. sagt:

    Tja, es gibt auch Wetterstationen, die gleich gar keine Cloud-Funktionalität haben.
    Und auch welche, bei der die Cloud-Funktionalität nur Zusatzfunktionen bereitstellt, die Station aber auch ohne Cloud funktioniert, aber eben nur die selbst ermittelten Daten anzeigt.

    Das Beispiel zeigt wieder einmal, in welche Falle man sich begibt, wenn man Geräte kauft, die nur mit Cloud funktionieren.
    Es gab immer wieder den Fall, das ein Hersteller Dienste abgeschaltet hat (kürzlich ja erst BOSE) oder pleite gegangen ist.

    • Anonym sagt:

      Aus dem Text geht aber nicht hervor, dass die lokal nicht mehr funktionieren und zumindest eines der Bilder sieht nicht danach aus. Vielleicht kann man's sogar abschalten. Wäre auch interessant zu wissen, ob die Kooperation nur zum Abrufen von Daten dient oder ob die auch zum Wetterbericht zurückfließen. Dann könnte das sinnvollerweise der Staat auch direkt selbst betreiben.

      In dem Fall bräuchte man ggf. auch kein seltsames Konstrukt von einer französischen Firma, die eine Deutsche beauftragt, von welcher dann Daten zuerst an einen französischen Proxy (zum Übersetzen oder was!?) geschickt werden.

      Warum hier auf Cloud geschimpft wird ist mir auch nicht ganz klar oder gibt es bereits Wetterstationen, die eine Vorhersage lokal berechnen können und das sogar ohne zusätzliche Daten? Satelliten sind genau genommen auch keine Cloud.

    • Anonym sagt:

      Um nicht nur die aktuelle Temperatur und Luftfeuchtigkeit usw vom aktuellen Standort zu haben, sondern auch eine Vorhersage, braucht es nun mal irgendeinen Dienst. Das kann über Internet funktionieren oder Satellitennetzwerk oder durch eine eingebaute Simkarte oder wie auch immer, wenn der Dienst abgeschaltet wird gibt es keine Wettervorhersage mehr.

      Ich weiß jetzt nicht genau ob das hier auch der Fall ist, aber zumindest auf den Bildern sieht es für mich so aus als wenn die vom Gerät gemessene Temperatur weiterhin angezeigt wird.

      • R.S. sagt:

        Man könnte ja einen staatlichen Dienst nutzen.
        Der wird wohl kaum irgendwann abgeschaltet werden.
        In Deutschland wäre das der DWD. Der hat sogar eine API.

        Und meine Offline-Wetterstation erfasst deutlich mehr Daten als die auf den Bildern:
        – Innen- und Außentemperatur
        – Innen- und Außen-Luftfeuchtigkeit
        – Windgeschwindigkeit und Windrichtung
        – Regenmenge
        – UV-Index
        – Luftdruck
        Und die Daten werden für eine gewisse Zeit gespeichert und aus dem Verlauf der Daten errechnet die Station eine Wettervorhersage.
        Und meist liegt die damit auch richtig.

  2. Anonym sagt:

    e*message vertrieb in Deutschland die Wetterdirekt Wetterstationen, die die Daten empfangen können und sofern ich das noch richtig in Erinnerung haben, wird dieser Dienst in Deutschland leider Ende 2026 oder 2027 geplant sterben.

    ich bin mit der Wetterstation seit langem sehr zufrieden. Dank nicht vorhandenem Wlan Modul halten die Batterien ewig und die Wettervorhersagen selbst waren auch relativ zuverlässig und das Gerät brauchte auch nicht ständig irgendwelche Updates.

    • Andy sagt:

      Es hat aber nix mit Cloud oder Satellit direkt zu tun. Die Geräte sind normale Paging-Empfänger, die auf die Ausstrahlung der für sie bestimmten Datenpakete mit den Vorhersagewerten reagieren. Daher auch das Problem mit der Frequenznutzungslizenz. Es dürften dann aber auch andere Paging-Dienste mit betroffen sein? Die Wetterstationen waren doch nur ein Zusatzdienst im Pager-Netz, welcher sich nur aus dem Verkauf der Geräte finanzierte und keine dauerhafte Geldquelle hatte.

