KI-Splitter: Banken wollen KI-Kredite loswerden; KI-Entlassungen killt Firmen, KI-Leaks und mehr

CopilotSpannende Entwicklungen im KI-Bereich. Es gibt Berichte, nach denen einige US-Banken ihre Kredite im Bereich KI und Rechenzentren los werden wollen, weil ihnen die Risiken zu hoch erscheinen. Inzwischen gibt es auch eine Studie, die zeigt, dass Firmen mit KI-Entlassungen sich am Ende den eigenen Ast abschneiden. Und dann gibt es noch dieses schöne Projekt, wo ein Darknet-Shop-System mit Vibe-Coding erstellt wurde. Dadurch wurden 345.000 Datensätze von gestohlenen Kreditkarten öffentlich einsehbar. Auch LLMs leaken wohl heftig Daten. Und Google schiebt mal eben ungefragt ein KI-Modell auf Milliarden Geräte. Und es gibt eine Forschungsarbeit, dass KI-Entlassungen langfristig die Ökonomie zerstören. Auflistung des täglichen KI-Wahnsinns.

Banken wollen AI-Kredite verkaufen

Es ist ein Schritt, den ich schon länger erwartet habe. In den USA gab es einen Boom im Hinblick auf den Bau von Rechenzentren für Cloud- und KI-Anbieter. Es gibt zwar derzeit einen "Rückschlag", weil Anlieger geplanter Rechenzentren wegen des Ressourcenverbrauchs "Nein" sagen und Projekte stoppen. Auch haben einige große Anbieter ihre Projekte zum Bau von KI-Rechenzentren auf Eis gelegt oder zeitlich gestreckt. Angesichts der Risiken des Iran-Kriegs geraten Banken in die Situation, dass die Risiken aus großen KI-Krediten unbeherrschbar zu werden drohen. Speziell Oracle ist bis über beide Ohren verschuldet.

Bank will KI-Kredit loswerden

Banken, genannt werden von FT JPMorgan Chase, Morgan Stanley und SMBC, versuchen "laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen", nach Wegen, um Teile von "Kreditgeschäften im Zusammenhang mit Rechenzentren" an einen breiteren Kreis von Investoren zu verkaufen. Es wird angedeutet, dass die "Risiken im Zusammenhang mit einer Flut von Schulden aus dem Rechenzentrumsbereich" von den Banken besser abgesichert werden soll. Es heißt, dass der Wettlauf um den Aufbau von KI-Infrastruktur die Finanzierungskapazitäten der weltweit größten Kreditgeber an ihre Grenzen bringt.

Die Kreditgeber prüfen private laut FT Möglichkeiten zum Verkauf von Anteilen an den Schulden – sowie sogenannte Risikotransfers -, um das Engagement gegenüber großen Kreditnehmern zu reduzieren und Kapazitäten für weitere Kreditvergaben freizusetzen.

Ist sehr vornehm ausgedrückt, platt auf den Punkt gebracht: Die haben sich wohl "überhoben". Das beispiellose Ausmaß der Kreditaufnahme für den KI-Sektor übt nun massiven Druck auf die Kreditgeber aus (es liegen zu viele Eier in einem Korb). FT weist darauf hin, dass Oracle und CoreWeave, beide Betreiber von Rechenzentren, Hunderte von Milliarden US-Dollar Kredit aufgenommen haben, um KI-Rechenzentren in den gesamten USA zu errichten.

Im Artikel heißt es von Insidern, dass Kreditgeber um JPMorgan und MUFG, in mehr als sechs Monaten Kredite in Höhe von 38 Milliarden US-Dollar für ein Projekt vergeben hätten. Es handelt sich um an Oracle vermietete Rechenzentren in Texas und Wisconsin. Oracle ist so überschuldet, dass unklar ist, wann da die Lichter ausgeknipst werden. Einige Banken versuchten jetzt die Kredite mit einem Abschlag an Nicht-Bank-Kreditgeber zu verkaufen, um die mit Oracle verbundenen Verbindlichkeiten loszuwerden.

Matthew Moniot, Co-Leiter des Bereichs Kreditrisikoteilung bei der Man Group, wird von FT so zitiert: "Die Größenordnungen, von denen wir hier sprechen, […] übersteigen alles, was wir uns jemals vorgestellt haben. Die Banken geraten sehr schnell in Bedrängnis. Wenn ich als Chief Risk Officer bei einer Bank tätig wäre und Banker mich um Kreditlinien in Milliardenhöhe für einzelne Projekte bitten würden, würde ich sie fragen, wie sie diese wieder abbauen wollen."

