In vielen Organisationen wird auf Microsoft Exchange (On-Premises, oder Exchange Online) zur Verwaltung von Postfächern gesetzt. Vor einiger Zeit hat ein Blog-Leser mich auf eine Alternative hingewiesen, die er bei sich seit längerer Zeit einsetzt. Es geht um MailPlus von Synology, in das man Exchange migrieren und auch das AD übernehmen kann.
Ein Leserkommentar zu einem Artikel mit Hinweis auf MailPlus
Der Vorgang liegt bei mir schon "länger auf Halde", und ich ziehe den jetzt mal hier im Beitrag zusammen. Ende Oktober 2025 hatte ich den Blog-Beitrag Outlook, Exchange, Windows: Immer Ärger mit dem Autodiscover zu einem Outlook-Exchange-Problem veröffentlicht. Blog-Leser Daniel meldete sich seinerzeit mit diesem Kommentar und schrieb, dass er Synology MailPlus bevorzuge. Für ihn sei unverständlich, wieso viele Administratoren nicht Windows Server sowie den Exchange "HybridCloud-Mist" rauswerfen, und auf lokale/zentrale eigene Server setzen. Hier sein damaliger Kommentar:
In MailPlus kann man Exchange migrieren und auch AD kann man übernehmen. Beste ist halt nur einmalige Kosten, keine laufenden Abo Kosten.
Und es gibt einen hübschen Webmailer welcher auch Gruppenpostfächer usw. kann.
Aber jeder wie er mag. Ich mag Outlook Classic, sobald MS dass ganz dicht macht gibt eben nur noch Webmailer. Neue Outlook in US Cloud kommt nicht in Frage.
Ich hatte Daniel um weitere Informationen gebeten und er hatte mir diese auch per E-Mail zukommen lassen. Dazu schrieb er: "Ich selbst habe kein Exchange oder AD/Azure Cloud-Gedöns. Ich verwende nur direkt MailPlus auf meinem Synology NAS, läuft seit Jahren prima sogar am privaten DSL Anschluss."
Synology MailPlus im Überblick
Bei Synology MailPlus handelt es sich um ein E-Mail-Server-Paket von Synology, welches das Unternehmen seine Synology NAS-Geräte (DiskStation Manager / DSM) anbietet. Das Paket ermöglicht Nutzern einen eigenen, vollwertigen Mail-Server direkt auf einem Synology NAS zu betreiben. Es ist eine klassische On-Premise-Lösung, die nach meinen Recherchen bisher aus den folgenden Komponenten besteht.
- MailPlus Server: Der eigentliche Mailserver, der E-Mails empfängt, versendet und verwaltet.
- MailPlus: Der moderne Webmail-Client (ähnlich wie Gmail im Browser) plus Mobile-Apps für iOS und Android.
Der Anbieter hat auf dieser Supportseite eine Gegenüberstellung der Features für MailPlus und MailPlus Server veröffentlicht (soll laut Daniel aber das "kostenlose" Paket sein, was laut dieser Seite für April 2026 abgekündigt ist – ich belasse es aber mal zur Information im Blog-Beitrag).
Beim MailPlus Server sind bereits fünf kostenlose Lizenzen pro NAS dabei. Bei Bedarf lassen sich weitere Lizenzen im 5 oder 20er Pack kostenpflichtig erwerben. Daniel schrieb mir, dass 5er Lizenzen so etwa 200-260€ Brutto kosten, grob also (einmalig) um die 50€ Brutto pro Benutzer. Das sind einmalige Kosten, es gibt kein Abo für diese Lizenzen. Der weitere Vorteil besteht darin, dass man die Kontrolle über die eigenen Daten hat, da der Server auf dem Synology NAS läuft. Das ist DSGVO-konform und nichts geht zu Google, Microsoft etc.
Im Internet werden noch eine gute Integration mit anderen Synology-Paketen wie Contacts, Chat oder Calendar sowie Sicherheitsfunktionen (Anti-Spam mit Rspamd, Anti-Malware mit ClamAV, etc.) genannt. Interessant werde wohl das Synology ChatPlus und Meet, merkt der Leser an. Das sei quasi ein Teams-Klon (siehe auch Ankündigung auf der Computex 2025).
Über Calender/Contacs kann man auch bei Bedarf Outlook mit dem Plugin (Outlook CalDav Synchronizer), Thunderbird oder ähnliches verwenden und ganze via Cal/Card-DAV einbinden. Wer Apple verwendet, kann Cal/Card-DAV einfach nativ verwenden.
