Die Absetzbewegungen der EU im Hinblick auf bestehende Abhängigkeiten von großen US-Anbietern werden fortgesetzt. Zum 3. Juni 2026 wurde von der EU-Kommission das European Technological Sovereignty Package zur technologischen Souveränität zur Stärkung der digitalen Autonomie und Resilienz Europas präsentiert.
Das Thema digitale Souveränität in Europa liegt ja seit ca. einem Jahr virulent in der Luft und hat jetzt auch die Mainstream-Medien erreicht. Anfang der Woche bin ich auf Focus Online auf den Artikel Schicksalsjahr: Wie wir digitaler US-Abhängigkeit entkommen gestoßen, der die Schritte zur Loslösung von US-Firmen bei Software und Cloud anmahnt. Und einige Tage später hat der Focus den Fall, dass Microsoft den Israel-Chef ausgetauscht hat, im Artikel Datenschutz-Experte warnt: Microsoft-Skandal zeigt Schwächen im Datenschutz aufgegriffen. Der Fall beleuchtet das Problem der Datenspeicherung in der Microsoft Cloud. Und laut diesem Artikel plant das EU-Parlament bei den IT-Systemen der Abgeordneten und Mitarbeitern von Google auf die Suchmaschine Qwant zu wechseln.
Die EU-Kommission will voran kommen
Auch die EU-Kommission will mehr digitale Unabhängigkeit von den US-Techfirmen und plant konkrete Gesetzesvorhaben. Laut Mitteilung der EU-Kommission handelt es sich dabei um eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der Kapazitäten Europas in den Bereichen Halbleiter, künstliche Intelligenz (KI), Cloud und Open Source.
Das Paket umfasst zwei Gesetzgebungsvorschläge – die Chip-Verordnung 2.0 und die Verordnung zur Cloud- und KI-Entwicklung – sowie die Open-Source-Strategie und einen Strategischen Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiebereich.
Zusammen sollen diese Maßnahmen das Bestreben Europas, ein KI-Kontinent zu werden, unterstützen stärken. Die Hoffnung ist, die digitale Autonomie Europas einzuleiten und zum Aufbau einer nachhaltigeren digitalen Zukunft beizutragen. Sie Maßnahmen der EU-Kommission sollen dabei helfen, die Auswahl an Kerntechnologien für die Unternehmen, die Bürgerinnen und Bürger und die öffentliche Verwaltungen in der EU zu erweitern.
Grund für diesen Schritt ist die Tatsache, dass Europa bei den wichtigsten digitalen Technologien nach wie vor stark von Anbietern aus Ländern außerhalb der Europäischen Union abhängig ist und die Nachfrage nach Rechenkapazitäten mit der Verbreitung von KI rasant zunimmt. Er soll strukturelle Abhängigkeiten verringern und gewährleisten, dass Europa die Technologien entwickeln, einsetzen und sichern kann, auf die sich die Europäerinnen und Europäer verlassen. Er markiert einen grundlegenden Wandel in der Herangehensweise der EU an Technologie.
Chips Act 2.0
Der Chip Act, ist seit 2023 in Kraft und war die erste Reaktion der EU auf kritische Schwachstellen in der globalen Halbleiter-Lieferkette. Wenn es um fortgeschrittene Produktionsanlagen und um Chip-Entwurf geht, ist Europa ist jedoch nach wie vor stark von Drittländern abhängig. KI-gestützte Komponenten werden voraussichtlich das künftige Wachstum ankurbeln und dürften bis 2030 mehr als 70 % des Halbleitermarktes ausmachen.
Ausgehend von den Stärken Europas, auch bei handelsüblichen Chips, wird die Chip-Verordnung 2.0 neue Kapazitäten im Bereich der hochmodernen Halbleitertechnik für KI-Anwendungen aufbauen helfen.
Aufbau der Cloud- und KI-Kapazitäten in Europa
Die Verordnung zur Cloud- und KI-Entwicklung ist ein zentraler Bestandteil des Aktionsplans der Kommission für den KI-Kontinent. Ziel ist es, die Kapazitäten der Rechenzentren in Europa in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen und die Rolle der Strategie „KI anwenden" zu stärken, um die praktische KI-Einführung zu voranzutreiben. Die Verordnung soll die Forschung und Innovation im Bereich modernster und nachhaltiger Technologien unterstützen und gleichzeitig ein Gleichgewicht zwischen den KI-Zielen und den Klimaschutzverpflichtungen herstellen. Sie wird die Bedingungen für die Errichtung von Rechenzentren in der gesamten EU straffen.
