Microsoft Kontensperren für Veracrypt-, WindScribe- und WireGuard-Entwicklern

Ich hatte ja mehrfach im Blog gewarnt, dass digitale Konten  bei Apple, Google, Microsoft etc. Abhängigkeiten schaffen, die einen seine digitale Existenz kosten können. Nun gibt es zwei neue Betroffene, die die Risiken zeigen. Sowohl einem Hauptentwickler der Verschlüsselungssoftware VeraCrypt, als auch WindScribe- und WireGuard-Entwicklern wurden die Konten gesperrt.

Microsoft versucht ja seit Jahren seine Kunden zum Verwenden von Microsoft Konten zu zwingen. Sowohl in Windows 10 als auch in Windows 11 wurden die Leute beim Setup zum Anlagen eines Microsoft-Kontos gedrängt. Auch Microsoft Office bzw. Microsoft 365 erfordert Microsoft-Konten.

Microsoft Konto weg – Du bist digital tot!

Verliert ein Nutzer den Zugang zu seinem Microsoft-Konto, ist er digital schlicht und ergreifend gestorben. Alle Dienste, die mit dem Konto verbunden sind, lassen sich nicht mehr nutzen. Abos und Daten sind ebenfalls nicht mehr zugreifbar. Ich hatte bereits 2014 im Blog-Beitrag Microsoft-Konten gesperrt, und nun? auf die Probleme hingewiesen. Damals gab es noch irgendwie etwas Hoffnung, dass man Betroffenen – wenn auch mit Schmerzen – vielleicht helfen könnte, wieder Zugriff auf das Microsoft-Konto zu bekommen.

Seit dieser Zeit habe ich zahlreiche Fälle von willkürlichen Kontensperren durch Microsoft hier im Blog dokumentiert (siehe links am Artikelende). In der Regel erhalten die Betroffenen nicht einmal eine Erklärung, was zur Kontensperrung führt. Einspruchsmöglichkeiten haben Besitzer eines solchen Kontos keine – obwohl ein langwieriger Klageweg offen steht. Ich hatte im Beitrag Tretmine Microsoft Konto: Willkürliche Sperre bei Online-Funktionen auf die Implikationen hingewiesen. Nun hat die Microsoft-Kontensperre wieder zugeschlagen.

Konto eines VeraCrypt-Entwicklers gesperrt

Die Nacht hat ein Blog-Leser mich auf X auf eine neue Kontensperre hingewiesen (bin aber erst heute in der Lage, das hier im Blog einzustellen). VeraCrypt-Entwickler Mounir Idrassi hat sich zum 30. April 2026 auf X gemeldet und erklärt, warum er "einige Monate offline war".

Microsoft Kontensperre

Microsoft hat dem VeraCrypt-Entwickler das Microsoft-Konto, wie üblich ohne Vorwarnung, gesperrt, mit dem er über Jahre Windows-Treiber und -Boot-Loader signiert hat. Alle Versuche, das Problem über diverse Kontakte bei Microsoft zu lösen, sind (erwartungsgemäß) im Sande verlaufen. Es gibt keine Erklärung für die Aktion und es gibt keine Einspruchsmöglichkeit, das Konto ist geschlossen. Er hat den Screenshot der Meldung mit im Tweet angehängt. Laut obigem Tweet beeinträchtigt die Kontenschließung inzwischen auch seinen eigentlichen Job.

VeraCrypt ist eine Open Source-Software, die eine verschlüsselte Ablage von Dateien in logischen Containern auf Laufwerken oder verschlüsselten Laufwerken unter Windows ermöglicht. Es lässt sich statt Bitlocker verwenden.

Auch WireGuard-Entwickler wurde Konto gesperrt

WireGuard ist ein Kommunikationsprotokoll sowie eine freie und quelloffene Software zur Einrichtung verschlüsselter virtueller privater Netzwerke (VPNs). Im Laufe des 8. April 2026 hat der obige Kanal auf X noch den nachfolgenden Tweet nachgeschoben.

MS-Konto gesperrt

Auch einem WireGuard-Entwickler wurde ebenfalls sein Microsoft-Konto ohne Warnung geschlossen. Er wollte sich anmelden, um ein WireGuard-Update zu veröffentlichen, um festzustellen, dass sein Microsoft-Konto geschlossen worden war. Falls die Software Sicherheitslücken enthält und diese geschlossen werden sollen, hat der Entwickler keine Möglichkeiten mehr, per Update zu reagieren, schreibt er.

WindScribe-Entwickler auch betroffen

In diesem Antwort-Tweet schreibt ein Nutzer, dass der Entwickler des VPN-Dienstes WindScribe vor dem gleichen Problem stehe. Der Entwickler kann nichts digital signieren, was im Zusammenhang mit dem Windows-Kernel steht, da das Konto gesperrt wurde. Windscribe ist ein in Kanada ansässiger Anbieter von kommerziellen, plattformübergreifenden Open-Source-VPN-Diensten.

Mir geht der Gedanke durch den Kopf, ob dies mit dem im Blog-Beitrag Windows 11/Server 2025 blocken ab April 2026 "cross-signierte" Kerneltreiber zusammen hängen könnte und Microsoft vorsorglich auch gleich die Konten der Entwickler schließt? Ergänzung: Mir ist die Information zugegangen, dass Microsoft die Fälle untersucht und die Entwickler wohl wieder Zugriff bekommen. Scott Hanselmann wies auf diesen Techcommunity-Beitrag hin, nach dem Microsoft ab dem 16. Oktober 2025 eine obligatorische Kontoüberprüfung für alle Partner des Windows-Hardware-Programms fordert.

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Ein Kommentar zu Microsoft Kontensperren für Veracrypt-, WindScribe- und WireGuard-Entwicklern

  1. Micha sagt:

    Ist mal interessant zu wissen, was mit privaten VeraCrypt-Containern auf OneDrive passiert.
    Ich habe ne Handvoll auch auf OneDrive (in mehreren MS-Konten), aber zur Sicherheit auch alle bei diversen Google Drives.
    Sollte es bei mir mal tatsächlich zu MS-Kontensperren kommen, so fliegt Windows (Microsoft) in hohen Bogen aus meinen Systemen. Komme derzeit (noch zu Testzwecken und Neugierde) hervorragend mit Linux klar.

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