Yasuke, der erste schwarze Samurai

Es ist eine außergewöhnliche Geschichte, die mir die Tage unter die Augen gekommen ist. Sie handelt von einem Afrikaner, der um 1600 in Japan als schwarzen Samurai bekannt wurde. Sein richtiger Name ist unbekannt, da er wohl als Kind verschleppt und als Sklave verkauft wurde. In Japan bekam er den Namen Yasuke und war ein Elitekrieger in den Diensten des Kriegsherrn Nobunaga Oda in Kyoto.


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Ich weiß gar nicht, wie ich vor einigen Tagen auf diesen englischsprachigen Artikel von CNN Hongkong gestoßen bin. Aber das Thema hat mich sofort fasziniert, da ich in jungen Jahren für einige Kurzaufenthalte in Japan weilte und die damaligen Erfahrungen in einem eigenen Blog niedergeschrieben habe.

Zum Hintergrund: Das Thema wird aktuell wohl hochgespült, weil ein Film mit dem Titel ‘Yasuke, the First African Samurai’ gedreht wird (siehe diesen Artikel). Der Film geht auf  ein Buch mit dem Titel „African Samurai: The True Story of Yasuke, a Legendary Black Warrior in Feudal Japan.“ des Autors Thomas Lockley zurück.

Die historische Person des Yasuke

Yasuke lebte vermutlich in den Jahren 1555 bis 1590 n. Chr. und war afrikanischer Herkunft. In (Seite nicht mehr erreichbar) heißt es, dass er in den 1530er oder 1540er Jahren auf der Insel Mosambi geboren worden sei. In den Jahren 1581 und 1582 diente er als unter dem japanischen Hegemon und Kriegsherrn Oda Nobunaga diente er als Elitekrieger (Samurai) unter dem japanischen Hegemon und Kriegsherrn Oda Nobunaga.

(Quelle: YouTube)

Abstimmung aus Westafrika

Über seine Abstammung ist wenig bekannt. Die englische Wikipedia schreibt, dass er wohl aus Mosambik oder Äthiopien stammte. Andere Quellen gebe den Sudan an. Der Name Yasuke könnte von Yasufe (ein in Mosambik populärer Name, der in der Bevölkerungsgruppe der Makhuwa Ethnie, die im Norden Mosambiks und in Tansania lebt, populär ist) abgeleitet sein. Eine These von der Abstammung aus Mosambik geht auf den Umstand zurück, dass erste Afrikaner im Jahr 1546 als Sklaven Japan erreichten.

Als Kind wurde er wohl, laut Thomas Lockley, von arabischen oder indischen Sklavenhändlern gefangen genommen und verschleppt. Er arbeitete wahrscheinlich als Sklave und wurde zum Kindersoldaten ausgebildet, der in Gujarat und Goa in Indien kämpfte. Später wurde er von Jesuitenmissionaren aus Portugal als Diener eingestellt. Damals war Goa ein wichtiges Handels-, Missionars- und Militärzentrum für die Portugiesen in Indien und eines der größten Zentren des afrikanischen Sklavenhandels. Und die Portugiesen waren in Mosambik aktiv, so dass viele der Afrikaner wohl portugiesische Sprachkenntnisse aufwiesen.

Die Zeit in Japan

Der Buchautor Thomas Lockley spekuliert, dass Yasuke den Jesuitenmissionar Alessandro Valignano traf. Dieser war der mächtigste Missionare seiner Zeit in Asien. Jedenfalls machte ein Missionar Yasuk zu seinem Diener und Leibwächter, denn er plante in Japan zu missionieren – kein leichtes Unterfangen. Valignano war vorher sechs Jahre lang von Rom aus über Länder wie Portugal, Mosambik, Indien, Malaya und Macau gereist, um Menschen zum Christentum zu bekehren.

Der Missionar und sein Diener sowie das Gefolge kamen 1579 mit dem Schiff im Hafen von Kuchinotsu in Nagasaki, auf der südjapanischen Insel Kyushu, an. Auf der Insel Kyushu befindet sich der Sitz der Jesuitenmission in der kleinen Stadt Arima, nicht weit von Nagasaki entfernt, schreibt man in (Seite nicht mehr erreichbar). Damals waren schwarzhäutige Menschen eine Sensation in Japan und Japaner reisten hunderte Kilometer, um solche Menschen zu sehen.