Stärkung der digitalen Autonomie durch Open Source
In Europa gibt es mehr als drei Millionen Menschen, die zu Open-Source-Lösungen beitragen. Sie liefern quelloffene digitale Lösungen, die auf der Grundlage europäischer Grundsätze und Werte in Europa für Europa entwickelt wurden.
Die Open-Source-Strategie baut auf dieser Stärke auf, um souveränere Lösungen zu entwickeln und anzubieten. Mit ihr werden quelloffene Alternativen in vorrangigen Bereichen wie Cloud, KI, Internettechnik, Cybersicherheit und Halbleiter ausgebaut. Sie wird auch ein stärkeres Open-Source-Ökosystem fördern, indem in Kompetenzen investiert wird und quelloffene Start-up-Unternehmen unterstützt sowie die langfristige Pflege und Sicherheit der quelloffenen digitalen Infrastruktur Europas verbessert werden.
Darüber hinaus wird die Strategie, so die EU-Kommission, eine stärkere Nutzung quelloffener Lösungen in öffentlichen Verwaltungen durch Leitlinien für die Auftragsvergabe und bewährte Verfahren in der Praxis vorantreiben. Sie wird die Übernahme europäischer Lösungen fördern und die Normung und Interoperabilität unterstützen, unter anderem durch Initiativen wie den "Open Internet Stack".
Nachhaltige Digitalisierung des europäischen Energiesystems
Die Digitalisierung des europäischen Energiesektors ist dringlicher denn je, denn hohe Energiepreise belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und schmälern die Kaufkraft der Haushalte. Gleichzeitig wird das Wachstum der digitalen Infrastruktur auf unserem Kontinent voraussichtlich die Stromnachfrage erhöhen. Der Strategische Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiesektor befasst sich mit beiden Aspekten und legt dar, wie KI und andere digitale Lösungen die nachhaltige Integration der digitalen Infrastruktur in unser Energiesystem sicherstellen und gleichzeitig dazu beitragen können, das europäische Energiesystem effizienter zu machen.
Mit diesem Fahrplan wird dafür gesorgt, dass Rechenzentren auf nachhaltige und transparente Weise in unser Energiesystem integriert werden. Die Kommission wird die Zusammenarbeit zwischen dem Energie- und dem Digitalsektor erleichtern, um ihre effiziente Netzintegration sowie die notwendige Versorgung mit sauberer Energie zu gewährleisten und gleichzeitig die Wasser- und Energieressourcen zu schützen.
Dieser Fahrplan wird auch die Einführung von digitalen und KI-Lösungen beschleunigen, um die Strominfrastruktur in Europa zu verbessern und intelligenter zu gestalten, und gleichzeitig eine schnellere Einführung intelligenter Zähler unterstützen, denn diese sind unverzichtbar, um den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Kontrolle über ihren Energieverbrauch zu geben und letztlich die Energiekosten zu senken.
Darüber hinaus wird er dazu beitragen, souveräne und sichere KI-Modelle für den Energiesektor zu entwickeln, die mit europäischen Daten trainiert und von europäischen Unternehmen entwickelt werden. Durch die Vereinfachung des grenzüberschreitenden Austauschs von Energiedaten wird der Fahrplan auch die Einführung intelligenter Energiedienstleistungen und eine größere Flexibilität gewährleisten, was Millionen von Menschen in ganz Europa Einsparungen bringen kann.
Noch ein weiter Weg …
Vor der Annahme und dem Inkrafttreten werden das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union nun über diese Gesetzgebungsvorschläge verhandeln. Die Pläne sind international aufmerksam verfolgt und thematisiert worden. Hier schreibt man, dass die Pläne Amazon, Google und Microsoft in ihren Cloud-Angeboten tangieren könnten. Auch Reuters hat es hier aufgegriffen.
Andererseits braucht man jetzt nicht in Jubelrufe auszubrechen, denn alles sind Absichtsbekundungen. In diesem Tweet thematisiert ein Sicherheitsforscher die vergurkten Bestrebungen der EU-Kommission zur Altersverifikation (hatte ich im Beitrag Update für EU-App zur Altersverifikation; gleicher Mist, neu angepinselt? angesprochen). Und im Beitrag Real-Satire: EUid-Wallet nur mit Apple- oder Google-Konto? hatte ich die "digitale Souveränität" bei der EUDI-Wallet beleuchtet. Trotzdem ist es richtig und wichtig, dass die EU entsprechende Gesetze auf den Weg bring. Vielleicht bewegt sich am Ende des Tages ja was.
