In der Virtualisierungslösung Proxmox gibt es einen schweren Bug, der zum Datenverlust führen kann, weil Backups nicht mehr problemlos zurück gelesen werden können. Es kommt zu Hängern und andere virtuelle Maschinen unter Proxmox VE 8 oder 9 können sogar beschädigt werden. Ein Blog-Leser, der von diesem Problem betroffen ist, hat mich die Tage über den Sachverhalt informiert. Das Problem wird in der Proxmox-Community diskutiert und derzeit vom Proxmox-Support untersucht. Ich stelle es mal zur Information für die Leserschaft hier ein.
Die Virtualisierungslösung Proxmox VE
Proxmox VE (Proxmox Virtual Environment; kurz PVE) ist eine kostenlose Open-Source-Plattform für Virtualisierung. Die Open-Source-Virtualisierungsplattform setzt auf Debian zum Betrieb der virtuellen Maschinen und bietet ein Webinterface zur Einrichtung und Steuerung von x86-Virtualisierungen. Proxmox verwendet dabei QEMU mit der Kernel-based Virtual Machine (KVM) als Virtualisierung. PVE bietet neben dem Betrieb von klassischen virtuellen Maschinen (Gastsystemen), die auch den Einsatz von Virtual Appliances erlauben, auch Linux Containers (LXC) an.
Als Zusatz bietet der Proxmox-Backup-Server (PBS) Administratoren die Möglichkeit, Virtuelle Maschinen (VMs) in vorher konfigurierten Intervallen zu sichern. PBS verwendet hierfür inkrementelle Backups, bei welchen nach der ersten Vollsicherung lediglich die Änderungen im Vergleich zum vorherigen Backup mitgespeichert werden, was sehr kurze Backup-Intervalle ermöglicht.
Ein kurzer Leserhinweis
Ein Blog-Leser hat mich zum 13. August 2026 per E-Mail kontaktiert (danke) und schrieb unter dem Betreff "schwerwiegender Fehler bei Proxmox / PBS", dass es ein massives Problem mit Proxmox / Proxmox Backup-Server im Zusammenspiel ZFS/Restore gebe, was zu irreparablen Datenverlust führen kann.
Laut Ronnie habe es bereits bereits vor 4 Wochen, im Juli 2026, einige Hinweise auf Probleme gegeben. Nun ist der Leser in seinem Unternehmensumfeld selber erheblich von diesem Bug betroffen. Er schloss seine Mail: "Ich halte es für wichtig, dass andere Kollegen von diesem Nightmare verschont bleiben, da es gerade kleine Unternehmen existenziell gefährden kann."
PBS-Restore-Problembericht im Proxmox-Forum
Der ungenannt bleiben wollende Blog-Leser verwies mich auf den Thread Proxmox 9 CPU/IO starved when doing a restore from PBS vom 13. Juli 2026 im Proxmox-Forum. Der Thread-Starter schreibt, dass Proxmox 9 unter CPU- bzw. E/A-Engpässen bei der Wiederherstellung (Restore) per Proxmox Backup Server (PBS) leidet.
Beim Versuch, ein größeres VM-Backup (etwa 3–4 TB) wiederherzustellen, steige die Auslastung des Servers massiv an, schrieb der Thread-Starter. Die "Serverauslastung" läge im dreistelligen Bereich (was immer das bedeutet mag, mehr als 100 % kann sie ja nicht erreichen) und die E/A-Verzögerung liege deutlich über 50 %, heißt es.
Das führt dazu, das die in Proxmox VE laufenden virtuellen Maschinen (VMs) nicht mehr reagieren (denen fehlt die CPU-Zuteilung). Nach etwa 20–30 Sekunden träten schließlich virtio-Treiberfehler in den Windows-Ereignisprotokollen auf, beschreibt der Betroffene das Fehlerbild. Das deutet laut seiner Aussage darauf hin, dass die E/A-Verzögerung so groß ist, dass Windows versucht, den virtio-Controller zurückzusetzen. Der Thread-Starter fragt, wie er die Diagnose dieses Problems, dass ein Zurücklesen der Backups verhindert, genauer diagnostizieren kann.