  3. Frank sagt:

    Die Messe ist ohnehin schon gelesen. Der Dienst (in Deutschland ist das WETTERdirekt) wird am 31.12.28 endgültig beerdigt.
    Meteotime dürfte auch schon auf der Palliativstation liegen. Geräte gibt es für beide Systeme schon lange nicht mehr

  4. Froschkönig sagt:

    Ja, doof, aber die ältesten dieser Geräte sind jetzt schon knapp 20 Jahre alt, ein Wunder dass der Onlinedienst für ein so einfaches Gerät überhaupt so lange durchgehalten hat. Was haben wir schon an Staubsauger-Roboter, programmierbare Fernbedienungen, Smart-TVs, online gekoppelte Spielsachen und vieles anderes, ja sogar PKWs auf diese Weise "gehen" gesehen. Fast 20 Jahre Nutzungszeit, so zynisch es klingt, ist doch schon überdurchschnittlich. Wer weiß, was einer Analyse des zugrundeliegenden Protokoll raus käme, was sich damit anstellen ließe um Wetterprognosen zu verändern, das stammt sicher noch aus der Zeit, als das Internet "unschuldig" war. Achso, ja, damals hieß das noch nicht "Cloud".

  5. Christian sagt:

    "Es besteht die Gefahr, dass diese Stationen, weil vermeintlich kaputt, nun im Müll zu landen, obwohl sie noch voll funktionsfähig sind. Antoine Phileas weist darauf hin, dass dies eine großer Verschwendung und ein ökologischer Skandal sei."

    Keine Wetterstation, sondern Radioempfänger, genauer DVB-C-Radios, also digitale Kabelradios: um 2017 begann der bayerische Hersteller LaSAT/Bemondis, solche Geräte in Deutschland auszuliefern. 2018 stieg TechniSat ebenfalls ein und lieferte ein Gerät für DVB-C-Radioempfang. Zielgruppe waren diejenigen, die vom UKW-Aus in den großen Kabelnetzen (Kabel Deutschland / Vodafone, PYUR und andere) betroffen waren und generell diejenigen, die größeres Radioangebot in technisch hoher Qualität haben wollten. Oder diejenigen, die es einfach haben wollten und deshalb nicht auf Internetradio setzten.

    Größer Anbieter in den Netzen war die ARD mit über 60 Programmen, in 320 kBit/s MPEG 1 Layer II (Originaldaten, 1:1 von Satellit in viele Kabelnetze umgesetzt) bzw. wenigstens noch 192 kBit/s MPEG 1 Layer II (recodiert, Kabel Deutschland / Vodafone).

    Ende 2021 stellte die ARD trotz Wissen um die Inkompatibilität und trotz Protesten Betroffener auf LC-AAC um. Die Geräte konnten das zu diesem Zeitpunkt nicht decodieren. Nach mir vorliegenden Aussagen aus der Industrie sind in Summe mehrere 100.000 Geräte dieser Serien verkauft gewesen bis dahin.

    Im Herbst 2021 hatten die Hersteller ihre Geräte fit gemacht für LC-AAC (LaSAT/Bemondis) bzw. LC-AAC und HE-AAC (TechniSat). Ein Hersteller musste dazu soweit mir bekannt sogar bis zum Hersteller der CPU dieses Gerätes gehen, es gab wohl keine AAC-Bibliothek, die man einfach hätte integrieren können. Viel Aufwand nur wegen der ARD und ihrer in keiner Roadmap stehenden Maßnahme. Release des Upgrades bei einem der Hersteller war dann auch noch zu spät für die Umstellung im Vodafone-Kabelnetz, die einen Monat vorgezogen wurde.

