Entra ID-Mandanten per KI und Browser böswillig sperren, manipulieren, löschen

Sicherheit (Pexels, allgemeine Nutzung)Ein großer Teil der IT-Infrastruktur läuft ja in Microsofts Cloud und wird per Entra ID verwaltet. Die Tage bin ich auf einen Blogbeitrag gestoßen, der zeigt, wie KI, JavaScript-Browser-Automatisierung und Microsoft Graph-API-Aufrufe genutzt werden können, um die böswillige Löschung und Sperrung von Entra ID-Mandanten zu automatisieren.

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Ransomware für die Cloud?

Es war der nachfolgende Tweet, der mich aufmerken ließ und zum Beitrag Automating Entra ID tenant destruction with AI des Sicherheitsanbieters Netwrix führte.

Entra ID-Tenant kapern

Die netwrix Sicherheitsspezialisten haben sich die Frage gestellt, was ein Browser mit Javascript und etwas AI über die Microsoft Graph API-Schnittstelle bei einem Entra ID-Tenant anrichten kann, wenn das missbraucht wird.

MS Graph Explorer und Zutaten für böswillige Aktionen

Der Microsoft Graph Explorer ist ein browserbasiertes Tool zum Senden von Microsoft Graph-API-Anfragen an einen Entra ID-Mandanten. Er wird in der Regel von Administratoren und Entwicklern genutzt, um API-Aufrufe zu testen, Antworten zu überprüfen und zu ermitteln, welche Berechtigungen erforderlich sind.

Für ihr Experiment haben die Sicherheitsspezialisten von netwrix Claude for Chrome zum Zugriff auf eine AI verwendet. Zudem war im Browser JavaScript aktiviert. Mit "Claude for Chrome" wird Claude als AI-Lösung direkt in den Browser integriert, wo es mit Webseiten interagieren, UI-Elemente untersuchen und bei der Ausführung von Aktionen helfen kann. Alles passiert über dieselbe Oberfläche, die ein Benutzer normalerweise manuell nutzen würde.

In Kombination mit den Chrome-Entwicklertools und browserseitigem JavaScript gehen die Möglichkeiten über einfache Eingabeaufforderungen hinaus und ermöglichen die Automatisierung von Arbeitsabläufen innerhalb des Graph Explorers. Damit war eine KI-gestützte Browser-Automatisierung möglich, die den Microsoft Graph Explorer in eine zerstörerische Entra ID-Verwaltungsschnittstelle verwandeln kann.

Voraussetzung ist lediglich, dass das Ganze unter einem angemeldeten Benutzerkonto, welches bereits über einen privilegierten Zugriff verfügt, ausgeführt wird. Beim KI-Einsatz in Unternehmen kein wirklichkeitsfremdes Szenario mehr. Dann reichten Microsoft Graph-Batch-Anfragen, um zerstörerische Aktionen wie das Löschen von Benutzern, das Deaktivieren von Konten, das Zurücksetzen von Passwörtern, das Widerrufen von Sitzungen und das Entfernen von Richtlinien für den bedingten Zugriff (Conditional Access) direkt aus der Browsersitzung heraus automatisieren. Details lassen sich dem verlinkten Artikel entnehmen.

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6 Kommentare zu Entra ID-Mandanten per KI und Browser böswillig sperren, manipulieren, löschen

  1. Anonym sagt:

    Die Angriffsvektoren XSS/CSRF/u.ä. müssen da wohl neu gelernt werden.

  2. Bärbel Patzig sagt:

    Admins strikt getrennt und ohne KI‑Plugins arbeiten lassen und wichtige Entra‑Einstellungen so absichern, dass niemand sie schnell löschen oder missbrauchen kann. Damit ist der größte Teil des Risikos weg.

    • MaxM sagt:

      @Bärbel Patzig schreibt: "ohne KI‑Plugins arbeiten lassen" –> Risiko weg.

      Dieser Zusammenhang stimmt zwar, aber wo bleibt denn da der ökonomische Fortschritt. Der "Chef" will doch gerade Effizienzgewinne sehen, fordert aktiv zur Nutzung von KI auf (natürlich immer mit "Human in the loop") und glaubt damit das Risiko im Griff zu haben.

      zu "Entra‑Einstellungen so absichern, dass niemand sie schnell löschen oder missbrauchen kann"

      Kennst Du da Einstellungen, die das ermöglichen? Link dazu?

  3. MaxM sagt:

    Der verlinkte Netwrix-Artikel beschreibt eindrucksvoll, wie stark sich die "Werkzeuge" von Hackern verbessern/beschleunigen/optimieren lassen.

    Wichtig: Der Bericht zeigt keine Sicherheitslücke von EntraID auf, denn die Voraussetzung für das Löschen/Sperren von Accounts, Registered Apps, Conditional access polices … war: "once the right permissions are already available."

    Ich würde das Vorgehen eher als optimistischen (oder je nach Einschätzung pessimistischen) Hinweis für jetzige/zukünftige IT-Administratoren lesen: Was beim "Bösen" die Arbeit beschleunigt, gilt natürlich auch für den "Guten".

    • Günter Born sagt:

      Für mich war klar, dass es keine Sicherheitslücke in Entra ID ist. Aber ich höre doch immer, dass Alle KI nutzen sollen und müssen – Administratoren nicht ausgeschlossen. Manche CEOs sieben doch das Personal – "wer keine KI nutzt, fliegt". Und dann fange ich an, 1+1 zusammen zu zählen und das zu berücksichtigen, was ich über KI-Agenten und deren Sicherheitsrisiken gelernt habe. Netwrix hat es dann mal praktisch aufgezeichnet, was geht.

      Natürlich kann ich Administratoren verbieten, KI in ihren Konten zur Entra ID-Tenant-Verwaltung zu verwenden. Aber wie läuft es in der Praxis … ?

      • MaxM sagt:

        @Günter: Sprichst Du die Gefahr an, dass eine KI – eingesetzt von "guten" Administratoren – auch "Amok laufen" kann?

        Falls ja, zeigt der Bericht, wie "schlau" die KI geworden ist, um z.B. Token zu re-usen, Schritte zu parallelisieren etc.

        So schnell kann man gar nicht schauen, und die KI hat es ausgeführt.

        Zwar spricht man immer vom "Human in the loop", aber wie ein Admin diese Raffinesse, Schnelligkeit und Komplexität wirklich kontrollieren soll, das wird noch die größte Herausforderung für die Zukunft.

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