So nach dem Motto "Unsere tägliche Meldung zu Problemen mit der Telematik Infrastruktur (TI) im Medizinwesen gibt uns heute" noch zwei Informationssplitter, die mir gerade untergekommen sind. Den Apothekern platzt der Kragen wegen der ständigen TI-Ausfälle bei eRezept. Und die CGM-Praxissoftware funktioniert nicht mit den Rise-Konnectoren, so dass in betroffenen Praxen keine elektronische Patientenakte (ePA) befüllt werden kann.
Apothekerverband beklagt ständige IT-Ausfälle beim eRezept
Nur zur Erinnerung, das elektronische Rezept, kurz eRezept, bei dem man Medikamente auf elektronischem Wege über seine Krankenkassenkarte (eGK) oder über eine App der gesetzlichen Krankenkasse bekommen kann, wurde (nach einem Testlauf in 2023) zum Jahreswechsel 2024 flächendeckend eingeführt.
Das war vor knapp 20 Monaten und ich hatte im Beitrag Umfrage: Läuft bei euch die Praxis-Software und das eRezept zum 2.1.2024? rund gefragt. Es wurde von Problemen berichtet – aber gut, ein paar Tage könnte es ruckeln, es ist ja alles noch Neuland. Im März 2024 hieß es dann im Beitrag Digitalisierung in der Medizin: Drama beim eRezept (März 2024), dass es regelrechte Dramen gebe.
Gut, wir haben August 2025, Anfang 2024 standen wir noch beim eRezept vor dem Abgrund, heute sind wir ein gutes Stück weiter. Im Juli 2025 hatte ich im Blog-Beitrag eRezept-Störungen: Freie Apothekerschaft geht gegen Gesundheitsministerium vor berichtet, dass die freie Apothekerschaft als Verband juristisch wegen der vielen TI-Störungen beim eRezept gegen das deutsche Gesundheitsministerium vorgeht und Möglichkeiten eines Schadensersatzes prüft. Die Woche (6. August 2025) gab es dann erneut einen stundenlangen TI-Ausfall bei medisign Kunden (siehe Neues zur elektronischen Patientenakte (ePA): Theorien, Ausfälle und mehr – Teil 1), der auch die Apotheker tangierte.

Nun hat auch der Chef des Apothekerverbandes, Thomas Preis, reagiert und dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) ein Interview gegeben (Golem berichtete hier). Der Verband fordert die gematik auf, die technische Zuverlässigkeit der Telematik Infrastruktur (TI) und des angeschlossenen eRezept-Systems deutlich zu verbessern.
"Das E-Rezept läuft der Deutschen Bahn in Sachen Unzuverlässigkeit den Rang ab", sagte der Chef der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Thomas Preis, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Ein ausgefallener Zug ist ärgerlich, aber ein nicht abrufbares E-Rezept kann erhebliche Konsequenzen für die Gesundheit von Menschen haben", ergänzt der Funktionär.
Preis sagte dem RND, dass es alleine in den vergangenen beiden Wochen an fünf Tagen zu Komplettausfällen oder erheblichen Beeinträchtigungen im E-Rezept-System oder der dahinter liegenden Telematikinfrastruktur gekommen sei. Jedes Mal seien zehntausende Patienten betroffen. "Zur Digitalisierung des Gesundheitswesens gibt es keine Alternative. Aber diese Unzuverlässigkeit ist nicht hinnehmbar", lässt sich Preis zitieren und mahnt: "Wir brauchen größtmögliche Verlässlichkeit bei den digitalen Anwendungen für elektronische Rezepte."
Preis fordert eine wesentliche Verbesserung der Ausfallsicherheit des Systems und bei Ausfällen mehr Handlungsfreiheiten für Apotheken, um Medikamente ausgeben zu können. Außerdem werden Umsatzausfälle durch die Störungen beklagt. Wenn Patienten in der Apotheke vor Ort ihr eRezept wegen Störungen nicht einlösen können, müssten sich wiederkommen. Viele Menschen entscheiden sich dann möglicherweise nicht so dringende Rezepte per App bei Online-Apotheken einzulösen. Da ist bei der Apothekerschaft der "Topf am Brodeln".
CGM-Software unterstützt keine Rise-Konnektoren
Um die elektronische Patientenakte (ePA) in Arztpraxen befüllen zu können, benötigt der Arzt einmal ein Praxisverwaltungssystem (PVS), welches diese Module unterstützt. Das war meinen Beobachtungen nach im Juli 2025 bei vielen PVS noch nicht der Fall. Bei der Praxisverwaltungssoftware der Compugroup Medical (kurz CGM) schlägt nun noch eine weitere Falle zu.