    Problem: die Funktion erforderte eine Nachlizensierung (AAC-Decoding ist lizenzpflichtig) und die neue Gerätesoftware wurde damit nur kostenpflichtig bereitgestellt (Ausnahme: Vistron-Geräte mit einer bestimmten CPU wurden over cable geupdated bei der Vodafone im ex-KDG-Gebiet, da muss es einen Deal gegeben haben, Kabel Deutschland war OEM-Kunde gewesen für solche Geräte).

    Die Betroffenen mussten aber erstmal wissen, dass ihr Gerät, wenn es schweigt, nicht defekt ist, sondern dass sie es updaten können. Und sie mussten dazu in der Lage sein: Webshop des jeweiligen Geräteherstellers, USB-Stick ordern für ca. 15 EUR inkl. Versandkosten, darüber dann ins Gerät einspielen). Viele wussten es vermutlich nicht, vor allem viele aus der Zielgruppe der nicht IT-affinen Radiohörer. Schon nach Weihnachten 2021 fand ich die ersten Geräte auf dem Recyclinghof.

    Neben diesen mehreren 100.00 DVB-C-Radiogeräten betraf es auch viele andere Sat- und Kabelreceiver, die für Radio verwendet wurden. Darunter HDTV-Receiver, die erst wenige Jahre alt waren. Und meist gab es da keine Upgrades mit AAC-Support. Ich kenne mehrere Leute, die jeweils mehrere Geräte zum Neupreis von jeweils mehreren 100 EUR entsorgt haben und neu kaufen mussten wegen dieser Schikane.

    Grob überschlagen hat die ARD damals einen mittleren einstelligen Millionenschaden bei den Betroffenen angerichtet allein mit den DVB-C-Radios. Die vielen Sat- und Kabelreceiver noch gar nicht mitgezählt.

    Solches "nachhaltiges" Verhalten läuft bei der ARD vermutlich unter "Service Public" oder so. Und es braucht weder eine Cloud, sondern einfach nur genug asoziale Arroganz bei Entscheidern, die vom Rundfunkbeitrag der durch sie Geschädigten finanziert werden. Zynischer geht es dann nicht mehr.

    • Micha sagt:

      Habe ich anders erlebt. Ein Sony Bravia 32 Zoll LED TV aus dem Jahr 2010 spielt alle AAC Radio Kanäle problemlos ab. Wenn ich mich richtig erinnere, ist es ein KDL-32EX720. Somit ist AAC im TV Bereich alles andere als neu.

      Das verschiedene Hersteller, den Letzten € bei den Lizenzkosten sparen wollen, liegt nicht an der ARD. Sofern die Hardware es kann, sollte es ab Werk auch lizenziert werden.

      Das die Klangqualität je nach Empfänger und dessen Softwarestandes schlechter geworden ist, ist ein anderes Problem. Manche Geräte spielen das LC-AAC Format viel zu laut ab. So als würde man den eingebauten Equalizer in allen Einstellungen auf maximal stellen. Ein Panasonic TX-32FSX609 macht das so. Im Menü gibt er immer HE-AAC als codec an.

      • Froschkönig sagt:

        Und dann wird wieder beschwert, weil die Geräte so teuer sind, weil Funktionen drin sind, die keiner nutzen kann, solange es kein entsprechendes Sendematerial gibt.

        DVB-T und DVB-T2 sind übrigens auch nette Stichworte, wenn es um noch funktionierende Geräte geht, die nur noch entsorgt werden können, obwohl sie noch funktioinieren. Oder man denke an die milliarden UKW-Radios auch in Autos, weil man UKW abschalten will um noch ein paar Handyfrequenzen freizuschalten.

        • Christian sagt:

          "Und dann wird wieder beschwert, weil die Geräte so teuer sind, weil Funktionen drin sind, die keiner nutzen kann, solange es kein entsprechendes Sendematerial gibt."

