Es ist offiziell, was zum Wochenende noch ein Gerücht war, wurde von Microsoft offiziell verkündet. Es wird ab dem 1. Mai 2026 ein neues Microsoft 365-Abo E7 geben. Als "The Frontier Suite bezeichnet, ist dieses oberhalb der Microsoft 365 E5 Lizenzen angesiedelt und soll 99 Euro Pro Nutzer und Monat im Abonnement kosten. Das hat Microsoft zum 9. März 2026 in einem Blog-Beitrag, in dem die schöne neue Welt der KI-Transformation a la Redmond gemalt wird, angekündigt.
Ich hatte zum 8. März 2026 im Beitrag Führt Microsoft demnächst MS 365 A7-Pläne für AI-Bots ein und lässt Firmen zahlen? über Gerüchte berichtet, dass Microsoft über neue Lizenzpläne für Microsoft 365-Abonnements nachdenkt. Diese soll die Nutzung von AI-Agenten durch Kunden lizenzieren.
Microsoft 365 E7 kommt ab 1. Mai 2026
Zum 9. März 2026 hat Microsoft dann die Pläne offiziell im Microsoft Blog im Beitrag Introducing the First Frontier Suite built on Intelligence + Trust angekündigt. Ich bin über nachfolgenden Tweet auf diese Information gestoßen.
Zum 1. Mai 2026 wird Microsoft 365 E7 als "Frontier Suite" verfügbar sein. Diese wird mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Agent 365 und den neuesten agentenbasierten Funktionen in Microsoft 365 Copilot angeboten.
Microsoft 365 E7 vereint Microsoft 365 E5, Microsoft 365 Copilot und Agent 365 in einer einzigen Lösung. Die Lizenz umfasst die Microsoft Entra Suite sowie mit dem Defender, Intune und Purview erweiterte Sicherheitsfunktionen. Microsoft 365 E7 bietet laut Microsoft umfassenden Schutz für Agenten und Mitarbeiter.
Der Spaß kostete 99 US-Dollar pro Benutzer und Monat, liegt laut Microsoft aber unterhalb der Kosten, die für Einzellizenzen der enthaltenen Produkte zu zahlen sei. Ein Microsoft 365 E7 bietet Kunden, so Microsoft, eine einfachere und kostengünstigere Möglichkeit, Unternehmens-KI in großem Maßstab einzusetzen.
Schöne neue Microsoft-Welt der KI-Transformation
Im Blog-Beitrag bewirbt Judson Althoff, CEO Microsoft Commercial Business, die schöne neue Welt der "Frontier Transformation" als eine ganzheitliche Neukonzeption von Unternehmen, bei der KI-Einführung. Es handele sich um die "nächste Evolutionsstufe der KI-Transformation". Man müsse nicht nur Effizienz und Produktivität liefern, sondern auch Intelligenz demokratisieren und mehr für die Menschheit tun – darunter tut Microsoft es nicht.
Unternehmen brauchen weiteren KI-Experimente
Ganz klar hat Microsoft erkannt: "Unternehmen wollen und brauchen keine weiteren KI-Experimente". Die Firmen bräuchten KI, die echte Geschäftsergebnisse und Wachstum liefert, und natürlich verspricht Microsoft, dass man genau das liefern kann.
Ich erinnere mich an diverse Aussagen, auch von Microsoft, aus 2025 bis Januar 2026, wo Microsoft Manager, einschließlich Satya Nadella, eingestehen mussten, dass die AI-Investitionen von Kunden kein Return-of-Investment liefern. Nadella nennt in seiner Argumentation, dass KI falsch angewendet werde, als Grund für ein fehlendes ROI.
Copilot Wave 3 kommt mit Copilot Cowork
Im Beitrag kündigt man Wave 3 von Microsoft Copilot, als Veröffentlichung neuer Funktionen, samt Verpflichtung zu kontinuierlicher Innovation, an. So wird Copilot Cowork als "Forschungsvorschau" angekündigt. In enger Zusammenarbeit mit Anthropic integriert Microsoft die Technologie von Claude Cowork in Microsoft 365 Copilot. Ziel ist es, langwierige, mehrstufige Arbeiten zu ermöglichen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Copilot Cowork biete eine neue Möglichkeit, Aufgaben zu erledigen und Arbeit in M365 zu erledigen. Nutzer könnten eine Aufgabe an Cowork übergeben. Cowork wandelt die Anfrage in einen Plan um und führt ihn über Apps und Dateien hinweg aus. Diese Ausführung basiert auf den Arbeitsdaten des Nutzers und bewegt sich innerhalb der Sicherheits- und Governance-Grenzen von M365, verspricht Microsoft.
Ich verweise an dieser Stelle auf meinen Beitrag Microsofts KI-Durchmarsch, oder Microslop-Gängelei? vom 7. März 2026. Dort hatte ich auch einen kurzen Abriss dessen geliefert, was Dritte über Microsoft Cowork in Punkto Sicherheit verlautbaren lassen.
Agent 365 kommt am 1. Mai 2026
Setzen Unternehmen agentenbasierte KI ein, können zunehmende Transparenz- und Sicherheitslücken das Risiko erhöhen, dass Agenten zu Doppelagenten werden, schreibt Microsoft. Aber glücklicherweise habe man da was im Angebot: Zum 1. Mai 2026 wird im Umfeld des Release auch Agent 365 freigegeben. Agent 365 wird als Control Panel (Steuerungsebene) für Agenten beschrieben.