Zur Anbindung an die Telematik Infrastruktur (TI) wird ein sogenannter TI-Konnektor benötigt. Von telekonnect wird der sogenannte Rise-Konnektor als leistungsstarker sicherer Router, der medizinische Einrichtungen über ein virtuelles privates Netzwerk mit der Telematikinfrastruktur verbindet, angeboten. Auch der Anbieter CGM hat einen TI-Konnektor im Angebot, der in der Vergangenheit für Ärger sorgte (weil diese mit auslaufen eines Zertifikats entsorgt werden sollten). Ich hatte über die Probleme in diversen Artikeln berichtet (siehe z.B. Laufzeitverlängerung bei TI-Konnektoren läuft an, aber Ausfälle nach dem Update).
Nun lese ich bei heise, dass die Praxissoftware von CGM nicht mit den Rise-Konnektoren funktioniert. Betroffene haben sich bei der heise-Redaktion gemeldet, weil die Praxisverwaltungssoftware (PVS) von CompuGroup Medical (CGM) seit Wochen Probleme mit den Rise-Konnektoren habe.
CGM bestätigte über eine Sprecherin, dass eine Kommunikation der CGM PVS mit den Rise Konnektoren nicht möglich sei. Wie viele Praxen von dieser Kombination betroffen sind, ist derzeit unbekannt, so die Sprecherin von CGM gegenüber heise (geschätzt werden mehrere hundert).
Eigentlich werden die TI-Konnektoren von der gematik GmbH zugelassen, jedes PVS müsste also mit jedem zugelassenen TI-Konnektor zusammen funktionieren. Rise und CGM sollen seit April 2025 am Problem dran sitzen, wann es eine Lösung gibt, ist offen.
Aufschlussreich ist die Aussage von heise, dass die CGM auf Nachfrage der Redaktion die Probleme nicht gekannt haben will. Kurz nach der Anfrage der Redaktion stellte CGM ein Update bereit, das jedoch zu einer Fehlermeldung führt. Ich hatte ja kürzlich die Artikelreihe Zahnarzt Praxis-Verwaltung-System (PVS): Sicherheitslücken beim CGM Z1 – Teil 1 zu einer CGM-Software im Blog. Es ging dort um Sicherheitsprobleme, und ich hatte den Landesdatenschutzbeauftragten (LfDI) als Mittler eingeschaltet. Gegenüber dem LfDI wurden jegliche Sicherheitsprobleme bestritten – die Praxis verantworte das. Kurz vorher gab es ein Software-Update, was aber in den Praxen Probleme machte. Ist in drei Artikeln nachzulesen – und verschaffte mir ein deja-vue-Erlebnis, als ich die heise-Aussage las.
Defätistische Gedanken
Witzig fand ich in diesem Kontext auch den heise-Satz "Andere Fragen, warum die Qualitätssicherung ausgerechnet bei Rise-Konnektoren scheitert, hat CGM ebenfalls noch nicht beantwortet." In der oben erwähnten Artikelreihe zum Z1-Zahnarztsystem sowie im Beitrag Bundeswehr bekommt Arzt- und Zahnarztinformationssysteme von CompuGroup Medical schimmern ja die Kommentare der Praktiker durch, die von diesem Hersteller "not amused" scheinen und mit den Füßen abstimmen.
Kann ich persönlich nicht beurteilen, aber hier schlagen Informationen von IT-Dienstleistern ein, die ähnliches von weiteren CGM-Medizinprodukten berichten. Muss ich schrittweise aufbereiten. Beim Bild, was sich mir bei jedem näheren Blick in die "IT-Infrastruktur", angefangen vom Praxisverwaltungssystem (PVS) in der Arztpraxis über die TI-Konnektoren der gematik bis zur dahinter liegenden Struktur, offenbart, sieht es nicht wirklich positiv aus (nett ausgedrückt).
Es wird viel Geld von den Anbietern der Technik umgesetzt, aber das Ganze scheint, zumindest das, was sich mir so darstellt, nicht nachhaltig auf Stabilität ausgelegt zu sein (ständig hakt was). Und von durchgängiger Sicherheit vom PVS bis zu den gematik- und Krankenkassen-Software-Systemen darf man auch nicht ausgehen. Eine Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied, hat mir mal ein Schmied gesagt. Der war Praktiker und wusste, was er tat.