          Das sind immer so grenzwertige Entscheidungen. Wenn absehbar ist, dass in den kommenden 5-10 Jahren etwas Verwendung finden wird, sollte man es meiner Meinung nach schon vorsehen. Im Falle eines AAC-Decoders sind es 0,99 USD je Gerät bei Stereo bzw. das 1,5-fache bei Multichannel. Das geht aufs Einzelgerät betrachtet im Rauschen der Marktpreise unter, bei den üblichen Stückzahlen im hunderttausender-Bereich sind es aber dann auch hunderttausende USD für den Hersteller…

          "DVB-T und DVB-T2 sind übrigens auch nette Stichworte, wenn es um noch funktionierende Geräte geht, die nur noch entsorgt werden können, obwohl sie noch funktioinieren."

          Der große Unterschied: DVB-T2 in der deutschen "Darreichungsform" (HEVC, AAC oder E-AC-3) brachte dramatisch bessere Bildqualität, höhere (Full HD progressive!) Auflösung und erlaubte mehr Programme je Mux. Also massiver Mehrwert gegenüber vorher auch auf Empängerseite. Das AAC beim Hörfunk brachte niedrigere Audioqualität (128 LC-AAC vs. 320 MP2), ruinierte Multichannel-Kompatibilität und Zwang zu neuen Geräten. Da hat niemand drauf gewartet und die Qualität entschädigt auch niemanden für den Aufwand, denn ist ist gehört maximal gleich gut wie vorher, formal sogar etwas schlechter.

        • Anonym sagt:

          Ein anderes Beispiel sinnloser "Entsorgung":

          Die Mercedes W123 und W201 Serien in Form der legendären Mercedes 200D und 190D fährt immer noch und insbesondere die W201 Serie in rauhen Mengen in Westafrika herum, viele noch mit ovalem D Aufkleber, und die guten alten Motoren funktionieren dort weiter, immer weiter. Blechteile oder Anbauteile haben Zeitspuren, aber das kümmert dort niemanden. Der Resourcenaufwand für die Neuwagen Produktion damals bringt also heute noch direkten Nutzen. Bessere Nachhaltigkeit gibt es nicht.

          Man dankt dort sehr der tollen Abwrackprämie bei uns, die eigentlich zugehörige Verschrottung fand wohl entgegen aller Beteuerungen nicht überall statt und ganze PKW Flotten wurden stattdessen verschifft.

      • ilu sagt:

        Aber warum sollte ich als Hersteller oder Kunde etwas lizensieren, wenn ich es aktuell nicht brauche und auch nicht absehbar ist, dass es künftig vielleicht doch notwendig ist? Dann halte ich es für nachvollziehbar, dass man sich diese Lizenzkosten spart.

      • Christian sagt:

        AAC ist seit 2005 in den DVB-Specs drin. Also "uralt", genaugenommen sogar ein kleinwenig älter als der legendäre ARD-"Hörfunktransponder", der zur IFA 2005 mit 320 kBit/s MPEG 1 Layer II je Stereoprogramm startete. Man hätte damals also prinzipiell gleich auf AAC gehen können, es hätte aber nullkommagarkeine Endgeräte in den Haushalten und kaum welche im Markt gehabt. Möglicherweise sogar gar keine im Markt damals. Ich ahne, dass AAC erst zusammen mit HDTV / H.264 in den Markt gekommen ist.

        Die für den Hörfunktransponder verwendeten Hardware-Encoder Qbit DAE

        http://web.archive.org/web/20150912024243/http://www.qbit.de/Modular-Systems-DAE/DAE-DVB-Audio-Encoder-and-Multiplexer-System::15.html

        erlauben sogar LC-AAC, soweit ich mich erinnere.