Präzisierung des Fehlerbilds beim Restore
Zum 12. August 2026 hat sich dann ein Proxmox-Nutzer mit dem Alias guyman (der Blog-Leser gemeldet und beschrieb seine Erfahrung. Die Kurzfassung lautet, dass es unter Proxmox VE 8 und 9 zu schwerwiegenden I/O-Blockaden und Beschädigung von VMs bei der PBS-Wiederherstellung kommen kann.
Der Poster schreibt, dass sie einen Proxmox VE-Host mit einem Knoten betreiben, der seine VMs regelmäßig auf einem Proxmox-Backup-Server sichert. Die Backups selbst funktionieren zuverlässig und ohne spürbare Beeinträchtigungen. Der Host ist recht leistungsstark:
- Zwei Intel Xeon-CPUs mit 1 TB RAM
- Samsung Enterprise NVMe-SSDs
- ZFS-Spiegel
Er verwendet also ein ZFS-Dateisystem mit Spiegel-Servern. ZFS ist ein von Sun Microsystems entwickeltes transaktionales Dateisystem, das zahlreiche Erweiterungen für die Verwendung im Server- und Rechenzentrumsbereich enthält. Ein ZFS-Spiegel (Mirror / RAID-1) speichert identische Daten auf zwei oder mehr Festplatten. Fällt eine Festplatte aus, läuft das System ohne Datenverlust weiter.
Laut Poster meldet das ZFS keine Fehler und der Pool ist in ordnungsgemäßem Zustand. Dann beschreibt er seine Erfahrung beim Versuch, eine relativ kleine Linux-VM aus Proxmox Backup Server (PBS) wiederherzustellen. Während der Wiederherstellung (der Linux-VM aus dem Backup):
- kam es bei einem (wohl virtualisierten) Windows-Domänencontroller zu einer Beschädigung des Dateisystems, sodass dieser wiederhergestellt werden musste;
- ein weiterer (virtualisierter) Windows-Server, der als Druckserver diente, wies ebenfalls eine Beschädigung des Dateisystems auf;
- eine MySQL-Tabelle auf einer Linux-VM wurde beschädigt; die Linux-VM, auf der MySQL lief, erlitt einen Kernel-Hang.
Der zugrunde liegende ZFS-Pool selbst sei laut Poster weiterhin intakt. Scrubs melden keine Fehler, und es gibt keine offensichtlichen Integritätsprobleme bei NVMe oder ZFS. Der Betroffene schreibt, dass das Problem daher eher mit den extremen E/A-Konflikten und -Blockaden zusammenzuhängen scheint, die beim Wiederherstellungsvorgang auftreten, als mit einem zugrunde liegenden Speicherausfall.
Die IT-Mitarbeiter des Posters sind zunächst bei der neuesten Version von Proxmox VE 8 auf dieses Problem gestoßen. Aufgrund der Schwere des Problems haben sie den Host dann auf Proxmox VE 9 aktualisiert und den Test wiederholt. Leider lässt sich das gleiche Verhalten auch unter Proxmox VE 9 reproduzieren.
Es handelte es sich im beschriebenen Fall nicht nur um ein vorübergehendes Leistungsproblem. Vielmehr ist kein Restore eines Backups vom Proxmox Backup Server (PBS) unter Proxmox VE 8 und 9 mehr möglich. Und noch schlimmer: Beim Versuch, ein Backup einer VM zurück zu lesen, werden andere, laufende VM-Gäste beschädigt, so dass die oben beschriebenen Probleme auftreten können.
Der Betroffene schrieb: Während eine PBS-Wiederherstellung läuft, ist der normale Betrieb der anderen VMs auf dem Host praktisch unmöglich. Noch besorgniserregender ist, dass die E/A-Blockaden offenbar so schwerwiegend sind, dass sie zu einer Beschädigung des Dateisystems bzw. der Datenbank in nicht betroffenen, laufenden VMs führen können. Das bedeutet, dass es äußerst schwierig ist, in einer produktiven Virtualisierungsumgebung die Wiederherstellungsfunktion vom PBS sicher einzusetzen. "Eine Backup-Lösung muss selbstverständlich zuverlässige Wiederherstellungen ermöglichen, ohne dass damit nicht betroffene Workloads auf demselben Host gefährdet werden." schreibt der Betroffene.