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MVP: 2013 – 2016





die soap Schnittstelle der konnektoren ist nicht komplett standardisiert.
die service Pfade, unter denen die Funktionen aufgerufen werden sind versionsabhängig und herstellerabhängig. Vermutung: die pfade für rise werden aufgrund des geringen Marktanteils nicht eingepflegt.
cgm entlässt immer so viele Mitarbeiter in der Technik, damit das Kartenhaus nicht zusammenbricht. man hat also notorisch zu wenige Mitarbeiter um das pflegen zu können.
Allein die Tatsache, dass CGM sowohl das PVS als auch Konnektoren herstellt lässt mich den Verdacht der Absicht äußern. Mit dem eigenen würde es vermutlich wundersamerweise keine Probleme geben.
Ist so ähnlich wie mit Internetanbietern, die meinen keine Störungsbehebung am Anschluss durchführen zu müssen, weil der Kunde es gewagt hat einen eigenen Router anstatt des Providergerätes zu nehmen (selbst wenn es exakt das gleiche Gerät ist).
Das mag ja für die "kleinen Volkswehwehchen" a la Halskratzen, Schniefnase (nicht alles ist sofort eine fette Grippe oder ein Covid-Infekt) und verschiedene Hautpickel oder Kratz- und Schnittwunden zutreffen, aber was ist mit den doch eklatanteren Beeinträchtigungen?
Ein "Volksgesundheit förderliches Phänomen" wär' sicherlich die gesellschaftlich etablierte Neigung zur Wehleidigkeit mal wieder durch Zulegen mit einem etwas dickeren Fell umzukehren, aber das dürfte bzw. müßte ja trotzdem von regulären Erkrankungen unabhängig sein.
Was ist hier passiert? Der Kommentar hat seinen Bezugskommentar verloren.
Warum da immer noch auf Hardware-Konnektoren gesetzt wird, ist mir nicht wirklich klar. Die Daten könnten doch bereits aus der PVS-Software verschlüsselt an eine "Zentrale" gesendet werden – dann gibt's den (teuren) Hardware-Kram nicht mehr und gut is. Gab es nicht auch mal Aussagen dazu nach dem letzten, extrem teuren Konnektortausch wegen der auslaufenden Zertifikate?
An dem "Hardware-Kram" kann man gut verdienen, sorum wird ein Schuh draus.
Oh, die Softwarelösung existiert und nennt sich jetzt E-Connector. Darf ich demnächst in einer Praxis umsetzen. Das Handbuch dazu liegt schon unterm Kopfkissen. Ist ein riesiger Aufwand und Prinzip nur eine Wireguard Verbindung anstatt ein Hardware Router. Kostet im Monat fast das gleiche (um 500€) wie die alte Lösung nur halt ohne spezielle Hardware. Lassen sich die wirklich gut bezahlen. Alternative: Praxis schließen.
Korrektur, 190€ pro Monat, die Bereitstellung kostet 300€
Ich hatte selbst in einer Praxis mit einem Konnektortausch zu kämpfen, in dem Fall secunet/Telekom.
Ich kann nur sagen: mir haben sich die Haare im Nacken aufgestellt.
Die Austauschprozedur selbst ist derart umständlich und die Neuanmeldung der NEUEN Terminals war nahezu unmöglich. Um diese anzumelden (obwohl auf der neusten Softwareversion) musste die verschlüsselte Kommunikation abgeschaltet werden und ein Firmware-Update bereitgestellt werden, welches nicht öffentlich verfügbar ist (weil das Problem angeblich nur in seltenen Fällen und seltenen Konstellationen auftritt). Nach der Anmeldung soll man die Verschlüsselung wieder aktivieren können, das war aber schlicht nicht möglich, da dann keine Kommunikation mehr möglich war.
Die Antwort von secunet/Telekom dazu: "Es wird in Kürze ein Update geben". Das war im März, ein Update gibt es bisweilen nicht.
Ich frage regelmäßig nach, eine Lösung scheint nicht in Sicht. Na gut, denkt man sich, vielleicht ein Einzelfall.
Nun hatte ich die Woche wieder einen Austausch. Andere Praxis, selbes Spiel.
Auch hier die Antwort: Einzelfall, Update in Kürze.
Im Kollegenkreis habe ich mittlerweile erfahren, dass es mehrere Praxen gibt, die dieses Problem haben. Alles Einzelfälle?
