China forciert den Windows-Exit und setzt auf Linux

WindowsChinas Regierung leitet den Exit von Microsoft Windows ein. Alle staatlichen Einrichtungen wurden vom Ministerium für Staatssicherheit angewiesen, die Nutzung von Windows "unverzüglich" einzustellen. Die betreffenden Stellen sollen auf zwei in China entwickelte Linux-System wechseln. Der Hintergrund sind Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit.

Kurzer Rückblick auf China und Windows

China ist ein riesiger Markt für US-Tech-Firmen wie Apple oder Microsoft. Für Microsoft ist der Markt sogar so wichtig, dass Redmond für chinesische Behörden ein eigenes Windows 10 bereitgestellt hat. Ich hatte im Mai 2017 im Blog-Beitrag Geht doch: Windows 10 China-Government-Edition … über diese Entwicklung berichtet. Die für Aufgaben im Regierungs- und Behördenbereich auf Basis von Windows 10 Enterprise geschnürte China Government Edition zeichnet sich durch folgendes aus.

  • The China Government Edition ermöglicht die Verwaltung bzw. das Entfernen von Features, welches Angestellte in Behörden nicht benötigen. Dazu gehört auch OneDrive.
  • Weiterhin lassen sich die Telemetriefunktionen sowie die Update-Optionen anpassen. Ich habe herausgelesen, dass die Telemetrie abgeschaltet werden kann. Updates können von Drittanbietern kommen.
  • Und diese Windows-Edition verwendet ihre eigene Verschlüsselungsalgorithmen zum Verschlüsseln der Datenträger.

Das heißt, dass China eine starke Kontrolle über diese Windows-Version besitzt. Aber die Rivalität zwischen China und den USA hat in China bereits lange den Wunsch nach digitaler Souveränität befeuert. Ich hatte im Mai 2022 im Beitrag China steigt bei Behörden und Staatsbetrieben aus Mac, Windows und ausländischen PCs aus auf die betreffenden Weichenstellungen hingewiesen. Es war klar, dass China schrittweise aus diesen Abhängigkeiten aussteigen will. Scheint aber schwieriger als geplant, denn der im Mai 2022 publizierte Blog-Beitrag sah einen zweijährigen Zeitplan zum Wechsel vor, der längst um ist.

Windows 10-Exit bei staatlichen Behörden

Windows 10 fällt ja 2028 aus dem ESU-Support, und China möchte da auf dieses Supportende reagieren. Während Microsoft "Windows 11" zur Ablösung vorschlägt, hat China eigene Pläne.

Windows 10 China-Exit

Diverse US-Medien, wie obiger Tweet von It's Foss berichten nun, dass der Windows Exit eingeleitet werde. In obigem Tweet heißt es, dass das Ministerium für Staatssicherheit für alle staatlich verbundenen Einrichtungen angeordnet habe, die Nutzung von Windows  unverzüglich einzustellen.

In obigem Tweet wird der Ausstieg aus Windows generell für staatliche Stellen genannt. Tom's Hardware gibt in diesem Artikel an, dass sich die Anweisung des Ministeriums für Staatssicherheit auf Windows 10 beziehe, dessen Support bald ausläuft.

Die betreffenden Stellen sollen auf in China entwickelte Linux-Distributionen wechseln. In diesem Kontext werden zwei Linux-Distributionen als wichtigste Ersatzlösungen positioniert.

  • Kylin OS von Kylin Software Co., das sich aus FreeBSD zu einem eigenständigen, auf Linux basierenden Betriebssystem entwickelt hat.
  • Unity OS, entwickelt von Tongxin Software Technology Co., das auf dem auf Debian basierenden Deepin aufbaut.

Beide Linux-Distributionen werden seit Jahren mit staatlicher Unterstützung entwickelt. Ursprünglich sollte der Wechsel von Windows 10 auf eine Linux-Distribution bis Februar 2027 erfolgen, was nun wohl vorgezogen wurde.

Die Anordnung des Ministeriums für Staatssicherheit führt "Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit". Aber der Exit von Windows steht schon länger im Raum, wie ich oben bereits angerissen habe.

Der obige Tweet erwähnt, dass in China Hunderte Millionen Computer im staatlichen Umfeld eingesetzt werden. Selbst eine teilweise Migration von Windows zu Linux stellt eine der größten Einzelimplementierungen von Linux in der Geschichte der Menschheit dar. Das letztendlich aus politischen Gründen gescheiterte LiMux in München war gegen nur ein Fliegenschiss.

In Europa schlagen Länder wie Frankreich, einzelne Bundesländer in Deutschland und  weitere EU-Staaten sus Gründen der Datenhoheit und aus wirtschaftlichen Erwägungen einen ähnlichen Weg ein und forcieren den Einsatz von Open Source-Lösungen.

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