        Nun ist es aber so, dass die DVB-Specs und Normen niemanden zum Einbau bestimmter Codecs in Endgeräten verpflichten. Wie die Codecs auszugestalten sind, steht in der ETSI TS 101 154. Bei der ETSI ist das alles vorbildlich frei herunterladbar (versuche das mal einer mit einer DIN /EN …).

        https://www.etsi.org/deliver/etsi_ts/101100_101199/101154/02.09.01_60/ts_101154v020901p.pdf

        Kapitel 6 ab S. 188 handelt die Audio-Codecs ab. Da steht ausdrücklich drin

        "The following clauses do not imply that either MPEG-1 audio, or MPEG-2 Layer II backward compatible audio, or AC-3 audio, or Enhanced AC-3 audio, or AC-4 audio, or DTS Audio, or DTS-HD audio, or DTS-UHD audio, or MPEG-4 AAC audio, or MPEG-4 HE AAC audio, or MPEG-4 HE AAC v2 audio, or combinations of MPEG Surround with MPEG-1 Layer II, MPEG-4 AAC audio, or MPEG-4 HE AAC audio, or MPEG-4 HE AAC v2 audio, or MPEG-H audio are mandatory. The codecs that a given IRD supports will define which of the following clauses the IRD shall comply with."

        Zu deutsch: was eingebaut wird, entscheidet nicht die Spec. Wenns eingebaut wird, sind die Anforderungen der Spec natürlich verpflichtend.

        In der DVB-S2-Europanorm ETSI EN 302 307-1

        https://www.etsi.org/deliver/etsi_en/302300_302399/30230701/01.04.01_60/en_30230701v010401p.pdf

        steht von Codecs gleich überhaupt gar nichts drin. Da geht es nur um DVB-S2, um Modulation, Rolloff-Faktor etc. – was übertragen wird, ist dort kein Thema.

        Die ARD behauptete 2021 kackdreist,"Der Audiostandard AAC-LC ist mittlerweile Bestandteil des DVB-S2-Standards". Nachzulesen hier

        https://share.ard-zdf-box.de/s/GknjnzsF7F8G3sj

        im "Redaktionsbriefing". Kommentar eines ARD-Technikers damals zu mir: "die verbreiten im Haus Fake-News an die Redaktionen".

        Wo stehts denn dann?

        Es gibt Märkte, die schon lange sehr klar und deutlich geregelt haben, welche Codecs verpflichtend sind. Zuerst ist hier die NorDig zu erwähnen

        https://2rn.ie/wp-content/uploads/2022/03/NorDig-Unified-Requirements-ver.-3.1.1.pdf

        Andere Regionen beziehen sich gerne darauf, soweit ich mich erinnere wird in den Anforderungen für deutsches DVB-T2 HD (HEVC / AAC / E-AC-3) auf die NorDig verwiesen.

        Irre an AAC ist ja auch noch, dass für Multichannel das AAC im Empfangsgerät nach AC-3 oder dts zu transcodieren ist, weil Heimkino-Decoder kein AAC entgegen nehmen. Absolut krank, sowas überhaupt vorzusehen.

        Meines Wissens nach hat die ARD niemals was über AAC-Audio verlautbaren lassen. Es gibt somit nur ein Dokument der EBU

        https://tech.ebu.ch/docs/tech/tech3333.pdf

        von 2009, das AAC "vom Himmel" fallen lässt und selbst für die erste Generation HDTV-Receiver zu spät kam. Die waren da schon am Markt, auch deutsche Premiumgeräte mit Radiotransponder-optimierter Software (RDS-Radiotextanzeige im Gerätedisplay, Direktaufnahme des demultiplexten MP2-Datenstromes auf Speicherlaufwerk).

        Diese TECH 3333 liest sich stellenweise nicht wie eine Verpflichtung:

        "Media industries developing stand-alone receiver (set-top boxes – STB or integrated receiver decoders – IRDs) or receivers with integrated digital televisions (iDTVs) are encouraged to comply with this set of requirements in order to allow interoperability between EBU Members' broadcasts and the receiver device."

        "Encouraged" ist keine Verpflichtung. Darüber hinaus geht es in der TECH 3333 um HDTV-Receiver und nicht um DVB-Radiogeräte, die überhaupt kein Videodecoding machen. Ist also genaugenommen gar nicht anwendbar dafür, für DVB->UKW-Kopfstellenumsetzer (auch massenhaft entwertet bei der Umstellung) ist die Lage noch eindeutiger. Da ist nix mit "HDTV".