Bei so etwas eine kurze Mail an mich mit einigen Details – ich kann es sammeln bzw. als Beitrag im Blog einstellen. Der Blog fungiert ganz gut als Honeypot – bei Einzelfällen bleibt der Kommentarbereich leer – oder es melden sich weitere Betroffene.
Allein sich den Mailserver von telesec als Dienstleister der telecom anzuschauen war schon eine Offenbarung…
über telesec.de werden die Mails zur Anmeldung für Heilberufeausweis und Co verschickt.
Durfte unseren eigenen Mailserver erstmal so fixen, als dass die Mails überhaupt an uns zugestellt werden konnten
Voll gut wenn man versucht ein Gesundheitswesen auf Security umzubauen und der Mailserver des VDA erstmal Basics nicht konfiguriert hat (bzw. mit abgelaufenen Certs rum macht…) Diese DKIM – Magie…
Und @Born: Honeypot ist eine gute Idee.
Anregung: Mal das Handbuch von DakotaLE anschauen – darüber wird DTA von Abrechnungsdaten mit max sensiblen Daten durchgeführt.
Default – Einstellung bei Installation: Bitte das Passwort ausdrucken und in den Safe (Also Stahl-Safe, nicht vault…) legen – Und Passwort bitte nicht zu komplex oder lang… das geht nicht…
Und bitte nicht das Passwort vergessen, ein reset des Passwort ist auch nicht möglich…
Software Gesundheitswesen 2025 in a Nutshell – kaputt… egal was.
Aber super wenn das der VDA selbst als Marktführer verbockt. (VDA = VertrauensDienstAnbieter).
Und dass das gesamte System ein elendes Windows an irgendeiner Stelle immer voraussetzt – jo, kaputt halt bis gegen die Wand…
Ein einziges Popcorn-Drama.
Gerne melden wenn mehr Infos gewünscht sind ;-)
Ich habe heute einen Beitrag gesehen wo sich eine Apothekerin beschwert hat, dass Kunden in die Apotheke haben und dann kein Rezept auf der Karte haben. Ich meine… wie geht das?
Ich wieß jetzt nicht, ob und was da wirklich auf der Karte gespeichert ist.
An irgendeiner Stelle muss doch ein "Schreibvorgang" stattfinden der in der Praxis auch mit "Alles OK" quittiert wird. Vielleicht wird es nicht noch mal geprüft, aber wie geht sowas? Ich weiß jetzt nicht, ob es jetzt wirklich Einzelfälle sind.
Ich kann mir eher auch Anwenderfehler in der Praxis vorstellen. Sowas muss doch schon beim Konzept/Testen auffallen? Ein solcher Fall ist ja theoretisch schon ein Fall zu viel.
Das Rezept wird NICHT auf der Krankenkassenkarte ("Gesundheitskarte") gespeichert, sondern in der "Cloud".
Die Krankenkassenkarte ist nur der Ausweis, mit dem die Software das Rezept dem jeweiligen Patienten zuordnen kann.
Wie Jens sagt, die eGK ist nur der Berechtigungsnachweis, das man als Apotheker nachschauen kann, ob da ein eRezept auf den Servern der gematik liegt (Details der abschrecken Spezifikation liest du hier). Der skizzierte Fall lässt sich von meiner Seite so auflösen: "Der Patient dachte, er hat ein eRezept auf seiner eGK und läuft zum Apotheker. Der Doc hat aber noch keine 'Milch gegeben', sprich das eRezept ausgestellt und signiert – machen die meist nach Praxisschließung in einem Rutsch. Der Apotheker findet nix und muss den Patienten weg schicken." Fluch der Technik – Bits und Bytes sind unsichtbar und flüchtig. Früher ™ hatte der Patient sein Token in Form eines rosa, grünen oder gelben Rezepts in der Hand und konnte sogar lesen, was da drauf geschrieben stand (jedenfalls, als man dazu über ging, die handschriftliche Klaue des Doktors gegen einen Ausdruck eines Nadeldruckers für den Rezeptblock zu ersetzen).
Dann ist es aber kein technisches Problem sondern ein organisatorisches wo die Praxen "schuld" sind? Das kann man aus meiner Sicht nicht direkt der Gematik anlasten.
Ich kann doch nicht ein eRezept nach Praxisschließung "unterschreiben" (einstellen) wenn ich weiß, dass die Leute danach oft direkt zur Apotheke fahren? Das muss doch dann kommuniziert werden. Habe ich da jetzt irgendwas falsch verstanden, aber so dumm kann doch keine Praxis sein? Wobei die Praxis vermutlich den Ablauf nicht versteht.