Auch der FT-Artikel erwähnt den wachsenden Widerstand der Öffentlichkeit gegen Rechenzentren in Teilen der USA, was die Risiken für solche Projekte zusätzlich erhöht hat. Im US Bundesstaat Maine wurde im April 2026 ein landesweites Verbot  zum Bau neuer Rechenzentren verabschiedet. Hinzu kommen die Risiken des Iran-Kriegs, die Verwerfungen, die die Zollpolitik der US-Regierung auslösen dürfte und die Frage, ob die KI-Investitionen sich jemals auszahlen werden. Carlos Mendez, Mitbegründer von Crayhill Capital, meint "Es herrscht Nervosität . . .", die Banken müssen Käufer für ihre riskanten KI-Kredite finden, um arbeitsfähig zu bleiben.

Weckt bei mir sofort die Erinnerung an die Finanzkrise 2008-2009, als faule Hypotheken-Kredite von US-Banken platzten und das Bankensystem weltweit vor dem Zusammenbruch stand. Ich hoffe, es bleibt uns dieses Mal erspart.

KI-Programmierfehler legt Daten offen

Das Software-Entwicklung inzwischen KI-gestützt erfolgt, ist bekannt. Zum Problem wird es aber, dass das Bewerten und Testen vor dem Übergang in den Produktionsbetrieb auf der Strecke bleibt. Die ganzen Schlaumeier, die von einem Produktivitätsschub in der Software-Entwicklung schwafeln, haben schlicht keinen Schimmer oder hoffen auf "KI-gestützte Tests". Insider sagen seit einiger Zeit, "wir haben kein Software-Entwicklungsproblem, der Engpass besteht in Leuten, die den ganzen Code verstehen und so testen, dass er sicher in die Produktion gehen kann". Dieser Engpass trifft auch Cyberkriminelle, die ja gerne KI für ihre Zwecke einspannen.

KI-Bug für zu Datenleck

Die Tage bin ich auf obigen Tweet gestoßen, der die Folgen aufzeigt. Jerry's Store ist wohl Marktplätze für den Handel mit illegal erlangten Finanzdaten. Die Cyberkriminellen haben sich in Vibe-Coding versucht, um eine Server-Software zur Prüfung gestohlener Kreditkartendaten aufzusetzen. Ein nicht beim Testen erkannter Programmierfehler, legte 345.000 gestohlene Kreditkarten von Jerry's Store offen. IT Daily Net hat das ganze hier beschrieben, der CyberNews-Beitrag vom 29. April 2026 mit der Ursprungsmeldung findet sich hier. Kann man im aktuellen Fall lustig finden, das Ganze zeigt aber, auf welch wackeligem Fundament das alles steht.

Geschwätzige KI-Modelle, Dritte lesen mit

Wenn Du dir anschaust, was Untersuchungen über die Nutzung von KI-Modellen zutage fördern, kannst Du nur mit dem Kopf schütteln. Die Betreiber wissen natürlich sehr genau, was die Nutzer an Fragen stellen – und Insider warnen seit langem, dass persönlichste Daten abfließen, falsche Ratschläge von der KI gegeben werden und niemand die Folgen abschätzen kann.

KI-Leaks

Obiger Tweet macht die Ergebnisse einer Untersuchung öffentlich und besagt, dass die LLMs von Perplexity, Claude, Grok und ChatGPT die Konversationen ihrer Nutzer zusammen mit Cookies an Werbe- und Tracking-Dienste von Drittanbietern weitergegeben haben. Die oben genannten Autoren decken auf dieser Seite die strukturellen Datenschutzrisiken in bekannten generativen KI-Produkten (Perplexity, Claude von Anthropic, Grok von xAI und ChatGPT von OpenAI) auf. Verursacht wird dies durch die in LLM-Diensten eingebettete Tracker von Drittanbietern verursacht. Über diese werden Nutzerkonversationen, Identitäten und sensible Metadaten weitergegeben.

Google schiebt ungefragt 4 GB KI-Modell auf Geräte

Android-Benutzer kennen es ja, wir werden von Google mit KI-Funktionen "zwangsbeglückt". Von Microsoft sind Windows- und Microsoft 365-Anwender das auch gewohnt (ein "Sicherheitsupdate" für Windows 11 bringt 4-5 GByte auf die Wage, weil AI-Zeugs ausgerollt wird). Aber auch die Browser werden mit AI-Anreicherungen beglückt.

Google installiert ungefragt LLM

nixCraft weist in obigem Tweet auf die nächste Sauerei hin, die im Artikel Google Chrome silently installs a 4 GB AI model on your device without consent. At a billion-device scale the climate costs are insane dokumentiert wird. Die Kurzfassung: Wer den Google Chrome-Browser installiert hat, dem wurde ungefragt und undokumentiert ein 4 GByte großes Gemini Nano LLM auf das System genudelt.

Die Datei heißt weights.bin und befindet sich im Verzeichnis OptGuideOnDeviceModel. Chrome zeigt nichts an und fragt auch nicht, ob das installiert werden darf. Löscht ein Nutzer diese Datei, lädt der Chrome-Browser sie erneut herunter. Ich habe mal beim Ungoogled Chromium geschaut, da kommt nichts dergleichen – ist Gemini Nano LLM frei, der Entwickler entkernt ja alles Google Chrome-Spezifische.