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Bei der Ankunft in Japan war das Land in einen brutalen Bürgerkrieg verwickelt, der erst 1603 endete. In der als „Ära der kriegführenden Staaten“ bekannten Zeit kämpften Hunderte von lokalen Kriegsherren aus Miniaturstaaten im ganzen Land um die Macht.

Der Afrikaner Yasuke war groß und nutzte seine militärische Erfahrung, um Risiken für die Jesuiten zu erkennen. Die Jesuiten schlossen Allianzen mit lokalen Kriegsherren, sagt Lockley. Der Afrikaner trainierte wohl andere Milizionäre und erlernte wahrscheinlich selbst neue Techniken, einschließlich japanischer Kampfkunst und Schwertkunst. Am 8. März 1581 verlassen Yasuke und Alessandro Valignano die Insel Kyushu und reisen nach Kyoto. Dort treffen sie den lokalen Kriegsherrn Oda Nobunaga.

Oda hatte noch nie zuvor einen Afrikaner gesehen. Und wie die Einheimischen in Japans damaliger Hauptstadt Kyoto war er von der Größe (1,90 m), Körperbau und Hautfarbe des Afrikaners beeindruckt. Da der Afrikaner auch japanisch sprach, glaubte Oda, Yasuke sei entweder ein Wächterdämon oder ein „Daikokuten“, ein Gott des Wohlstands, der normalerweise durch schwarze Statuen in Tempeln dargestellt wird. Er versuchte, das Pigment von Yasukes Haut zu reiben, weil er glaubte, es sei schwarze Tinte. Es gibt wohl Darstellungen wo der Afrikaner gewaschen wird, um die schwarze Farbe abzubekommen. Sobald Oda überzeugt war, dass Yasuke echt war, gab er ein Fest zu seinen Ehren.

In einer Zeit, die von politischer Spionage, gnadenlosen Attentaten und Ninja-Angriffen geprägt war, wurde Yasuke, der als Kindersoldat ausgebildet wurde, als Gewinn angesehen. Als der Jesuitenmissionar Alessandro Valignano Japan verlassen muss, bittet Oda diesen, ihm den Afrikaner zu überlassen.

Der junge Afrikaner wird schnell in den Rang eines Samurai erhoben. Schließlich wird er einer der Leibwächter des Kriegsherrn. Zusätzlich zu den zwei Schwertern, die er tragen darf, vertraute der Japaner ihm seinen eigenen Speer an. Für den jungen Afrikaner wird der Traum seines Lebens wahr. Er ist der erste Ausländer, der die Attribute der berühmten japanischen Ritter trägt. Niemand vor ihm, nicht einmal ein Europäer, hatte diese Ehre! Ihm wird auch ein Haus und sogar die Adoptivtochter des Kriegsherrn als seine Ehefrau angeboten.

Im Jahr 1582 zeichnete Yasuke sich während der Schlacht von Tenmokuzan gegen Takeda Katsuyori, einen anderen Kriegsherrn, aus. Im Juni 1582 griff Odas Samurai-General, Mitsuhide Akechi, die Residenz von Oda in Kyoto an. Der Angriff, der die so genannte Schlacht am Honno-ji-Tempel auslöste, beendete Odas Pläne zur Machtkonsolidierung in Japan. Der Kriegsherr Oda beging dann ‘Sepukku’, den traditionellen Selbstmord mit einem Kurzschwert, welches sich in die Eingeweide gestoßen wird. Meist schlägt ein Begleiter dem Selbstmörder dann den Kopf ab.

Damit war Yasuke ein ‘Ronin’, d.h. ein Samurai ohne Herr. Laut Lockey verlieren sich dann die Spuren des Afrikaners. (Seite nicht mehr erreichbar) schreibt man, dass er gefangen genommen und mit den Jesuiten nach Indien zurückgeschickt wurde. Spannende Geschichte – erinnert mich an die Serie Roots aus dem Jahr 1977, die vom Sklaven Kunta Kinte und sieben Generationen seiner Familie erzählt: Sie beginnt damit, dass er als 17-Jähriger aus seinem Dorf in Gambia verschleppt wird, um auf einem Sklavenmarkt in Nordamerika verkauft zu werden, und endet mehr als ein Jahrhundert später mit der Befreiung der Sklaven nach dem Ende des Bürgerkriegs.


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