BfFDI-Anzeige (März 2026) klärt über die elektronische Patientenakte auf

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Ich stelle mal ein Thema hier im Blog ein, auf das mich ein Leser vor einiger Zeit hingewiesen hat. Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und Informationsfreiheit (kurz Bundesdatenschutzbeauftragte oder BfDI) hat Mitte März 2026 in einer Anzeige in der Apotheken-Umschau über die elektronische Patientenakte informiert.

Seit Ende 2024 wurden für alle gesetzlich Krankenversicherten die sogenannte elektronische Patientenakte von den Krankenkassen angelegt – sofern sie nicht von ihrem Opt-out-Recht Gebrauch gemacht haben. Anfang 2025 lief dann der Testbetrieb an, der in mehreren Stufen, mit größeren Problemen, seit Oktober 2026 in den Regelbetrieb überführt wurde.

Die Unterstützung der elektronischen Patientenakte ist sei Anfang 2026 verpflichtend für Leistungserbringer wie Ärzte. Meinen Informationen liegt die Opt-out-Rate im niedrigen einstelligen Bereich (ca. 6% der Versicherten). Aber es heißt auch, dass nur ein geringer Anteil der gesetzlich Krankenversicherten die elektronischen Patientenakte (ePA) auch aktiv nutzt (der Wert liegt auch nur im einstelligen Bereich). Ich hatte das politische Projekt hier im Blog ja ausführlich begleitet (siehe Links am Artikelende) und letztmalig im Beitrag Wie geht es der ePA? Kaum Nutzung zum Jan. 2026 – Teil 1 Anfang des Jahres 2026 den Stand kritisch beleuchtet. Mein Fazit: Kaum Nutzen (da in der Funktionalität bescheiden), kaum Nutzung durch Versicherte, und viel Geld verbrannt. Er sich um die Sicherheit seiner Daten besorgt ist, hat ein Opt-out der ePA erklärt und wartet ab, wie sich das Ganze entwickelt.

Ein Leserhinweis auf einen BfDI-Anzeige

Blog-Leser Wilfried L. hatte mich zum 6. April 2026 per E-Mail unter dem Betreff "ePA und BfDI – kurios" kontaktiert, da ihm was aufgefallen war. Dazu schrieb er mir

Sie setzen sich ja dankenswerterweise immer wieder kritisch mit der elektronischen Patientenakte auseinander.

Nach reichlich vollmundiger Propaganda durch Regierung, Krankenkassen usf. wurde ich jetzt von einer Anzeige auf Seite 21 der Apotheken-Umschau vom 15.3.26 überrascht, die Sie vielleicht noch nicht kennen, siehe Scan im Anhang.

Ich habe (seit die örtliche Apotheke geschlossen wurde) schon ewig keine Apotheken-Umschau mehr als gedrucktes Heft in der Hand gehalten. Der Leser hat mir aber einen Scan der betreffenden Seite zukommen lassen. Nachfolgend habe ich die Anzeige als Screenshot mal herausgezogen.

BfDI Anzeige zur ePA

Der Leser merkt an, dass die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) in der Anzeige vergleichsweise ausgewogen informiere. Es heiße u.a. ausdrücklich: "unbefugter Zugriff kann nicht vollständig ausgeschlossen werden", "Ob und wie die ePA Ihrer Gesundheit nützt, ist noch unsicher", "Widerspruch und Löschung Ihrer ePA sind Ihr gutes Recht! Informieren Sie sich zu Ihren Widerspruchsrechten."

Die Anzeige liest sich, laut Leser, insgesamt eher mahnend, "es sich mit der Hinnahme der ePA noch einmal gut zu überlegen". Der Leser meint "Wird doch wohl kein Fake sein?" und merkte in seiner Mail an: "Leider ist die Anzeige eher unscheinbar und wegen kleiner Schrift schlecht zu lesen, wird kaum viel bewirken".

Ich sehe es wie der Leser, der es vor allem bemerkenswert findet, dass die Datenschutzbeauftragte offenbar nicht die Möglichkeit hat, "einseitige und irreführende Propaganda zu verhindern, und deshalb mit einer bescheidenen eigenen Anzeige in die Diskussion eingreift. Zum Kopfschütteln, nein, zum Heulen und Zähneknirschen."