Ergänzung: heise hat zum Wochenende einen schönen Artikel Missing Link: Europa im Souveränitätsdreieck veröffentlicht. Es wurde erwähnt, dass die Anstöße von Sicherheitsverantwortlichen aus Behörden kommen. Tenor: Die Umsetzung muss bei jedem von uns passieren, Schritt für Schritt, in dem Rahmen, was machbar ist.
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MVP: 2013 – 2016





Hahaha, zumindest im Phrasen dreschen und dampfplaudern ist die EU 1st class. Seit Jahrzehnten wird gebabbelt und gebrabbelt und rein gar nichts kommt dabei herum, außer dass Geldkofferträger:innen wie Pilze aus dem Boden schiessen und man sich immer mehr von den USA/China abhängig macht.
IT-Firmen wandern unentwegt ab, die Bildung befindet sich auf einem unterirdischen Niveau und wird nur durch woke Parolen und „erleichterte Benotungen" aufrecht erhalten.
Würe mich freuen, wenn so langsam mal nach all den Ankündigungen auch mal Taten folgen täten, aber die einzigen Taten, die tatsächlich umgesetzt werden, ist die fortwährende Überwachung und Entmündigung eines jeden Bürgers.
„Gleichzeitig wird das Wachstum der digitalen Infrastruktur auf unserem Kontinent voraussichtlich die Stromnachfrage erhöhen."
Schenkelklopfer. Die CxU hat die Nordsee für großflächige Windkrafträder freigegeben. EU-weit. Es sollte Energie äquivalent zu 70 AKW produziert werden.
Nachdem die Wahl-Propaganda abgeflaut ist, kommen die ersten Flächen-Käufer an und geben die erworbenen Windkraftflächen gegen Rückerstattung zurück.
Ich kann im Westen nichts mehr für voll nehmen. Blahblahblah, Gerede und sich auf die Schulter klopfen. Aber außer Spesen nix gewesen.
Die grosse Stromnachfrage Story passt halt so gar nicht zur Stromsparen CO2 Klima Apokalypse mit Schaufenster dürfen nachts nicht beleuchtet sein usw., die man uns bisher aufgetischt hat. Merken viele aber gar nicht mehr.
>> Gleichzeitig wird das Wachstum der digitalen Infrastruktur auf unserem Kontinent voraussichtlich die Stromnachfrage erhöhen.
Der Strombedarf der in dem nächsten 10 Jahren neu zu erstellenden Rechenzentren — praktischerweise wird deren Größe von der EU ja nicht nach Rechenleistung, sondern nach Stromverbrauch angegeben — entspricht ziemlich genau dem aktuellen Stromverbrauch Deutschlands. Wo bitte soll denn dieser Strom herkommen?
Das ist doch wieder nur so ein Hirngespinst, bei dem, wie ich es neulich so schön formuliert über die Energiesituation Deutschlands gelesen habe, „das Wünschbare mit dem Machbaren verwechselt" wird.
Viel Bla um nichts.
Die EU Kommission will ganz im Gegenteil mit Apple und Google und Microsoft als Gatekeeper in das EUid Zeitalter durchbrechen, so schnell wie möglich, und daran den digitalen Euro aufhängen und ausrollen.
Die Verträge sind sicherlich bereits gemacht, kurzer Dienstweg per SMS, man kennt das.
Das ist der endgültige Untergang für Open Source. Die EU geht immer hin und engagiert sich „verdeckt" in den Bereichen in denen sie in Zukunft Geld investieren und die sie via Gesetze kontrollieren möchte.
Seit ein paar Jahren sehen wir wie im Bereich von Open Source der DEI-Kram um sich greift und einige Projekte bereits kaputt gemacht hat. Mit dieser Offensive wird es nicht besser werden.
Wer die Umwälzung von Social Media in den letzten zehn Jahren gesehen hat, der versteht wovon ich rede.