Wenn der Arzt nach Praxisschluss nach irgendwas signiert, dann müsste sich die Person unmittelbar fragen was sie da gerade macht und warum. Ich kann doch den Patienten nicht gehen lassen bevor der Doc unterschreiben hat? Das war mit dem Papierrezept auch ein Problem, weil entweder musste man warten oder die Arzthelferinnen hatten bereits unterschriebene Blanko-Rezepte am Empfang.
Das Ganze nennt sich Komfortsignatur und wurde von mir im Beitrag Digitalisierung in der Medizin: Drama beim eRezept (März 2024) angerissen. Wenn der Arzt die elektronische Unterschrift nicht sofort bei der Sitzung mit dem Patienten, sondern erst Mittags oder Abends, wenn das Sprechzimmer leer ist, leistet – oder wenn auf den gematik-Servern "Schluckauf herrscht", kommt das eRezept hat nicht zeitnah auf den Server. Kommt halt darauf an, wie die Praxen das organisieren oder das PVS das vorgibt – imho.
Leider ist das alles nicht so einfach.
Um die Komfortfunktion benutzen zu können, brauche ich ein KLG in einem geschützten Bereich. Alles andere ist nicht praktikabel und zudem unsicher. Denn der eHBA muss dazu ja dauerhaft gesteckt bleiben. Ein Fremder darf keinen Zugriff auf dieses KLG mit dem gesteckten eHBA haben.
Selbst wenn ein Arzt nur in einem Zimmer arbeitet, irgendwann muss er da mal raus. Denkt er dann an den eHBA im KLG? Eher nicht.
Wer in verschiedenen Arztzimmern arbeitet, muss seinen eHBA immer mitnehmen. Wer z. B. von Zimmer 1 in Zimmer 2 und zurück wechselt, hat sicher viel Spaß damit. Das ist derart nervig, dass man die Komfortsignatur einfach nicht nutzt.
Oder eben nur dann, wenn man ein KLG in einem geschützten Bereich hat. Also dort, wo man alles aus eigener Tasche bezahlen durfte. Das KLG. Die Erstinbetriebnahme im Netzwerk. Das wahrscheinlich anfallende Firmwareupdate. Die Einrichtung am Konnektor. Die Intergration ins System, also die Umkonfiguration der bestehenden Komponenten. Usw. Nach einigen Tagen merkt man, dass es nicht rund läuft. Dass man wieder den TI-Fachmann benötigt …
Wer diese Voraussetzungen nicht hat, und das ist der Standard- bzw. Normalfall, kann die Komfortfunktion nur unsicher nutzen. Und wenn es dann zum Sündenfall kommt und der eHBA plötzlich verschwunden ist. Nein, danke. Dann geht man lieber am Ende der Sprechstunde nochmal in Ruhe die Medikamente durch und haut sie raus.
Dummerweise lehrt jetzt aber die Erfahrung, dass die TI unzuverlässig ist. Wenn am Ende der Sprechstunde die TI mal wieder gestört ist, was dann? Man nutzt daher jede sich ergebende Gelegenheit, um den Stapel der noch zu signierenden Medikamente so klein wie möglich zu halten. Manchmal dauert es aber einfach einige Zeit, bis man dazu kommt.
Für den Arzt lautet die Frage nicht, was er lieber nutzen würde, die Stapelfunktion oder die Komfortfunktion? Für den Arzt lautet die Frage, welche Funktion er sicher benutzen kann? Und was er dafür zusätzlich bezahlen muss?
Die einen arrangieren sich mit der Stapelfunktion, die anderen mit der Komfortfunktion. Doch egal wie sich ein Arzt entscheidet, er hat sicher gute Gründe für seine Wahl.
Ich hoffe, dass dieser kleine Beitrag die Sichtweise auf das komplexe System etwas verändert.
Nicht alles was momentan möglich ist, kann auch überall genutzt werden. Nur das erzählt einem in der Regel keiner.
Das Rezept wird gar nicht auf der Karte gespeichert. Denn sonst könnte man sich nicht telefonisch ein Rezept ausstellen lassen.
Ich hatte auch schon einmal den Fall, dass gar kein Rezept vorlag. Das ist aber nicht einfach verschwunden. Wie sich herausstellte gab es das gar nicht erst. Hatte der Arzt einfach vergessen. Dumm war nur, dass ich wegen neuem Quartal noch einmal in die Praxis musste. Anderenfalls hätte ein Anruf genügt.
