Samsung punktet bei Technikenthusiasten ja gerne mit ganz coolen Produkten. Kühlschränke mit "Intelligenz" und Displays auf der Vorderseite, die anzeigen, wenn Milch nachgekauft werden muss oder abgelaufen ist, und so weiter. Manche dieser Features sind aber bloß Müll, bei anderen stehen die Leute nach dem Kauf mit langen Gesichtern vor dem Gerät, wenn es nicht (mehr) so funktioniert, wie vorgesehen. Heute was "österliche" Lustiges aus dem Intrigantenstadel der Technikzunft.
Die Boomer und die Technikzunft
Wir Boomer wurden ja noch in einer Zeit sozialisiert, als ein Auto noch ein Auto war, was einfach zum fahren von a nach b benutzt wurde. Und ein Kühlschrank war noch ein Kühlschrank, der die Lebensmittel einfach nur kühl halten sollte. Wir sind groß geworden, haben unsere Lektionen im Leben gelernt und sind zu etwas geworden, was sich störrisch den neuestens Hypes verweigert und so mache Entwicklung für ausgesuchten Kappes hält. Uns wird dann (als harmlosestes) Innovationsfeindlichkeit vorgeworfen. Ist mit KI so, aber auch mit so manchen anderen Hype-Themen.
Und ja, ich zeige auf meine eigene Nase, ich bin da abschreckendes Beispiel: Waschmaschine und Spülmaschine ohne eigenen WLAN-Anschluss, TV-Gerät ohne Smart, ein Auto, was nur fährt, und ein Kühlschrank, der nur kühlt, und ein Herd mit so lustigen Drehknöpfen, mit dem man kochen und backen kann. Immerhin hat mein Kühlschrank sogar Licht – wobei ich noch nicht nicht herausgefunden habe, ob das immer brennt, denn die Tür ist ja nicht durchsichtig.
Einige meiner jüngeren Ingenieurkollegen sind bei Bosch mal auf die grandiose Idee gekommen, dass man eine Kamera im Kühlschrank verbauen könnte. Dann könntest Du sehen, ob die Innenbeleuchtung beim Schließen der Kühlschranktür auch wirklich ausgeht. Gut, ist jetzt unfaire Dialektik, Zweck war, dass man im Supermarkt per Handy nachschauen kann, was im Kühlschrank fehlt.

Hielt ich für Schwachsinn, muss aber gestehen, ich kann nicht mit praktischen Erfahrungen, dass ich "das brauchen tät" aufwarten. Denn ich habe "Einkaufs-Mitfahrverbot" von der besseren Hälfte erteilt bekommen. "Du machst mich beim Einkauf nur nervös und kaufst eh nur Unsinniges wie Gummibärchen, Kekse so so Zeugs". Recht hat sie, die Frau, das Zeugs wir bei uns aber auch nicht im Kühlschrank gelagert. Und weil es im Beitrag ein bisschen seriös zugehen soll, habe ich oben den Screenshot von der Bosch Seite eingeblendet, wo begründet wird, dass der smarte Kühlschrank die Temperatureinstellung im Kühlfach per App unterstützt, oder alarmiert, wenn die Tür nicht geschlossen ist. Habe ich persönlich zwar noch nie gebraucht, mein Gefrierschrank gibt einen akustischen Alarm, wenn die Temperatur steigt – und der Kühlschrank läuft immer auf der gleichen Temperatur. Aber egal.
Und ja, ich hielt die smarten Kühlschränke schon immer für Schwachsinn – Boomer halt eben. Oder nennt es Altersstarrsinn, oder Altersweisheit, denn bei dem Thema "smarte Geräte" fällt mir neben dem Aspekt Sicherheit sofort mein Blog-Beitrag Abgelaufene Zertifikate kicken IoT-Geräte ins Abseits von Juni 2020 ein. Obiger Screenshot stammt aus dem Artikel und zeigt das Font-Display eines solchen Kühlschranks. Dieses zeigt an, dass das Gerät wegen eines abgelaufenen Zertifikats keine smarten Funktionen mehr unterstützt.