Das Proxmox-Team ist dran
Vorigen Freitag, den 14. August 2026, hat sich ein Mitglied des Proxmox-Teams gemeldet und schrieb, dass ein ähnliches Problem auch im Unternehmens-Support gemeldet wurde. Das Problem wird derzeit von den Support-Technikern untersucht. Derzeit vermuten die Techniker, dass das Problem damit zusammenhängt, dass der Prozess "pbs-restore" den Host-Seiten-Cache nutzt und diesen für ZFS füllt. Das Team ist derzeit dabei, eine Lösung zu prüfen.
Für Nutzer des Proxmox Backup Server (PBS) heißt dies derzeit, besonders vorsichtig mit dem Zurücklesen von Backups zu sein, da dieser Vorgang virtuelle Maschinen auf Proxmox VE 8 oder 9 beschädigen kann. Noch jemand von diesem Problem betroffen?



MVP: 2013 – 2016





Uiii das nenne ich mal ein echtes Problem. Hoffentlich wird das ASAP gefixt.
Böse Zungen würden nun behaupten: Wärt ihr mal lieber bei vmware geblieben!
Spaß beiseite – das klingt wirklich übel. Habe selbst kein PBS bei Proxmox im Einsatz und werde ich nach der Meldung fürs erste auch meiden. Scheint ja kein Problem der letzten Updates zu sein…
Deswegen mache ich Backups auch zusätzlich direkt aus den VMs.
Aber natürlich trotzdem ein Desasaster für Proxmox, das sie hoffentlich schnell in den Griff bekommen.
Unschön und hoffentlich bald gefixt.
Wobei ich wage, ein großes Fragezeichen bei 3-4 TB großen VMs zu setzen…
Unschön? Das ist eine Katastrophe für die, die diese Backuplösung einsetzen und gff. einen Restore dringend benötigen. 4 TB ist jetzt nicht die Welt.
Ich habe eine VM, die 140 TB groß ist (aktuell 80 TB genutzt), wird aber nicht über PBS gesichert, sondern inkrementell über rsync und Band.
Das hört sich echt übel an. ZFS ist erheblich komplexer als man vermuten mag und geht weit über Raid 0/1 hinaus. Wir hatten im laufenden Betrieb eines TrueNAS mit 12×4 TB NVMEs das Problem das nach kurzer Zeit (waren glaube ich auch Samsungs) das Problem das einzelne NVMEs rausgeworfen wurden da deren Fehlercounter für defekte Blöcke innerhalb von Stunden explosionsartig angestiegen ist und nur noch verzögert reagierten. Nach einem Neustart waren die dann wieder auf Null und das Spiel ging von Vorne los. Nach einigen Untersuchungen stellte es sich raus das es sich dabei um einen Firmware-Bug auf den betroffenen NVMes handelte und zum Glück nur die wenigsten NVMEs mit dieser Firmware-Version ausgeliefert wurden. Nach dem Firmware-Update liefen die NVMes dann problemlos.
ZFS ist ein sehr gutes Dateisystem, man möge sich mal die Youtube-Videos anschauen bei denen bei einem laufenden Kopiervorgang RAM rausgezogen wird und nach einem Neustart alles funktioniert, aber bei der Grundeinrichtung immer noch einen zweiten Blick braucht ob da nicht doch noch irgendein Hardwarecache zwischen Filesystem und Laufwerk sitzt.
Frage hier: Ist das ein eher generelles Problem bei der Ressourcenzuteilung, wenn ein Backup zurückgespielt wird=betrifft auch andere Backup-Produkte?
Wäre hier Veeam als verbreitete Lösung ebenfalls betroffen?
Mich würde interessieren, ob das Problem auch bei ZFS basierten Shared Storages auftritt oder nur auf der hci Server Lösung.