IT-, Sicherheits- und Geschäftsteams haben dann eine Steuerungsmöglichkeit, die es ermöglicht, gemeinsam Agenten im gesamten Unternehmen zu beobachten, zu steuern und zu sichern. Es würden neue Microsoft-Sicherheitsfunktionen genutzt, die in den bestehenden Arbeitsablauf integriert sind. Details lassen sich im Beitrag Secure agentic AI for your Frontier Transformation nachlesen.
Ich hege Zweifel, wenn ich über den Schüsselrand blicke
Liest man sich den Artikel Introducing the First Frontier Suite built on Intelligence + Trust durch, klingt das alles "wie eine Reise ins gelobte KI-Land", in dem alle glücklich sind. Mit Hilfe Microsofts komme man bei der KI-Einführung in Unternehmen voran.
Schaue ich über den Schüsselrand, hege ich doch arge Zweifel, ob die "happy shiney" Transformation, die da gezeichnet wird, die Versprechen erfüllt und die Verantwortlichen in Unternehmen überzeugt.
Als erste muss man sich folgendes auf der Zunge zergehen lassen: Microsoft verspricht im Artikel Introducing the First Frontier Suite built on Intelligence + Trust als erstes KI, die echte Geschäftsergebnisse und Wachstum liefert und auf "Vertrauen" (Trust) basiert. Und dann haut man im nächsten Satz eine "Forschungsvorschau" (unerprobt und im Experimentierstadium) für die Unternehmen raus.
AI hat für viele Unternehmen keine Bedeutung
Auch sonst passt so einiges im Microsoft Blog-Beitrag für mich nicht. Vor wenigen Stunden ist mir nachfolgender Post untergekommen. Es wurden fast 6.000 CEOs und Finanzchefs von Unternehmen in den USA, Großbritannien, Deutschland und Australien in Bezug auf den Einfluss von KI auf ihr Geschäft befragt. Rund 90 % der Führungskräfte sagt, dass KI weder einen Einfluss auf die Produktivität im Unternehmen noch auf ihr Geschäft habe.
Die Details lassen sich im Futurism-BeitragA Huge Survey of CEOs and Other Execs Just Found Something Damning About AI's Effects on Productivity nachlesen. Und die Tage hatte ich im Beitrag Jedes 2. Unternehmen stoppt KI-Projekte wegen Sicherheits- und Governance-Bedenken die Realität im harten Alltag beschrieben.
Sicherheitsdesaster KI-Agenten
Keine schlechte Entscheidung, wenn man den aktuellen Bericht Fooling AI Agents: Web-Based Indirect Prompt Injection Observed in the Wild von Palo Alto Networks liest. Dort findet sich der Hinweis, dass eine indirekte Prompt-Injektion es Angreifern ermöglicht, KI-Agenten mit Inhalten zu manipulieren, die LLMs als Befehle verarbeiten. Die Palo Alto Networks-Telemetriedaten zeigen, dass dies dazu genutzt wird, Phishing-Seiten zu bewerben und Entscheidungsprozesse zu kompromittieren.
Zudem ist mir gerade der Beitrag How We Hacked McKinsey's AI Platform untergekommen. Sicherheitsforscher haben sich die interne KI-Plattform Lilliy der Unternehmensberatung von McKinsey vorgenommen. Man hat seinen eigenen "Offensiv-Agenten" auf die McKinsey AI-Plattform losgelassen. Der Agent hatte keine Zugangsdaten und keine Insiderkenntnisse. Es gab auch kein menschliches Eingreifen. Dem Bot war ein Domainname der KI-Plattform bekannt. Binnen zwei Stunden hatte sich der Agent vollständigen Lese- und Schreibzugriff auf die gesamte Produktionsdatenbank verschafft. Möglich machte dies ein Scan über ca. 150 API-Schnittstellen, von denen 20 ungesichert waren.
Microsoft pfeift im Wald und stemmt sich gegen den Trend
Und da redet Microsoft von Vertrauen, was Kunden in seine AI-Lösungen haben sollten. Alles sei sicher, hebe die Produktivität und werde unbedingt gebraucht. Spiegelt man die obigen Botschaften an Microsofts Zukunftsvisionen, stellt sich mir die Frage: Sind die CEOs in den Unternehmen alles verknöcherte KI-Verweigerer, die bald vom Markt weg gefegt werden? Oder läuft vielleicht was anderes falsch?
Gartner hat am 3. Februar 2026 in der Pressemitteilung "Gartner Predicts Half of Companies That Cut Customer Service Staff Due to AI Will Rehire by 2027" prognostiziert, dass binnen des nächsten Jahres (also in 2027) etwa 50 % der Unternehmen, die Stellen (headcount reduction) auf Grund von AI-Einführung abgebaut haben, Mitarbeiter wieder einstellen werden. Diese erfolge allerdings oft unter anderen Job-Titeln und für ähnliche Funktionen. Der Fokus lag speziell auf Customer Service und Support-Bereichen, wo AI (z. B. Chatbots) eingesetzt wurden. Grund für die erwartete Kehrtwende seien die Grenzen der aktuellen AI (fehlende Empathie, komplexe Problemlösung, steigende Kundenerwartungen), was zu Qualitätsproblemen führt, weshalb menschliche Expertise wieder benötigt wird. In diesem Kontext ist mir erstmals der Begriff "AI-Washing" untergekommen.
Irgendwie kommt es mir so vor, dass Microsoft da in obigem Artikel mit seinen Prognosen und Vorstellungen alleine auf weiter Flur mit seinen Thesen irrlichtert.
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