Überraschende Entwicklung: Microsoft hat auf dem Open Source Summit North America (18. – 20. Mai 2026) sein "Azure Linux 4.0" als Open Source freigegeben. Das Betriebssystem Azure Linux hat bei Microsoft wohl bereits 10 Jahre Entwicklungszeit hinter sich. Bisher war es aber nur für den internen Gebrauch freigegeben. Jetzt kann man das auf Fedora basierende Linux auch als VM bekommen.
Dass Microsoft Linux längst nicht mehr als "Teufelszeug" sieht, ist mir schon länger klar. Im Blog-Beitrag Wenn die Hölle zufriert: Microsoft macht in Linux hatte ich 2018 über den Azure Cloud Switch (ACS) berichtet, der auf Linux aufbaut. Auch der Miracast-Stick von Microsoft basierte auf Linux. Und ich erinnere mich auf irgend einer MVP-Veranstaltung (muss 2014 oder 2015 – kurz vor meinem Sportunfall in 3.2015 – gewesen sein), als Microsoft dringend Leute mit OpenSource-Erfahrung, auch in Richtung Linux, gesucht hat. Damals gab es noch die Idee, so was wie OpenSource MVPs aufzubauen. Ich habe es dann nach 3.2015 nicht mehr verfolgt. Mein Beitrag Microsoft verpasst Linux den "Windows-Mode" aus 2022 war allerdings ein (geglückter) April-Scherz.
Die Azure Linux 4.0-Ankündigung
Also, so ganz neu ist Azure Linux nicht. Die Ursprünge reichen so 10 Jahre zurück, als Microsoft begann, ein Linux für eigene Zwecke weiter zu entwickeln. Und nun sind wir bereits bei der Version 4.0, die auch für Dritte zugänglich ist. Das Thema Azure Linux 4.0 ist mir über diverse Tweets am Rande untergekommen – nachfolgender Tweet bringt bereits die Kernaussagen.
Azure Linux 4.0 ist eine vollwertige Allzweck-Linux-Distribution für Server (die vor sechs Jahren als CBL Mariner startete). Obiger Tweet merkt an, dass diese Distribution bei Microsoft intern die Grundlage für die Azure-Cloud-Plattform darstellt. Azure Linux stand aber niemandem außerhalb Microsofts, nicht einmal Azure-Nutzern zur Installation zur Verfügung. ITFoss hat in diesem Artikel noch einige Informationen zusammen getragen.
Verfügbar auf GitHub als Open Source
Das hat sich geändert, den diese Microsoft-Distribution ist als Open Source auf GitHub verfügbar. Dort heißt es dazu, dass Azure Linux eine für Azure entwickelte und optimierte Open-Source-Linux-Distribution sei, deren Quellen auf Fedora Linux basieren. Azure Linux bietet ein sicheres, zuverlässiges Betriebssystem für virtuelle Maschinen, Container und Bare-Metal-Plattformen.
Azure Linux basiert auf einer robusten Open-Source-Grundlage und wurde durch Azure-spezifische Innovationen erweitert. Dies gewährleistet die Vertrautheit des RPM-Paket-Ökosystems und bietet gleichzeitig Azure-native Sicherheits-, Compliance- und Betriebsfunktionen.
Zu den wichtigsten Funktionen von Azure Linux gehören: eine gehärtete Sicherheitslage, ein für Azure optimierter Kernel, Sicherheit in der Lieferkette, native Azure-Integration und ein vorhersehbarer Lebenszyklus.
Noch ein paar Infos zu Azure Linux
Im Microsoft Dokument What is the Azure Linux Container Host for AKS? erfährt man dann noch, dass Microsoft Azure Linux am 18. Mai 2026 auf dem Open Source Summit North America vorgestellt habe. Es sei eine Preview von Azure Linux 4.0 für virtuelle Maschinen (VMs). Weiterhin sei die bevorstehende allgemeine Verfügbarkeit (GA) von Azure Container Linux (ACL) angekündigt worden.
Microsoft hat weitere Informationen im Blog-Beitrag From open source to agentic systems: Microsoft at Open Source Summit North America 2026 bereitgestellt. Hier einige Fakten zu Azure Linux 4.0 aus obigem Tweet?
- Es handelt sich um ein schlankes, sicheres und für die Cloud optimiertes Linux von Microsoft
- Es wurde speziell dafür entwickelt, reibungslos auf Azure zu laufen
- Es ist nun als reguläres Image für virtuelle Maschinen verfügbar (nicht nur für Container)
Es gibt dabei zwei Versionen von Azure Linux 4.0:
- Azure Linux 4.0: Für den allgemeinen Einsatz auf Servern und virtuellen Maschinen
- Azure Container Linux: Eine gehärtete, unveränderliche Version für die Ausführung von Containern
Wie bereits oben angemerkt, basiert Azure Linux auf Fedora mit von Microsoft kuratierten Paketen. Diese Linux-Variante soll hervorragend mit dem Windows-Subsystem für Linux (WSL) harmonieren. Dies ermöglicht Entwicklern, dieses Linux lokal unter Windows 11 zu testen. Das als Open Source auf GitHub verfügbare Azure Linux 4.0 soll jeweils 2 Jahre Support und monatliche Sicherheitsupdates erhalten.
Microsoft will mit Azure Linux 4.0 Kunden eine zuverlässige, "komplett ausgestattete" Linux-Lösung auf Azure bieten, wird aber gleichzeitig andere Distributionen wie Ubuntu und Red Hat weiterhin unterstützen. Spannend bleibt die Frage, wie dieses Linux die interne Entwicklung im Cloud- und Server-Bereich bei Microsoft beeinflussen wird. Aber hier erfährt der Außenstehende eher wenig.
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MVP: 2013 – 2016





"Jetzt kann man das auf Fedora basierende Linux auch als VM bekommen." Warum nimmt man dann nicht gleich Fedora sondern die Version von Microsoft?
Weil Microsoft für Azure Anpassungen vorgenommen hat.