Hier im Blog habe ich ja häufiger vor einem Informationsabfluss bei Verwendung von KI-Modellen großer US-Anbieter gewarnt. Zum Wochenende kochte die Information hoch, dass Artefakte von Sessions bzw. Chats mit Anthropic Claude im Google Suchindex landeten und öffentlich abrufbar waren.
Mir sind die ersten Hinweise zum Wochenende auf X untergekommen. Nachfolgender Tweet von Montag, den 27. Juli 2026 thematisiert das Ganze.
Vor einem Jahr, im Juli 2025, ist jemandem laut diesem Tweet aufgefallen, dass man site:chatgpt.com/share in der Google-Suche eingeben kann und so die Unterhaltungen von Fremden lesen konnte. Kein Hack, kein Sicherheitsverstoß, es reichte lediglich ein Suchoperator, der auf Google Seiten im Suchindex verwies, die die ganze Zeit über öffentlich zugänglich waren. Was dabei zum Vorschein kam, waren API-Schlüssel, die Nutzer in Eingabeaufforderungen eingefügt hatten, um Fehler zu beheben, medizinische Fragen, halbfertige Geschäftspläne sowie Lebensläufe, in denen noch die Privatadressen standen. OpenAI hat dann diese Einträge im Google Suchindex entfernen lassen.
Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass der Suchbegriff site:claude.ai/share in Google das Gleiche bewirkt (der Google Suchindex ist inzwischen wohl wieder gesäubert). Einem Nutzer war der Sachverhalt aufgefallen und er hat einen Screenshot auf reddit.com im Beitrag Claude's public share links are getting indexed by Google veröffentlicht. Die Botschaft lautete, dass Anthropic Claude ein Privatsphären-Probleme habe.
Wenn Nutzer die Freigabefunktion (Share) von Claude nutzen, wird ein öffentlicher Link erstellt. Diese Links wurden von Suchmaschinen indexiert, sodass aus der Einstellung "share with anyone who has the link" eine Option zum öffentlichen Teilen der Konversionen mit der Google Suche wurde. Der reddit-Poster schrieb, dass man wirklich beunruhigende Inhalte in der Google Suche finden könne:
- API-Schlüssel, Anmeldedaten und Krypto-Wallets
- persönliche Lebensläufe mit echten Namen, Adressen und Telefonnummern
- ein Anwalt, der sich mit einem möglichen Verstoß gegen die Berufsethik befasst
- interne Projektdetails eines Ingenieurs
- etwas, das wie Sozialversicherungsnummern aussieht
- und eine unglaubliche Anzahl zutiefst persönlicher Chats, von denen die Leute nie gedacht hätten, dass ein anderer Mensch sie lesen würde
In obigem Tweet heißt es dazu: "Jedes Mal, wenn du in einem Claude- oder ChatGPT-Chat auf Teilen klickst, wird eine öffentliche Seite erstellt. Kein privater Link. Eine öffentliche Seite, die Suchmaschinen wie jede andere Website crawlen können. Den meisten Menschen, die Freigabelinks genutzt haben, wurde das nie gesagt."
Der Autor des Tweets erklärt es so: Wer ein Claude Artefakt aus einem Chat veröffentlichen will, hat die Wahl zwischen "Nur ich" und "Jeder mit dem Link". Niemand interpretiert laut dem Autor des Tweets die zweite Option so, dass Google das öffentlich auflisten darf.
Anthropic weist Crawler zwar in der robots.txt an, diese Seiten zu überspringen. Doch dieser Mechanismus funktioniert nicht. Eine in der robots.txt gesperrte Seite kann dennoch über einen externen Link indexiert werden, und die Sperre führt dazu, dass Google niemals ein "noindex"-Tag liest, das es sonst befolgen würde.
The Verge hat das Thema in diesem Artikel aufgegriffen und erläutert die Optionen zum Teilen von Chats. Im obigen Tweet heißt es, dass einige dieser Seiten bereits aus den Suchergebnissen verschwinden, sodass dies möglicherweise auf Seiten der Plattform bereinigt wird (mir wurde aktuell von der Google Suche nichts mehr angezeigt).
Inzwischen geht das "schwarze Peter-Spiel", wer hat Schuld, los. Anthropic schiebt die Schuld auf den Benutzer und Google sieht sich laut The Verge auch nicht in der Pflicht. Der Vorfall zeigt aber erneut den Kontrollverlust auf, den Nutzer von KI-Lösungen von Anthropic, Meta, OpenAI & Co. erleiden.




MVP: 2013 – 2016





Das ganze funktioniert auch mit Grok. Habe ich eben getestet. Man mus dazu den oben genannten Suchbegriff mit "grok.com" statt "chatgpt.com" eingeben. (@günter: Das darfst du gerne melden an Google oder Grok.)
Es würde mich auch nicht wundern, wenn's mit Copilot oder Meta AI genauso geht, wenn man die jeweilige Kurzlink Adresse des Dienstes kennt.
Und es würde mich auch nicht wendern, wenn's solche Suchbefehle unter Bing und anderen Suchmaschinen auch gibt.
Aber ich stelle mir gerade die Frage, ob das für per link Teilbare Inhalte generell funktioniert? Also zum Beispiel auch in OneDrive geteilte Textdokumente, wenn sie für alle frei geteilt sind.