Aufbau der Cloud-Kapazitäten in Europa … deshalb setzt jetzt auch die Schufa auf die Amazon Cloud:
https://www.schufa.de/newsroom/schufa/schufa-geht-amazon-aws-european-sovereign-cloud/index.jsp
KI im Energiebereich.
Wenn man so etwas liest merkt man dass die mal wieder keine Ahnung haben!
Überall soll Energie bzw. Strom gespart werden und gleichzeitig werden Elektroautos gefördert und alles muss Smart werden.
Es bestehen berechtigte Zweifel, dass Europa kurzfristig echte digitale Unabhängigkeit erreichen kann. Die Abhängigkeit von großen US‑Anbietern ist über Jahre gewachsen und tief in Infrastruktur und Alltag verankert. Open Source kann zwar helfen, unabhängiger zu werden, weil es Transparenz und Kontrolle ermöglicht, erfordert aber gleichzeitig viel Know-how und eigene Ressourcen. Zudem sind viele Alternativen noch nicht so ausgereift oder weit verbreitet wie etablierte Lösungen. Insgesamt ist daher eher eine schrittweise Verringerung der Abhängigkeit realistisch als ein vollständiger Bruch.
Zustimmung
Von heute auf morgen geht da gar nichts, aber ein Prozess zur schrittweisen Reduzierung der Abhängigkeiten ist zumindest mal der richtige Ansatz.
Danke
Endlich mal ein guter Kommentar!
Die darüber sind ja nur Bashing, wahrscheinlich alle aus der gleichen Ecke.
Danke.
Zur Unabhängigkeit würde auch selbstbewusstes, eigenständiges Denken gehören und nicht blindes Nachäffen von allem, was USA vormacht. Deren Ideen von Business und Management haben traditionelle Firmenkultur und Mittelstand in Europa ruiniert (vom Bildungssystem ganz zu schweigen). Alles musste plötzlich in die Cloud, und nun hechelt man der KI hinterher. Nicht aus Überzeugung, sondern aus blinder Angst, in der Globalisierung abgehängt zu werden.
Wenn ich aufs Fiasko zurenne, hilft es nicht, dass ich dabei die Schuhe von Nike zu Adidas wechsle. Europa müsste sich wieder zutrauen, eigene Wege zu finden. Es gibt nämlich durchaus unterschiedliche Kriterien, nach denen man Erfolg und Leistung messen kann. Man muss nicht alles mit US-Maßstäben bewerten und sich danach als kleiner, abhängiger Versager fühlen.
Nicht aus blinder Angst sondern aus koordinierten Vorgaben, siehe z.B.
https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke
https://www.atlantik-bruecke.org/
Ist aber schon sehr weit hergeholt, deine Theorie. Es ist imho schon so, wie der Vorposter anmerkte: Zug der Lemminge, aus Angst, im globalen Rennen abgehängt zu werden, oder für Entscheidungen haftbar gemacht zu werden. Ich hab es Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre erlebt, als in einem Großunternehmen der Chemie Betriebsleiter und EMR- Abteilungen Windows PCs als Prozessleittechnik einsetzen wollten. Billig und bunte Bildchen auf dem Monitor. Machen wir, statt eurem überteuerten PLS-Zeug. Der Einkauf hat das Zeug beschafft und wenn es dann gekracht hat, gab es lange Gesichter. Machen doch alle, und konnte doch keiner wissen…
Ich war so dämlich, in die IT als Schreiberling zu wechseln, und nach 30 Jahren hat mich das 'Machen doch alle, konnte ja keiner ahnen' seit 3-4 Jahren eingeholt.
Auch mal die Mitglieder dieser (und ähnlicher Organisationen wie z.B. Young Global Leaders) anschauen, die zentrale Koordination ist da gar nicht so weit hergeholt, um Angst-Lemminge geht es da nicht.
Es gibt zu diesem Thema sogar eine Studie der Wissenschaftlichen Dienste des deutschen Bundestages, sollte sich jeder mal ansehen:
https://www.bundestag.de/resource/blob/855616/119369c60378e929d3d597801e4c5c07/WD-1-014-21-pdf-data.pdf
Warum schreibt man nicht einfach den kritischen Einrichtungen vor, dass der Einsatz von US-Cloud-Software nur in absoluten Ausnahmefällen genehmigt ist? Solange das nicht passiert wird sich an den zentralen Stellen in den KRITIS-Sektoren (und das sind ja die, die funktionieren müssen wenn die Hütte brennt!) nichts passieren.