Brauche ich definitiv nicht, mit Wurzeln im Handwerk ist meine Devise "keep it simple, keep it running". Dass man den Verkäufern bezüglich den vielen Versprechungen nicht trauen kann, hatte ich im März 2025 im Artikel Liebherr: Kühlschrankkamera Hngrynsite wird zu Elektroschrott ja bereits angedeutet. Zitat aus dem Artikel: "Wenn Du Gaga-Features kaufst, musst Du damit rechnen, dass der Hersteller dich schnell 'in den Schornstein hängt'". Der Hersteller Liebherr hat nach eineinhalb Jahren seine Hngrynsite-Kamera für den Kühlschrank abgeschaltet und die Leute haben die entsprechenden Funktionen in ihrer App verloren. Kann ja mal passieren.
Die Jungs von Bosch bzw. der Hausgerätesparte haben genau ein Jahr länger durchgehalten, aber Ende März 2026 den Exit bezüglich der Kontrollfunktion, ob das Licht im Kühlschrank ausgeht, gewählt. Ich hatte es nicht separat hier im Blog thematisiert, aber Bosch hat die Innenkamera im Kühlschrank deaktiviert. heise hatte es in diesem Beitrag aufgegriffen. So etwas bereitet den Boomern, die große Innovationen einfach nicht erkennen wollen, doch klammheimliche Freude …
Nächster Flop für die Hipster
Ich kann mich mit Sticheln einfach nicht zurück halten, wenn ich etwas für einen ausgemachten Schwachsinn halte – ist sozusagen Alters-DNA (die beiden Herren hier haben ja gut vorgelegt). Im November 2025 hatte ich im Beitrag Fortschritt ist, wenn Auto und Kühlschrank Display-Werbung zeigen berichtet, dass Samsung in den USA smarte Kühlschränke mit Werbung auf dem Display anbieten wird.
Konkret geht es um sogenannte Family-Hub-Kühlschränke von Samsung. Die Geräte kosten wohl um die 2.000 US-Dollar und sind an der Frontseite mit einem größeren Display (21 oder 32 Zoll) ausgestattet. Der Kühlschrank wird per WLAN an das Internet angebunden, um smarte Funktionen nutzen zu können. Ende Oktober 2025 wurde ein Software-Update angekündigt, welches eine einheitlichere Benutzererfahrung auf allen verbundenen Geräten, Verbesserungen an AI Vision Inside™, erweiterte Knox-Sicherheit und vieles mehr umfassen soll.
Gegenüber The Verge bestätigt Samsung, dass man – zunächst nur in den USA – Werbung auf dem Display des Kühlschranks einblenden werde. Die Werbung scheint nur im unteren Bereich des Displays eingeblendet zu werden und lässt sich abschalten. Es gibt in den USA (und nicht nur dort) wohl Hipster, die mit feuchten Augen die neuesten Errungenschaften von "Smart-Kühlschränken" feiern.
Wir feiern ja im westlichen Kulturkreis gerade Ostern, da soll "Freude ins Herz der Leser*innen*schaft" einziehen. Gestern, beim Stöbern auf X, ist mir obiger Tweet untergekommen, den ich euch einfach nicht vorenthalten kann. Schrieb ich im November 2025 noch, dass man die Werbung auf dem Samsung-Klump deaktivieren könne, wurden die Käufer von der Realität "rechts überholt". Wer die Werbung deaktiviert, verliert smarte Funktionen, heißt es im Tweet – und die Besitzer seien ob der Erkenntnis "schockiert". So was aber auch.
