Es klingt wie ein Agententhriller und ist womöglich auch einer. Am Bahnhof Minden wurde an einem Bahnmast eine Überwachungskamera gefunden. Die trug zwar ein DB-Logo, war aber nicht von der Bundesbahn angebracht worden. Der Zufallsfund alarmierte Polizei und Behörden. Nach einer Observation wurde ein Litauer verhaftet. Es besteht der Verdacht, dass die Kamera zu Spionagezwecken diente, um Militärbewegungen per Bahn auszuspähen, wie Recherchen der Tagesschau ergaben.
Mir ist der Sachverhalt gerade über nachfolgenden Tweet von Florian Flade untergekommen. Flade ist Journalist für den WDR und hat mit Kollegen die investigative Recherche zum Sachverhalt durchgeführt.
Fremde Kamera am Bahnhof Minden
Einem Mitarbeiter der Deutsche Bahn AG (DB) war am Bahnhof Minden eine Kamera wie oben im Foto gezeigt, an einem Mast in fünf Meter Höhe aufgefallen. Ausgestattet mit Solarzellen zur Stromversorgung und einer Funkantenne zeichnete sie Bahnbewegungen am Bahnhof auf. Die Kamera wies zwar einen Aufkleber mit dem Logo der DB auf, war aber nicht von der Bahn installiert worden.
Verdacht auf Militärspionage
Der Fund vom 29. September 2025 beschäftigt seit dem sowohl das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) als auch die Bundeswehr. Denn der Bahnhof in Minden gilt ist wichtig für deutsche und britische Streitkräfte. Er gilt als zentraler Verladebahnhof für den Schutz der NATO-Ostflanke. Es bestand daher sofort der Verdacht, dass mit der fremden Kamera militärische Transporte und möglicherweise auch Waffenlieferungen an die Ukraine ausgespäht und vielleicht sogar Sabotagehandlungen gegen die Bundeswehr vorbereitet werden sollten.
Verhaftung eines Verdächtigen
Die Ermittler haben darauf hin einen Litauer, der in Deutschland lebt, observiert. Das Telefon des Verdächtigen wurde abgehört und sogar eine Spähsoftware auf dem Gerät installiert. Ziel war es, verschlüsselte Chats mitzulesen, da die Person sich konspirativ verhielt.
Am Dienstagmorgen (28. April 2026) fand in der Stadt Detmold eine Hausdurchsuchung in der Wohnung eines Tatverdächtigen statt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund bestätigte der Tagesschau, dass es bei dem Verdächtigen um einen Litauer handelt, der seit mehreren Jahren in Deutschland lebt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken. Zu Details machte die Staatsanwaltschaft man aus "ermittlungstaktischen Gründen" keine Angaben gegenüber der Tagesschau.
Derzeit gilt die Unschuldsvermutung bezüglich des Tatverdächtigen. Sicherheitskreise stufen den Fund der Kamera als schwerwiegend ein. Es gebe damit erstmals einen handfesten Hinweis auf die Ausspähung wichtiger militärischer Versorgungs- und Nachschubwege in Deutschland, heißt es. Die Journalisten haben den gesamten Sachverhalt auf tagesschau.de im Artikel Spionageverdacht; Bahnhof für Militärtransporte ausgespäht? dokumentiert.




MVP: 2013 – 2016