KI-Layoff Trapp: Wie Firmen ihre Grundlage zerstören

Zum Schluss noch ein Thema, was eigentlich jedem normal denkenden Menschen halbwegs klar sein muss. Momentan überbieten sich einige Unternehmen ja darin, KI-induzierte Entlassungen zu verkünden. Digitalminister Karsten Wildberger erwartet laut diesem Zeit-Artikel drastische Umbrüche in der Arbeitswelt und plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Wer aber mal ein wenig überlegt, wird sich vielleicht die Frage stellen, wie die vielen Entlassenen künftig all die vielen schönen Produkte kaufen sollen, die die Firmen herstellen oder anbieten? Selbst mit Grundeinkommen (sofern überhaupt finanzierbar), wird man sich da nicht so viel leisten können. Pessimisten werden einwerfen "Schnapsidee mit dieser KI, klappt nicht". Von Optimisten hört man "wir werden alle Wissensarbeiter oder machen was praktisches, wo KI nicht nutzbar ist". Wird aber so nicht funktionieren.

Die KI-Arbeitsmarktfalle

Zwei Ökonomen haben sich die Sache genauer angesehen und das Dokument "The AI Layoff Trap" die Tage veröffentlicht (mir ist obiger Tweet dazu untergekommen). Brett Hemenway Falk (Wharton School) und Gerry Tsoukalas (Boston University) zeigen, dass KI die Wirtschaft zerstören wird. Dazu haben sie ein mathematische Modell entwickelt, welches die Folgen von Entlassungen auf Wirtschaftskreisläufe beschreibt.

Die Schlussfolgerung in einem Satz zusammengefasst lautet: "Im Extremfall automatisieren sich Unternehmen zu grenzenloser Produktivität und null Nachfrage." Sprich: Die KI induzierten Entlassungen führen in letzter Konsequenz dazu, dass die Unternehmen sich ihren eigenen Markt kaputt machen. Regierungen bzw. die Politik hat derzeit da keine Antwort drauf, sondern ergeht sich bestenfalls in Optimismus. Wer sich das Thema als Übersicht ansehen will, kann über den Focus-Beitrag Firmen zerstören sich mit KI-Entlassungen selbst einsteigen. Ist mir zufällig die Tage untergekommen und erspart mir hier lange Erläuterungen.

PS: Etwas spooky, die Five Eyes (CISA, NCSC, etc.) warnen davor, dass ein zu schnelles Rollout von KI-Agenten zu riskant sei. Die Schlapphüte haben meist den Durchblick. The Register hat es im Artikel Five Eyes spook shops warn rapid rollouts of agentic AI are too risky ausgegraben.

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5 Kommentare zu KI-Splitter: Banken wollen KI-Kredite loswerden; KI-Entlassungen killt Firmen, KI-Leaks und mehr

  1. Nathan Brathahn sagt:

    Zu den AI Risiken hat der Guardian heute auch was gebracht:
    "Global finance watchdog warns over private credit industry fuelling AI boom"
    https://www.theguardian.com/business/2026/may/06/global-finance-watchdog-warns-over-private-credit-industry-fuelling-ai-boom

  2. Anonym2 sagt:

    „Inhaltlich nachvollziehbar – allerdings greift die Berichterstattung aus meiner Sicht zu kurz. KI/AI bringt nicht nur Risiken, sondern auch erhebliche Potenziale mit sich. Der mediale Fokus auf das ‚Aber' verstärkt jedoch vor allem negative Aspekte und lässt die positiven Effekte häufig in den Hintergrund treten."

  3. M.D. sagt:

    JPMorgan Chase, Morgan Stanley und SMBC sollten sich doch mal freundlichst an die KfW wenden. Ich denke, da geht was. (Die Älteren werden sich erinnern)

    Wie lange reden wir jetzt davon, dass da eine immense Blase aufgepumpt wird und das fast schon wahnhafte Ideen unter Bergen von Buchgeld begraben werden?

    Spätestens jetzt, wo Apple damit anfängt wegen Speichermangel Modell um Modell aus dem Programm zu nehmen, sollte den logisch Denkenden klar werden, dass selbst im technischen Bereich der Kurzschluss droht: die KI-Zentren fressen den gesamten Speicher weg und am anderen Ende fehlt der genau für die Geräte, die man unbedingt braucht, um überhaupt KI verwenden zu können bzw. Zugriff darauf zu erhalten. Und selbst dort gehen die Anforderungen immer weiter rauf (Microsoft, Win 11, Gaming-PCs, mindestens 32 GB RAM).

    Das perfekte Irrenhaus der Geld- und Wohlstandsvernichtung.

  4. Mira Bellenbaum sagt:

    ZU "Google schiebt ungefragt 4 GB KI-Modell auf Geräte"

    Erst im Browser alles deaktivieren, was nur annähernd irgendetwas mit KI zu tun hat,
    danach kann die Datei "weights.bin" gelöscht werden und wird auch nicht nachgeladen.

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