Und gestern hatte ich im Beitrag Nur zum Spaß: Microsofts Bedingungen erlauben Copilot nur für Unterhaltung eine weitere bittere Wahrheit verkündet, die es zu verarbeiten gilt. Es wird ein schlimmes Ende mit uns nehmen, wir werden alle störben. Ach so, eines noch, die 38 Grad auf obigem Foto zeigen keinen kaputten Kühlschrank an. Die Amerikaner verharren auf Temperaturangaben in Fahrenheit, was 3,333 Grad Celsius entspricht. Frohe Ostern (und gekochte Ostereier halten sich auch ohne Kühlschrank, egal ob mit oder ohne smart).
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MVP: 2013 – 2016





Danke, jetzt weiß ich wieder, wieso ich Backofen, Herd und Dunstabzugshaube bewusst ohne "smart" beschafft habe – und das ist bei Siemens inzwischen echt schwierig geworden. Gerade bei den hochwertigen Geräten findet man fast nichts mehr ohne Touch und App…
Immerhin funktionieren die noch ohne Smart uns App – man muss das Zeug also nicht nutzen – und wer mehr benötigt als die Grundfunktionen dieser Geräte – selbst Schuld – bin zwar gerade so kein Boomber mehr, halte es aber trotzdem wie Günther:
"Ich kann mich mit Sticheln einfach nicht zurück halten, wenn ich etwas für einen ausgemachten Schwachsinn halte "
das blöde ist – ich komme aus dem Sticheln nicht mehr heraus – der "ausgemachte Schwachsinn" wird einfach ständig mehr und mehr…
Wunderbar geschrieben! Danke für diesen Beitrag.
Ich (Jahrgang 1960, technisch durchaus affin) habe auch noch einen alten Kühlschrank. Ohne smart-irgendwas. Er kühlt und das reicht mir.
Jep…
Bekannte von mir haben so'n Wunderwerk der Technik von LG – is' ja ganz toll, dass das "Display" angeht, wenn man gegen die (Haupt)Tür tippt, aber die haben Katzen, die das i-wie spaßig finden… 😂
Ich find's auch klasse, wenn ich bei denen zu Besuch bin – besser als jede (HBO/Netflix/orwhatever) Serie je sein könnte. 😝
Ich habe Hunde und Katzen… die können das nix aktivieren; verstellen… gute Geräte haben nen Funktion die nennt sich "Bedienersperre"! Die Schütz vor versehenlicher "Fehlbedienung"… Augen auf beim Gerätekauf!
Gibt sogar Geräte mit Fingerscan… da bleibt die "Öffnungshoheit" bei dir und für "fresssüchtige" mit Zeitsteuerung. Mit smarten Geräten alles machbar.
Da geh ich nicht ganz mit… Wir Boomer sind mit der Technik groß geworden und haben die mitgestaltet (ja, manche mehr, manche weniger) und dadurch begreifen wir Technik auch noch! Können uns noch für wirklich gute Technik entscheiden und gehören nicht zu den digital Naiven, die nix verstehen, aber überall ohne Verstand dabei sein müssen!
Mein Haus ist vollkommen smart, da wandert Licht/Musik mit mir von Raum zu Raum, die Geräte sind smart… Ja, auch Kühlschrank, Herd/Backofen, Spülmaschine, Kaffeemaschine, Waschmaschine usw., allerdings mit Verstand – alles nur Geräte, die auch auf eigenen Servern laufen! Da verlässt kein einziges Bit ungewollt mein Grundstück! KNX-Standard, Aluminiumfassade mit Dreifachverglasung mit strahlenvernetzter EMV-Verglasung… Da beißen sich sogar die Drei-Buchstaben-Dienste die Zähne aus…
Ja, das geht – ist halt nicht für Geiz-ist-geil-Primaten, denn das kostet eben etwas mehr… Mit Verstand und Planung aber machbar!
Man muss kein brummeliger Boomer sein, der sich störrisch den neuesten Hypes verweigert und so manche Entwicklung für ausgesuchten Kappes hält. Denn wir verstehen das alles noch und können mit Verstand auswählen!
Ich verweigere mich moderner Technik nicht, sondern nutze sie dort, wo sie sinnvoll ist.
