Microsoft sieht sich in Großbritannien gleich zwei Wettbewerbsverfahren ausgesetzt. Einerseits geht es um Preise für Software, wenn diese auf Cloud-Angeboten von Drittanbietern gebucht wurden. Und es geht um eine Beschwerde von Slack wegen der Bündelung von Teams mit Microsoft 365.
Verfahren wegen Teams-Bundling
Microsoft hat seinen Teams-Dienst lange Jahre mit Office 365- und später Microsoft 365-Abonnements gebündelt. Führte nach einer EU-Wettbewerbsbeschwerde von Slack (siehe Slack: EU-Wettbewerbsbeschwerde gegen Microsoft Teams) zu einem EU-Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft (EU-Kommission eröffnet Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft wegen Teams).
Slack hatte sich 2020 bei der Europäischen Kommission beschwert und Microsoft vorgeworfen, Teams mit seinem Office-Produkt zu bündeln, um sich einen unfairen Vorteil gegenüber Konkurrenten zu verschaffen. Seit 2024 gibt es von Microsoft den Beschluss, Teams weltweit als eigenständiges Produkt zu vermarkten (siehe Microsoft will Teams nicht mehr mit Office 365 bündeln – weltweit). Das war quasi das Entgegenkommen Microsofts gegenüber der EU-Kommission, um eine Geldbuße zu vermeiden. Aber Redmond hat "den Markt" mit Teams platt gemacht. In der EU ist das Thema inzwischen von der Agenda.
Großbritannien ist aber seit dem Brexit nicht mehr Teil der EU, und dort ticken die Uhren seitdem anders. Daher läuft in Großbritannien nun ein Wettbewerbsverfahren der Wettbewerbsbehörden gegen Microsoft, wie Reuters berichtet. Auch dieses Verfahren geht auf eine Beschwerde des Konkurrenten Slack wegen des Teams-Bundling mit Office 365 zurück.
Ein Microsoft-Sprecher erklärte gegenüber Reuters, dass die Klage unbegründet sei: ""Das im Vergleich zu Zoom und Teams schwache Wachstum von Slack war auf mangelhafte Funktionen zurückzuführen, als COVID-19 im Jahr 2020 ausbrach, und hatte nichts mit Microsoft zu tun." Die Klage ist kürzlich in Großbritannien eingereicht worden.
Zweites Verfahren wegen überhöhter Server-Lizenzen
Die Einreichung der obigen Klage erfolgte in derselben Woche, in der das Londoner Competition Appeal Tribunal eine zweite Sammelklage gegen Microsoft zuließ. Nachfolgender Tweet thematisiert diese Klage.
In der Sammelklage wird Microsoft vorgeworfen wird, britischen Unternehmen überhöhte Preise für die Nutzung von Windows Server-Software auf Cloud-Computing-Diensten von Konkurrenten (AWS, Google) berechnet zu haben.
Wettbewerbsrechtlerin Maria Luisa Stasi reichte die Klage im Namen von rund 60.000 britischen Unternehmen ein und fordert Schadenersatz in Höhe von etwa 2,8 Milliarden US-Dollar. Ein Londoner Gericht hat Mitte April 2026 dann die Sammelklage gegen Microsoft zugelassen. Seitdem muss sich Redmond gegen den Vorwurf wehren, dass es die Großhandelspreise für seine Windows Server-Softwarelizenzen für konkurrierenden Cloud-Plattformen höher angesetzt hat als für seinen eigenen Azure-Dienst.
Dies stellt, sofern zutreffend, eine unzulässige, wettbewerbswidrige Geschäftspraxis dar. Microsoft argumentierte zwar, dass die Klage keine praktikable Methode zur Berechnung des geltend gemachten Schadensersatzes vorsehe. Aber dieses Argument wurde vom Gericht zurückgewiesen und die Sammelklage zugelassen.
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