"SCO gegen IBM": Zombie-Klage ist über Xinuos zurück

ParagraphKrasse Geschichte, die mir die Woche untergekommen ist. Xinuos, der Rechtsnachfolger von SCO, bittet wohl Rechtsexperten um Unterstützung im Hinblick auf eine erneute Klage gegen IBM wegen des alten Lizenz- und Urheberrechtsanspruchs beim Unix Quellcode.

Rückblick auf die Prozesse der SCO Group 2001 – 2010

Mit SCO-OS (oder SCO OpenServer) war ein UNIX-Betriebssystem für x86-Computer, das ursprünglich in den 1980er und 1990er Jahren von der Santa Cruz Operation (SCO) entwickelt wurde. Wenn ich richtig erinnere, hatte auch Microsoft seine Finger drin, ließ das aber später wegen Windows fallen.

1998 gründeten IBM und Santa Cruz Operation gemeinsam mit Intel und Sequent das "Projekt Monterrey". Das Vorhaben war die Entwicklung einer einheitlichen UNIX-Version, die auf mehreren Prozessoren laufen konnte. Bis 2001 stand das Projekt Monterrey kurz davor, ein einheitliches UNIX auf den Markt zu bringen, schreibt The Register hier. Dann hat aber der Erfolg von Linux das ganze Vorhaben mehr oder weniger gekippt.

Zwischen 2001 bis 2010 gab es zahlreiche Prozesse, bei der die SCO Group gegen diverse Unternehmen, u.a. IBM, Klage führte. Der Vorwurf: Ungerechtfertigte Verwendung von Quellcode in Produkten. Der Vorwurf lautete, in Linux (Redhat) oder IBM AIX sei illegal Quellcode des x86-Unix Ports von Sata Cruz Operation verwendet worden. Das Ziel war, Lizenzzahlungen zu erstreiten.

Am Ende des Tages befand ein Gericht, dass Novell und nicht die SCO Group Inhaber der Urheberrechte an UNIX und UnixWare ist. Die SCO Group ging bankrott. Die SCO Group beschloss über ihren Insolvenzverwalter Edward Cahn, die Klage gegen IBM fortzusetzen (der Vorwurf: IBM war schuld, dass die SCO-Einnahmen eingebrochen sind). Am 1. März 2016 wurde die Klage von SCO gegen IBM rechtskräftig abgewiesen. SCO Berufung ein und im Jahr 2021  scheint es einen Vergleich zwischen den Parteien gegeben zu haben, wie man auf Wikipedia nachlesen kann.

Xinuos strebt eine neue Klage an

Ein Unternehmen mit Namen Xinuos ist der Rechtsnachfolger der SCO Group und besitzt alle Rechte der SCO Group. Die Tage las ich bei The Register, dass Xinuos Rechtsexperten  sucht, die Unterstützung im Hinblick auf eine erneute Klage gegen IBM wegen des alten Lizenz- und Urheberrechtsanspruchs beim Unix Quellcode leisten können. Jedenfalls gab es laut dieser Seite eine gerichtliche Anhörung am 22. Juni 2026.

Alles lief online ab und drehte sich um das "Project Monterrey" und die Frage, wem welche Rechte gehören und wie dies bewiesen werden könnte. Xinuos argumentierte, IBM habe nie eine Lizenz für den SCO-Code gehabt. IBM argumentierte, nichts Unrechtes getan zu haben. Die Kernfrage ist, ob Xinuos überhaupt das Recht hat, die Angelegenheit vor Gericht zu bringen, oder ob eine veraltete juristische Formulierung in den ursprünglichen Vereinbarungen bedeutet, dass die Frist für rechtliche Schritte längst abgelaufen ist. Könnte also sein, dass man noch mal was zu einem Gerichtsverfahren in der Sache hört. Die Gretchenfrage ist: Was ist eher: "Der Tag, an dem Xinuos Lizenzen von IBM wegen AIX und von anderen wegen Linux kassieren kann, oder der Durchbruch von Linux auf dem Desktop". Es werden möglicherweise demnächst bei Buchmachern Wetten abgeschlossen.

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Ein Kommentar zu "SCO gegen IBM": Zombie-Klage ist über Xinuos zurück

  1. mw sagt:

    Wer ist Xinuos respektive seine Kapitalgeber. Sie rechnen sich Lizenzzahlungen aus und haben sich ein Budget zur Durchsetzung gegeben. Wenn das Budget alle ist Xinuos genauso wie SCO bankrott und die Kapitalgeber schreiben ihren "Invest" ab. Aber wer sind diese Leute? Finanzhaie? Tech Unternehmen? Ein wenig Hintergrund wäre schon irgendwie hilfreich. Man muß schon sehr optimistisch sein, da eine Erfolgsaussicht zu sehen. Womöglich wird da das Geld privater Investoren verbrannt.

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