Der Webmailer unterstützt auch S/MIME und man kann auch Mails via POP3 sammeln lassen. Mit neusten Update können die Benutzer bei Bedarf auch das Postfach als PST exportieren, schrieb mir der Leser im Nachgang. Ein Administrator kann Mails, gemäß diesem Supportbeitrag, zudem nach Vorgaben moderieren und entsprechend zurückhalten oder freigeben wenn bestimmte Kriterien getriggert werden. Caschy hat vor einigen Tagen in seinem Blog-Beitrag was dazu geschrieben.
Der größte Vorteil der Lösung sei, argumentiert der Leser, dass es kein 5, 20 oder 50GB Limit bei den Postfächern gibt. Damit muss man nicht alles archivieren um Platz zu schaffen für neue Mails. Das Limit stellt nur die Kapazität der verwendeten HDD dar.
Selbst wer die Lösung ohne Domain verwenden möchte und unbedingt an Gmail & Co. festhalten möchte, kann die Mails von diesen Postfächern via POP3-Abruf sammeln lassen, und Mails dann per SMTP versenden. Als IMAP-Server verwendet man das eigene NAS mit MailPlus. So hat hat man alle Mails lokal und bekommt auch Zugriff, selbst wenn US-Anbieter das Konto sperrt, oder das Konto bei GMail & Co. gehackt wurde. Und es werde kein Speicher beim Fremdanbieter verbraucht, wenn die Mails nach dem Abruf dort gelöscht werden. Das könne also selbst für Privatleute interessant sein. Ein YouTube-Video zeigt die Einrichtung und gibt Tipps dazu.
Geeignet ist diese Lösung für kleine und mittelgroße Unternehmen, die einen eigenen, sicheren Mailserver einrichten und betreiben wollen. Aber auch Privatpersonen oder Freiberufler mit eigener Domain, die unabhängig von Gmail/Outlook sein möchten, könnten Synology MailPlus als Alternative zu Microsoft Exchange oder Cloud-Diensten ins Auge fassen.
Es ist sogar eine Kombination mit zwei NAS-Geräten über AD/LDAP möglich (siehe hier und hier), um die Verfügbarkeit zu erhöhen. In dieser Konstellation habe man sogar 5+5 kostenlose E-Mail-Konten verfügbar, merkte Daniel an. Das Paket kommt mit einem Web-Client mit Ordnerfreigabe, Regeln, Suche usw. und es gebe Mobile Apps mit Push-Benachrichtigungen. Klingt alles sehr interessant.
Einige Referenzen im Internet
Von Daniel habe ich noch einen Hinweis auf den Artikel von nascompares.com bekommen, in dem MailPlus besprochen wird. Eine Demoseite von Synology findet sich hier.
Die Migration von Microsoft Exchange zu MailPlus wird im Synology-Support-Beitrag Migrieren Sie die Daten Ihrer Organisation von Exchange Server zu Synology MailPlus, Contacts und Calendar (Stand August 2025) beschrieben. Und im Synology-Forum.de gibt es diesen Erfahrungsbericht zum Einsatz der Lösung im Privathaushalt.
Daniel schrieb mir noch: "Zum Mail versenden verwende ich Mailbox.org als Anbieter. Dieser ist datensparsam […]". Hintergrund ist wohl, dass private Internetanschlüsse dafür ungeeignet sind, das die IP-Adresse (mangels Pointer Record, PTR) wohl auf sämtlichen Sperrlisten stehen. Wer einen Business-Anschluss für das Internet hat, welcher feste IP -Adressen mit PTR anbietet, kann laut Daniel auch nativ Mails ausgehend direkt zustellen lassen.
Vielleicht eine Anregung an den einen oder anderen IT-Dienstleister etwas über den "eigenen Zaun zu denken" und solche Lösungen in Erwägungen zu ziehen.




MVP: 2013 – 2016





Klingt interessant.
Für KMUs evtl. eine Alternative.
Aber auch Exchange kann man OnPrem betreiben.
Und das 50 GB-Limit pro Postfach kann man per Registryeintrag aufheben.
Und bei Exchange gibt es die DAG. Damit kann man bis zu 16 Exchangeserver zusammenschalten, um die Verfügbarkeit zu erhöhen.