Dirty Frag: Lokale Rechteausweitung im Linux-Kernel (CVE-2026-43284, CVE-2026-43500)

Im Linux-Kernel ist eine Schwachstelle (CVE-2026-43284) bekannt geworden, die eine lokale Rechteausweitung im Linux-Kernel ermöglicht. Für diese, als "Dirty Frag" bezeichnete, Schwachstelle gibt es von einigen Distributionen wie Ubuntu bereits Mitigationen.

Am 7. Mai 2026 wurden zwei Sicherheitslücken im Zusammenhang mit der lokalen Rechteausweitung (LPE) im Linux-Kernel öffentlich bekannt gegeben. Einer der Sicherheitslücken wurde die CVE-2026-43284 (CVSS Base Score 7.8, High) zugewiesen. Die andere ist CVE-2026-43500. Beide werden als "Dirty Frag" bezeichnet. Betroffen sind Linux-Kernel-Module.

Die Schwachstelle CVE-2026-43284

Die Sicherheitslücke "Dirty Frag" betrifft die lokale Rechteausweitung (LPE) im Linux-Kernel. Es werten Schwachstellen in den Subsystemen ESP/XFRM und RXRPC  von Linux kombiniert, um einem nicht privilegierten lokalen Angreifer Root-Zugriff auf gängige Linux-Distributionen zu ermöglichen (unter Ausnutzung einer der beiden Schwachstellen: ESP/XFRM oder RXRPC).

In the Linux kernel, the following vulnerability has been resolved: xfrm: esp: avoid in-place decrypt on shared skb frags MSG_SPLICE_PAGES can attach pages from a pipe directly to an skb. TCP marks such skbs with SKBFL_SHARED_FRAG after skb_splice_from_iter(), so later paths that may modify packet data can first make a private copy. The IPv4/IPv6 datagram append paths did not set this flag when splicing pages into UDP skbs. That leaves an ESP-in-UDP packet made from shared pipe pages looking like an ordinary uncloned nonlinear skb. ESP input then takes the no-COW fast path for uncloned skbs without a frag_list and decrypts in place over data that is not owned privately by the skb. Mark IPv4/IPv6 datagram splice frags with SKBFL_SHARED_FRAG, matching TCP. Also make ESP input fall back to skb_cow_data() when the flag is present, so ESP does not decrypt externally backed frags in place. Private nonlinear skb frags still use the existing fast path. This intentionally does not change ESP output. In esp_output_head(), the path that appends the ESP trailer to existing skb tailroom without calling skb_cow_data() is not reachable for nonlinear skbs: skb_tailroom() returns zero when skb->data_len is nonzero, while ESP tailen is positive. Thus ESP output will either use the separate destination-frag path or fall back to skb_cow_data().

Der Angriff nutzt die Manipulation des Kernel-Seiten-Caches und die Verarbeitung von Netzwerkprotokollen aus, um privilegierte Binärdateien zu überschreiben und beliebigen Code mit erhöhten Berechtigungen auszuführen. Die Ausnutzung unterscheidet sich je nach Distribution: Das ESP-Problem betrifft Systeme, die nicht privilegierte Benutzernamensräume zulassen, während das RXRPC-Problem Distributionen betrifft, bei denen RXRPC aktiviert ist, wie beispielsweise Ubuntu. Zusammen bieten die Schwachstellen weitreichende Möglichkeiten zur Kompromittierung mit Root-Rechten über verschiedene Distributionen hinweg. Als Abhilfemaßnahmen empfiehlt es sich, die anfälligen Kernel-Module (esp4, esp6 und rxrpc) zu deaktivieren, bis die Upstream-Patches vollständig integriert und bereitgestellt sind.

Auswirkungen der Schwachstellen

Auf Hosts, auf denen keine Container-Workloads ausgeführt werden, ermöglicht die Sicherheitslücke einem lokalen Benutzer, seine Berechtigungen auf die des Root-Benutzers zu erweitern. Es ist ein Exploit veröffentlicht worden

In Container-Bereitstellungen, in denen beliebige Workloads von Drittanbietern ausgeführt werden können, kann die Sicherheitslücke zusätzlich zu der lokalen Berechtigungserweiterung auf dem Host auch Szenarien des „Container Escape" ermöglichen. Ein Proof-of-Concept-Exploit für den „Container Escape" wurde bislang noch nicht veröffentlicht.

 

Ubuntu "Dirty Frag"-Schwachstelle

Für Ubuntu hat Canonical einen Beitrag Dirty Frag Linux kernel local privilege escalation vulnerability mitigations mit weiteren Details, betroffenen Versionen und Mitigationen publiziert. Redhat hat diese Beschreibung dazu online gestellt.

Das Internet Storm Center (SANS) hat diese Warnung zu Dirty Frag publiziert. Von Microsoft gibt es vom Sicherheitsteam den Beitrag Active attack: Dirty Frag Linux vulnerability expands post-compromise risk, der einen guten Überblick enthält.

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4 Kommentare zu Dirty Frag: Lokale Rechteausweitung im Linux-Kernel (CVE-2026-43284, CVE-2026-43500)

  1. Ottilius sagt:

    Dank immer besser werdender LLMs, was die Codeanalyse angeht, werden sich solche Funde häufen.

    Gut so, da sie linuxtypisch auch schnell gefixed werden, sobald bekannt. So kann sie kein Akteur im Verborgenen nutzen.

    • Carl Breen sagt:

      Alles korrekt und Linux ist super, ich vermute nur viele Systeme werden dank fauler Sysadmins die neuen Kernel nur träge erhalten. Aber das betrifft ja dann eher Cloudanbieter und Systeme mit vielen Nutzern die konkurrieren.

    • Anonym sagt:

      Das ist nur eine Vermutung. Akteure könnten diese Schwachstelle auch schon vor Bekanntgabe gewusst und benutzt haben? Schon mal darüber nachgedacht?

      • Ottilius sagt:

        Stell dir vor, hab ich. Deswegen ist es ja gut und sinnvoll, dass solche Lücken nun LLMs sei Dank schneller entdeckt und gefixt werden. Damit ist ldie Nutzung im Verborgen jetzt nicht mehr so ohne Weiteres möglich.

        Schonmal über llesen, verstehen, handeln nachgedacht?

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