Und Smart-Funktionen bei Haushaltsgeräten sind nicht sinnvoll!
Sie erleichtern mir den Umgang mit ihnen nirgendwo.
Im Gegenteil, oft ist die Bedienung alter Geräte schlicht intuitiver und einfacher als bei Smart-Geräten.
Bei vielen Smart-Geräten hat man den Eindruck, das da Funktionen eingebaut werden, weil man sie einbauen kann und nicht, weil sie sinnvoll sind.
So etwas nennt man Featuritis.
Meine Kaffeemaschine ist 50 Jahre alt und funktioniert immer noch einwandfrei.
Man kann bei der uralten Maschine sogar einstellen, wie stark man seinen Kaffee haben will und das rein analog ohne Smart!
Auch bei meinem 50 Jahre alten Toaster kann ich per Schieberegler den gewünschten Bräunungsgrad des Toastes einstellen.
Kühlschrank und Gefrierschrank haben bei mir eine konstante Temperatur.
Das einzige mal, das ich am Temperaturegler gedreht habe, war, als ich die neu gekauft habe.
Und falls ich mal vergesse, die Tür zuzumachen, machen die sich nach ein paar Minuten mit einem lauten Piepton bemerkbar.
Und so ein Smart-Kram weiß gar nicht, was ich einkaufen will.
Der sieht nur, was im Kühlschrank ist und was fehlt.
Aber will ich das nachkaufen oder habe ich Lust auf etwas ganz anderes?
Oder ist im Kühlschrank deswegen so wenig, weil ich bald in Urlaub fahre und daher möglichst alles, was sich nicht länger hält, verbraucht habe?
Das kann so eine Smart-Funktion nicht wissen.
Meine 20 Jahre alte Waschmaschine hat noch einen Drehregler, an dem ich das gewünschte Waschprogramm einstelle.
Die läuft auch grundsätzlich nur, wenn ich zu Hause bin, obwohl ich da auch eine Uhrzeit programmieren kann, wann die waschen soll.
Das hat schlicht versicherungstechnische Gründe.
Läuft z.B. die Maschine aus, während man nicht zu Hause ist, weigert sich i.d.R. die Hausratversicherung, den Schaden zu ersetzen.
Mein Fernseher ist zwar so ein Smart-Teil, aber nur deswegen, weil ich vor ein paar Jahren einen neuen Fernseher brauchte und es schlicht keine Fernseher ohne diesen Smart-Krams mehr zu kaufen gibt.
Im Laden habe ich vorher viele TV-Geräte ausprobiert.
Die Bedienung war bei allen furchtbar, Umschaltzeiten schnarchlangsam, selbst bei sog. HighEnd-Geräten, Fernbedienungen meist ohne 10er Tastatur (wechsel da mal z.B. von einem Sender auf Platz 5 auf einen Sender auf Platz 40! Mit 10er Tastatur sind das 2 Tastendrücke: 4 und 0. Sprachbedienung ist keine Option. Wenn man z.B. den Ton per Kopfhörer hört, dann will man nicht durch Gesabbel ins Gerätemikrofon die anderen Personen stören!).
Ergo dient die Smart-Büchse nur als dummer Monitor und es kommt ein SAT-Receiver zum Einsatz. Dessen Bedienung, Umschaltzeiten etc. schlagen jeden Smart-TV haushoch. Die Fernbedienung des TVs liegt ohne Batterien in der Schublade, ein- und ausschalten tut sich der TV über HDMI-CEC gesteuert mit dem SAT-Receiver.
Was will ich mit Smart-Funktion bei einem Herd?
Für jede Kochzone ein Drehregler, mit der ich die ein/ausschalte und die gewünschte Temperatur wähle, was braucht man bei einem Herd mehr?
@Luzifer: gegen gute Technik meckert keiner und wenn die dann noch wirklich gut ist (so was gibt es?) dann ist sie willkommen.