Batteriehersteller Varta stellt mehrere Insolvenzanträge (24.7.2026)

ParagraphIst es das Ende des großen deutschen Batterieherstellers Varta? Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Stuttgart insgesamt vier Insolvenzanträge gestellt, wie am 24. Juli 2026 bekannt wurde. Letzter "Sargnagel" war, das Apple die Batteriefertigung für seit Tablets an chinesische Hersteller vergeben hat.

Mehrere Hinweise auf Probleme

Ich wurde aus der Leserschaft auf den Vorgang hingewiesen (danke dafür), hatte es aber gestern auch in diversen Medien gelesen. Folgender Tweet titelt, dass Apple "schuld" an der Varta-Insolvenz sei, weil die die Akku-Produktion für AirPods an chinesische Hersteller gegeben worden sei.

Varta

Das scheint mir aber nur ein Teil der Wahrheit zu sein, und war wohl final das Ereignis, welches Insolvenzanträge erforderte. Varta "kränkelt" wirtschaftlich schon länger. Ich erinnere mich, dass vor Jahrzehnten bereits ein Varta-Forschungswerk in meiner Stadt dicht gemacht wurde.

Dann erinnere ich an den Ransomware-Angriff auf Varta in Ellwangen, im Februar 2024, den ich im Beitrag Cyberangriff auf Batteriehersteller Varta in Ellwangen (Feb. 2024) angesprochen hatte. Dieser Angriff hatte für Besitzer von Varta-Batteriespeichern von Solaranlagen unangenehme Folgen, wie ich im Beitrag Nachlese: Zugriff der VARTA-App auf Speicher nach Cyberangriff weiterhin tot aufgezeigt habe. Varta gelang es nicht, die Cloud-Dienste, die von den Batteriemanagement-Systemen benötigt werden, binnen kurzer Frist wiederherzustellen. Kunden konnten nicht mehr per VARTA-App auf ihre Batteriespeicher zugreifen. Das war für mich ein Zeichen, dass da möglicherweise was "im Argen lag".

Insolvenzanträge durch Varta gestellt

Die Tagesschau bestätigte am Freitag Nachmittag (24. Juli 2026), dass das schwäbische Unternehmen Varta insgesamt vier Insolvenzanträge beim Amtsgericht Stuttgart gestellt hat. Den Medien liegt wohl die Bestätigung des Insolvenzgerichts vor.

Laut Angaben des deutschen Batterieherstellers Varta wurde "ein Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung" gestellt. Das bedeutet, dass das Management des Unternehmens das Insolvenzverfahren durchführt, sofern das Insolvenzgericht dem zustimmt. Ziel dieses Schrittes sei es, die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen, heißt es.

Reuters berichtet laut BR, dass die Anträge derzeit von der zuständigen Richterin geprüft werden. Reuters war bereits am Donnerstag, den 23. Juli 2026, über das Verfahren des in Schieflage geratene Unternehmens aus Ellwangen informiert. Laut Reuters waren die bisherigen Eigentümer, der Sportwagenbauer Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner, nicht mehr zu einer weiteren Kapitalspritze bereit.

Der BR schreibt, dass Varta damit vor der Zerschlagung steht. Die wichtigsten Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds, wollen das profitable Haushaltsbatterien-Geschäft übernehmen. Tojner hat Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien – etwa Knopfzellen für Hörgeräte – angemeldet.

Die VARTA AG beschäftigt nahezu 4.200 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat fünf Produktions- und Fertigungsstätten in Europa und Asien. heise hat hier noch einige Hintergrundinformationen zu den drei Gründen der Insolvenz (deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungskurseffekte sowie zuletzt die Entscheidung des Ankerkunden Apple) zusammen getragen.

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2 Kommentare zu Batteriehersteller Varta stellt mehrere Insolvenzanträge (24.7.2026)

  1. R.S. sagt:

    Schon 2024 stand Varta kurz vor der Insolvenz und konnte nur durch eine Finanzspritze der Investoren gerettet werden.
    Der Verlust von Apple als Kunden war nur der Sargnagel, nicht die Ursache.
    Hauptursache waren wohl Fehlinvestitionen 2021/2022.

  2. Fred sagt:

    Es gibt schon Gründe, warum eine Firma niemals einen einzelnen Kunden haben sollte, der über 20% vom Umsatz macht.
    20% sind noch verkraftbar, aber alles drüber ist dann – sorry – Dummheit. Auch wenn es verlockend klingen sollte und man kann einen Kunden an sich reissen, der die Fabrikation zu >50% auslastet, das ist brandgefährlich… im ersten Moment mag das super sein… aber dann fehlen Kapazitäten für andere Kunden, die man abweisen muss. tja, sieht man hier auch wieder…

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