Kurze Information zum Elektronik-Versandhändler Pollin, den sicherlich einige Leute aus der Leserschaft kennen. Pollin hat wohl Insolvenz angemeldet. Das Ladengeschäft und der Versand soll aber weiter gehen, heißt es.
Insolvenzantrag vom 29.7.2026
Pollin steht für mich für einen Versandhandel mit günstigen Elektronikteilen – oft Restposten. Es scheint auch ein Ladengeschäft zu geben.
Ich habe selbst ewig nichts mehr aus deren Angebot beschafft, so dass mich die heute Information, dass Pollin einen Insolvenzantrag eingereicht hat, nicht sonderlich trifft.
Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Pförring hat einen Insolvenzantrag gestellt, wie ich bei ComputerBase und bei Golem gelesen habe. Quelle ist wohl der Donau Kurier, der in diesem Artikel über den am gestrigen 29. Juli 2026 eingereichten Insolvenzantrag berichtete.
Bei meiner Suche habe ich im Insolvenzregister noch keine Informationen gefunden, und auch das Unternehmen scheint bisher nichts auf seinen Webseiten zu melden. Das Insolvenzgericht beim Amtsgericht Ingolstadt hat aber unter dem Aktenzeichen IN 401/26 dem Antrag stattgegeben und bereits den Nürnberger Rechtsanwalt Joachim Exner als Insolvenzverwalter bestellt. Dieser sagte "Unser Ziel ist die Fortführung des Unternehmens". Von der Insolvenz sind rund 140 Angestellte betroffen. Deren Löhne sind durch den Insolvenzantrag bis Oktober 2026 über das Insolvenzgeld gesichert.
Lange Unternehmensgeschichte
Auf der Webseite mit der Unternehmensgeschichte geht hervor, dass Pollin 1891 als Maschinenhandel startete. Der Start in den Handel von Elektronikkomponenten wurde von Max Pollin sen. im Jahr 1972 eingeleitet. Dieser hatte die Konkursmasse der Firma EMUD erworben und verkaufte diesen Erwerb über Anzeigen in der damaligen Fachzeitschrift Funkschau. 1974 erfolgte dann die Gewerbeanmeldung im Bereich "Groß- und Einzelhandel von elektronischen Bauteilen aller Art".
Hier bei mir flogen jahrelang die kleinen Pollin-Kataloge herum, aus denen man immer wieder günstige Komponenten (Lüfter, Akkus etc.) bestellen konnte. Seit Mai 2001 gibt es einen Online-Shop unter www.pollin.de, aus dem man Bauteile, häufig aus Restposten, zu einem günstigen Preis erwerben konnte. Elektronik-Bastler konnten dort durchaus fündig werden.
Bei meinen letzten Bestellungen (muss vor vielen Jahren gewesen sein), durfte ich aber feststellen, dass Komponenten, an denen Software beteiligt war, durchgängig hoffnungslos veraltet war. Treiber gab es dann für aktuelle Betriebssysteme nicht mehr.
Inzwischen dürfte das Ganze durch die vielen chinesischen Versender kannibalisiert worden sein. Ich tippe darauf, dass dies einer der Gründe für die aktuelle Entwicklung sein dürfte – obwohl es bisher keinen Informationen über die Gründe der Schieflage gibt.




MVP: 2013 – 2016





Es ist schwer, mit China zu konkurrieren, wenn das Porto aus Pförring höher ist als das aus Shenzen, und man in China den Schrotthandel, für den Pollin bekannt wurde, fabrikfrisch betreibt.
Mit viel Glück überlebt Pollin die Insolvenz dank der neuen 3€ Zollpauschale.
Dass sich auf der Webseite kein Hinweis auf die Insolvenz findet, ist skandalös, denn eine Insolvenz kann bedeuten, dass man im Fall eines Gewährleistungsfalls oder eines Widerrufs keine Ansprüche geltend machen kann. Das kann heißen: Artikel gekauft, Artikel bezahlt, Artikel zurück an Verkäufer=Artikel weg, Geld weg.