Hatten die Neandertaler auch Bauwerke?

Die ausgestorbenen Neandertaler galten ja lange als primitive Bewohner Europas, die durch den modernen Menschen verdrängt wurden. Zwischenzeitlich konnte die Wissenschaft zeigen, dass auch wir Gene von Neandertalern ins uns tragen. Zudem waren es keinesfalls die primitiven Bewohner Europas, die man in der Literatur dargestellt findet. Die Neandertaler kannten wohl Schmuck und Musikinstrumente (umstritten), und haben auch Bauwerke errichtet.


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Davon muss man zumindest ausgehen. In der südfranzösischen Bruniquel-Höhle sind Forscher auf flache Ringmauern aus Bruchstücken von Stalagmiten gestoßen. Konkret wurden die Bauwerke vor 176.000 Jahren, so die Datierung, errichtet. Zu dieser Zeit war Südfrankreich ausschließlich von Neandertalern besiedelt.

Das Bauwerk besteht aus mehr als 400 Bruchstücken von Stalagmiten und Stalaktiten, die zu einem ca. kniehohen Mäuerchen aufgeschichtet wurde. Die in der Höhle entdeckte Struktur hat die Form eines fast geschlossenen Rings und misst ca. 6 Meter im Durchmesser. Im Inneren des Kreises gibt es zwei weitere kleiner Anhäufungen, die als Feuerstellen dienten.

Interessant ist, dass sich die jetzt gefundene Anlage ca. 300 Meter vom Höhleneingang befindet und in völliger Dunkelheit liegt. Die Neandertaler müssen also die Höhle mit Fackeln ausgeleuchtet haben. Die Altersbestimmung war über die Mineralablagerungen der Bruchstücke der Stalgmiten möglich. Einen zweiten Referenzwert lieferte ein bereits mit Kalzit überzogener, verkohlter Tierknochen. Die Original-Studie ist im Juni 2016 in englisch in Nature erschienen. Eine sehr schöne, deutschsprachige, Zusammenfassung mit Fotos ist auf Spektrum.de erschienen und lässt sich auf dieser Webseite abrufen.


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