Der Domain-Newsletter ist nächstes KI-Opfer

CopilotSo als kleiner Informationssplitter am Rande: Wir können das nächste Opfer in der Medienlandschaft beklagen, das durch die laufende KI-Welle entstanden ist. Ein Blog-Leser hat mich bereits zum 23. Juli 2026 informiert, dass der von ihm seit vielen Jahren gelesen Domain-Newsletter von Florian Hitzelberger und Daniel Dingeldey eingestellt wird. Der Leser schrieb: "Mit der heutigen Ausgabe kam die Schock- Nachricht: Es wird nicht weitergehen."

Damokles-Schwert KI killt redaktionelle Inhalte

Es ist ein Thema, welches ich bereits hier im Blog aufgegriffen hatte. Bereits im April 2024 hatte Frank Scholl, der Betreiber von administrator.de, den Beitrag Webseiten im Existenzkampf: Googles KI-Suche lässt Besucherzahlen einbrechen veröffentlicht und das Sterben von Webseiten prognostiziert. Es ging im Artikel darum, dass sich gerade einige Dinge fundamental im freien Web durch zwei Entscheidungen Googles ändern.

  • Die Nachhaltigkeit von Beiträgen steht nicht mehr im Fokus, neue Beiträge werden höher gerankt als ältere Beiträge.
  • Google versucht nun, mit Hilfe von KI dem Nutzer als ersten Treffer eine Zusammenfassung von Inhalten bestehender Webseiten als Antwort zu präsentieren.

Beim ersten Punkt der obigen Auflistung klingelt bei mir was. Der IT-Blog hier hat ja eine riesige Anzahl an alten Beiträgen, die bis 2007 zurück reichen – und ein Teil der Internet Historie sind – und auch heute noch relevant sind. Das wird von Google im Ranking abgestraft.

Die Entwicklung im eigenen Spiegel

Ich hatte im Herbst 2025 im Beitrag Das freie Web liegt im Sterben – sagt Google bereits auf diese Entwicklung hingewiesen. AI-Suchmaschinen drücken dem freien Web die Luft ab und versetzen diesem den Todesstoß. Im Beitrag hatte ich seinerzeit den von Martin Geuß auf Dr. Windows zum 18. Juli 2025 veröffentlichten Artikel Todesursache KI: Warum Dr. Windows stirbt und Linux-Fans deshalb traurig sein sollten sowie den Folgeartikel In eigener Sache: Todesursache KI – eine genauere Einordnung vom 21. Juli 2025 mit erwähnt.

… und die zu beobachtenden Folgen

Seit gut einem Jahr beobachte ich diese Folgen. Mir fällt auf, dass viele redaktionelle Angebote inzwischen hinter einer Paywall verschwunden sind. Oder die Webseiten schalten beim Aufruf eines Links eine Werbeseite (Vignette-Anzeige) dazwischen. Man muss diese Anzeige dann schließen, um die Zielseite sehen zu können. Das ist ein Mechanismus, der mir von Google AdSense immer wieder angeboten wurde, um "meine Werbeeinnahmen zu verbessern".

In der Zeit bis Juli / August 2026, als Google Adsense noch in meinen Blogs von mir eingebunden war, habe ich diesem "Angebot" widerstanden, da es mich nervt. Mit dem aktuellen deutschen Werbeanbieter Quality Media Network (QMN) werden feste Werbeformate ausgespielt, da gibt es keine Vignette-Anzeige. Für Webseitenbesucher außerhalb DACH werden dagegen Google Anzeigen anstelle der QMN-Anzeigen ausgespielt, weil QMN den Traffic nicht monetarisieren kann. Aber auch dort gibt es keine Vignette-Anzeigen.

Im IT-Blog noch "vor der Welle", aber es bröckelt?

Diese Beobachtungen zeigen mir, dass die Betreiber der Webseiten wohl von der Einnahmenseite ziemlich unter Druck stehen müssen. Hier im Blog kann ich die Entwicklung ebenfalls sehen: Die Besucherfrequenz bröckelt stetig. Aktuell kann ich diesen Trend, der sich auf die Monetarisierung auswirkt, weitgehend noch durch einige sponsored Posts kompensieren. Ich hatte den Sachverhalt im Mai 2026 im Beitrag Status nach dem Besitzerwechsel von borncity.com analysiert, und hoffe, dass noch einige Sponsoren (möglicherweise auf Empfehlung aus der Leserschaft) hinzukommen.

Ich denke, für 2026 werde ich mit einer "leichten Delle" bei den Einnahmen herauskommen. Aber es bleibt für mich spannend, ob der IT-Blog – nach dem Verkauf Ende 2025 – noch die vertraglich vereinbarte Mindest-Zeit bis Ende 2028 in der gegenwärtigen Form mit handgeschriebenen Artikeln überleben kann. Ob ich danach "open end" noch bloggen kann, mag und ob der neue Besitzer da mit geht, muss ich, abseits des aktuellen Themas eh offen lassen – zu viel ist derzeit im Fluss.