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18 Kommentare zu BfFDI-Anzeige (März 2026) klärt über die elektronische Patientenakte auf

  1. Tommy sagt:

    Sehr interessant finde ich. Ist definitiv mehr Negativwerbung wenn man sich die Anzeige komplett durchliest :D

  2. Erwin Wecker sagt:

    Ich übersetze:

    "Ihre Entscheidung" = selber schuld wenn die Daten bei anderen nicht Berechtigten landen …

  3. Mira Bellenbaum sagt:

    Kleine Anmerkung!!

    Die Sicherheitsbehörden sind ja z.Z. sehr bemüht eine Datenbank potenzieller Gefährder aufzubauen!

    Unter anderem wollen sie auch zugriff auf eben jene ePA!

    Wer also z.B. an Depressionen leidet, könnte stigmatisiert werden und eben nicht mehr überall
    zutritt bekommen, z.B. Zutritt zum Bundestag(gebäude) in Berlin. Da wird man ja so schon im Vorfeld
    durchleuchtet, und das nur, weil man mal die Kuppel sehen will.

    Ich freue mich schon auf Zeiten, nach dem man eben jenen den Weg geebnet hat,
    an denen dann Faschisten wieder an die Macht kommen.
    Gott erbarmen, hoffentlich bleibt so etwas meinem Nachwuchs erspart.

    • Anonym sagt:

      Wobei "nicht mehr überall zutritt bekommen" wohl noch der "best case" bei der Auswertung solcher Daten in einem möglicherweise zukünftigen dann mal etwas anderen politischen Rahmen sein dürfte, da kann man sich weitaus schlimmere Dinge vorstellen. Alles schon passiert.

    • Luzifer sagt:

      Na dann sieh noch mal genauer hin all der Überwachungstaat und ihre Mittel kommen nicht von den üblichen Fascho Parteien… sondern aus der vor-/vorrigen und der amtierenden Regierung. SPD CDU/CSU Grünen FDP…. die Faschos sitzen doch längst drinn! Nur das sie es nicht offen vor sich hertragen und auf die üblichen Kanditaten zeigen um abzulenken!
      Der feuchte Traum der Überwachung kommt nicht von der AFD, die nehmen es natürlich dankend auf.

      So wie es 1932/33 auch schon der Fall war… nur dadurch war doch die Machtergreifung überhaupt möglich! Es waren/sind die Parteien der Mitte die das zu varantworten hatten/haben!

      Nix gelernt aus der Geschichte sag ich da nur!

    • Mira Bellenbaum sagt:

      Ich habe ja auf die Begehrlichkeiten von Sicherheitsbehörden hingewiesen!

      Mir fiel da noch etwas dazu ein!
      So aus dem alltäglichen Leben.
      Also, Du hast eine physische Erkrankung und in einem Verkehrsunfall verwickelt,
      bestünde die Gefahr, dass Du erst einmal unter Generalverdacht stehst!
      Ok, nur wenn entsprechende Stellen auch Zugriff auf die ePA haben.

      Das ist gar nicht so weit hergeholt und aus der Luft gegriffen!!
      Ich bin Diabetiker, und von einem Verkehrsrechtler würde mir eingeimpft,
      niemals, nie und nimmer bei einem Verkehrsunfall den Diabetes zu erwähnen!
      1. Ich bin sofort meinen Lappen los!
      2. Ich bekomme automatisch eine Teilschuld, egal ob dem so ist oder auch nicht!

      Es ist nicht so, als dass ich mich nicht wehren könnte, aber es bedeutet aufwand
      und kosten!

      Und jetzt stelle man sich vor, die Polizei könnte das sofort mit Zugriff auf die ePA in Erfahrung bringen!

      Und noch ein Aspeckt, Du suchst einen Job an einem Flughafen, …
      Kannste vergessen!

      Für mich spricht einfach ALLES gegen die ePA, denn als Patient verliere ich die Kontrolle
      über meine Gesundheitsdaten!