        Ich muss also bis heute davon ausgehen, dass die Verwendung von AAC für den Hörfunk nicht angekündigt wurde. Abfragen von mir bei Herstellern wenige Monate vor dem Bekanntwerden der Umstellung belegen dies: die wussten nichts. Die haben das auch sehr kurzfristig erfahren.

        Die Sache mit dem übersteuerten Audio ist interessant!

        Anfangs gab es bei BR, MDR, rbb und NDR obskure Effekte, dass das Audio von allein leise und laut wurde bei bestimmten Geräten mit ARD-Radio in AAC. Oder dass es massive Dynamikkompression gab.

        Ursache war damals, dass man einfach wie zuvor schon bei MPEG 1 Layer II gehandhabt die RDS-Daten in die ancillary data Bereiche des (nun AAC-)Datenstromes geschrieben hat. Bei MPEG 1 Layer II war das gefahrlos möglich, da es keine sonstige Verwendung der ancillary data durch Endgeräte gab. Die haben das also meist ignoriert, einige wenige (TechniSat, Bemondis-Kabelradios und UKW-Kopfstellenumsetzer) haben das RDS halt extrahiert und angezeigt oder umgesetzt. Die entsprechende Signalisierung kam auch erst später in die ETSI TS 101 154 rein. Das Dokument von ganz oben, S. 259.

        Bei AAC gab es sowas auch nicht. Aber die ancillary data transportieren dort wichtige Metadaten zur Steuerung von Bezugspegel, Lautheit und Dynamikbearbeitung durch Endgeräte. Somit kam es durch die RDS-Daten zur Irritation von Empfangsgeräten, die dann je nachdem, was an Daten vorbeikam, willkürlich am Audio rumgeschraubt haben. Besonders der MDR war hier auffällig, da er das umfangreichste RDS-Feature-Set via DVB betreibt (PS, RT, CT, TP/TA, M/S, ich glaube auch PI).

        Erst im Januar 2022 hat dann der Encoderhersteller Qbit eine Änderung vorgenommen, bei der meines Wissens nach die RDS-Daten so segmentiert werden, dass niemals der "Startcode" 0xBC für die Dynamik-Funktionen im Datenstrom vorkommt. Damit sollte das dann gefixt worden sein.

        SWR, SR, WDR und hr nutzten RDS via Private PID, also separater RDS-Datenstrom je Hörfunkprogramm und hatten Encodersoftware von Ferncast. Die stellten erst später (beginnend mit dem hr) auf RDS via ancillary data um. Es hätte dort anfangs sowas also gar nicht auftreten dürfen.

        Nun hatte ich im Frühjahr 2022 einen Premium-UHD-Receiver von TechniSat auf dem Tisch zu Tests mit dem ARD-Hörfunk. Und da fand ich auch bei WDR 3 (die damals noch kein RDS in den ancillary data hatten) eine eigenmächtige Dynamikkompression. Alles was quellseitig über -3 dBFS ausgesteuert war, wurde vom Gerät 6:1 komprimiert. Vollaussteuerung (0 dBFS) kam also mit -2,5 dBFS am S/PDIF-Ausgang raus. Ebenfalls sehr hoch ausgesteuert war damals MDR Sachsen-Anhalt. Dort (Popmusik) gab es oft Pegel über -3 dBFS, der TechniSat komprimierte massiv und man konnte richtig Regelungspumpen hören. Bei MPEG 1 layer II komprimierte das Gerät nicht.

        Wo das herkommt, ist mir bis heute unklar. Ich vermute, dass die Metadaten zur Gerätesteuerung hinsichtlich Bezugspegel und Dynamikkompression nicht korrekt übertragen werden und die Endgeräte sich brav nach dem richten, was ihnen signalisiert wird. Mir fehlen leider die Kenntnisse dazu, um da tiefer einzusteigen (und inzwischen auch die Lust, mit Abschaltung des Hörfunktransponders habe ich aufgehört, ARD-Radio zu nutzen, obwohl ichs technisch könnte, da ist auf anderem Gebiet bei mir was zu Bruch gegangen, Stichpunkt Kommunikationspraxis der ARD dazu, Verhöhnung der Geschädigten, Falschaussagen zum Thema in der Öffentlichkeit, …).