Wie hoch sind denn die Strafen, die CGM und Co zahlen müssen, wenn es wieder und wieder zu Problemen kommt? ;)
Steht doch im Blog-Beitrag unter "Defätistische Gedanken": Die haben vorsorglich die Höchststrafe bekommen und dürfen die Praxisverwaltungssoftware für Truppenärzte und -zahnärzte der Bundeswehr machen. Gibt sogar ein paar Millionen "Schmerzensgeld". Fragt sich nur, wer die größeren Masochisten sind, die Lieferer oder die Belieferten ;-).
Wir betreuen mehrere Praxen. Eine davon hat vier Außenstellen, die aber alle zentral auf mehreren RD-Servern arbeiten. Auch die Praxissoftware läuft Zentral.
Zur Anfangszeit wurden 2 Konnektoren eingesetzt, aus Kostengründen. Jede Praxis hat seine eigene KIM-Adresse und Client. Jede Praxis ist über VPN mit der Zentrale verbunden. Soweit so gut.
Als die Geschichte mit den Zertifikaten kam wurde sich schon überlegt die Konnektoren im Rechenzentrum zu nutzen. Erst hieß es "klappt". Nach Monaten kam dann die Ernüchterung:
Das interne Netzwerk muss gesplittet werden. Die kartenleser, größtenteils Tastaturen, dürfen nur im gesonderten vlan sein. Somit die Rechner ja auch. Das gesonderte vlan kommuniziert dann per vpn mit dem Rechenzentrum. Das Praxis-Netzwerk darf dies nicht.
Um das umzusetzen hätten wir in allen Praxen die Netzwerke grundlegend Umstrukturieren müssen.
Neue Switche, andere Kartenlesegeräte, etc.
Der Ausfall, die Kosten der Hardware und der Dienstleistung wären enorm gewesen.
Ok, Ausfälle sind jetzt auch recht groß, gerade wenn der VPN Dienst nicht so möchte…
Also bleibt die Praxis bei der Hardware.
Der Arzt fragt sich auch, wieso die Apotheken erst ein Aufruf machen müssen und die Ärzte sowas nicht schon vor Jahren gemacht haben.
Gebühren für alle Dienste (ePA, ePA 2.0, ePA 3.0, eAU, VPN, etc.), glaube ich, 1,5k bis 2k pro Konnektor pro Monat.
Ruft man bei Problemen den Support an, kommt dort auch nur noch erstmal ein Ki-Assistent. Zum kotzen.
Bei einer Beschwerde, wegen dem Assistenten, kam nur zurück "alle anderen finden den Toll und hilfreich"……
Warum erinnert mich das an die unendliche Geschichte vom toten Pferd und den dort angebotenen Lösungen es doch noch reiten zu können…
Hat man sich da in ein Konzept verrannt und kein Verantwortlicher traut sich zu sagen, dass der Kaiser nackt ist, obwohl seine Kleider so teuer waren, dass man irreparabelen Mist konstruiert hat?
Ich finde besonders bemerkenswert, dass die utopisch hohen Kosten für TI-Hardware (Konnektoren, Kartenterminals, SMCs) vor allem damit begründet werden, dass ja alles strengste Zulassungsprozesse durchlaufen müsse.
Die Hersteller von Software (PVS) haben sicherlich gewissen zeitlichen Druck für die Anpassung ihrer Anwendungen, verdienen aber durch die ganze TI auch entsprechend mehr. Auch die Software wird durch die Gematik zugelassen.
Komisch halt, dass dann wahnsinnig teure Komponenten, die so furchtbar streng überprüft worden sind, trotzdem nicht zueinander kompatibel sind. Es ist seit Beginn des TI-Rollouts in Deutschland ein Trauerspiel und wäre dieses System nicht derart durch Filz, Vetternwirtschaft und allgemeine Verantwortungsdiffusion geprägt, hätten hier schon diverse Köpfe rollen müssen.
Die Inkompetenz vieler verantwortlicher Stellen ist wirklich zu davonlaufen, ich erlebe es "an der Front" mit.
Hätte die Ärzteschaft in Deutschland mehr IT-Sachverstand oder wenigstens mehr Zeit, sich mit diesem sie so stark betreffenden Thema zu beschäftigen, dürfte die Zentrale der KBV eigentlich nur noch aus rauchenden Trümmern bestehen. ;-)
Sind die Gedanken, die mir gelegentlich auch kommen – obwohl ich nur entfernter Beobachter bin.