      • User007 sagt:

        "Beides" ist schon längst Realität, sowohl der Kontrollverlust als auch die – oftmals allein durch die Beweislastumkehr – praktizierte Vorverurteilung! 🤷‍♂️

        • Mira Bellenbaum sagt:

          Nicht so ganz!
          Noch kann der Polizist eben NICHT auf eine ePA zugreifen!
          Aber ich habe eben genau jene zwei Beispiele ganz bewusst herausgesucht, weil, …
          … Beweislastumkehr – praktizierte Vorverurteilung!

          Was den Kontrollverlust angeht, bei mir gibt es keine ePA!
          Und mein Hausarzt hat ärztliche Schweigepflicht!!

          • User007 sagt:

            Hmm… ob das wirklich ausreicht beim ganzen interbehördlichen Daten"austausch"?
            Die interessenbehaftete praktisch grenzenlose Datenweitergabe ist doch im "Zivilen" mittlerweile Alltag, da werden Behörden mit angeblich "übergeordnetem" Interesse kaum nachstehen und gegen fahrlässig verursachte Verbreitung hilft's dann doch auch nicht.

            • Mira Bellenbaum sagt:

              Es gibt keine ePA!
              Somit auch keine Daten die weitergereicht werden können!

              • User007 sagt:

                Sorry, ich halte es für fahrlässig zu glauben, nur weil man dem Anlegen einer ePA widersprochen hat – wie ich übrigens auch schriftlich von meiner KK bestätigt vorliegen hab' -, dass absolut keine Daten digital erfasst würden, die eben auch einer Weitergabe zur Verfügung stünden. 🤷‍♂️
                Selbstverständlich steht jedem unbenommen frei eine Risikomöglichkeit selbst zuzuordnen!

                • Günter Born sagt:

                  Hab hier einige Unterkommentare gelöscht, da es nur noch um gegenseitige Beharkungen ging – muss nicht sein.

                • Mira Bellenbaum sagt:

                  Äh, man muss schon Unterscheiden zwischen Patientenakten
                  und Abrechnungen!

                  Abrechnungen fallen immer an, und da gebe ich Dir recht, die werden auch weiterverarbeitet!

                  Aber um diese Daten geht es gar nicht!
                  Es geht wirklich um die "Krankenakte" und wenn eben diese erst gar nicht als ePA angelegt wird, sind eben auch keine Daten da,
                  auf die irgendwer zugreifen könnte.

                • User007 sagt:

                  @Mira Bellenbaum:
                  Ähm, nein, es geht eben nicht um diese Unterscheidung – "Abrechnungsdaten" sind auch nicht vorrangig gemeint!
                  Sind Sie wirklich der Meinung jegliche Daten, bspw. über Behandlungen, werden ohne ePA-Einwilligung ausschließlich nur analog behandelt bzw. verarbeitet?
                  Sorry, aber es ist doch realitätsfern zu glauben, dass da alle Daten nur mit Papier und Bleistift erfasst werden – genau diese Denke erscheint doch insbesondere angesichts vom Drang im Zuge des Digitalisierungswahns und AI/KI-Entwicklung den Datenschatz zu heben zumindest fahrlässig, wenn nicht sogar naiv.
                  Und natürlich können dann vorhandene Daten auch unkontrolliert den Weg in die Welt finden.

                • User007 sagt:

                  @Günter:
                  Sorry, aber ich kann hier keine "gegenseitige Beharkungen" erkennen, sondern eher einen zivilisiert geführten Meinungsaustausch.
                  Aber selbstverständlich obliegt dem Blog-Hausmeister das letzte Wort. 😉

  4. noway sagt:

    Eine Behörde warnt vor dem IT-Projekt einer anderen Behörde. So weit ist es schon gekommen.

  5. Anonym sagt:

    Gerade in Heise gesehen:
    "Telekom kündigt eigene ePA an (…)"
    https://www.heise.de/news/Telekom-kuendigt-eigene-ePA-an-Noch-mehr-Vielfalt-im-Markt-und-offene-Fragen-11263567.html

    Konkurrenz belebt ja bekanntermaßen das Geschäft, aber das klingt für mich ein wenig nach Pat und Patachon…

  6. HackIT0 sagt:

    Wenn das Jens Spahn mitbekommt, dann sind 500 Millionen Euro an Steuergelder weg und die gleiche Summe (und viel, viel mehr) wenn die Telekom auch noch die "sichere" EUDI-Wallbrett (denglish Shitgrom's) entwickelt.

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