        Alle Versuche, damals über meinen etwas tiefer involvierten Bekanntenkreis was zu erfahren, sind gescheitert. Ich belasse es dabei. Inzwischen sind auch die Programme, die ich bis 2021 hörte (vor allem Bayern 2) inhaltlich zerstört worden, ich muss mich also auch nicht mehr mit ihrem Empfang beschäftigen.

        Die Vistron-Kabelradios (LaSAT/Bemondis) sind so primitiv, dass sie die Dynamikbearbeitung nicht machen. Die liefern bei LC-AAC dynamisch astrein das, was auch der FFmpeg liefert, Abweichung auf PCM-Ebene ist ein Zufallsschalten in den 2 kleinsten Bit. Also: vom Höreindruck identisch. Und die LaSAT-HDTV-Receiver, die u.a. als WISI, Pollin, SMART, Megasat und weitere gelebelt wurden (inkl. der urigen Soundbox mit integriertem 2.1-Lautsprechersystem) kann man sogar gratis auf AAC aufrüsten, wenn man weiß, welche Software dafür passt. Diese Geräte können aber alle nur LC-AAC. HE-AAC können sie nicht, da decodieren sie Murks (Spiegelung des Audio an 12 kHz).

        Dass Fernseher HE-AAC angeben, ist normal. Eine Unterscheidung von LC-AAC und HE-AAC findet auf der Ebene, auf der diese Anzeige gewonnen wird, nicht statt. Das läuft alles unter HE-AAC, ist aber glücklicherweise bei der ARD LC-AAC.

        Noch geiler ists beim ORF: Umstellung der Radioprogramme auf AAC im September 2024. Zuerst Ö1 192 LC-AAC und alle anderen 128 HE-AACv1 – also mit den vielen LaSAT-Geräten und Kabelradios nur murksig spielbar, auch UKW-Umsetzung mit bestimmten Kopfstellengeräten scheiterte. Außerdem keine PCR-Timecodes im Datenstrom (dadurch wohl kein Abspielen mit vielen Linux-basierten Receivern, die blieben stumm, wie Foreneinträge damals zeigten).

        Ich hatte dann interveniert und man stellte schnell auch die 128er auf LC-AAC um und brachte dann auch die korrekte PCR in die Datenströme.

        Seitdem spielts, aber alle 128er sind permanent fehlerhaft. Alle paar Minuten sind auf allen ORF-Radioprogrammen außer Ö1 Datenfehler im AAC. Der FFmpeg wirft wild Fehlermeldungen beim Decodieren, offenbar werden die Frames abgeschnitten, bevor sie vollständig sind. Bei Ö1 (192 LC-AAC) passiert das nur ca. 1 mal am Tag, bei den anderen dutzend male pro Stunde. Je nach Empfangsgerät gibt es nen feinen Knack bis hin zu lauten Störgeräuschen, also völlig unbrauchbar.

        Und das ist seit Herbst 2024 so. Die bekommen das nicht in den Griff bzw. machen vermutlich nichts mehr dran. Der technische Dienstleister ORS, der sich inzwischen "Big Blue Marble" nennt, scheint echt super gut drauf zu sein.

        Und das allerbeste: die zertifizieren DVB-Empfangsgeräte für den Austria-Markt. Es gibt ein entsprechendes PDF bei denen mit den Requirements. AAC kommt nicht darin vor. Kannste dir nicht ausdenken, sowas.

  6. Stefan sagt:

    Zurück zum Wetter.
    Zum Glück gibt es ja z.B. Awekas.at, mit jeder Menge Wetterstationen auch in Frankreich.
    https://www.awekas.at/map/de/?id=41941&lon=3.3406895&lat=46.580057&zoom=7&map=temp&nowMinMax=now

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