Durch den Verkauf und den von mir mental eingeleiteten Exit mag ich persönlich das Ganze entspannter sehen können. Aber es "schmerzt" zu sehen, wie redaktionelle Angebote durch AI-Slop weg gespült werden. Das wird uns imho noch böse auf die Füße fallen.

Sterben der Newsletter

Im Juni 2026 hatte ich im Blog-Beitrag AI-News: KI killt Kolumne von Absatzwirtschaft und möglicherweise die Redaktion bereits über das erste Opfer, welches mir bekannt wurde, berichtet. Die Kolumne "Work & Culture" der Webseite absatzwirtschaft.de wurde eingestellt. Inzwischen wurde auch die Redaktion, soweit ich es am Rande verfolgt habe, aufgelöst. Der Blog-Leserschaft wird das Medium, welches sich mit Marketing befasst, nicht kennen und verfolgen.

Nun gibt es die Meldung zum nächsten Opfer. Blog-Leser Pascal hat mich bereits zum 23. Juli 2026 informiert, dass der von ihm seit vielen Jahren gelesen Domain-Newsletter von Florian Hitzelberger und Daniel Dingeldey eingestellt wird. Der Leser hat mir die Begründung der Newsletter-Autoren, die zeigt, dass KI, wie vielen anderen Projekten, dem handgeschriebenen Newsletter die Luft abdreht, zukommen lassen.

EDITORIAL

01) Abschied – bis auf Weiteres

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in Zeiten des Wandels bleiben auch der Domain-Newsletter und domain-recht.de nicht verschont.

Florian Hitzelberger und Daniel Dingeldey, Ihr Team des Domain-Newsletters, haben Sie nun gemeinsam mehr als ein Vierteljahrhundert kontinuierlich zuverlässig jede Woche mit aktuellen, wichtigen, informativen, unterhaltsamen und notwendigen Informationen versorgt. Uns war es Pflicht, Ehre und Vergnügen (besonders letzteres) an den Themen Top Level Domains, Internetverwaltung, Domain-Recht und Streitbeilegung, Domain-Handel, DNS, Events und vielem mehr zu arbeiten und Sie daran teilhaben zu lassen.

Für die Zukunft lassen sich die wöchentliche Schlagzahl des Domain-Newsletter und regelmäßige Veröffentlichungen auf domain-recht.de nicht aufrechterhalten. In Zeiten der KI sind Budgets wichtiger als manuell kuratierte, geprüfte Informationen. Derzeit bleibt unklar, inwieweit das Projekt, das dank Florian Huber Urquelle der heutigen united-domains GmbH ist und das von united-domains.de über 26 Jahre getragen wurde, weitergeführt wird. Wir selbst sind etwas ratlos.

Dies ist daher die vorletzte Ausgabe des Domain-Newsletters, so wie Sie ihn kennen. Weitere Ausgaben sollen nach der letzten, in der kommenden Woche erscheinenden Ausgabe #1327, folgen. Wann und wie weitere Ausgaben des Domain-Newsletter erscheinen, ist aber noch ungeklärt.

Uns hat es unsagbare Freude bereitet, Themen, die uns am Herzen liegen, zu recherchieren, auszuwählen, aufzubereiten und Sie im Wege des Domain-Newsletters und von domain-recht.de daran teilhaben zu lassen, Sie informiert zu halten und Ihnen Tipps zu geben, die Ihnen den Umgang mit Domains im Alltag hoffentlich erleichtert haben. Wir danken Ihnen für Ihr oft langjähriges Interesse an unserer Arbeit, und versichern Ihnen: "Wir sind mit der Gesamtsituation nicht zufrieden."

Mit den besten Wünschen für Sie verbleiben wir:

Ihr Domain-Newsletter Team

Florian Hitzelberger

Daniel Dingeldey

Die Autoren des Newsletters beschreiben sehr plastisch, dass sich der redaktionell erstellte, wöchentliche Newsletter, nach mehr als einem Vierteljahrhundert wohl nicht mehr finanzieren lässt. Ein weiteres Angebot aus der Nische, welches redaktionell geprüfte Informationen kuratierte und bewertete, verschwindet wohl komplett.

Persönlich hatte ich mich vor vielen Jahren (muss so 2018) gewesen sein, aus diversen Gründen gegen einen Newsletter entschieden. Neben dem Zeitaufwand und Druck, zyklisch liefern zu müssen, waren es auch DSGVO-Gründe, die diese Entscheidung begründeten. Aber die beiden oben angesprochenen Einstellungen von Newslettern zeigt nur die Spitze des Eisbergs – es wird auch Webseiten mit redaktionellen Inhalten treffen.

Das Sterben des Web mit redaktionellen Inhalten ist im vollen Gange. Wie schloss Pascal seine Mail: "Danke, dass Du noch weitermachst." Aus meiner Sicht bleibt zu hoffen, dass ich noch einige Tage "vor der Welle" bleiben und den Blog am Laufen halten kann – jedenfalls, solange ich es noch "gebacken" bekomme.

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