Großflächige GPS-Störung in Europa durch Satelliten?

Stop - PixabaySeit Monaten kommt es zu großflächigen Störungen des von Flugzeugen, Schiffen etc. zur Navigation verwendeten GPS-Signals. Bisher wurde dies Störsendern (GPS-Jammer) in der russischen Enklave Kaliningrad, sowie sowjetischen Schiffen auf der Ostsee zugeschrieben. Nun gibt es Anzeichen, dass die Störungen von russischen Satelliten, die im Weltraum positioniert sind, ausgehen. Es stellt sich die Frage, ob dies eine neue Eskalation der elektronischen Kriegsführung darstellt.

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Bisherige GPS-Störungen großflächig aber lokal

"Sucht man nach "GPS-Störungen in Europa", gibt es verschiedene Treffer in Medien. Aktuelle GPS-Störungen in Europa (bekannt als GPS-Jamming oder Spoofing) werden primär durch großflächige Störsignale verursacht, die bisher aus der russischen Exklave Kaliningrad und von Schiffen im baltischen Bereich der Ostsee gesendet wurden.

Insbesondere der Ostseeraum, Polen, das Baltikum und Finnland sind davon stark betroffen. Experten und Regierungsvertreter (wie die EU-Außenbeauftragte) werten die Störsignale als hybride Kriegsführung Russlands. Bekannt ist, dass starke Störsender GPS-Signale in einem Radius von bis zu ≈ 450 km stören oder verfälschen können. Die Zivile Luft- und Schifffahrt, also Flugzeuge und Schiffe, ist am stärksten betroffen. Dies führt im Cockpit oft zu fehlerhaften Gelände-Warnungen, woraufhin Fluggesellschaften bestimmte Warnsysteme im betroffenen Luftraum vorübergehend deaktiviert haben.

Neue GPS-Störung in großen Teilen Europas

Ich bin auf X über aktuelle Tweets auf den Hinweis gestoßen, dass die GPS-Störungen in den letzten Tagen eine neue Größenordnung angenommen haben. Lukasz Olejnik, der sich mit Sicherheitsfragen befasst, weist in nachfolgendem Tweet auf diese Entwicklung hin.

GPS-Störung in Europa

Großflächige Signalstörungen festgestellt

Er schreibt, dass die GPS- und GNSS-Störungen über Europa sich zu etwas weitaus Schwerwiegenderem als lokale Ausfälle zu entwickeln scheinen. Die Störungen gehen weit über zufällige Funkstörungen oder klassische Störsignale vom Boden aus hinaus. Die Vermutung: Ein Teil davon könnte mit aktiven elektromagnetischen Emissionen russischer Satelliten zusammenhängen.

Experten, die die Daten der Störungen von bodengestützten GNSS-Stationen aus aufzeichneten und analysierten, stellten fest, dass kurze Störimpulse gleichzeitig über ein riesiges Gebiet hinweg auftraten. Das Gebiet reicht von Europa bis nach Grönland und Kanada. Dieses Ausmaß passt nicht zu einer lokalen Quelle am Boden. Es deutet auf ein Objekt hoch über der Erde hin, dessen Geometrie erforderlich ist, um einen großen Teil des Kontinents abzudecken.

Das Signal trat sehr nahe an GPS L1 auf, dem zentralen GPS-Band, das von Millionen ziviler Empfänger genutzt wird. Sein Spitzenwert lag bei etwa 1577,5 MHz, während GPS L1 bei 1575,42 MHz liegt, mit einer Bandbreite von etwa 5 MHz. Die Daten zeigten zudem einen zweiten Impuls um 1558,5 MHz, in einem Band, das vom chinesischen BeiDou-System genutzt wird. In der Praxis verzeichneten Empfänger gleichzeitige Einbußen bei der Signalqualität bei GPS, Galileo und BeiDou, an einigen Orten um etwa 10 dB.

Verursacher ist wohl ein russischer Satellit

Verursacht wird diese Störung von einem russischen Satelliten. Der entscheidende Hinweis auf den russischen Satelliten Cosmos 2546 ergab sich aus dem Vergleich der Ankunftszeit des Impulses an zwei Stationen. Die Forscher nutzten diese Zeitdifferenz, um eine quasi-hyperboloide Fläche im Weltraum zu definieren, d. h. die Fläche, auf der sich die Quelle der Emission befinden musste. Als sie diese Fläche mit den Umlaufbahnen verdächtiger Objekte verglichen, ergab sich die beste Übereinstimmung mit Kosmos 2546, einem russischen Frühwarnsatelliten in einer Molniya-Umlaufbahn.

Implikationen, die sich daraus ergeben

Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, handelt es sich nicht mehr nur um ein technisches Problem. Es werde dann zu einer Frage der nationalen Sicherheit, der Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur und der Politik gegenüber Systemen, die für die Luftfahrt, die Schifffahrt, die Energieversorgung, die Telekommunikation, militärische Operationen und die präzise Zeitmessung von entscheidender Bedeutung sind.

Noch kein endgültiger Beweis

In obigem Tweet heißt es, dass die Messungen nicht beweisen, dass jedes GPS-Problem in  Europa von einem russischen Satelliten herrührt. Das Ereignis zeige jedoch, dass "eine Fähigkeit" vorhanden ist und wahrscheinlich getestet wurde. Die Schlussfolgerung: Wenn ein Störimpuls, der heute in seiner Frequenz neben dem GPS-Band liegt, morgen direkt auf dieses oder auf ein anderes Navigationsband verlagert wird, ist das Ergebnis möglicherweise nicht mehr nur eine kurzzeitige Verschlechterung der Signalqualität.

Es könnte zu einer echten Störung von Diensten kommen, die auf Ortung, Navigation und Zeitbestimmung angewiesen sind. Die sicherheitspolitische Schlussfolgerung für Europa ist einfach und unangenehm. Europa braucht eine kontinuierliche Überwachung der Funkfrequenzen, Backup-Quellen für Zeit und Ort sowie einen ernsthaften Umgang mit der weltraumgestützten elektronischen Kriegsführung als aktuelle Bedrohung.

Quelle auf YouTube
Chasing Lightning: Detecting, Characterizing, and Identifying a Powerful Space-Based GNSS Interference Source
Artikel auf Arstechnica

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3 Kommentare zu Großflächige GPS-Störung in Europa durch Satelliten?

  1. poiuz sagt:

    Das neueste Veritasium-Video (https://www.youtube.com/watch?v=tz23G_UXCGA) behandelt das Thema auch und erklärt noch sehr schön wie GPS eigentlich genau funktioniert.

  2. Luzifer sagt:

    SDI Releoaded ;-P Wann dann wohl die ersten Urannägel aus Satelliten abgefeuert werden?

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